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Expertenforum Mykologie / Exidiopsis effusa - offene Fragen zum Artkonzept
« Letzter Beitrag von Christoph am 27. Februar 2019, 22:14 »
Hallo zusammen,

angeregt durch einen Thread im EU-Forum möchte ich hier einen allgemeinen Thread zum Thema Exidiopsis effusa starten.

Über Exidiopsis grisea, der nächstverwandten Art in der interessanten Gattung Exidiopsis gibt es hier ja bereits einen Thread, der die Abgrenzung zu Exidiopsis effusa beinhaltet.

Nur was genau ist Exidiopsis effusa genau?

Nach Wells & Raitviir (1977) sowie dem Konzept von Oberwinkler (1963) handelt es sich um eine Art, die sehr dünne Überzüge ausbildet und deren Sporen relativ lang und breit werden können:
Das Konzept von Oberwinkler (1963) nennt Sporenmaße von (10-)13-17 x 3,5-4,5 µm, das Konzept von Wells & Raitviir (1977) Sporenmaße von (11-)12,5-16 x (4,5-)5-7 µm.

Exidiopsis grisea unterschiedet sich dem folgend durch dickere Fruchtkörper (die wirklich sehr dick werden können) und kleinere Sporen (sowie das bevorzugte Substrat Tanne, während Exidiopsis effusa an Laubholz vorkommt, sehr gerne an Buche).

Das Problem: Roberts (1993) definiert Exidiopsis (im raum Devon, Großbritannien) als kleinsporig: Sporen 10,5-14,0(-15,0) x 3,5-4,5 µm. Er hat keine Kollektion mit den langen und breiten Sporen, wie sie die anderen Autoren angeben.

Da Exidiopsis effusa eigentlich makroskopisch leicht kenntlich ist, habe ich auch (leider) viel zu wenige Proben analysiert und auch kaum Belege angefertigt.

Meine wenigen Proben ergaben:

Sporenmaße einer Kollektion aus der Schrödelhütte im Nationalpark Bayerischer Wald: (n=30) 11-15,1-18(-21) x 4-4,9-5,5(-6) µm

Hier Fotos dieser Kollektion:






Fruchtkörper sehr dünn!

Eine weitere Kollektion am gleichen Tag aus dem NSG Mittelsteighütte im Nationalpark Bayerischer Wald (auch an Fagus) - Sammelgenehmigung / Betretungsgenehmigung lagen natürlich vor:

(n=30) 11,5-13,8-16(-16,5) x 4-4,7-5 µm

Dann an Corylus (BayerWald, Zwiesel-Rabenstein, Ableg) vom 7.4.2010:
12,75-13,9-16,25 x 4,75-5,4-5,75(-6.25) µm (Fruchtkörper noch jung, wenige Sporen...)

Foto dieser Kollektion:


All das bestätigt ja die Interpretation von Oberwinkler sowie Wells und Raitviir.

Ich hatte aber auch eine kurzsporige Kollektion - damals hatte ich aber leider kein Foto gemacht und, da ich nur kurz reinmikroskopiert hatte, auch nur wenig Sporen gemessen hatte. Ich muss den Beleg bei Gelegenheit raussuchen und nachbearbeiten...

Hier die gemessenen Sporen, Notizen und Dikaryophysen:



Es fällt auf, dass die Dikaryophysen nicht die breite Basis zeigen, die Wells & Raitviir für Exidiopsis effusa ziegen (siehe unten). Die Bestimmung als Exidiopsis effusa ist damit - neben den Sporenmaßen - natürlich fraglich.

Falls jemand mitmachen möchte und einfach über die Saison (oder auch über längere Zeit) Kollektionen von makroskopisch typischen Exidiopsis effusa-Fruchtkörpern fotografieren, die Sporen messen und Dikaryophysen ansehen / fotografieren / zeichnen möchte, wäre das super. Wer weiß, vielleicht gibt es ja wirklich zwei unterschiedliche Ausprägungen (egal auf welcher Rangstufe). Sollte sich was ergeben, kann man dann ja auch genetisch prüfen lassen (wobei das bei so extrem dünnen Fruchtkörpern, die getrocknet fast unsichtbar sind, nicht ganz so einfach ist. Das aber, wenn es mal soweit sein sollte.

