Forum der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft

Allgemein => Expertenforum Mykologie => Thema gestartet von: Christoph am 27. Dezember 2009, 02:10

Titel: Der Flammulina-Thread
Beitrag von: Christoph am 27. Dezember 2009, 02:10
Hallo zusammen,

der Winter ist da - und es gibt wieder feuchtwarme Zwischenperioden. Perfekt für das Wachstum von Samtfußrüblingen. Leider wurde im Winter bislang meist nur die Sammelart kartiert. Es gibt in Europa aber mindestens vier "Samtfußrüblinge": Flammulina velutipes, Flammulina elastica, Flammulina rossica und Flammulina populicola.

Naürlich gibt es auch Sommerarten wie Fl. fennae (die in der jetzigen Jahreszeit aber keine Rolle spielen).

Einen Schlüssel für die Gattung Flammulina gibt es hier: http://www.bio.utk.edu/mycology/Flammulina/default.html (http://www.bio.utk.edu/mycology/Flammulina/default.html)
Dort finden sich auch Beschreibungen und Fotos der Arten (weltweit betrachtet). Edit: leider ist die Arbeit nicht mehr online verfügbar.

Ich habe mir erlaubt, den Schlüssel ins Deutsche zu übersetzen und hier zu präsentieren (europäische Arten sind im Schlüssel von mir fett hervorgehoben).

Ich würde mich freuen, wenn der Schlüssel genutzt würde, Winterrüblinge genauer anzuschauen. Vielleicht gelingt ein Erstnachweis von Fl. populicola oder von Fl. rossica in Bayern? Fl. elastica hat bereits der alte Lasch als eigene Art beschrieben. Sie versank nur in der Versenkung und wurde mittlerweile wiederentdeckt.

Viel Spaß beim Sammeln und Bestimmen  :)

LG
Christoph




Flammulina-Schlüssel - der Schlüssel ist nicht mehr aktuell - eine aktuelle Version (Weltschlüssel) wurde mittlerweile publiziert: Hahn C. (2017): Bestimmungsschlüssel zu ausgewählten Gattungen der Agaricales 2: Die Gattung Flammulina. Mycol. Bav. 17: 7-24.

Ein Schlüssel für Bayern / Europa findet sich nun in einem eigenen Thread - Schlüssel zur Gattung Flammulina (http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1675)
 
1 Pileocystiden vorhanden, zumindest auf der Hutscheibe; Cystiden deutlich von anderen Huthautstrukturen differenziert. Pleurocystiden meist vorhanden, aber entweder selten oder anscheinend bei manchen Aufsammlungen / Arten fehlend; (Stiel trocken, gewöhnlich samtig oder überreift) ................................................................................. 2

1* Große, deutlich hervorstehende Pileocystiden vollkommen fehlend. …............ F. mediterranea
Beschr.: Huthaut bei feuchtem Wetter immer schmierig; Sporen 11,5-15 x 7-10 µm; in sandigen Habitaten, wurzelnd, mit Ammophila litoralis vergesellschaftet



2. Hutfleisch deutlich stratifiziert: oberes 2/3 aus einer dicken, hyalinen, gelatinisierten Schicht (überentwickelte Hypodermis) bestehend, welche von einer deutlich dünneren (ca. 1/10 der Schleimschicht) oberflächlichen Auflage aus keulenförmigen bis fusiformen Zellen nach außen begrenzt wird (Epicutis); unteres Drittel (Trama) nicht gelifiziert, besonders dicht verwoben, sodass keine Zwischenräume zwischen den Hyphen erkennbar sind; von der Hypocutis durch eine besonders dichte Schicht gut abgetrennt ; Lamellenschneide steril oder nahezu steril aufgrund dicht stehender Cheilocystiden ……………………………..................................................… 3

2* Hutfleisch nicht stratifiziert, sondern aus einer dicken Lage nicht gelifiziertem Hyphengeflechts bestehend, welches durch eine vergleichsweise dünne Huthaut (ca. 1/5 bis 1/10 der Fleischdicke) nach außen abgegrenzt wird; Huthaut gelifiziert, aus Hypodermis und Epicutis bestehend; Lamellenschneide mit unterschiedlich dicht stehenden, zerstreuten Cheilocystiden ………………………………….......…………… 4


3. Epicutis-Elemente bis zu 50% aus keuligen Zellen bestehend, dazwischen mit eingestreuten fusoid bis ventricosen (bauchigen) Pileocystiden (über 50%), die dazu tendieren, im Mikroskopiermedium umzuknicken; Hypodermis doppelt so dick wie das Hutfleisch, dadurch Hut makroskopisch durchscheinend gerieft; Sporen 6,3-6,5 x 3,8-4,3 µm, eiförmig, tränenförmig bis breit ellipsoid. Bekannt von Nothofagus, Neuseeland ……..............................................................…. F. stratosa

3* Epicutis-Elemente praktisch alle aus bauchigen Pileocystiden bestehend, dazwischen nur wenige keulige Zellen eingestreut; Epicutis daher eine Schicht dichtstehender Pileocystiden; Hypodermis ungefähr gleich dick wie das Hutfleisch; Sporen 5,5-6 x 3-3,5 µm; an Ästen von Drimys winteri, Feuerland …………………………………………………....................…… F. similis


4 HDS eine Schicht bzw. Palisade, wodurch ein hymeniformer bis subhymeniformer Eindruck entsteht; im Detail können auch einzelne, wenige, irregular geformte Zellen sowie dünne Hyphenende eingestreut sein; die basidiolenartigen HDS-Zellen können kleine, bisweilen auch gegabelte, spitze Auswüchse besitzen ………………………….................................................…………… 5

4* HDS ein Ixotrichoderm aus aufsteigenden, fädigen, eng fusoiden oder äußerst irregulären (dornartigen) Elementen …………………………...............…………………………………. 9


5 Hymeniforme Pileipellis sehr deutlich ausgeprägt, diese aus keuligen bis gestielt kugeligen Zellen und Pileocystiden bestehend; Lamellentrama entweder gelifiziert und bilateral oder Hymenium ohne Pleurocystiden ………………….........................................……. 6

5* Hymeniforme bis subhymeniforme Pileipellis aus keuligen Zellen bestehend, welche mit wenigen bis vielen fusoiden, teils eingeschnürt fusoiden oder gegabelten, aufsteigenden Hyphenenden und Pileocystiden untermischt sind; Lamellentrama niemals gelifiziert noch bilateral ……………………………………………………….. 8


6 Pleurocystiden fehlend (oder zumindest sehr unauffällig); Lamellentrama nicht bilateral; rotbraune zentralafrikanische Art mit dunkel gelben Lamellen ….......................................... F. ferrugineolutea

6* Pleurocystiden deutlich hervorragend; Lamellentrama bilateral, gelifiziert; Süd- und Mittelamerika  ………………………………………………………… 7


7 Sporen 6.8-8 x 3.5-4.2 µm,dünnwandig; Stielbekleidung lückenhaft hymeniform (Inseln aus Bereichen mit keulig-blasigen und bauchig-flaschenförmigen Zellen); Lamellentrame untermischt; Subhymenium nicht gelifiziert; an Alnus jorullensis; Argentinien ……..………………………………………………. F. callistosporioides

