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Expertenforum Mykologie / Klimawandel - Pilze auf Wanderschaft...
« Letzter Beitrag von Christoph am 8. März 2019, 13:38 »
Servus beinand,

ich möchte diesen Thread starten, um Informationen zusammenzutragen, die die Ausbreitung von wärmeliebenden Arten betrifft. Sollte ich in diversen Foren oder Publikationen etwas finden, was dazu passt, werde ich es hier verlinken und kurz vorstellen.

Mittlerweile jedem dürfte die Ausbreitung von "Clitocybe" (jetzt Paralepistopsis) amoenolens, dem Parfümierten Trichterling bekannt sein: aus Nordafrika nach Spanien, Südfrankreich, Italien (glaube ich), Österreich (Wiener Wald, leg./det. Hausknecht) und mittlerweile auch in der Schweiz. Mich würde es nicht wundern, wenn er demnächst im Rheingraben oder am Bodensee bei uns auftaucht.

Aber ein konkreter, interessanter Fall ist Pleuroflammula ragazziana - er wurde bei einer Exkursion zu Burg Rabenstein, Frohnleiten, Bezirk Graz, Steiermark, Österreich, gefunden (natürlich vom Gernot): https://www.funga-austria.at/viewtopic.php?f=11&t=184#p682

Es handelt sich dabei um eine in Afrika verbreitete Art, die adventiv in Spanien (auch auf den Kanaren), Portugal und in Frankreich (Bretagne, mildes, ozeanisches Klima ohne oder mit seltenem Frost) vorkommt - siehe Hausknecht & Reinwald (2001). Dort findet sich auch eine Beschreibung, Mikromerkmale, ein Foto - die aktuellen Fotos von Gernot passen haargenau.

Offenbar breitet sich auch diese Art aus. Mal schauen, wann sie bei uns auftaucht.

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: natürlich ist jeder eingeladen, hier bei diesem Thread mitzumachen  :)

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Servus beinand,

in der vorletzten Ausgabe der Zeitschrift "Fungal Diversity" ist ein Artikel über den Zusammenhang zwischen der Fähigkeit, extreme Umweltbedingungen zu ertragen und als Pathogen an Säuetieren leben zu können. Zudem wird überprüft, inwiefern diese Eigenschaften im Stammbaum der Pilze vertreten sind.

Als Beispiel nenne ich mal den Spaltblättling - er hält große Hitze im Substrat aus, auch Trockenheit, schafft aber auch, andere, extreme Habitate zu besiedeln (ich habe mal gelesen, dass er auch auf Silage geht), besiedelt aber auch potentiell die Lunge und geht auf Nervenzellen des Menschen. Es kann also durchaus so ein Zusammenhang bestehen.

Beruhigend ist, dass nur wenige Pilzearten wirklich human- bzw. mammal-pathogen wirken (natürlich vor allem Arten der Onygenales, aber auch aus anderen Ordnungen - zumal eine der häufigsten humanpathogenen Pilzart - Malassezia furfur - meines Wissens zu den Exobasidiales gehört (auf alle Fälle aber zu den Ustilaginomycetes).

Der Artikel ist sehr anspruchsvoll, aber ich denke auch für uns Amateure lesenswert. Ist mal eine andere Ecke der Mykologie ;-).

Hier der Link zum Artikel (frei lesbar, open access):
https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs13225-018-0414-8.pdf

Cene Gostincar, Janja Zajc, Metka Lenassi, Ana Plemenitas, Sybren de Hoog, Abdullah M. S. Al-Hatmi, Nina Gunde-Cimerman (2018): Fungi between extremotolerance and opportunistic pathogenicityon humans. Fungal Diversity 93:195–213; https://doi.org/10.1007/s13225-018-0414-8

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

ich muss (leider) ein Update machen... Ich bin gerade dabei, mich durch die Funde von 2018 durchzumikroskopieren. Jetzt habe ich mir diesen Agaricus vorgenommen...

und... nun ja, die Sporenmaße passen nicht zu Agaricus pseudopratensis.

Ich komme auf 7,0-8,1-8,75 x 4,25-4,8-5,5 µm

Damit sind sie deutlich zu groß für Agaricus pseudopratensis. Nur was ist es dann?

Das Fleisch roch unangenehm, nach Karbol. Der Fruchtkörper hat schwach gegilbt, danach dann deutlich gerötet. Die Stielbasis hat keine abgesetzte Knolle.

