Forum der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft

Allgemein => Plattform für Pilzfreunde => Thema gestartet von: AK_CCM am 16. Mai 2010, 19:17

Titel: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: AK_CCM am 16. Mai 2010, 19:17
Hallo Pilzfreunde,

vorgestern waren Joe Reitmeier vom Verein für Pilzkunde München und meiner einer auf der Fröttmaninger Heide im Norden Münchens unterwegs - Sonja und Christoph, die zeitweilig parallel auf den Flächen umherstreiften, sind wir aufgrund der Größe des Areals und den unterschiedlichen Einstiegspunkten leider nicht begegnet.

Anfangs dachten wir, dass wir umsonst hergekommen waren, denn auf den Offengrasflächen fanden wir nichts - von der Rötlingspracht aus dem Vorjahr keine Spur. Erst im ersten kleinen  Kiefernwäldchen, das letztes Jahr während des GEO-Tags der Artenvielfalt 2009 mit dem Kerbrandigen Trichterling (Infundibulicybe costata) voll stand, fanden wir mit einer Gallertträne (Dacrymyces cf. stillatus) auf den Überresten eines Sofas und einem der Kiefernzapfenrüblinge (Strobilurus tenacellus oder S. stephanocystis) die ersten Schwammerln. Dann entdeckten wir im Gras doch noch ein kleines Grüppchen Wiesenstaubbecher (Vascellum pratense.

Danach inspizierten wir den Querweg an den Rändern. Dort gesellten sich der Raustielige bzw. Halbkugelige Ackerling (Agrocybe pediades), der Winter-Stielbovist (Tulostoma brumalis) auf unsere Fundliste. Außerdem spürte Joe noch einen kleinen braunen Faserling auf - habe eine Kollektion aufgesammelt und mitgenommen.

Im Bereich der Kieshügel mit überwiegend jungen Birken, Kiefern und Weiden war dann an windgeschützten Stellen schon mehr los: Mit dem Hellsporigen Gürtelfuß (Cortinarius cf. diasemospermus var. diasemospermus, dem Dunkelscheibigen Fälbling (Hebeloma cf. mesophaeum), dem Bittersüßen Risspilz (Inocybe dulcamara) und der Rötlichen Wurzeltrüffel (Rhizopogon roseolus) zeigten sich bereits erste Mykorrhizapilze.

Das Highlight war jedoch eine mutmaßliche Pseudoplectania nigrella, die sich bei genauerem Hinsehen als Lederige Weiden-Lorchel (Helvella cf. corium) entpuppte. Wie der Name erahnen lässt, ist die Art ein Weidenbegleiter. Joe hat gleich mal in den Roten Listen nachgesehen: H. corium steht in der RLB mit R und in der RLD mit 1 - bei der Deutschlandliste weiß ich allerdings nicht, ob das die alte oder die neue, offiziell noch nicht veröffentlichte Liste von Pätzold et al. ist. Doppeltes Glück: Auf dem Weg in Richtung U-Bahn konnte ich an einer anderen Stelle noch einen zweiten Einzelfrk. erspähen.

Zwei weitere Treffer für die Fundliste lieferte uns eine Weide mit einem abgebrochenen Ast: Unmittelbar an der Bruchstelle wurde mit dem Frk. des Polsterförmigen Feuerschwamms (Phellinus punctatus) auch der Grund der Holzschwäche offenbar. Die Weide ist im Stammbereich außerdem vom Muschelförmigen Feuerschwamm (Phellinus conchatus) besiedelt.

Unterm Strich hat sich die Exkursion wieder einmal voll rentiert, obwohl uns kein einziger Rötling ins Netz ging. Dafür müsste es dann doch etwas wärmer werden.

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Hias am 16. Mai 2010, 19:50
Super Bericht, Andi, vielen Dank!

Grüße
Hias
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Christoph am 16. Mai 2010, 19:59
Servus Andi,

die Dacrymyces müsste natürlich mikroskopiert werden, sage ich mal so  ;).

Die Helvella corium ist ein Superfund! Ich meine mich zu erinnern, sie mal vor vielen Jahren gesehen zu haben, bin mir aber nicht sicher (vielleicht bei Till Lohmeyer...?).

Der Cortinarius diasemospermus erscheint mir ziemlich düster. Hätte ich so nicht erkannt. Hat er denn charakteristisch nach Zitronenmelisse gerochen?

Die Hebeloma mesophaeum sieht m.E. sehr gut aus. Das üppige Velum universale ist auch typisch.

Phellinus punctatus hatten wir auch an Weide.