7* Sporen 8-9 x 4.5-6.3 µm, mit etwas verdickten, gelblichen, lichtbrechenden Wänden;
Stielbekleidung sehr spärlich ausgeprägt, nur aus kleinen Gruppen bauchiger bis flaschenförmigen Zellen bestehend, nicht wie ein lückenhaftes Hymeniderm aussehend; Lamellentrame bilateral; Subhymenium gelifiziert; an Senecio; Zentralmexiko ……...………......................………… F. mexicana


8 Sporen im Mittel 6-8.7 x 4-4.8 µm (Q = 1.51-1.64; Qm = 1.61), mehr oder weniger ovoid, ellipsoid bis mandelförmig; häufig mit Populus assoziiert, seltener auch mit Betula, Alnus, Pinus, Picea; Skandinavien, westliches Nordamerika …………………........................................................ F. populicola

8* Sporen 9.2-10.3 x 3.9-4.5 µm (Q = 2.05-2.58; Qm = 2.3), mehr oder weniger gestreckt eiförmig, ellipsoid bis mandelförmig; meist mit Salix assoziiert, seltener mit Populus tricocarpa, P. tremuloides, Betula, Alnus; Westküste Nordamerikas, Nordostasien, selten auch in Osteuropa ...…………………………..............................................................F. rossica


9 Lamellentrama ausgeprägt bilateral; Subhymenium gelifiziert; Sporen 6.3-8.9 x 3.2-4.1 µm (Q = 2); Osthänge der Sierra Madre Oriental, Mexico …............................................. F. "bilateralis" ad. int.

9* Lamellentrama nicht bilateral, ohne gelifizierte Schicht  …............................…………………... 10


10 Sporen 7.2-14.8 x 3.7-6.5 µm breit (im Durchschnitt 4.5-5.4 µm breit), stämmig, oft verlängert; häufig in von verholzten Leguminosen dominierten Habitaten, nicht im dichten Wald ………………………….…….............….. 11

10* Sporen schmaler als 4.5 µm ……………………………………………….................................................. 13


11. Europa …………………………………………………...............................…………….. 12

11* Westküste Nordamerikas; (mit Lupinus arboreus assoziiert; Hut schmutzig gelblich mit zimtfarbiger Scheibe, bis zu 65 mm im Durchmesser; Fruchtkörper wurzelnd, häufig im Sand oder gesellig an verholzten Ästen  ……............…….. F. velutipes var. lupincola


12 Mit Ononis assoziiert, über kalkreichen Böden in Magerwiesen; Hut typischerweise klein, nur 5-35(-45) mm breit, honiggelb bis orangebraun (gegen Hutrand), mit orangfarbener Scheibe; Fruchtkörper einzeln, wurzelnd; Deutschland, Italien, Westrussland ..……………......................................………….. F. ononidis

12* Mit Cytisus, Ulex oder anderen Leguminosen vergesellschaftet; Hut nicht dunkelbraun, sondern gewöhnlich blasser ……………................................………. Varianten von F. velutipes


13 Sporen 6-8 x 4-4.5(-5) µm, eiförmig bis breit ellipsoid (Q = <2, gewähnlich 1.5-1.7); Pileipellis, vor allem an der Hutscheibe, dicht mit aufstehenden Pileocystiden und einigen fusiformen bis schmal keuligen Hyphenenden besetzt; Hut blass, elfenbein bis ledergelblich, mt dunklerer Scheibe; gewöhnluch wurzelnd (auf vergrabenem Holz); September; Schweiz, Deutschland, Niederlande ……….......................……………… F. fennae

13* Sporen gewöhnlich länger, ausgezogen-ellipsoid bis zylindrisch (Q = 2-3); Pileipellis ein Ixotrichoderm aus filamentösen, oft verzweigten Hyphenenden und Pileocystiden ......................................................……….. 14

14 Sporen 8-11.5 x 3-4 µm (Qm = 2.5-3); häufig mit Salix assoziiert; Europa ………………………………………….. F. elastica 
Bemerkung: von F. velutipes fast nur durch die längeren Sporen unterscheidbar, mit dieser Art aber nicht kreuzend, daher eine eigene, biologische Art bildend


14* Sporen 6-9.5 x 3-4 µm (Qm = 2-2.3) ……………………..........................…………………… 15


15 Hut gelblich bis rötlich braun; Stiel gelblich bis fast Schwarz; Kosmopolit …………..  F. velutipes var. velutipes

15* Hut und Stiel elfenbein bis fast weiß und nicht im Alter dunkelnd  …………………………………….. F. velutipes var. lactea


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Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 27. Dezember 2009, 15:53
Hallo Christoph,

vielen Dank für diese wertvolle Information! Auf der Seite war ich sogar schon mal, hab aber nicht mitbekommen, dass es noch andere europäische Arten gibt. Ich werde in Zukunft die Samtfußrüblinge mikroskopieren und bin schon gespannt, wie häufig die anderen Arten wirklich sind.

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 27. Dezember 2009, 20:35
Hallo Gernot,

gern geschehen. Ich bin selber gespannt - bislang habe ich nur die gewöhnliche Flammulina velutipes gefunden. Was aber nichts heißen muss, da ich leider in den letzten Jahren sehr wenig Zeit für Feldstudien hatte (wird sich hoffentlich bald ändern).

Ich  muss noch eine erst 2007 aus Europa, genauer aus Spanien beschriebene Art nachreichen (die aber für die bayerische Kartierung wohl keine Rolle spielt):

Flammulina cephalariae Perez-Butron & Fernández-Vicente 2007

Sie wächst an den Wurzeln von Cephalaria leucantha, einer Dipsacaceae (Skabiose). Da Skabiosen auch bei uns vorkommen, wenngleich andere Arten, ist vielleicht auch ein Fund in Deutschland denkbar. Vielleicht im Rheingraben...

In Spanien hat die Neubeschreibung auch in der Presse eingeschlagen. Hier zwei Links dazu (der erste ist englischsprachig und eine Übersetzung des zweiten, auf spanisch erstellten Artikels):

http://www.thinkspain.com/news-spain/14599/new-type-of-mushroom-identified-in-burgos-valley (http://www.thinkspain.com/news-spain/14599/new-type-of-mushroom-identified-in-burgos-valley)

http://www.20minutos.es/noticia/356873/0/nueva/seta/sestao/ (http://www.20minutos.es/noticia/356873/0/nueva/seta/sestao/)

Und hier findet sich eine gutes Foto dieser Art:

http://tinyurl.com/y9gdawp (http://tinyurl.com/y9gdawp)

Mehr habe ich bislang nicht auftreiben können, wäre aber an der Originaldiagnose natürlich sehr interessiert :-)
Liebe Grüße
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 24. Februar 2010, 22:13
Hallo Christoph und alle anderen,

letztens hat man mir in einem Auwald einen einzelnen Flammulina-Fruchtkörper gebracht, der vermutlich an Holz von Salix gewachsen ist, das im Erdboden vergraben war. Da mir ein einzelner Fruchtkörper irgendwie zu wenig für eine Suppe war (ja, TROTZ der Fastenzeit! :-X) dachte ich mir halt, ich mikroskopiere ihn und schaue, ob es etwas anderes als F. velutipes sein könnte. Tatsächlich fand ich Sporen bis 12 µm Länge, die F. velutipes ausschließen würden! Es sollte sich um F. elastica handeln, die von der velutipes-s.l.-Gruppe (so nenne ich sie mal) die größten Sporen hat. Leider hab ich kein makroskopisches Foto, dafür hab ich aber u.A. die Sporen fotografiert:

(http://i48.tinypic.com/2zolmkk.jpg)

Links unten sieht man eine Hymenialzystide und zwei Basidien. Die Sporen maßen übrigens 9,5-12 x 3-4,5 µm und hatten einen Q von 3,05-3,79.