Hier noch als Schmankerl die Tafel aus Wells und Raitviir (1977: 993), die Exidiopsis effusa in deren Sinn zeigt:



Literatur:
Oberwinkler F. (1963): Niedere Basidiomyceten aus Südbayern III. Die Gattung Sebacina. Berichte der Bayerischen botanischen Gesellschaft 36, 41-55.

Roberts P. (1993): Exidiopsis species from Devon, including the new segregate genera Ceratosebacina, Endoperplexa, Microsebacina, and Serendipita. Mycol. Res. 97(4): 467-478

Wells K. & Raitviir A. (1977) The species of Exidiopsis (Tremellaceae) of the USSR. Mycologia 69: 987-1007

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus,
Nachtrag zum Porling. Ich habe heute im Forstenrieder Park einen praktisch identischen Pilz gefunden.
Es war eine Anis-Tramete (Trametes suaveolens).
Wahrscheinlich im Seeholz dasselbe. Bei Porlingen vergesse ich immer wieder auf den Geruch zu achten.
Griaseich Schorsch
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Expertenforum Mykologie / Kartierungsexkursion am 10.2.2019 nach Gelbenholzen/FFB
« Letzter Beitrag von Christoph am 24. Februar 2019, 23:23 »
Servus beinand,

am 10. Februar 2019 fand eine Kartierungsexkursion des VfP München in Pfaffing - Ortsteil Gelbenholzen (gehört zu Fürstenfeldbruck) statt. Es handelt sich um einen Leitenwald mit alten Eichen, Buchen, Hainbuchen, Eschen und stellenweise auch Fichten (ein Bereich war auch ein reiner Fichtenforst).

Es war Sturm und Schlechtwetter angesagt - aber erst für den Abend des 10. Februars. Und so kam es, dass wir bei bestem Sonnenschein starteten. Die Fotografen waren aber nicht unglücklich, dass dann feine Schleierwolken direktes Sonnelicht durch diffuses Graulicht ersetzten.

Johann hat dankenswerterweise wieder Fotos zur Verfügung gestellt, die ich hier mit einbauen werde.

Los ging's bei der Kirche...


(Foto: Johann Rejek)

... und dann erstmal ein Stückl bergauf in den Hang hinein.


(Foto: Johann Rejek)

Weit kamen wir aber nicht, denn uns hielten doch einige Pilze auf. So auch den Mottenpulverpilz (oder Mottenkugelpilz), Scytinostroma hemidichophyticum - was für ein Zungenbrecher.


(Foto: Johann Rejek)



Früher hieß der Pilz noch Scytinostroma portentosum (so hatte ich ihn auch im Gelände angesprochen). Der Genetik sei Dank weiß man heute aber, dass dieser nur in Nordamerika vorkommt und der europäische Stinker einen eigenen Namen benötigt. Am starken Mottenpulvergeruch, der trotz der Temperatur knapp über Null auch im Stehen wahrgenommen wurde, ist er leicht kenntlich. Dazu die relativ dicken, schichtpilzartigen, braunen Fruchtkörper...

Vieles hatte durch den Frost gelitten, so auch die Buchenadernzählinge (Plicatura crispa) - erkennen konnte man sie aber noch.


(Foto: Johann Rejek)

Es gab auch Spaltporlinge zu bewundern. Makroskopisch kenntlich ist Schizopora flavipora.



Wer sich aber wundert, warum auf der Fundliste nicht auch Schizopora paradoxa zu finden ist, dem sei gesat, dass Schizopora radula am einfachsten anhand der Sporenmaße abtrennbar ist, die Winterszeit aber die Spaltporlinge in die sterile Winterruhe versetzte. Renate hat sich probiert und auch (wenige?) kopfige Elemente gefunden, die für Schizopora radula sprechen würden, aber es ist besser, wenn ich später im Jahr mal nachsammle.

Hund sei dank gab es auch Hypogäen zu bewundern - neben Tuber brumale auch ein Hirschtrüffel (noch nicht mikroskopiert, vermutlich Elaphomyces asperulus, möglicherweise auch Elaphomyces granulatus, wobei mir da die Peridie etwas zu glatt erscheint - und ich meine etwas Violett im Braun zu erahnen).