Für die Fundliste dann noch zum Ergänzen von uns (Sonja und mir) die Gesamtfundliste vom Norden der Heide:

Auricularia auricula-judae an Salix und Sambucus
"Coprinus" disseminatus an Salix
"Coprinus" romagnesianus (an der ehemaligen GSF)
Exidia plana an Salix
Merismodes confusa an Salix
Mycena niveipes an Laubholz (cf. Salix)
Ocellaria ocellata an Salix
Phellinus punctatus an Salix
Trametes hirsuta an Salix
Tremella mesenterica s.str. an Peniophora spec. (an Salix)
Vascellum pratense (diverse FK vom Vorjahr, häufig)

LG
Christoph

Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Till am 16. Mai 2010, 22:46
Hallo, Gemeinde,

nur kurz zur Helvella corium: Die könnte man viel öfter kartieren, würde man um diese Jahreszeit systematisch ehemalige Kiesgruben, die vom Alltagsbetrieb verschont bleibenden Randzonen noch aktiver Kiesgruben und vor allem Kiesgruben im Stadium der Rekultivierung aufsuchen. Das gleiche gilt für Sägewerke und deren Ränder, für  Baubrachen, überwachsenes Grubengelände etc - überall dort, wo auf gestörten Böden allmählich Weidengebüsche aufkommen und wo es obendrein nicht zu trocken ist.

Unweit vom Tachinger See kenne ich so einen Kiesgrubenstandort, wo H. corium regelmäßig erscheint, außerdem wuchs sie am Rande eines Sägewerks im Salzachtal. Im Herbar habe ich auch noch eine Aufsammlung aus Hechendorf am Ammersee (Schotterweg zwischen Schilf, mit Weiden- und Birkenanflug) sowie deren 2 aus Schleswig-Holstein (Lägerdorfer Kreidegrube bei Itzehoe, alte Kiesgrube bei Idstedt).

Auch in der Lit. wiederholen sich solche Angaben. Bei Runge (1983) heißt es über Funde aus Westfalen: In der Nähe eines Sandsteinbruchs ... am Wegrand stocken angeflogene Salweiden...
... unter Weiden am Rande einer Ziegelgrube ... Bei Stangl (1966) heißt es: Langweidforst im Lkr. Augsburg, auf Betonfläche mit Bombenschutt unter angeflogenen Weiden, bei Benedix (1961): in einer Kiesgrube bei München ...

Interessant auch ein Hinweis aus Frankreich: auf dem Schlamm ehemaliger Klärteiche einiger Sodafabriken in der Gegend von Nancy (Dangien & Maurice 1979)

Ich frage mich bei der Art, wo eigentlich ihre natürlichen Standorte liegen. Auf jeden Fall hat sie sich den menschlichen Aktivitäten gut angepasst ...

Schöne Grüße
Till


Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: AK_CCM am 17. Mai 2010, 09:41
Hallo Till,

nur kurz zur Helvella corium: Die könnte man viel öfter kartieren, würde man um diese Jahreszeit systematisch ehemalige Kiesgruben, die vom Alltagsbetrieb verschont bleibenden Randzonen noch aktiver Kiesgruben und vor allem Kiesgruben im Stadium der Rekultivierung aufsuchen. Das gleiche gilt für Sägewerke und deren Ränder, für  Baubrachen, überwachsenes Grubengelände etc - überall dort, wo auf gestörten Böden allmählich Weidengebüsche aufkommen und wo es obendrein nicht zu trocken ist.

der Gedanke kam mir bereits im Feld, als ich den zweiten Frk. aufsammelte: Pilzfreunde sind zu dieser Jahreszeit in solchen Biotopen eher selten unterwegs. Meist konzentriert sich alles wg. dem holden Gemörch auf auwaldähnliche Strukturen. Deshalb hatten Joe Reitmeier und ich gezielt eine frühere Begehung geplant, um den Frühjahrsaspekt des Areals kennenzulernen. Allerdings ist das Gelände derart weitläufig, dass mehrere Kollegen einige Wochen lang beschäftigt wären, das Gebiet auch nur annähernd flächendeckend zu begehen.


Zitat
Unweit vom Tachinger See kenne ich so einen Kiesgrubenstandort, wo H. corium regelmäßig erscheint, außerdem wuchs sie am Rande eines Sägewerks im Salzachtal. Im Herbar habe ich auch noch eine Aufsammlung aus Hechendorf am Ammersee (Schotterweg zwischen Schilf, mit Weiden- und Birkenanflug) sowie deren 2 aus Schleswig-Holstein (Lägerdorfer Kreidegrube bei Itzehoe, alte Kiesgrube bei Idstedt).