Eigentlich müsste dann der in Pilze der Schweiz dargestellte Fund ebenfalls F. elastica sein? Dort werden nämlich Sporenmaße von 8-11 x 3,2-4,5 angegeben.

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Flammulina-Schlüssel für Europa
Beitrag von: Christoph am 24. Februar 2010, 22:16
Hallo zusammen,

ich habe den Schlüssel mal auf die in Europa nachgewiesenen Arten reduziert. So fällt das Bestimmen wohl leichter. Zudem habe ich ein paar Tippfehler verbessert.

Edit: Der Schlüssel wurde überarbeitet und ist nicht mehr aktuell. Die neue Fassung findet sich nun in einem eigenen Thread - Schlüssel zur Gattung Flammulina (http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1675.0.html)

1 Pileocystiden vorhanden, zumindest auf der Hutscheibe; Cystiden deutlich von anderen Huthautstrukturen differenziert. Pleurocystiden meist vorhanden, aber entweder selten oder anscheinend bei manchen Aufsammlungen / Arten fehlend; (Stiel trocken, gewöhnlich samtig oder überreift) ...................... 2

1* Große, deutlich hervorstehende Pileocystiden vollkommen fehlend. ………………………  F. mediterranea
Beschr.: Huthaut bei feuchtem Wetter immer schmierig; Sporen 11,5-15 x 7-10 µm; in sandigen Habitaten, wurzelnd, mit Ammophila litoralis vergesellschaftet


2 HDS eine Schicht bzw. Palisade aus keuligen Zellen, welche mit wenigen bis vielen fusoiden, manchmal auch etwas eingeschnürt fusoiden bis gegabelten Hyphenenden und Pileocystiden untermischt sind, wodurch ein hymeniformer bis subhymeniformer Eindruck entsteht; die basidiolenartigen HDS-Zellen können kleine, bisweilen auch gegabelte, spitze Auswüchse besitzen …………… 3

2* HDS ein Ixotrichoderm aus aufsteigenden, fädigen, eng fusoiden oder äußerst irregulären (dornartigen) Elementen … 4


3 Sporen im Mittel 6-8.7 x 4-4.8 µm (Q = 1.51-1.64; Qm = 1.61), mehr oder weniger ovoid, ellipsoid bis mandelförmig; häufig mit Populus assoziiert, seltener auch mit Betula, Alnus, Pinus, Picea; Skandinavien, westliches Nordamerika ……………… F. populicola

3* Sporen 9.2-10.3 x 3.9-4.5 µm (Q = 2.05-2.58; Qm = 2.3), mehr oder weniger gestreckt eiförmig, ellipsoid bis mandelförmig; meist mit Salix assoziiert, seltener mit Populus tricocarpa, P. tremuloides, Betula, Alnus; Westküste Nordamerikas, Nordostasien, selten auch in Osteuropa  .................... F. rossica


4 Sporen 7.2-14.8 x 3.7-6.5 µm (im Durchschnitt 4.5-5.4 µm breit), häufig in von verholzten Leguminosen dominierten Habitaten, nicht im dichten Wald ...................................................... 5

4* Sporen im Schnitt schmaler als 4.5 µm ................................................................... 6


5 Mit Ononis assoziiert, über kalkreichen Böden in Magerwiesen; Hut typischerweise klein, nur 5-35(-45) mm breit, honiggelb bis orangebraun (gegen Hutrand), mit orangfarbener Scheibe; Fruchtkörper einzeln, wurzelnd; Deutschland, Italien, Westrussland ........................................................... F. ononidis

5* Mit Cytisus, Ulex oder anderen Leguminosen vergesellschaftet; Hut nicht dunkelbraun, sondern gewöhnlich blasser ................................................................................................. noch zu klärende Varianten von F. velutipes (?)


6 Sporen 6-8 x 4-4.5(-5) µm, eiförmig bis breit ellipsoid (Q < 2, gewöhnlich 1.5-1.7); Pileipellis, vor allem an der Hutscheibe, dicht mit Pileocystiden und einigen fusiformen bis schmal keuligen, aufsteigenden Hyphenenden besetzt; Hut blass, elfenbein- bis ledergelblich, mit dunklerer Scheibe; gewöhnlich wurzelnd (auf vergrabenem Holz); September; Schweiz, Deutschland, Niederlande .... F. fennae

6* Sporen gewöhnlich länger, ausgezogen-ellipsoid bis zylindrisch (Q = 2-3); Pileipellis ein Ixotrichoderm aus filamentösen, oft verzweigten Hyphenenden und Pileocystiden ..................................................................... 7


7 Sporen 8-11.5 x 3-4 µm (Qm = 2.5-3); häufig mit Salix assoziiert; Europa ………… F. elastica 
Bemerkung: von F. velutipes fast nur durch die längeren Sporen unterscheidbar, mit dieser Art aber nicht kreuzend, daher eine eigene, biologische Art bildend

7* Sporen 6-9.5 x 3-4 µm (Qm = 2-2.3) ........................................................................ 8


8 Hut gelblich bis rötlich braun; Stiel gelblich bis fast Schwarz; Kosmopolit …… F. velutipes var. velutipes

8* Hut und Stiel elfenbein bis fast weiß und nicht im Alter dunkelnd  ……….. F. velutipes var. lactea


Zusätzlich: Flammulina cephalariae Perez-Butron & Fernández-Vicente 2007
wächst an den Wurzeln von Cephalaria leucantha, einer Dipsacaceae (Skabiose); aus Spanien beschrieben – da ich keine Beschreibung besitze, konnte ich sie nicht in den Schlüssel integrieren.

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 24. Februar 2010, 22:19
Servus Gernot,

da passt ja alles, sogar das Substrat Salix, klasse!. Nur aus Neugierde: sah der Fruchtkörper irgendwie anders aus? Waren z.B. die Lamellen auffallend blass?

Zu PdS kann ich nichts sagen. Man müsste erstmal den zugrundeliegenden Fruchtkörper nachmikroskopieren... Es kann aber gut sein, dass dort keine Flammulina velutipes abgebildet ist. Ich kam ehrlich gesagt gar nicht auf die Idee, da mal nachzublättern.

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 24. Februar 2010, 22:33
Hallo Christoph,

Zitat
sah der Fruchtkörper irgendwie anders aus? Waren z.B. die Lamellen auffallend blass?

Nein, eigentlich sind mir überhaupt keine Unterschiede aufgefallen. Er war übrigens etwa 6 cm hoch und der Stiel war leicht exzentrisch (ist ja kein Wunder bei Holzbewohnern).

Jetzt ist mein Interesse jedenfalls noch mehr geweckt und ich werde versuchen die schwindende Winterzeit (in den letzten Tage immer +14, heute sogar +16°C) zu nutzen und Flammulinen zu mikroskopieren.

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 24. Februar 2010, 22:43
Hallo Gernot...

Zitat
Jetzt ist mein Interesse jedenfalls noch mehr geweckt und ich werde versuchen die schwindende Winterzeit (in den letzten Tage immer +14, heute sogar +16°C) zu nutzen und Flammulinen zu mikroskopieren.

