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Servus beinand,

ich bin beim Recherchieren über Strophariaceae über einen Artikel gestolpert, der schon etwas älter ist, mir aber neu war und, wie ich finde, inhaltlich sehr interessant ist:

Walther G. & Weiß M (2008): Anamorphs in the Strophariaceae (Agaricales). Botany 86: 551-566. https://doi.org/10.1139/B08-036

Strophariaceae sind hinsichtlich ihrer Lebensweise eh sehr interessant. So sind die "echten" Träuschlinge ja Nematodenjäger mit Fangzellen im Myzel, wodurch mittlerweile die Gattung definiert wird. Dass da auch Nebenfruchtformen existieren, ist naheliegend - analog ist es ja auch bei Hohenbuehelia. Das Paper zeigt aber auch die Nebenfruchtformen von Schüpplingen, dem Stockschwämmchen, von Schwefelköpfen (usw.).

Die Konidienträger können "coiled" sein, also wirr eingerollt, oder aber auch kurz und gerade oder lang und gerade - die Konidien sind auch unterschiedlichst geformt... nierenförmig gebogen bei Kuehneromyces mutabilis, etwas plump und dickwandig bei Pholiota alnicola, in Ketten und zerbrechend bei Pholiota gummosa oder "langweilig" als einfach zerfallende Hyphen bei Stropharia rugosoannulata.
Manche Konidien sind selber verwurschtelt, andere sehr regelmäßig geformt.

Unabhängig von der Ästhetik dieser uns meist verborgenen Vielfalt zeigt es mit jedenfalls, wie wenig wir allgemein über die Lebensweise von Großpilzen wissen. Bei Becherlingen, Pyrenomyzeten i.w.S. und anderen Ascmomyzeten ist uns klar, dass sie "Schimmelpilze" sein können oder sogar eigene, anamorphe Fruchtkörper bilden (z.B. Pycnidien, die sog. Coelomyzeten), teils das asexuelle Stadium andere Lebensräume als die sexuelle Form besiedeln (Generationswechsel - z.B. bei manchen Orbilia-Artn von trockenen Ästen in Baumkronen als sexuelles Stadium hinein in die Bäche als aquatische anamorphe Stadien).
Dass aber auch normale Lamellenpilze Nebenfruchtformen haben, ist, denke ich, nicht jedem bekannt. Ich wusste es bisher von Tintlingen i.w.S., dann von Nyctalis (hier die Hefestadien) und ich hatte immer wieder mal irgendwo was über die eine oder andere Nebenfruchtform gelesen. Hier kam es aber geballt.

Die Nebenfruchtformen wurden von den Autoren aus Einkernmyzelien und aus Zweikernmyzelien erzeugt (also aus den sog. Primärmyzelien sowie aus den schon "gepaarten" Sekundärmyzelien). Letztere kann man bei den Strophariaceae leicht an den Schnallen erkennen.

Als Beiprodukt wurden von mehreren Stropharia-Arten die Nematodenfangzellen auf Agar entdeckt. Zudem behandelt der Beitrag Myzelzystiden, was ich auch interessant finde (hatte ich bei meinen Kremplingsstudien auch betrachtet).

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus Werner,

danke für den Aufruf! Bin mal gespannt, ob jemand fündig wird. Ich finde die Rhytismatales eh interessant - es gibt da eben mehr als nur den Ahorn-Runzelschorf  ;)

Neben Therrya pini sieht, finde ich, auch Tryblidiopsis pini makroskopisch ähnlich - hat aber ganz andere Sporen. Man muss also definitiv mikroskopieren. Die "Teerflecken" sind für alle dreio typisch. Ich selber habe hier ja kaum Kiefern, insofern weiß ich nicht, ob ich beispielsweise fündig werde. Vielleicht finde ich aber mal Tryblidiopsis pini, denn diese Art wächst auch an Fichte.

Noch zwei Literaturstellen als Tipps:

Für Therrya:
Solheim H., Torp T.B., Hietala H.M. (2013): Characterization of the ascomycetes Therrya fuckelii and T. pini fruiting on Scots pine branches in Nordic countries. Mycol Progress 12: 37–44.
DOI 10.1007/s11557-012-0813-2


Für Tryblidiopsis:
Livsey S. &  Minter D.W. (1994): The taxonomy and biology of Tryblidiopsis pinastri. Can. J . Bot. 72: 549-557.