Und dieser Porling hatte mich genarrt. Sah aus wie eine Schizopora:



Hatte aber Hutkanten, das fiel also weg. Ein Irpex? So gelb?



Von oben sah es so aus:



Und letzten Endes war es das dann auch, nichts anderes als Irpex lacteus (das Mikroskop hat es bestätigt).

An Fichte fanden wir auch (an Trichaptum abietinum) Skeletocutis carneogrisea, die häufiger ist, als manche Literatur meint. Die Sporen sind soooo winzig - wie Bakterien, nur gebogen... Hier der makroskopische Blick:



Hier noch die Gesamtfundliste (Stand jetzt) - und später mehr Fotos und mehr Bericht...  8) ;)

Art   Substrat / Wirt
Ascodichaena rugosa   Fagus
Auricularia auricula-judae   Fagus
Bjerkandera adusta   
Calloria neglecta (NFF)   Urtica
Calocera furcata   Picea
Climacocystis borealis   Picea
Clitopilus hobsonii   Borke
Crepidotus spec.   Fagus
Cyathus olla   Picea
Dacrymyces stillatus s.str.   Picea
Deadaleopsis tricolor   Prunus avium
Dialonectria episphaeria agg.   Hypoxylon fragiforme an Fagus
Diatrype disciformis   Fagus
Diatrype stigma agg.   Fagus
Elaphomyces spec.   Fagus (?)
Exidia glandulosa s.str. (E. truncata)   Quercus
Exidia nigricans   Fagus, Betula
Exidia pithya   Picea
Flammulina velutipes agg.   
Fomes fomentarius   Fagus
Fomitopsis pinicola   Picea, Fagus
Fuscoporia ferruginea   Fagus, Prunus avium
Gloeophyllum sepiarium   Picea
Heterobasidion parviporum   Picea
Hymenochaete rubiginosa   Quercus
Hypholoma capnoides   Picea
Hypoxylon cercidicolum   Fraxinus
Hypoxylon fragiforme   Fagus
Hypoxylon rubiginosum agg.   Fagus
Inonotus nodulosus   Fagus
Irpex lacteus   Fraxinus
Kretschmaria deusta   Fagus
Lentinellus ursinus   Picea
Lopharia spadicea   Fraxinus
Morganella pyriforme   Anmerkung: Leiche
Neofavolus alveolaris   
Neonectria coccinea agg.   Fagus
Peniophora incarnata   Fagus, Fraxinus
Peniophora quercina   Fagus, Quercus
Phlebia livida   Fagus
Piptoporus betulinus   Betula
Plicatura crispa   Fagus
Polyporus brumalis   Fagus
Polyporus squamosus   Anmerkung: Leiche
Polyporus varius   Fagus
Pyrenopeziza petiolaris   Acer - Blattstiele
Radulomyces molaris   Quercus
Scytinostroma hemidichophyticum   Fraxinus
Skeletocutis carneogrisea   Trichaptum abietinum an Picea
Steccherinum fimbriatum   Fagus
Steccherinum ochraceum   Fagus
Stereum hirsutum   Fagus
Stereum sanguinolentum   Picea
Stereum subtomentosum   Fagus
Strobilurus esculentus   Picea  - Zapfen
Trametes gibbosa   Fagus
Trametes versicolor   Fagus
Trichaptum abietinum   Picea
Tuber brumale   Quercus, Fagus
Xylaria hypoxylon   Fagus
Xylaria longipes   Acer

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Hyphoderma setigerum agg.
« Letzter Beitrag von Christoph am 23. Februar 2019, 22:47 »
Servus beinand,

bei einem kurzen Ausflug zu einer Salweide habe ich auch einen kleinen Corti an Salweide (klar...) mitgenommen. Der Fruchtkörper sah noch jung aus, hat aber bereits ein paar kleine Warzen ausgebildet, also bestand Hoffnung, vielleicht etwas reifes zu finden.



Im Mikroskop zeigten die auffallenden Septozystiden mit Schnallen, dass es sich hierbei um Hyphoderma setigerum agg. handelt, also eine Art aus dem Komplex.