Molto bene! Ich hoffe, am Wochenende Zeit zu finden, mal in einen Auwald zu schauen... Freut mich, dass Du einerseits animiert bist und andererseits auch fündig wurdest.

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: UdoA am 26. Februar 2010, 12:48
Hallo Christoph,

sehr interessanter Beitrag. Ich habe heute auch zwei kleine Aufsammlungen von Weide mitgenommen.
Mal abwarten, ob ich einen Sporenabwurf bekomme.

Gruß Udo
Titel: Flammulina elastica - Fund von heute
Beitrag von: Christoph am 5. März 2010, 23:50
*Hurra* - Ich hab sie endlich auch gefunden - Flammulina elastica

Ein kleines Büschel "Samtfußrüblinge" wuchs an einem bodennah abgesägten Laubholzstrünkchen (Durchmesser ca. 5 cm) direkt am Lehrerparkplatz meiner Schule, an der ich tätig bin. Die Fruchtkörper waren recht gelblastig (gelbe Lamellen, also gar nicht blass).

Folgende Sporenmaße habe ich erhalten (n = 30, Mittelwerte unterstrichen):

(6,5-) 7,5-8,47-10 (-10,5) x 3-3,03-4 (-4,5) µm; Q = (2)2,3-2,82-3,5

Die Asymmetrie in den Sporenbreiten bezüglich dem Durchschnitt kommt von meinem Messouklar, das nicht 1:1 kalibriert ist. Nach Umrechnung fängt die Breite bei 2,85 µm an, was ich aufgerundet habe. Die meisten Sporen waren ca. 3 Teilstriche breit und nur einzelne wenige Sporen waren deutlich breiter.

Jetzt weiß ich, wo die Art bei mir vorkommt und kann den Fundort weiter beobachten. Kommen schöne Exemplare zum Vorschein, werde ich sie natürlich fotografieren. Die aktuelle Kollektion war leider nicht fotogen.

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 6. März 2010, 01:15
Hm, ich werde wohl noch mehr Sporenmaße ermitteln - z.B. die anderen FK des Büschels untersuchen. Der Quotient passt zwar ganz gut auf Fl. elastica, aber die Sporen sind insgesamt zu kurz (und doch recht variabel: Q ab 2,0)...

LG
Christoph
Titel: Flammulina rossica - Zwei Nachweise aus Bayern!!!
Beitrag von: Christoph am 6. März 2010, 01:50
Hallo zusammen,

ich bin eben über einen aktuellen Artikel über Flammulina rossica in der Czech Mycology gestolpert. In der Revision der Flammulina-Belege in der Botanischen Staatssammlung München wurden zwei Belege von Flammulina rossica gefunden:

http://web.natur.cuni.cz/cvsm/CM60109F.pdf (http://web.natur.cuni.cz/cvsm/CM60109F.pdf)

Beide stammen aus dem Nationalpark Berchtesgaden (beide leg. Schmid-Heckel, 1981, ein Fund im Oktober, einer im Dezember).

Insofern kommt Flammulina rossica in Bayern vor. Wer erbringt den nächsten, aktuellen Nachweis?

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: AK_CCM am 6. März 2010, 01:59
Servus Christoph,

schöne Entwicklung im Fall Flammulina - gratuliere zu Deinem Fund von F. elastica! Schade nur, dass das Taxon derzeit in der Online-Kartierung nicht verfügbar ist. Du könntest Axel Schilling oder Peter Dobbitsch anschreiben, damit die noch fehlenden Taxa ergänzt werden.

Gruß, Andreas


PS: Irgendwann habe ich vermutlich auch wieder Zeit zum Mikroskopieren... :-X
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 7. März 2010, 22:33
Servus Andreas,

wie gesagt - ich bin jetzt etwas skeptisch ob der Bestimmung. Der erste Blick ins Mikroskop am Freitag Abend war womöglich vorschnell. Die Sporen waren zwar meist ungewöhnlich schmal für ihre Länge, aber von den Gesamtmaßen passt F. velutipes s.str. besser. Auf Volumen bezogen sind die Sporen einfach zu klein. Die Länge erreicht die 12 µm nicht, die normal wären.

Ich werde, wenn ich ein bisserl mehr Luft habe, die anderen Fruchtkörper der Kollektion anmikoskopieren und schauen, ob sich das Ergebnis bezüglich des Quotienten erhärtet oder ob es "kassiert" wird.

Ich werde auf alle Fälle an Axel Schilling schreiben, da ja zumindest Flammulina rossica aufgenommen werden muss, nachdem sogar schon zwei bayerische Funde bekannt wurden.

Im Bayerischen Wald wäre die Art auch zu erwarten! Aufsammlungen aus Regionen mit kontinental geprägtem Klima wären also interessant. Die Hüte Hüte von Flammulina rossica sollen meist recht blass sein, was gezieltes Suchen möglicherweise erleichtert.

Außerhalb Bayerns würde mir auch der Rennsteig als etwas kühles Eck einfallen @mollisia  8)

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 7. März 2010, 22:43
P.S.: In die bayerischen Checklist von Besl & Bresinsky ist Flammulina rossica noch nicht eingegangen. Dafür ist ein Nachweis von Flammulina elastica aus dem Raum Augsburg aufgeführt worden (unter Flammulina velutipes fm. longispora = Flammulina elastica fm. longispora (Bas) Redhead & Petersen):

Stangl J., Sedlmeir A. & Geh G. (1987): Beobachtungen über das Pilzwachstum in den Flußauen der Wertach südlich von Augsburg. Beih. Z. Mykol. 7: 167-218 (der Fund ist auf Seite 195 erwähnt). Ein Fund ist auch im Herbar Regensburg (REG) unter der Nummer 19666 hinterlegt.

Ergo: Auch Flammulina elastica ist aus Bayern bekannt und belegt.

Jetzt fehlt nur das Verbreitungsmuster. Bezüglich Flammulina rossica vermute ich aufgrund der sonstigen Verbreitung der Art ein östliches und/oder montanes Verbreitungsmuster. Hier ist jeder gefragt, der gerne mikroskopiert: Einfach Flammulina-Funde ab und an prüfen - sowohl bezüglich der HDS als auch bezüglich der Sporen.

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 16. März 2010, 19:02
Hallo,

einen Fund von Flammulina elastica vom 27.2.2010 auf einem Salix-Stubben hab ich noch. Gefunden in einem Weiden-Bruchwald. Die Sporen waren wieder häufig bis 11 und auch bis 12 µm lang. Hier die Bilder:

(http://i43.tinypic.com/2qbzwqr.jpg)

Skala=10 µm
(http://i41.tinypic.com/2wbvl03.jpg)

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 17. März 2010, 15:10
Hallo Gernot,

perfekt! Endlich ein aktuelles Foto dieser Art! Es wäre super, wenn Du auch von dieser Kollektion die genauen Sporenmaße angeben könntest. Würde mich sehr interessieren.

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 18. März 2010, 08:09
Hallo Christoph,

die Sporenmaße dieser Kollektion waren (7,5)8-11,5(12) x (3)3,5-4(4,5), Q: 2,28-2,88.

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 18. März 2010, 09:09
Hallo Gernot,

danke für das Nachliefern der Maße! Diesmal ist der Quotient also deutlich niedriger als bei Deiner ersten Kollektion. Sorry, dass ich nochmals nachhake: Kannst Du eventuell auch die ermittleten Durchschnitte angeben? Wenn ich die Sporenfotos unbedarft anschaue, müssten sie innerhalb Deines Quotienten-Intervalls näher an der oberen als an der unteren Grenze liegen...?!