Auch in der Lit. wiederholen sich solche Angaben. Bei Runge (1983) heißt es über Funde aus Westfalen: In der Nähe eines Sandsteinbruchs ... am Wegrand stocken angeflogene Salweiden...
... unter Weiden am Rande einer Ziegelgrube ... Bei Stangl (1966) heißt es: Langweidforst im Lkr. Augsburg, auf Betonfläche mit Bombenschutt unter angeflogenen Weiden, bei Benedix (1961): in einer Kiesgrube bei München ...

Interessant auch ein Hinweis aus Frankreich: auf dem Schlamm ehemaliger Klärteiche einiger Sodafabriken in der Gegend von Nancy (Dangien & Maurice 1979)

Vielen Dank für die detailierten Angaben zur Ökologie.

In der Online-Kartierung sind noch 4 Datensätze enthalten: Einen Fund machte Axel Schilling 1992 in Niedersachsen, südl. Lohne Kokenger Berge. Der zweite Eintrag informiert über einen hessischen Fund von Harald Zühlsdorf im Lollar Steinbruch am Wegrand. Außerdem existieren noch zwei Datensätze aus Bayern, die auf Wolfgang Beyers "Pilzflora von Bayreuth" basieren - leider ohne genaue Funddaten. Ein Fund gelang dem Autor westl. von Schwarzenbach am Wald, am Zinkelberg, der zweite nahe des Kirchenthumbachs, am Fußweiher.


Zitat
Ich frage mich bei der Art, wo eigentlich ihre natürlichen Standorte liegen.

Die Primärstandorte von H. corium vermute ich bei uns in Südbayern in Flussnähe im Bereich der Schotterebenen. Ähnliche Strukturen wie in Kiesgruben entstehen z.B. wenn die Flussarme der Isar oder des Lechs ihren Lauf verlagern, einige der Kiesbänke trocken fallen und diese nach einiger Zeit schließlich durch Weiden- und Birkenanflug verbuschen.

Vom Lech weiß ich beispielsweise, dass er vor der Begradigung seines Laufs aus einem Netz mit mehreren parallel fließenden Armen bestand, die fortwährend den Schotter umschichteten. Ebenso ist mir bekannt, dass er seinen Lauf ins den letzten Jahrhunderten um einige Kilometer nach Westen verlagerte. Den Beweis liefert z.B. das Relief der Königsbrunner Heide. Insbesondere der Bereich der Hasenheide zeigt noch deutlich die Spuren des einstigen natürlichen Landschaftsgärtners. Dort habe ich die Art allerdings noch nicht nachweisen können. Bei Gelegenheit werde ich dort einmal gezielt den Bereich des Ölbachquelltopfs absuchen, denn dort herrschen ähnliche Strukturen vor, wie beim Fundpunkt in der Fröttmaninger Heide.

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: mollisia am 19. Mai 2010, 21:41
Hallo Andreas,

also den Cortinarius diasemospermus hätte ich nicht erkannt. Sieht für mich eher nach Cortinarius romagnesii aus. Eine sehr kleine Art des Frühjahrs, auf Xerothermflächen inkl. Brandstellen und gekieselten Grundstückseinfahrten.

Bei Inocybe dulcama mit einer so schön schuppigen Hutoberfläche tue ich mich auch sehr schwer. Könnte es nicht auch I. fuscomaginata oder I. perbrevis sein?
Es ist übrigens Geopora arenosa/arenicola rechts davon zu sehen. Habt ihr die registriert?

beste Grüße,
Andreas
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Christoph am 19. Mai 2010, 21:46
Hi Andreas (G.),

wow, die Geopora hatte ich glatt übersehen. Gut erkannt!

Den Cortinarius diasemospermus habe ich auch nicht wirklich geglaubt. Die Frage nach dem geruch steht noch offen... Wirklich Zitronenmelisse?

Zum Risspilz sage ich lieber nix, denn die Mallocyben finde ich schwierig, wenn es nicht was auffälliges wie I. terrigena ist... Aber jetzt, wo Du's sagst, finde ich Inocybe fuscomarginata als Tipp gar ned schlecht  8)

LG
Christoph
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: AK_CCM am 20. Mai 2010, 00:11
Hi Andreas,

habe nichts mikroskopiert, d.h. Du kannst mit Deinen Zweifeln durchaus recht haben. Mal schauen, ob die aufgesammelten Kollektionen im Kühlschrank bis morgen überlebt haben - leider hatte ich es montags nicht mehr zur Frischpilzbestimmung des Münchner Vereins geschafft und die Funde versehentlich bei meinen Eltern stehen lassen. Wenn sie noch fit sind, schaue ich sie mir bei Gelegenheit gerne an. Super auch der Hinweis mit der Geopora, die hatte ich nicht registriert, nicht mal bei der Bildbearbeitung. Beim Risspilz hatte ich echt vergessen, ihn mit cf. anzuführen - mein Fehler.