Mittlerweile gibt es da bereits Literatur, so z.B. Nilson et al. (2003): Phylogeography of Hyphoderma setigerum (Basidiomycota) in the Northern Hemisphere. Mycol. Res. 107(6): 645-652; DOI: 10.1017/S0953756203007925

Hier wird gezeigt, dass es sich bei Hyphoderma setigerum um ein Artenaggregat handelt. Die in Deutschland verbreitete, großsporige "Hyphoderma setigerum" wird hier "Clade 1A" genannt.
Hyphoderma setigerum s.str. hat nach Nilson et al. (2003) kleine Sporen: 9,5–11,5 x 3,5–4,5 µm

Hierzulande findet man immer wieder Kollektionen mit bis zu 14 µm langen Sporen, gerne auch an Weide, während Hyphoderma setigerum s. str. eventuell Alnus bevorzugt (zu wenige Kollektionen, um das sicher zu sagen).

Meine Aufsammlung war vom Frost gezeichnet - ich habe kaum reife Basidien gesehen, aber doch Sporen, die reif waren. Die älteren Basidien sind kollabiert und die nächste Generation war noch nicht reif.

Die Sporenmaße bei meiner Kollektion sind 8,25-13,75 x 3,5-5,75 µm.

Die wenigen Baisidien, bei denen man die Sporenzahl erkennen konnte, waren zweisporig (ich habe aber nur zwei Basidien finden können, die gerade sporulierten und nicht völlig kollabiert sind).

Eine aktuelle Arbeit, die open access (frei verfügbar) ist, enthält einen Bestimmungsschlüssel für das Aggregat: Yurchenko E, Wu S-H (2014): Hyphoderma pinicola sp. nov. of H. setigerum complex (Basidiomycota) from Yunnan, China. Botanical Studies 55: 71 (Artikel ist 8 Seiten lang, die Zitierweise ist aber so...).

Hier wird eine Hyphoderma bisetigerum erwähnt, die zweisporig sei - Sporen 10-12 µm lang. Laut Mycobank stammt der Typus aus eine Eukalyptus-Wald, mehr konnte ich nicht rausbekommen.

Ich denke nicht, dass mein junger, eingefrorener Fruchtkörper (heute Dauerfrost) jetzt dieser zweisporige Exot ist (wäre schon großer Zufall und zwei Basidien machen keinen Sommer). Ich gehe davon aus, dass es die "normale 1A"-setigerum ist, die noch nicht gültig beschrieben ist.

Der Hyphoderma-setigerum-Formenkreis ist offenbar nicht leicht zu greifen. Nilson et al. (2003) geben jedenfalls 8 Clades für Hyphoderma setigerum s.l. an. Einige davon sind intersteril, lassen sich auch nicht kreuzen. Man sollte also mit der Bestimmung als Hyphoderma setigerum s.str. aufpassen. Die Sporenmaße sind wichtig, auch die Art der Tuberkeln, auch wie dick die Fruchtkörper werden können... und später wird man dann (hoffentlich) den genauen Namen vergeben können.

Eins scheint aber gewiss - ich habe nicht Hyphoderma setigerum s.str. gefunden (und hatte das auch noch nie, denn ich hatte immer relativ große Sporen - auch sind die Segmente der Septozystiden zu lang für das, was als Neotypus von H. setigerum definiert wurde - das sei aber nur am Rande erwähnt...).

Fazit:
Kollektionen von Hyphoderma setigerum s.l. sollten gut dokumentiert werden und es sollten Belege engefertigt werden, damit man bei einer (hoffentlich) zukünftigen breiteren Revision des Aggergats nachträglich bestimmen kann.
Ich nenne meinen jungen Fruchtkörper "1A"  8)

Liebe Grüße,
Christoph
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Hallo Schorsch,
hier noch ein paar ganz junge Judasohren, die sogar kugelrund und weißlich sind, obwohl sie seitlich aus dem Hollunder kommen. Aufgenommen am 16.11.18.
Viele Grüße – Rika
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Servus beinand,

heute war ich kurz im Wald, genauer gesagt bei/unter/neben einer Salweide in einem meiner Mammendorfer Wälder. Im Sommer kann man dort kaum hin, da die Weide in einem Brennesselfeld steht (die übliche Düngung ist bei uns teils extrem). Da es aber eine alte Weide mit viel Totholz ist, lohnt sich im Frühjahr der Besuch.

Ich habe zwar banale Arten vorgefunden, die aber hübsch genug sind, dass ich sie hier zeigen will.