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 18. März 2010, 15:56
Hallo Christoph,

kein Problem! Hab mir eben den Mittelwert von 35 ermittelten Sporenwerten ausgerechnet. Das Ergebnis: 10,77 x 3,73 µm, Q: 2,72. Liegt also wirklich im oberen Bereich der ermittelten Maße.

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 18. März 2010, 22:30
Servus Gernot,

ah, o.k. - das beruhigt mich (bezüglich der Abgrenzung von Fl. velutipes s.str.), 10,8 µm als Längendurchschnitt ist ein Wort!

Jetzt fehlen nur weitere Unterscheidungsmerkmale zu Flammulina velutipes s.str., wenn es denn welche geben sollte. Die Lamellen auf deinem Foto sind recht hell, so wie es Redhead et. al. für diese Art angeben. Fragt sich auch, wie gut die Substratspezialisierung auf Weide ausgeprägt ist (Fl. velutipes selbst nimmt ja alles).

Ich würde mich freuen, wenn weiterhin Funde von Flammulina elastica hier geschildert würden. Lange währt die Flammulina-Hauptsaison ja leider nicht mehr... Ich werde auf alle Fälle vor dem nächsten Winter diesen Thread wieder reaktivieren. Aber vielleicht kommen ja noch ein paar Fundmeldungen hier herein...  ;)

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Wolfgang D. am 20. März 2010, 15:17
Hallo Christoph, Gernot,

ich habe heute auch eine Flammulina aus dem Auenwald auf cf. Salix soc. Bjerkandera fumosa ausgemessen (n = 20 im Abwurf):
(7-)8.5-8.85-9.5(-10) x (3-)3.5(-4)
Q = 2,5
Es waren fast alle Sporen um 8.5-9.5 x 3.5 - Ausreißer wirklich die Ausnahme.
Mit meinem Mikro kann ich sinnvollerweise nur auf 0,5 µm genau messen.
Auf den ersten Blick waren die Sporen einen Deut schmaler (länglicher) als auf Gernots Bildern, aber dieser Eindruck entspricht offenbar nicht der Statistik.
Sonstige Auffälligkeiten konnte ich keine feststellen.
Glaube nicht, dass diese Beobachtung viel zur Klärung von "F. elastica" beitragen wird  ::)

LG
Wolfgang


Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 21. März 2010, 22:53
Hallo Wolfgang,

aber selbstverständlich ist so eine Information hilfreich. Ich hatte auch eine Kollektion mit auf den ersten Blick lang und schmal aussehenden Sporen, die aber dann doch zu kurz waren. Es wird sich erst nach einer hinreichend großen Zahl untersuchter Kollektionen zeigen, ob es Übergänge gibt oder nicht. Und gerade diesbezüglich sind Aufsammlungen mit auffallend länglichen Sporen (Quotient) immer interessant.

LG
Christoph

Titel: Flammulina elastica - Fund aus dem Münchner Südpark
Beitrag von: Christoph am 24. März 2010, 18:59
Servus beinand,

so, jetzt habe ich den ersten definitiven Fund von Flammulina elastica. Fundort: München, Südpark, MTB 7835/3.3.3, an einem Weidenstumpf, Funddatum 23.03.2010. Der Stumpf war übersäht, aber viele Fruchtkörper waren bereits völlig überständig. Ich habe ein paar noch halbwegs frische mitgenommen. Weil ich sie beim Radlfahren gesehen habe (kleine Tour mit Sonja), hatten wir keine Kamera dabei. Das Foto entstand danach abends auf dem Fensterbrett als "Notdokumentation".

(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=395.0;attach=1734;image)

Flammulina elastica aus München

 Ich habe 40 Sporen von der Huthaut (dicke Sporenschicht, also Abwurf) vermessen und erhielt folgende Maße (Mittelwerte unterstrichen):

n = 30;
(7,5-) 8,5-9,9-12 (-12,5) x 3-3,8-4,5 µm
Q = 2,0-2,64-3,2

Ich habe dann den frischesten Fruchtkörper wegen der Huthaut angeschaut (kein Hymeniderm, sondern ganz typisch für Fl. velutipes / elastica) und habe dann dort erneut Sporen gemessen. Das Ergebnis war sehr ähnlich (nur waren keine ganz so langen Sporen dabei):

n = 20
(7,5-) 8,5-9,8-11,5 x 3,5-3,8-4 (-4,5) µm
Q = 2,0-2,60-3,1


Im Vergleich eine typische Flammulina velutipes von Buchenholz (14.02.2010, Weiherbuchet zwischen Leutstetten und Gauting):

n = 20
(6,5-) 7,5-8,2-9,5 x 3-3,4-4 µm
Q = 1,9-2,41-3,0


Da die Sporenform sehr variabel zu sein scheint, denke ich, dass die Sporenform (Q) keine so große Rolle spielt. Aber die Größe, sprich Länge, ist doch deutlich unterschiedlich.

Falls Interesse besteht, dass wir unsere Messungen direkt vergleichen, biete ich an, dass ich die Ergebnisse kompiliere und auswerte. Ich bräuchte dafür nur die Einzelmessungen. Am besten als Excel-Tabelle, aber ich nehme auch Handschrift etc. Ich würde sie aufbereiten und hier im Forum präsentieren (unter Nennung der Beteiligten). Vielleicht ist das Sporenvolumen ein besserer Parameter zur direkten Unterscheidung?!

LG
Christoph


Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 30. März 2010, 12:01
Hallo zusammen,

hier noch ein Link mit einem schönen Foto von Flammulina elastica aus Frankreich, deren Saison sich leider dem Ende zuneigt (oder zum Glück, wettertechnisch gesehen...):

http://www2.ac-lille.fr/myconord/Photos_SMNF/Photos_SMNF_F/Flammulina_elastica.htm (http://www2.ac-lille.fr/myconord/Photos_SMNF/Photos_SMNF_F/Flammulina_elastica.htm)

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 30. März 2010, 12:24
Hallo Christoph,

sehr schön, dass du jetzt auch F. elastica gefunden hast! Irgendwie ging dein Beitrag unter, zumindest hab ich ihn gar nicht bewusst wahr genommen. Und wieder auf Salix, das scheint sich mehr und mehr zu bestätigen.
Ich könnte dir von meiner ersten Kollektion 20 und von meiner zweiten Kollektion 40 Einzelmessungen schicken, das würde aufgrund von momentanem Zeitmangel aber noch etwas dauern.

Eigentlich hätte es F. elastica verdient, in den deutschsprachigen Ländern etwas bekannter gemacht zu werden, z.B. in Form eines Artikels. Bei Tremella aurantia hat das ja auch recht gut funktioniert.

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 30. März 2010, 12:30
Hallo Gernot,

wenn Du mir die Sporenmessungen schicken würdest, wäre das klasse - hat aber alles Zeit, keine Hektik!

Ein Artikel würde sich sicherlich lohnen. Wenn Du magst, können wir beide was zusammen machen - anhand unserer aktuellen Funde. Ich habe nur zu wenige Aufsammlungen von Flammulina velutipes s.str., um die Sporenmaße dieser typischen Art zu vergleichen. Aber ich kann mir ja was aus Herbarien ausleihen. Ich denke da an Nürnberg, da die Münchner Belege ja schon durchgenudelt wurden. Falls Du noch ein bisserl was aus Wien oder Graz anschaust, kanns losgehen.