Agaricus menieri würde hinsichtlich der Sporenmaße passen, ist aber eine Art der Sanddünen und hat eine deutlich gilbende Stielbasis. Passt also auch nicht.

Ich wüsste aber auch nicht, wohin er sonst passt als in eine der beiden Sektionen Xanthodermatei und Hondenses (die beide giftige Arten enthalten).

Die Lamellenschneide ist natürlich steril und von Chelizystiden besetzt (so um die 17-24 x 7,5-14 µm) und die Sporen haben keinen Keimporus. Es ist also auch definitiv kein Wiesenegerling i.w.S., der halt mal komisch roch.

So ist es ein Agaricus spec. (die häufigste Art der Gattung), aber die Warnung bleibt natürlich dennoch bestehen. Zum einen hatte ich den echten Agaricus pseudopratensis schon in Österreich (da passten die Sporenmaße auch), zum anderen wurde Agaricus pseudopratensis bei uns schon oft genug kartiert - er ist also da. Und Agaricus freirei schein in Brandenburg ja auch schon da zu sein.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Russularum Icones Gesucht ...
« Letzter Beitrag von Schorsch am 7. März 2019, 15:41 »
Servus,
die Tage erreichte mich ein Mail von Helga:
Liebe Pilzfreunde,
da mein Täublingsbuch RUSSULARUM ICONES vergriffen ist, habe ich eine CD in Vorbereitung. Sie wird den kompletten Inhalt der beiden Bände meines Werkes mit einer Reihe von Ergänzungen enthalten. Beigefügt sein wird z.B. ein auf die einzelnen Arten führender Bestimmungsschlüssel samt Register von Andreas Bresinsky. Von den dort genannten Arten führen Links interaktiv auf schnelle und einfache Weise zu den Farbtafeln und Beschreibungen des Buches und wieder zurück. Weitere Details: 8 Addenda mit Farbtafeln und Beschreibung neben einer kleinen Liste der Errata et Corrigenda zum vergriffenen Druckwerk. Als Beilage zur CD mitgeliefert wird ein hochwertiger Druck einer Sporenstaubfarbtafel, die für die Artbestimmung der Russulae notwendig ist.
Die Auflagenhöhe wird aufgrund der Nachfrage festgesetzt. Ich hoffe, der mir bekannt gewordenen Nachfrage dadurch entgegen zu kommen. Der Subkriptionspreis von 25 Euro ist gültig bis 15.Mai 2019 (Vorkassenzahlung), danach beträgt der Kaufpreis 35 Euro.
Auslieferungstermin: ca. 15. Mai 2019
Bestellungen über den Anatis Verlag, Helga Marxmüller, München via email: anatis.verlag@gmail.com
Mit herzlichen Mykogrüßen
Helga Marxmüller

Bei einem Telefonat heute sagte sie mir, dass die Farben, die ja fürs Buch konzipiert waren, nicht ganz die Qualität des Buches erreichen; aber man könne bei entsprechender Bildschirmeinstellung gut damit arbeiten. Ich weiß, dass sie als Künstlerin Nuancen der Farben in einer Weise sieht, die für Normalsterbliche kaum nachvollziehbar sind. Ich habe zu der Farbtafel im Buch von ihr eine Farbtafel bekommen, eine Vorlage so wie sie sich es vorgestellt hatte. Also ganz erhrlich: ich sehe (kaum) einen Unterschied. Also bin ich hinsichtlich der CD sehr optimistisch, noch dazu zu dem Preis!
Liebe Grüße Schorsch
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So, jetzt bin ich ein bisserl schlauer...

Der Resupinatus bleibt spannend. Man kann sowohl R. trichotis als auch R. applicatus ausschließen. Die Anatomie entspricht ganz gut Resupinatus striatulus im Sinne von Consiglio & Setti (2018), nur passt da - bis auf den Belag auf der Hutoberseite - die Makroskopie nicht. Es bleibt spannend.

Mittlerweile habe ich die Exidia mikroskopiert. Sie ist wie zu erwarten noch jung, sporuliert aber bereits. Die Sporen sind klein, 10,0-12,25 x 3,75-4,25 µm, Q = 2,6-3,0
Ich habe aber nur schnell neun Sporen gemessen - es sind nicht sehr viele im Präparat gewesen, die Sporen haben aber teils schon Sekundärsporen gebildet.

