Autor Thema: Zum Thema Rüblinge: Connopus - eine neue Gattung für Gymnopus acervatus!  (Gelesen 2568 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Wolfgang D.

  • Beiträge: 280
Hallo Christoph,

Das ist schon etwas seltsam, dass die Art nicht explizit neu kombiniert wird.
Ich habe Karen Hughes angemailt, aber auf diese Frage keine eindeutige Antwort bekommen.

Im Vienna Code 33.1 wird folgendes Beispiel angeführt:
"Rafinesque's statement under Blephilia that "Le type de ce genre est la Monarda ciliata Linn." does not constitute valid publication of the combination B. ciliata, since Rafinesque did not definitely associate the epithet ciliata with the generic name Blephilia"

Nach meinem Empfinden hätte ich geglaubt, dass es für eine Neukombination formal reichen müsste, wenn unmittelbar unter einem gen. nov. die Typusart angeführt wird.

LG
Wolfgang

Offline Peter W.

  • Beiträge: 890
    • Pilzfreunde Chemnitz
Hi Christoph,

aus meiner Sicht ist die Gattung gültig aber die Art nicht. Da hätte ja ein Zusatz comb. nov. gereicht. Vielleicht vergessen.

Gruß Peter
Pilze haben ein Manko, einige kann man essen!

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.278
  • Präsident
    • BMG e.V.
Servus beinand,

in der brandaktuellen Mycologia wird eine neue Gattung für Gymnopus acervatus (ehemals Collybia acervata) beschrieben. Es wurden sowohl genetische als auch anatomische Merkmale in die Entscheidungsfindung einbezogen. Die neue Gattung heißt Connopus R.H. Petersen in Hughes et al. und der Büschelrübling dann Connopus acervatus. Die Gattung wird mit der Typusart Agaricus acervatus definiert, aber es erfolgt keine eigene Umkombination zu Connopus acervatus. Ich bin jetzt im Moment nicht mehr in den Nomenklaturcode eingearbeitet, weiß aber nicht, ob die Kombination dann korrekt ist. Wäre schade, wenn hier ein Formfehler vorliegen würde.

Zusammenfassend:

Der Büschelige Rübling wurde wegen seines Weißen Sporenpulvers und seines Habitus zu den Blasssporrüblingen, Gattung Gymnopus gestellt. DNA-Analysen besagen aber etwas anderes. Der Büschelige Rübling landet aber im Umfeld der Gattung Rhodocollybia (Butterrüblinge und Gruppe um den Gefleckten Rübling).

Genauer gesagt steht er in der Mitte zwischen den Butterrüblingen und den Gefleckten Rüblingen (auch mehrere Arten inkl. Nordamerika).

Das Problem: Rhodocollybia hat gelblich-rosaliches Sporenpulver und etwas dickwandige Sooren, was auf den Büschelrübling nicht zutrifft. Und: Rhodocollybia zerfällt in zwei Gruppen, die nicht direkt verwandt sein müssen - die Butterrüblinge und die Gefleckten Rüblinge scheinen zwei verschiedenen Gattungen zugehörig zu sein.

Da aber nur der Büschelige Rübling anatomisch abweicht (es wird auch über HDS, Zystiden, Stielbekleidung diskutiert), haben die Autoren nur diesen abgetrennt und die Gattung Rhodocollybia erstmal so belassen.

Dafür gibt es wohl zwei verschiedene Büschelrüblinge. Interesanterweise sind Kollektionen aus dem östlichen Nordamerika mit denen aus Europa konspezifisch, während Kollektionen westl. der Rocky Mountains einer anderen Art zugehörig sind. Hier scheinen u.a. auch in der HDS Unterschiede auszumachen zu sein. Diese Art müsste noch beschrieben werden, was die Autoren auch noch nicht tun - sie warten vermutlich auf mehr Daten (sprich: Kollektionen).

Ich finde es interessant, was sich in den Omphalotaceae tut (dahin gehören unsere klassischen Rüblinge).

Ach ja, als Nebenergebnis: Der Rosshaarschwindling ist auch genetisch kein Schwindling, sondern scheint wohl mit Gymnopus fusipes verwandt zu sein.

Für die Artbestimmung ist es irrelevant, in welcher Gattung der Rüblinge sie aktuell eingeteilt wird. Da die Namensgebung aber möglichst dem natürlichen System, aslo dem Verandtschaftsgrad angeglichen werden sollte, wird man sich an weitere Rüblingsgattungen wohl zukünftig gewöhnen müssen.

Hier das Zitat des Artikels:

Hughes W., Mather D.A. & Petersen R.H. (2010) A new genus to accomodate Gymnopus acervatus (Agaricales). Mycologia 102(6): 1463-1478.

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)