Was meinst Du, hast Du Lust?

LG
Christoph
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 30. März 2010, 12:48
Hallo Christoph,

bei einem Artikel wäre ich dabei! Von F. velutipes kann ich leider auch nicht mit Belegen dienen, denn wer hebt sich schon so ein häufiges Schwammerl auf?  :-[

Aber aufgrund der Herbarien, aus denen wir ausleihen könnten, sollten wir kein Problem mit Material haben, da hast du sicher recht.

Alles weitere dann mit den Sporenmessungen per Mail.

Schöne Grüße
Genrot
Titel: Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Christoph am 30. März 2010, 12:58
Hallo Gernot,

ich sage nur: perfekt!

LG
Christoph
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Schlesier am 20. März 2011, 10:25
Grüß Gott Alle

Vor Jahresfrist war hier die Flammulina-Diskussion im Gange. Jetzt wollte es der Zufall, dass ich am 16.02. an einem alten Weidenstumpf (mächtige Trauerweide, die vor 5-8 J abgesägt worden war) eine Gruppe F
fand. Ich nahm die Fk mit, legte zwar ein Stückchen Hut zum Absporen auf den Objektträger und den Rest zum Trocknen auf die Heizung, habe das Ganze aber dann hintenangestellt.
Am 14.03. fand ich an einem umgeworfenen (Schneelast?) aber austreibenden rel. jungen Bergahorn im Wurzelbereich wieder einige Fk einer Flammulina. Erinnernd an meine Heizungssporen und neugierig wegen des anderen Substrats wollte ich beide vergleichen.
Nun die Überraschung: die Sporen der "Weidenart" waren im direkten Vergleich deutlich lang torpedoförmig ( wie in Gernots Bildern weiter unten), die der"Bergahornart" deutlich kürzer und eher oval.
Ich habe zwar ein Mikroskop, aber noch ist es nicht zum Messen geeicht. Auch ist diese Angelegenheit endgültig der Ansporn, mir eine Digicam zuzulegen.
Nun mein ganzes Bündel an Fragen:
- wie siehts mit elastica inzwischen aus? in der Kartierung immer noch nicht angeführt, und auch bei Gröger und im Abbildungsverzeichnis nicht angeführt bzw. als var. longispora aufgenommen
- wie verschickt Ihr - wenn überhaupt - frische Fruchtkörper an einen 2.Prüfer?
- kann man - und wenn wie - den Objektträger mit dem Sporenabwurf konservieren bzw. verschicken?

Vielleicht noch eine unbedeutend Beobachtung zum Schluß: die getrockneten Fk von Weide sind gänzlich braunschwarz, die vom Bergahorn hellbraun/gelbbraun im Hut und schwarzbraun im Stiel.
Vielen Dank für Eure Antworten und einen schönen Sonntag noch
LG
Rainer
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Gernot am 20. März 2011, 14:15
Servus Reiner,

freut mich, dass du auch gezielt Flammulinen mikroskopiert hast! Flammulina elastica hab ich bisher von allen möglichen Substraten untersucht, nicht nur von Weide. Sie ist nach meiner Erfahrung die deutlich häufigere Art - von F. velutipes hab ich bisher nur eine Kollektion gesehen. Von daher würde ich mich sehr freuen, wenn du mir einen Beleg von den beiden Kollektionen zuschicken könntest!

Zu deinen Fragen:

Zitat
- wie siehts mit elastica inzwischen aus? in der Kartierung immer noch nicht angeführt, und auch bei Gröger und im Abbildungsverzeichnis nicht angeführt bzw. als var. longispora aufgenommen

Der Name F. elastica war bzw. ist halt sehr unbekannt, Flammulina velutipes f. longispora taucht in der Literatur schon öfter auf. Genau genommen müssten wir übrigens unsere elastica-Funde Flammulina elastica f. longispora nennen. Die Typusforma wurde nämlich ursprünglich mit weißem Hut beschrieben.

Zitat
- wie verschickt Ihr - wenn überhaupt - frische Fruchtkörper an einen 2.Prüfer?

Eigentlich spricht nichts dagegen, gut getrocknete Fruchtkörper zu verschicken. Bei Basidiomyceten ist das relativ egal, Ascomyceten müssen natürlich oft im lebenden Zustand angeschaut werden.

Zitat
- kann man - und wenn wie - den Objektträger mit dem Sporenabwurf konservieren bzw. verschicken?

Wenn du den Objektträger irgendwo lagerst, wo er nicht in Kontakt mit anderen Gegenständen kommt (dadurch reibt sich das Sporenpulver vom Objektträger), dann sollte der Abdruck eigentlich beständig sein. Beim Verschicken gilt das gleiche, nämlich dass man die Berührung mit anderen Gegenständen weitgehend vermeiden sollte. Am besten den Objektträger in einen passenden, stabilen Behälter legen.

Wenn du mir deine Belege schicken möchtest, schreibe ich dir meine Adresse privat.

Schöne Grüße
Gernot
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Bernhard Kaiser am 2. April 2011, 07:09
Hallo Rainer,

Zitat
- kann man - und wenn wie - den Objektträger mit dem Sporenabwurf konservieren bzw. verschicken?

legen Sie auf das Sporenabwurfpräparat (Objektträger) ein Deckglas, fixieren dieses an den 4 Ecken mit je 1 Tropfen Nagellack und lassen trocknen. Wollen Sie das Präparat erneut betrachten, geben Sie 1 Tropfen dem. Wasser an eine Deckglaskante. Das H2O wird dann kapillar unter das Deckglas gesogen und Sie können mikroskopieren. Anschließend wieder trocknen lassen. usw.

Geht sehr gut bei Moosblättchen und vermutlich auch bei Pilzpräparaten. Bei letzteren habe ich keine Erfahrung. Aber Pilzsporen gehen.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Kaiser
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Schlesier am 2. April 2011, 20:52
Hallo Bernhard,

vielen Dank für den Tip. Werde also zukünftig versuchen 2 Sporenabwürfe auf je einem Objektträger zu
bekommen, um für spätere Nachuntersuchungen gewappnet zu sei. Das 1. Präparat ist ja meist durch die Ölimmersion zum Einlagern weniger brauchbar. Oder hast Du da auch einen Rat?
Viele Grüße
Rainer
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Bernhard Kaiser am 3. April 2011, 09:44
Hallo Rainer,

ich empfehle Ihnen folgende Arbeitsweise:
auf einem Objektträger einen kleinen Tropfen dem. H2O geben und darin mit einer Präpariernadel etwas Sporenmateial aus Sporenabwurf oder anderwie erhalten, in dem Tropfen verrühren. Dann mikroskopieren, mit Trockenobjektiv oder Ölimmersion. Nach beendeter Untersuchung das Präparat entnehmen und an der Luft eintrocknen lassen. Dann an den 4 Ecken je 1 Tropfen Nagellack anbringen. Trocknen lassen. Das noch auf dem Deckglas vorhandene Öl mit einem mit Wundbenzin (Apotheke !) befeuchteten Wattestäbchen entfernen. Fertig ist das Dauerpräparat.