Es ist damit Exidia nigricans im engen Sinn. Bei Exidia schlage ich immer wieder gerne bei Neuhoff nach. Er beschreibt die typischerweise kleinsporige Exidia nigricans (als E. glandulosa) entsprechend, erwähnt aber, dass es auch Kollektionen mit deutlich größeren Sporen gibt. Das kann ich auch an eigenen Funden bestätigen. Bei mir geht das dann bis auf 18 x 6 µm rauf. Hier ist es aber die ganz typische, "normale" Exidia nigricans. Die Drüsenwarzen werden sich noch im Laufe des Wachstums ausprägen (ein Baby eben).

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

ich habe zusammen mit Prof. Dr. Irmgard Krisai-Greilhuber und Gernot Friebes (beide hier im Forum dabei) einen Artikel über Sarcodon fennicus geschrieben - das war anlässlich eines Fundes aus dem Jahr 2018.

Ihr könnt den Artikel, wenn ihr euch für die Gattung Sarcodon interessiert, hier downloaden: https://www.univie.ac.at/oemykges/wp-content/uploads/2019/02/Hahn_Fennicus_OZP27.pdf

(er ist open access)

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

schon vor ein paar Jahren habe ich die Dissertation von Jennifer McDonald online gefunden, die sich auf 297 Seiten ausführlichst mit der Gattung Resupinatus beschäftigt. Nachdem in Deutschland die Artenzahl teils auf eins(!) heruntergeschraubt wurde, war ich überrascht, dass die Gattung Resupinatus dann doch so artenreich ist - und entsprechend schwierig, weil ja alle irgendwie gleich aussehen.

Edit: Consiglio & Setti (2018) haben in ihrem aktuellen Werk über Hohenbuehelia auch Resupinatus mit "verarztet". Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm... Damit ist McDonald (2015) schon etwas veraltet... und die Artenzahl der lamelligen Taxa bei Resupiantus gestiegen. Der Schlüssel stellt zwar den Stand von 2015 dar, ist damit aber nicht ganz aktuell.
Im Fall von R. striatulus unterscheiden sich die Konzepte hinsichtlich der Sporenmaße und -form. Das macht es nicht einfacher, aber spannend(er).


Da ich selber bisher noch nicht sehr tief in die Gattung eingestiegen bin, habe ich erstmal die Arbeit durchgelesen und mir dann auf später aufgehoben, mir das mal zusammenzufassen. Dies ist jetzt zunächst mit einem (noch provisorischen) Schlüssel zum Teil geschehen. Ach ja, Resupinatus applicatus ist genetisch klar von Resupinatus trichotis getrennt. Zudem ist Resupinatus applicatus eine Sammelart mit 5 Clades, aloso sind es wohl (mindestens) fünf Arten - davon treten zumindest zwei in Europa auf. Man kann daher im Moment Resupinatus applicatus nicht sauber bestimmen (per Sequenz ist es nur dahingehend ein Problem, dass es noch kein Typusexemplar definiert wurde).

Ich hänge den Schlüssel auch wieder (wie üblich) als Word-Dokument an. Für die, die den Schlüssel einfach so mal schnell ansehen wollen, füge ich ihn auch hier im Thread an (mit einem Layout, das ich aber nicht hinbekomme, daher besser das Word-Dokument anschauen).  8)

Vielleicht hilft der Schlüssel und der Link allen Interessierten. Und was die Vielfalt der cyphelloiden / stromatösen Resupinatus-Arten angeht, ist auch erstaunlich. Die Gattung hat was...  :D

Hier nun der Schlüssel:

Provisorischer Schlüssel der lamelligen Resupinatus-Arten Europas
Von Christoph Hahn (nach MCDONALD 2015)

1 Sporen zylindrisch, (5,5-)6,0-7,5 x (2,5-)3-3,5 µm ........................................... Resupinatus alboniger
1* Sporen kürzer und breiter ... 2

2 Cheilocystiden relativ breit, (5,0-)5,5 - 7,5 µm dick; Sporen kugelig ................................................... 3
2* Cheilocystiden schmaler, 3,5-6 µm dick; Sporen kugelig bis ellipsoid/ eiförmig ................................. 4