Mit der schönsten fange ich mal an - dem Kreiseldrüsling. Die Fruchtkörper waren heute Nachmittag noch komlplett durchgefroren - ich habe also Drüslingseis fotografiert. Nett ist, dass sie wirklich durchsichtig sind. Dieser Ast ist abgebrochen und lag am Boden - an ansitzenden Ästen waren zwar auch überall Kreiseldrüslinge, aber die waren alle zu reinen Flecken weggetrocknet.











Hyphoderma setigerum agg. findet man auch gerne an Weide, so auch ich heute:



Siehe diesbezüglich auch meine ausführliche Diskussion dazu - https://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1838.0.html

An Weidenästen findet man natürlich immer irgendwo Diatrype bullata, das Blasige Eckenscheibchen (wobei der Name schräg ist, da ich keine Ecken sehe...).





Auf der Astunterseite wuchs dann Corticium roseum - auch sehr häufig. Diese Art sporuliert nur innerhalb eines sehr kuren Zeitraums im Frühling. Meist kann man also keine Sporen bewundern.





Als Abschluss noch die bereits im "Daedaleopsis-tricolor-Thread" gezeigte Deadaleopsis confragosa in einer netten, rotschwarzen Wuchsform (und reativ normal mit ausgezogenen Poren):













Liebe Grüße und danke für die virtuelle Begleitung bei meinem kleinen Salweidenbesuch,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Februarpilze 2019
« Letzter Beitrag von Christoph am 23. Februar 2019, 18:46 »
Servus Rudi...

Zitat
Vielleicht wollte er die milde Frühlingsluft hereinlassen

das wird's sein. Manche Dinge kann man recht einfach erklären.

Und mal wieder eine phantastische Trollhand. *Neid*

Liebe Grüße,
Christoph
98
Servus Schorsch,

Ciboria amentacea kann übrigens auch an Corylus vorkommen, scheidet aber wegen der Sporenmaße aus. Jetzt bin ich kein Ascomyzetenspezialist, aber die Sporenmaße kommen doch gut hin für Ciboria coryli. Sehr schöner Fund, auch wenn die Art im Seeholz recht häufig sein müsste (und Haseln gibt es ja im Seeholz bzw. am Waldrand des Seeholzes).

Der Porling - dazu sage ich nach dem Foto nichts Genaues. Für Trametes pubescens ist er mir zu groß und ich kenne Trametes pubescens kleiner, dafür den ganzen Ast/Stamm überziehend, also mit vielen Fruchtkörpern am Substrat. Da sie sehr schnell von Pilzkäfern befallen wird, zerfällt sie alsbald zu Staub. Ich denke eher an einen großen Tyromyces oder einen Oligoporus - der Fäulnistsyp würde hier helfen (Braunfäulne, dann Oligoporus).

Das Judasohr war ja nicht hypogäisch, sondern hypolignisch (oder so, also am Holz unterseits). Ich finde de oft in dieser Form an Buche - und in Gelbenholzen hatten wir da alle Übergänge bis hin zum Ohrwaschl.
Exidia recisa ist ein reiner Luftraumbesiedler, wächst also an ansitzenden Totästen und wäre am Boden nur zu finden, wenn diese gerade abgebrochen sind. Dann gehen die Fruchtkörper aber bald über den Jordan.
Ich habe heute ein paar Kreiseldrüslinge fotografiert. Die Konsistenz ist ganz anders, die Fruchtkörper fast durchsichtig, sie sind viel zarter - und wachsen nicht unterseits an liegendem Holz, während Judasohren auch unterseits rauskommen können - denen ist es wurscht, ob der Ast liegt oder ansitzt, Hauptsache, es istz feucht genug.
Exidia recisa ist im Moment an fast allen älteren Salweiden - nur meist zu einem dunklen Fleck eingetrocknet, da die Sonne doch stark reinknallte.

Liebe Grüße,
Christoph
99
Servus beinand,

vor kurzem fanden wir (Exkursionsgruppe des VfP München) in Gelbenholzen/Fürstenfeldbruck (Bericht zur Wanderung kommt zeitnah hier ins Forum) an Kirsche die lamellige Daedaleopsi...
... und heute fand ich an Weide die klassische - und ich möchte beide vorzeigen.