Wenn Sie das Deckglas nicht mittig sondern links oder rechts auf dem OT platzieren, haben Sie eine größere Fläche für ein Etikett.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Kaiser
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: dorle am 3. April 2011, 22:02
Hallo Bernhard,

Zitat
1 Tropfen dem. Wasser
.

Handelt es sich bei "dem." um destilliert, oder für was steht die Abkürzung?

Grüsse

Thomas.
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Bernhard Kaiser am 4. April 2011, 05:20
Hallo Thomas,

"dem." steht für demineralisiert. In fast jedem Supermarkt erhältlich.

PS.: man verwendet deshalb demineralisiertes Wasser weil es bei mehrmalieger Anwendung von Leitungswasser zu mehr oder weniger starken Rückständen von Kalkverbindungen kommen würde.

Freundl. Grüße
Bernhard Kaiser
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: dorle am 4. April 2011, 13:10
Hallo Bernhard,

danke für die Auskunft.
Ich bin mir nicht sicher, ob deminaralisiertes Wasser das selbe bedeutet wie destilliertes Wasser. Destilliertes Wasser bekommt man aber meines Wissens nur in Apotheken, so dass demineralisiertes billiger sein dürfte (und es sich dann wohl doch um etwas Anderes handelt), da man es wie du mitteilst in Supermärkten bekommt.

Freundliche Grüsse

Thomas.
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Bernhard Kaiser am 4. April 2011, 13:51
Hallo Thomas,
das ist richtig.
Bei demineralisiertem Wasser wird das Leitungwasser mittels Ionenaustauschern von mineralischen Bestandteilen befreit.
Destilliertes Wasser erhält man indem man Leitungswasser verdampft, den Wasserdampf abkühlt und dadurch wieder flüssiges Wasser erhält.

In unserem Fall ist es wichtig, daß das Wasser keine mineralischen Bestandteile mehr enthält. Egal durxh welches Verfahren man das erreicht.

Freundliche Grüße
Bernhard Kaiser
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: dorle am 4. April 2011, 14:39
Ha wieder was dazugelernt :D

Bis zum nächsten Mal

Thomas.
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Schlesier am 4. April 2011, 20:42
Hallo in die Diskussionsrunde!
Das hat jetzt alles nichts mehr mit Flammulina zu tun u. wäre evtl. in einem anderen thread besser aufgehoben. Aber Antworten implizieren halt weitere Fragen:
-in meiner Schulzeit (über 40J her) habe ich gelernt, dass man biolog. Struckturen (Zellen) wegen der osmotischen Verhältnisse am besten in isotonischen Lösungen untersucht. Warum taucht diese Empfehlung bei den Pilzuntersuchungen nicht auf, oder gilt sie nicht mehr. Denn es wird immer "ein Tropfen
Wasser" (welches Wasser: Leitungs-, Destill.-, Demin.- Isoton.- ???) auf den Objektträger gegeben. Den osmotischen Gesetzen entsprechend, müßten zumindest die Zellen in den unterschiedlichen Medien unterschiedliche Größen haben ( von aufgebläht bis kollabiert).
Herzliche Grüße
Rainer
Titel: Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
Beitrag von: Bernhard Kaiser am 5. April 2011, 04:57
Hallo, guten Morgen,

ich darf an den Ausgangspunkt der Fragen zurückerinnern:

Zitat
- kann man - und wenn wie - den Objektträger mit dem Sporenabwurf konservieren bzw. verschicken?

Ich empfehle die vorgeschlagene Methode ganz einfach einmal auszuprobieren.
Es kostet kaum etwas, das Mikroskop steht ohnehin am Arbeitsplatz und Nagellack ist oft vorhanden oder billig im nächsten Drogeriemarkt zu haben.

Wichtig wäre es außerdem, wenn Ergebnisse hier mitgeteilt würden. Möglicherweise verhalten sich auch verschiedene Pilzsporen unterschiedlich. Aber Sporen werden ohnehin in Wasser untersucht und damit liegt das Sporenpräparat bereits vor. Mein Vorschlag "dem. H2O" hat rein praktische Gründe, und dient zudem der Vereinheitlichung. Es wird auf jeden Fall vermieden, daß Untersuchungen einmal in weichem ein anderes Mal in hartem Wasser vorgenommen und diskutiert werden.

Schönen Tag
Bernhard Kaiser
Titel: Re: Der Flammulina-Thread
Beitrag von: Christoph am 20. November 2017, 23:23
Servus beinand,

es wird kalt, die ersten Fröste sind über uns hereingebrochen - Zeit, sich wieder um Winterpilze zu kümmern  :D

Ich möchte daran erinnern, dass es noch keinen Nachweis von Flammulina populicola bei uns gibt - also bitte bei Samtfußrüblinge, die an der Stammbasis von (oder scheinbar am Boden rund um) Pappeln wachsen, mal schnell die HDS prüfen.

Flammulina rossica ist nachgewiesen, aber es gibt nur einen einzigen Fund aus Berchtesgaden. Hier wären Kartierer aus winterkalten Regionen vielleicht gefragt - BayerWald, der Eiskeller rund um Hof, Alpen und dortige Kaltlufttäler. Auch dort kann es schneearme Zeiten im Winter geben.

Viel Spaß beim Suchen - und nicht vergessen: erst mikroskopieren, dann essen (und eine Teil als Beleg trocknen)  8)

Liebe Grüße,
Christoph
Titel: Re: der Flammulina-Thread
Beitrag von: Christoph am 8. Januar 2018, 17:56
Hallo zusammen,

als Anregung hier die beiden Fotos von Flammulina elastica fm. longisporum aus diesem Thread: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1651.0.html - als Appetitanreger, durchaus mal in Winterpilze hineinzumikroskopieren. Den zugehörigen Schlüssel findet man etwas weiter unten in diesem Thread.

(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=1651.0;attach=16978;image)
(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=1651.0;attach=16980;image)

Liebe Grüße,
Christoph
Titel: Re: Der Flammulina-Thread
Beitrag von: Christoph am 17. Februar 2018, 15:05
Hallo zusammen,

ich möchte eine in meinen Augen besondere Flammulina vorstellen, die Thorben Hülsewig im Tropenhaus in Bochum an Pomaderris apetala gefunden hat. Er hat sie hier (https://www.pilzforum.eu/board/thema-flammulina-sp-an-pomaderris-apetala) im EU-Pilzforum vorgestellt. Thorben hat mir erlaubt, die Fotos auch hier zu zeigen.

Vielleicht findet ja auch eine Leserin / ein Leser unseres Forums Flammulinen in Botanischen Gärten in den Tropenhäsern. Da die Gattung auch weltweit sehr übersichtlich ist, ist eine Bestimmung oft gut möglich (oder es ist etwas Neues).

Thorbens Fund ist auffallend dünnfleischig und sehr gelb:

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216753)
Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216754)
Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216755)
Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216756)
Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216757)
Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig

Die Mikroskopie zeigt eine HDS vom Fl.-velutipes-Typ, also aufgebaut aus einer Vielzahl von Ixohyphidien mit in die HDS eingebetteten, nicht herausragenden Pileocystiden.