3 Fruchtkörper sehr klein, 0,2-3 mm im Durchmesser, an Laubholz (Fagus, Ulmus) ; Lamellen enden nicht an einem gemeinsamen Punkt, sondern lassen in der Hutmitte eine deutliche Lücke; Sporen 4-5 µm im Durchmesser; Fruchtkörper nicht durchsichtig, ungerieft.......................................... Resupinatus kavinii
3* Fruchtkörper größer, 2-7 mm im Durchmesser, meist an morschem Nadelholz; Lamellen enden in gemeinsamem Punkt, lassen keine Lücke in der Hutmitte; Sporen minimal größer, (4,25-) 4,75-5,5 (-5,75) µm; Fruchtkörper quasi durchsichtig, daher frisch deutlich gerieft .......................... Resupinatus striatulus

4 Fruchtkörper sehr groß werdend, bis 15 (-20) mm im Durchmesser; Huthaut in der Hutmitte meist mit deutlich abgesetztem, schwarzen Haarfilz; Cheilozystiden 20-27 x 5-6 µm, gerne neben fingerförmigen Auswüchsen auch mit dünnen, spitzen Auswüchsen („Dornen“); an stärker zersetztem Laubholz; Sporen mehr kugelförmig, bis 5,25 µm im Durchmesser ......................................................... Resupinatus trichotis
4* Fruchtkörper zierlicher, bis ca. 7 mm im Durchmesser; Huthaut mit hellem, nicht so deutlich abgesetztem Tomentum; Cheilozystiden 18-25 x 3,5-5,0 µm, mit fingerförmigen, divertikulierten Auswüchsen, ohne Dornen; meist an wenig zersetztem, frischen Laubholz; Sporen kugelig bis breit ellipsoid/ovoid, bis 5,5(-6,0) µm lang  ................................................................ Resupinatus applicatus s.l.

Verwendete Literatur:
McDonald J (2015): Morphological and Molecular Systematics of Resupinatus (Basidiomycota). Electronic Thesis and Dissertation Repository. Paper 3135. 297 pp. The University of Western Ontario.

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

mittlerweile gestern habe ich nochmal kurz die Salweide besucht und nach weiteren Pilzen Ausschau gehalten, die ich beim ersten Besuch übersehen habe oder die neu fruktifizieren.

Ich fange da erstmal mit etwas Banalem an...

Datronia mollis - ich finde die Art makroskopisch leicht kenntlich.



Die leichte Ablösbarkeit vom Substrat, der feine Geruch nach Aprikosenmarmelade beim Eintrocknen, die großen, grauen Poren mit dicken Dissipimenten.

Neu wächst Exidia cf. nigricans - noch sehr jung, ich habe sie noch nicht mikroskopiert, da ich mit der kleinen gelben Orbilia angefangen habe, die man auch auf dem Foto sieht - und die ich nicht bestimmen konnte, auch noch zu jung...





Sporen sehr klein, bis ca. 3 x 2 µm, leicht gebogen, aber nicht so stark wie Orbilia xanthostigma, geschweige denn grobwarzig. Oder junge Sporen sehen noch nicht so aus, wie sie später aussehen sollen. Da fehlt mir die Erfahrung und das Wissen. Um Orbilien habe ich meist einen Bogen gemacht.

Ein Klassiker ist Fomitiporia punctata.





Es ist die voll resupinate Schwester von Fomitiporia rubusta und F. hartigii. Es gab davon auch Leichen, aber an denen wuchs nichts mit der Lupe sichtbares, weshalb ich die Leichen im Wald gelassen habe.

Und wenn man genauer hinschaut, findet man auch so Winzlinge wie diesen Resupinatus:





Er ist der Grund, warum ich den Rest der hier gezeigten Pilze noch nicht mikroskopiert habe (bis auf die Orbilia eben). Denn ich schwimme mit der Bestimmung.

Es gibt zwar nur fünf beschriebene Arten mit Lamellen in Europa (soweit ich weiß):

Resupinatus albonigra
R. applicatus
R. kavinii
R. striatulus
R. trichotis

Allerdings ist Resupinatus applicatus ein Aggregat aus wohl fünf Arten (die Genetik...)
Resupinatus trichotis - im deutschsprachigen Raum immer und immer wieder mit R. applicatus synonymisiert, ist genetisch betrachtet deutlich eigenständig (es ist nur noch nicht klar, welcher Clade von R. applicatus der Typus ist, da nur ein Iconotypus von Batsch vorliegt...), ähnelt aber anatomisch doch sehr R. applicatus s.str.
R. kavinii kann man makroskopisch ausschließen und R. alboniger hat größere Sporen als die Kollektion hier. Und R. striatulus wächst meist an Nadelholz (aber eben nicht immer).