Christoph, wie schon geschrieben, habe ich die aufgesammelten Frk. nicht näher inspiziert. Hätte ich mehr Informarionen, würdest Du sie zuerst erfahren.

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Hias am 20. Mai 2010, 08:52
Servus,

den Risspilz habe ich ja "live" im Verein gesehen. Er ist schon arg schuppig für eine dulcamara.
Dennoch: Letztes Jahr habe ich drei Fröttmaninger Kollektionen mikroskopiert, die so ähnlich aussahen (also durchaus schuppig, wenn auch nicht so extrem), und alle drei wurden als dulcamara bestimmt.

Ich warte schon die ganze Zeit darauf, dass wir dort endlich auch eine fuscomarginata finden, denn der Standort ist perfekt.

Grüße
Hias
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Peter am 24. Mai 2010, 15:27
Zitat
nur kurz zur Helvella corium: Die könnte man viel öfter kartieren, würde man um diese Jahreszeit systematisch ehemalige Kiesgruben, die vom Alltagsbetrieb verschont bleibenden Randzonen noch aktiver Kiesgruben und vor allem Kiesgruben im Stadium der Rekultivierung aufsuchen.

Hallo Till und Kollegen,

sooo einfach erscheint es mir nach unserem heutigen Streifzug durch eines der wertvollsten ehemaligen Kiesgrubengebiete im Großraum München nun auch wieder nicht.

Leider Fehlanzeige trotz bester Bedingungen.

Dafür fanden wir den Kronenbecherling erstmals für das ehemalige Pionierkasernengelände.

(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=620.0;attach=2630)

Ein Tipp für alle Heidenfans. Er wächst also nicht nur an alten Waldrändern mit Buchen und bei Fichten sondern auch in warmen Kiefernwäldern.

(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=620.0;attach=2632)

Grüße, Peter




Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Peter am 24. Mai 2010, 16:25
Zitat
Sieht für mich eher nach Cortinarius romagnesii aus. Eine sehr kleine Art des Frühjahrs, auf Xerothermflächen inkl. Brandstellen und gekieselten Grundstückseinfahrten.

Hallo Andreas & Andreas,

dieser Fund von heute aus einer alten Kiesgrube sieht eurer Aufsammlung bzw. Ansprache von C. romagnesii sehr ähnlich.

Sporen 8-10 x 4,5-5,5 µm
Cheilocystiden vorhanden, keulig

Geruch: null

Da ich die Arbeit von Bidaud, Moenne-Loccoz & Reumaux nicht daheim habe, bitte ich Andreas alias Molli hier mal um eine Plausibilitätsprüfung ;)


Grüße, Peter

 





 
Titel: Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: AK_CCM am 26. Mai 2010, 20:55
Hallo Lorchelfreunde,

Bei Gelegenheit werde ich dort einmal gezielt den Bereich des Ölbachquelltopfs absuchen, denn dort herrschen ähnliche Strukturen vor, wie beim Fundpunkt in der Fröttmaninger Heide.

mein Kollege Andreas Staber fand am Montag ebenso wenig Helvella corium wie meiner einer gestern. Auch Helvella leucomelaena war nicht auffindbar. Die wenigen Pilze, die ich auf der Königsbrunner Heide fand, wiesen Trockenschäden auf (Grüne Schwefelköpfe an Wurzelresten im Boden sowie Wiesenstaubbecher und Nelkenschwindlinge auf den Freiflächen). Einzig 2 Frk. von Melanoleuca rasilis var. leucophylloides (im Sinne von Boekhout) waren noch einigermaßen frisch.