Diese flachhütigen, tief dunkelrotbraunen Fruchtkörper fand ich heute ganz klassische an Salweide.

Die Flachheit war auffällig:



Am gleichen Baum befanden sich auch hellere, dickere und an der Oberseite stärker zerklüftete Fruchtkörper:





Man könnte meinen, dass hier (die dunkelrotscharz/rotbraunen) Daedaleopsis tricolor und (der dickliche, oberseits unebene Fruchtkörper) Daedaleopsis confragosa s.str. am gleichen Substrat wären.

Dreht man sie aber um, so fällt auf, dass beide porig sind, der dicke sogar mit langgezogenen Poren:





Vergleicht man damit den Fund von Wildkirsche aus Gelbenholzen...





... dann bleibt bei den dunkelroten von der Salweide die dicke Anwachsstelle der jungen Fruchtkörper (beim zweiten Bild oben gut zu sehen) und natürlich die Porenform.

Ich finde es immer noch seltsam, dass hier genetisch so wenig geht - Vorliebe für Prunus / Sorbus vs. Vorliebe für Salix... Porenausprägung... und bei Daedaleopsis (confragosa var.) tricolor die immer relativ kleinen, dünnen Fruchtkörper, die oft und gerne dachziegelig wachsen (wenn das Sunstrat nicht wie in Gelbenholzen ein liegenden Stamm ist). Wäre es nur eine reine Wuchsform, dann würde ich keine andere Substratpräferenz erwarten.

Ich vermute, die Fruchtkörper sind jahreszeitlich bedingt steril, weshalb die Suche nach Dendrohyphidien bei Daed. (confragosa var.) tricolor wohl wenig bringt. Jedenfalls habe ich von dem lamelligen aus Gelbenholzen einen Beleg gemacht und werde es bei Gelegenheit versuchen, nachzusehen, ob ich was finde. Die heutigen an Weide habe ichan Ort und Stelle gelassen. Insbesondere bei den dunklen, flachen Fruchtkörpern dürfte gar nichts gehen - die sehen von untern betrachtet schon sehr fertig aus.

Liebe Grüße,
Christoph

100
Servus,
als Nachtrag zum Seeholz. Ich war diese Woche am 21.02.2019 dort und habe neben den bereits erwähnten Arten noch drei gefunden, die mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet haben.
An einem Stamm neben einer eindeutigen Buckeltramete noch ein Porling, den ich als Samtige Tramete (Trametes pubescens) angesprochen habe.




An einem halb im Boden vergrabenen Ast (vermutlich Buche, da noch Hypoxylon fragiforme zu erkennen war) saßen an der Unterseite – also im Humus – kreiselförmige  Fruchtkörper, die ich nicht einordnen konnte. Ein Freund, meinte es könnte sich um Exidia recisa handeln. Christoph hat ihn anhand des Fotos als  Judasohr (Auricularia auricula-judae) bestimmt. Durch den hypogäischen Wuchs eine etwas ungewöhnliche Wuchsform Ich kannte das Judasohr auch in jungem Zustand nur mit eindeutiger Becherform.



Das dritte Schwammerl, das ich vorstellen möchte, habe ich Vorort als Erlenkätzchen-Becherling (Ciboria amentacea) angesprochen. Zuhause am Mikroskop waren die Sporen mit 15,5 – 18 µ „zu groß“. Die Maße passen eher zu Haselnuss-Becherling (Ciboria coryli) nach Ascomyceti d’Italia bestimmt. Erlen standen herum, den Haselnussstrauch muss ich wohl übersehen haben. Oder ist jemand anderer Meinung?
Leider verwiesen alle Links auf Ciboria-Schlüssel auf eine nicht mehr zugängliche norwegische Website.




Weniger Schwierigkeiten macht die Bestimmung des Stacheligen Krustenhöckerpilz (Eutypa spinosa). Daneben ist der am Entstehen von Giraffenholz beteiligte Ahorn-Kohlenkrustenpilz Eutypa maura im Seeholz ein häufiger Kernpilz.

Schönes Wochenende noch
Schorsch

PS: Außerdem habe ich noch die Hymenochaete rubiginosa (Dicks.) Lev. = Umberbraune Borstenscheibe zu melden; allerdings ohne Foto, da ich sie schon schöner fotografiert habe.
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