Bleibt R. trichotis oder R. applicatus s.l.

Und da ich keine schwarzen Haare am Fruchtkörperansatz sehe, müsste es eher R. applicatus sein. Das Ding lässt sich aber nur mit Mühe sauber mikroskopieren (komplettes Gummifleisch und Gummilamellen), sodass die Präparation wohl getrocknet leichter fällt. Zudem ist der Kristallmantel auf dem Hut überraschend - präpariert man, sieht man im Mikroskop Unmengen an groben Kristallen. Und die Cheilozystiden sind komplett miteinander verwurschtelt und kaum darzustellen (mit Mühe geht es, die langen, dünnen Dornen, die R. trichotis hier zeigt, scheinen zu fehlen).

Mehr dazu wohl in einem eigenen Thread über Resupinatus (mal schauen, wann ich dazu komme - in der Gattung hat sich einiges getan).
Jedenfalls ist es nicht so einfach, wie oft suggeriert wird. Bei Resupinatus ist noch echter Forschungsbedarf (wie bei vielen Kleingattungen).

Liebe Grüße,
Christoph
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Lieber Mario,

erstmal herzlich willkommen hier bei uns im BMG-Forum!

120 Tage... ja, das wird (leider) bei manchen Threads immer wieder mal passieren. Hier liegt es, was mich betrifft, an dem extrem trockenen Jahr 2018, weshalb ich in der Hauptsaison keine Gallerttränen gefunden / untersucht habe. Und im Winter hatte ich leider keine Zeit *grummel*.
Was aber der Vorteil dieser Sammelthreads ist: man kann sie jederzeit reaktivieren und aktualisieren. Über den Index findet man die Threads auch schnell wieder, wenn sie zu weit runtergerutscht sind.

Was Dacrymyces stillatus s.str. angeht, schwimme ich - ganz ehrlich gesagt - ohne Nebenfruchtform. Fehlt die komplett, muss man immer auf Dacrymyces minor achten. Ich folge da primär der Dissertation von Göttel, die Dacrymyces minor auch mit dicken Wänden kennt.
Ich meine, Dacrymyces stillatus ohne Nebenfruchtform an den kurzzelligen, dickwandigen, sterilen Elementen im Hymenium zu erkennen:


Am sterilen Fruchtkörperrand müssten diese Strukturen zu sehen sein:



- also kurz septierte Haare an der Außenseite.

Das Problem ist, dass diese schnallenlosen Gallerttränen ziemlich merkmalsarm sind. Und die Dicke der Sporensepten schwankt offenbar sehr. Daher kann ich rein vom den Fotos ausgehend die Bestimmung nicht bestätigen. Es empfiehlt sich, typische Dacrymyces stillatus mit Nebenfruchtform zu sammeln, um dort nochmal die definitiv richtig bestimmte Probe als Abgleich anzusehen. Ich finde dann immer wieder diese sterilen Elemente im Hymenium. Allerdings ist meine Probenzahl auch nicht sehr hoch, weshalb ich die Variabilität auch nicht abschätzen kann.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Trino am 1. März 2019, 10:22 »
Ein sehr interessanter Artikel danke Christoph, und übrigens seid 120 Tagen nichts mehr hier geschrieben? Sind uns die Gallerttränen aus gegangen ;-) ?

Gut ich hätte jetzt auch eine Dacrymyces die als D. stillatus bestimmt worden ist (In FB von B. Wergen), die möchte ich hier auch noch vorstellen, ich entschuldige mich schon mal das die Dokumentation womöglich lückenhaft ist aber ich habe mich mit Gallerttränen nie wirklich beschäftigt.

Der Fund ist von 16.02.2019 aus der Ohligser Heide, Oberseite eine Kiefern Stamm.



Keine Schnallen und keine Dikaryophysen gesehen.

Basidien





Sporen, die Septen sind verdickt, und die Maße passend.



Ich werde mich ein bisschen mehr mit den Tränen beschäftigen dem nächst vorausgesetzt ich finde welche.
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