Gruß, Andreas
Titel: Re: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: AK_CCM am 4. Juni 2010, 18:19
Hallo Andreas, hallo Risspilzler,

Bei Inocybe dulcama mit einer so schön schuppigen Hutoberfläche tue ich mich auch sehr schwer. Könnte es nicht auch I. fuscomaginata oder I. perbrevis sein?

bemerkenswert, wie lange das Frischmaterial im Kühlschrank ausgehalten hat: Von 2 Frk. konnte ich gerade eben noch einen unversehrt unters scharfe Glas legen - der andere roch schon etwas vergänglich und wurde deshalb gleich entsorgt. Sicherheitshalber hatte ich den Rest der Kollektion getrocknet. ;)

Die Sporen maßen 9,1-10,2-(11,1) x (6,1)-6,7-7,3-(8,2) µm, die Cheilos waren 23-33 x 13-19 µm groß, zumindest die häufig aufgeblasen-keuligen bis annähernd sphaerischen Endzellen. Allerdings waren sie stets hyalin und nie bräunlich pigmentiert, wie zumindest einige bei I. fuscomarginata sein sollten. Die Ch.Z. bestanden übrigens aus mehreren aufgeblasenen, aneinandergeketteten Elementen - die Zeichnung im Stangl passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Insofern gehe ich davon aus, dass meine Einschätzung I. dulcamara gepasst hat.

Gruß, Andreas


PS: Jetzt muss ich wirklich mal mein Arbeitsgerät säubern, sonst sieht man bald mehr Artefakte als Mikromerkmale. :o
Titel: Inocybe dulcamara vs. fuscomarginata
Beitrag von: Hias am 5. Juni 2010, 22:03
Servus Andi,

ich würde diesen Fall noch nicht ad acta legen. Gestern habe ich in Fröttmanning genau dieselben superschuppigen, fuchsigen Teile gefunden wie du. Wenn du die gegen eine typisch olivbraune, filzige Wald- und Wiesen-Dulcamara hältst, kommst du nicht auf die Idee, dass das dieselbe Art sein könnte.

Wenn diese "Form" völlig konstant sein sollte (und ich sah gestern in einer Kollektion über 20 Fruchtkörper, die so aussahen), kann man sie von einer "normalen" dulcamara leicht unterscheiden, auch wenn es mikroskopsisch zumindest schwierig ist. Ob das in Funga Nordica angegebene Schlüsselmerkmal der bräunlich pigmentierten Zystiden wirklich belastbar ist - keine Ahnung.

Warum sollten die schuppigen fuchsigen und die filzigen olivbraunen nicht durcheinanderwachsen und trotzdem verschieden sein?

Ich tät sagen, wir bleiben da einfach mal dran.


Grüße
Hias
Titel: Re: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: AK_CCM am 5. Juni 2010, 22:21
Servus Hias,

gebe Dir recht: Makroskopisch schauen die Dinger anders aus, insbesondere die Hutoberseiten. Aber, um mal in die andere Kerbe zu schlagen, rechtfertigt das noch keine eigene Art. Allerdings habe ich von der Gattung wirklich keinen blassen Schimmer. Insofern könnte durchaus ein anderer Risspilz infrage kommen.

Wenn ich nicht lieber Rötlinge mikroskopiere, würde ich mich gerne draufstürzen. :-\

Ich notiere jetzt "Inocybe spec." auf meinem Zettel und warte mal ab, ob sich noch etwas dazu ergibt.

Gruß, Andi
Titel: Re: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Christoph am 6. Juni 2010, 21:17
Servus Hias und Andreas,

die Mallocyben haben es einfach in sich, da sie so wenig Mikromerkmale haben. Es sind ohnehin nicht "so richtige" Risspilze, da sie z.B. in der Mykorrhizamorphologie deutlich von dem Rest der Gattung unterscheiden (hat Ludwig Beenken erarbeitet).

Ich kann nur den makroskopischen Eindruck bestätigen, dass für mich diese Feinschuppigkeit gegen Inocybe dulcamara spricht. Da die Fröttmaninger Heide ja des öfteren begangen wird, sollte die Sache ja auf Dauer zu entscheiden sein. Vielleicht äußert auch Helmut seine Meinung, wenn er den Thread sieht.

LG
Christoph
Titel: Re: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: AK_CCM am 6. Juni 2010, 21:21
Servus Christoph,

werde bei Gelegenheit nochmals reinmikroskopieren.
Gibt's was Schriftliches über Ludwig Beenkens Arbeit?

Gruß, Andi
Titel: Re: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
Beitrag von: Christoph am 6. Juni 2010, 21:28
Servus Andreas,

ja, es gibt was schriftliches. Es war einerseits Ludwigs Diplomarbeit, andererseits wurden die Mykorrhizen in der Zeitschrift "Descriptions of Ectomycorrhizae" publiziert. Ludwig hat - denke ich - noch Sonderdrucke. Schreib ihn doch einfach mal an. Vielleicht kann er Dir auch die Diplomarbeit schicken/leihen.

Hier findest Du Ludwigs Kontaktdaten: http://www.env.ethz.ch/people/all/02720/beenkenl/index

LG
Christoph