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216764)
HDS, hier mit apikal verzweigten Ixohyphidien und mit Pileocystiden - Foto Thorben Hülsewig

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216765)
Knorrige, verzeigte Basis eine Ixohyphidie - Foto Thorben Hülsewig

(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=395.0;attach=17562;image)
HDS-Elemente (Ixohyphidien, Pileocystiden) - Zeichnung Christoph Hahn

Was allerdings auffällt, ist, dass die Ixohyphidien zwar die typisch knorrige, verzweigte, irreguläre Basis haben, dann aber sehr dünn (meist 0,5-1,25 µm) sind und auffallend häufig gereadeaus und unverzweigt verlaufen. Es gibt auch apikal verzweigte Ixohyphidien, die sind aber auch sehr dünn und nicht sehr häufig. Flammulina velutipes s.str. hat kräftigere, breitere, nicht so filigrane Ixohyphidien. Die HDS entspricht im Prinzip der erst vor Kurzem aus China beschriebenen Flammulina velutipes var. filiformis. Allerdings passen da die Sporenmaße nicht - und diese Varietät ist ein kräftiger Pilz mit deutlichem Braunton im Hut, keinesfalls so zitronengelb.

Die Bochumer Flammulina:
(5,75-)6,25-7,0-7,75(-9,75) x 3,5-4,1-4,75 µm; Q = 1,5-1,72-2,1(-2,4) (meine Messung von der Lamelle - n = 26) bzw. Thorbens Messung (n = 25) am Abwurf 7,3-8,3-9,4 x 3,2-4,4-5,7 µm - beide in Wasser gemessen (ich hatte nur den Fruchtkörper zugeschickt bekommen, nicht den Abwurf).

Es ist interessant, dass z.B. die Länge der Sporen vom Abwurf deutlich die meinen überstiegen - auch die Breiten. Ich habe auch Sporen von der HDS eigens vermessen - die waren im Schnitt noch schmaler. Hias hatte ja auch eine Flammulina untersucht, bei der die Sporenmaße je nachdem, von wo gemessen wurde, stark variierten.

Wie auch immer, der Quotient ist deutlich zu klein für Flammulina velutipes s.str. und die Sporen zu breit.

Hier noch die restlichen Mikrobilder (Fotos von Thorben, Zeichnungen von mir).

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216767)
Sporen (Abwurf) in Wasser

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216758)
Caulocystiden in Kongorot

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216759)
Caulocystiden in Wasser

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216761)
Cheilocystiden (Spitzen, die herausragen)

(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=395.0;attach=17564;image)
Cheilocystiden - von der Lamellenschneide durch Quetschen freigelegt

(https://www.pilzforum.eu/board/attachment.php?thumbnail=216762)
Pleurocystiden

(http://forum.pilze-bayern.de/index.php?action=dlattach;topic=395.0;attach=17566;image)
Aufbau der Lamellentrama / des Subhymeniums

Wir warten noch auf eine zweite (oder dritte) Kollektion, um die Variationsbreite der Makroskopie besser zu fassen und dann wird eine Probe sequenziert. Für mich sieht es im Moment nach etwas Neuem aus (auf welcher Rangstufe auch immer - als "noch eine" Varietät der Fl. velutipes oder was ganz eigenes - und da hilft ja die Genetik).

Falls jemand etwas ähnliches (oder generell Flammulinen in Tropenhäusern) findet, bin ich immer interessiert.

Im Moment läuft der Fund bei mir als "Flammulina aff. velutipes Bochum"  ;)

Liebe Grüße,
Christoph

Titel: Re: Der Flammulina-Thread
Beitrag von: Christoph am 24. Juni 2018, 00:10
Servus beinand,

Thorben hat leider die Fotos von der Website genommen, auf die ich verlinkt hatte - deshalb fehlen sie jetzt (@Thorben: kann / darf ich die Fotos hier hochladen, die ich von dir per Mail bekam? Oder willst du die Fotos hier zeigen?)

Es gibt aber etwas aktuelles: es wurde eine neue Art aus Europa beschrieben: Flammulina finlandica. Die Art zeichnet sich u.a. durch auffallend große Sporen aus - sie sind länger als bei Flammulina elastica fm. longispora aber schmaler als bei Flammulina fennae, der sie genetsich nahesteht.

Flammulina elastica selbst steht im Stammbaum relativ weit weg von Flammulina velutipes.

Thorbens Flammulina aus Bochum zeigt eine sehr ähnliche HDS wie Flammulina filiformis (war vorher eine Varietöt von Fl. velutipes), wurde aber zur Art erhoben - das ist das, was wir als Enokotake in manchen Läden kaufen können. Allerdings passt weder die Makroskopie noch passen die Sporenmaße, weshalb ich sehr sicher bin, dass Thorben eine unbeschriebene Art gefunden hat. Der aktuelle Artikel (Wang et al. 2018) bestätigt das meines Erachtens. Leider gab es ja nur einen kleinen Fruchtkörper. Sobald eine Kollektion zustandekommt, kann man das anpacken.

Hier (https://www.researchgate.net/publication325826280_Phylogeny_and_species_delimitation_of_Flammulina_taxonomic_status_of_winter_mushroom_in_East_Asia_and_a_new_European_species_identified_using_an_integrated_approach) kann man den Artikel mit der Neubeschreibung (und der aktuellen Phylogenie des Flammulina-velutipes-Formenkreises Ostasiens und teils Europas) runterladen.

Das Zitat lautet

Pan Meng Wang, Xiao Bin Liu, Yu Cheng Dai, Egon Horak, Kari Steffen & Zhu L. Yang: Phylogeny and species delimitation of Flammulina: taxonomic status of winter mushroom in East Asia and a new European species identified using an integrated approach. – Mycological Progress
https://doi.org/10.1007/s11557-018-1409-2

Liebe Grüße,
Christoph
Titel: Re: Der Flammulina-Thread
Beitrag von: thorben96 am 24. Juni 2018, 16:04
Hallo Christoph,

Zitat
Thorben hat leider die Fotos von der Website genommen, auf die ich verlinkt hatte - deshalb fehlen sie jetzt (@Thorben: kann / darf ich die Fotos hier hochladen, die ich von dir per Mail bekam? Oder willst du die Fotos hier zeigen?)

Die Fotos habe ich nicht von der Website genommen, aber warum der Link auf einmal in Leere führt weiß ich nicht  :(
Auf jeden Fall sind die Fotos noch auf Pilzforum.eu vorhanden.
Du darfst aber auch gerne die Fotos die ich dir geschickt habe verwenden.

Zitat
Es gibt aber etwas aktuelles: es wurde eine neue Art aus Europa beschrieben: Flammulina finlandica. Die Art zeichnet sich u.a. durch auffallend große Sporen aus - sie sind länger als bei Flammulina elastica fm. longispora aber schmaler als bei Flammulina fennae, der sie genetsich nahesteht.
...
Hier kann man den Artikel mit der Neubeschreibung (und der aktuellen Phylogenie des Flammulina-velutipes-Formenkreises Ostasiens und teils Europas) runterladen.
Danke für die Info :)

VG : Thorben
Titel: Re: Der Flammulina-Thread
Beitrag von: Christoph am 25. Juni 2018, 23:28
Servus Thorben,

ich hab's  :) - durch die Umstellung der Forensoftware waren ja die Bildlinks der Altbeiträge nicht mehr gültig. Die Bildadressen wurden geändert. Das heißt, ich muss nur die richtigen Bildadressen rüberkopieren und hier die Links so aktualisieren.

Ich mache das demnächst - bin gerade beruflich stark eingespannt. Dann sind die Bilder auch hier wieder online  ;)

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: wer findet zuerst Flammulina finlandica bei uns? Vermutlich muss man ins Gebirge, wo's finnisch kalt ist.