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand',

heut stell' ich mal einen zumindest ortshäufigen leicht bestimmbaren Ascomycet vor, der aerophil an Kiefernästen wächst, und, ähnlich wie Colpoma quercina an Eiche, der Kiefer zur "Selbstbeschneidung" dient.
Bei einer Exkursion in Oberfranken mit der PKA Coburg fielen mir diese kleinen schwarzen leicht polsterförmigen Flecken an einem herabgefallenen teilberindeten Kiefernast auf, die Peter Püwert schon makroskopisch als Therrya fuckelii ansprechen konnte.
Nach einem längeren Wasserbad schwellen die Fleckchen etwas auf, bei manchen reißt das schwarze Häutchen sternförmig auf und gibt eine hellgelbliche Fruchtschicht frei.
Unter dem Mikroskop fallen die viersporigen Asci auf, in denen sich parallel angeordnete mehrfach septierte Sporen mit über 100 mü Länge befinden.
Auffällig sind auch die langen hyalinen beiderseitigen Anhängsel, wodurch die Art auch unreif meist bestimmbar ist.
Verwechselt werden kann T.fuckelii mit der scheinbar viel selteneren T. pini, die kürzere Sporen ohne derart ausgeprägten hyalinen Anhängsel hat. Die Asci sind achtsporig und die Sporen zu einer Helix verdreht angeordnet.
Ich finde T. fuckelii in den Kiefernwäldern rund um Bamberg bei praktisch jeder Exkursion, und auch im Münchner Raum wurde ich z.B. im Kapuzinerhölzl und im Münchner Norden bei Oberschleißheim gleich fündig.
T.fuckelii ist außer in Oberfranken bisher nur ein mal vom Till bei Traunstein kartiert.
Eine schöne Beschreibung der Art von Fredi Kasparek ist hier einzusehen:
https://www.fredis-pilzseite.de/fototherrya-fuckelii/

An liabn Gruaß, Werner



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Plattform für Pilzfreunde / Re: Aprilpilze 2019
« Letzter Beitrag von Rudi am 13. April 2019, 22:10 »
Danke! 8)
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Aprilpilze 2019
« Letzter Beitrag von Jenny am 13. April 2019, 21:28 »
Wirklich tolle Bilder Rudi!

Lg Jenny
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Expertenforum Mykologie / Schlüssel der "Gifthäublinge" nach Smith & Singer 1964
« Letzter Beitrag von Christoph am 13. April 2019, 16:30 »
Servus beinand,

die Monographie von Smith & Singer (1964) ist natürlich nicht mehr aktuell, aber sie ist zumindest eine Grundlage für die Galerina-Bestimmung, da dieses Werk sich auch die Interpretation alter Namen stark beeinflusst hat. Ich bestimme gerne nach diesem Werk und schaue danach dann in aktuelle Bearbeitungen hinein.

Gulden et al. (2001) haben den ganzen Galerina-marginata-Komplex genetisch betrachtet, allerdings nicht nach den heutigen Maßstäben. Sie nutzten noch RFLPs und gleichen den RFLP-Stammbaum dann mit einem ITS-Stammbaum ab, wobei der RFLP-Stammbaum als Basis und Borlage genommen wurde. Kurz gesagt: die Synonymisierung aller von Gulden et al. (2001) untersuchten Gifthäublingstaxa kann man anwenden, muss es aber nicht, da dieser Schritt auch zu früh sein kann. Wer versuchen will, Gifthäublinge genauer zu bestimmen, kann es mit dem "Original" versuchen (Smith & Singer 1964). Daher habe ich aus diesem Werk den entsprechenden Schlüssel übertragen und etwas ergänzt (Galerina autumnalis ist bei Smith & Singer in einem anderen Stirps als Galerina marginata und daher in einem anderen Schlüssel).

Wie immer lade ich das Word-Dokument des Schlüssels hoch, kopiere ihn hier aber zum schnellen Überfliegen mit hinein (das Layout ist dann manchmal etwas zerschossen, zum schnellen Lesen reicht es aber).

Viel Vergnügen mit Bestimmungsversuchen  ;)

Liebe Grüße,
Christoph


Schlüssel der Gifthäublinge nach Smith & Singer (1964) – zusammengestellt von C. Hahn


In den Schlüssel wurde Galerina autumnalis mit einbezogen, die Smith & Singer (1964) in einen anderen Stirps platzierten, da die gelatinöse Huthaut von ihnen sehr hoch gewichtet wurde. In dem Schlüssel sind einige Arten enthalten, die nach damaligem Stand nicht in Europa vorkommen. Dies ist jeweils hinter den Arten erwähnt. Der Schlüssel ist keine (bzw. nicht überall eine) wortwörtliche Übersetzung des Originalschlüssels, sondern anhand der Beschreibungen der Art in de Monographie teils etwas abgewandelt / überarbeitet / konkretisiert worden. Auch enthält der Originalschlüssel keine geographischen Angaben.

Der Schlüssel:

1 ohne Pleurocystiden (Art aus Alaska) …………………………………………………………………. Galerina wellsiae
1* mit Pleurocystiden ………………………………………………………………………………………………………………………. 2

2(1) im Offenland, in Wiesen, nicht lignicol; Geschmack im Hals kratzend-brennend (Art aus Oregon, U.S.A.) ....…………………………………………………………………………………………………………….. Galerina venenata
2* wenn im Offenland / in Wiesen, dann kein Kratzen / Brennen im Hals erzeugend ………………………. 3

3(2) äußere Sporenwandschicht runzelig, sich sehr leicht und stark vom Endospor ablösend, d.h. Sporen sehr deutlich kalyptrat (Art aus Südamerika und Japan, in Europa aus Gewächshäusern bekannt) ………………………………………..…………………………………………………………..……… Galerina helvoliceps
3* Exospor sich nur an einzelnen Stellen ablösend, Sporen nur wenig kalyptrat ………………..………………. 4

4(3) Zwischen Sphagnum in Sphagnum-Mooren Südamerikas vorkommend ……..….. Galerina riparia
4* Nicht sphagnicol ………………………………………………..………………………………………………………………………… 5

5(4) An Grashorsten in den südamerikanischen Anden oberhalb von 3.000 m ….... Galerina infernalis
5* An Holz, zwischen Moos, in der Nadelstreu oder Humus besiedelnd ……………………..……………………. 6

6(5) Huthaut auffallend viskos, abziehbar, gummiartig gelifiziert; Ring meist relativ dünn, flüchtig, dennoch aus Velum universale gebildet (jung aufsteigend); an Holz ………….……… Galerina autumnalis
6* Huthaut feucht etwas schmierig, aber nicht auffallend gelatinös; Ring dünn bis kräftiger; an Holz, zwischen Moos, in der Nadelstreu oder Humus besiedelnd ……………………………………………………………… 7


7(6) Sporen von 4-sporigen Basidien / Kollektionen auffallend lang, 10-13 x 5- 6,5 µm; Pleurocystiden in Wasser und KOH farblos-hyalin; unterhalb des Rings mit einer weißen, faserigen Ringzone (Rest des Velum universale); zwischen Moosen wachsend (Art aus Colorado, U.S.A.) ……………………………….... ………………………………………………………………………………..……………………………………….. Galerina platyphylla
7* Sporen von 4-sporigen Basidien / Kollektionen kürzer, 7-10(-11) µm; Pleurocystiden in KOH farblos-hyalin oder gelb ……………………………………………………………………………………………………………………. 8

8(7) unterhalb des Rings mit fein faserig- schüppchenartigen Resten Velum universale; Pleurocystiden meist gelb in KOH (Art aus dem Bundesstaat Washiongton, U.S.A. oberhalb 1000 m)……………………………………………………………………………………………………………………………… Galerina vialis
8* Velumreste zwar faserig, aber wenig bis kaum flockig/schuppig; Pleurocystiden nicht gelb in KOH ………………………………………………………………………………………………………………………………………………..……. 9

9(8) Sporenornament sehr fein, nur schwach im Mikroskop erkennbar, fast glatt erscheinend …….. 10
9* Sporenornament unter Ölimmersion gut und deutlich erkennbar …………………………………………….. 12

10(9) auf Kiefernnadeln wachsend; Sporen blass ocker im Mikroskop und mit auffallend dünner Wand (europäische Art)  …………………………………………………………………………………… Galerina pinetorum
10* nicht an Kiefernnadeln wachsend; Sporen dunkler und mit deutlicher Wand (Arten aus Nord- und Südamerika)  ………………………………………………………………………..………………………………………………………… 11

11(10) Lamellen eng stehend; Pleurocystiden unterscheiden sich in der Form von den Cheilocystiden und sind gestielt-blasig bis keulenförmig, nicht flaschenförmig (Art aus Argentinien) ………………………… ………………………………………………………………………………………………………………………….. Galerina physospora
11* Lamellen entfernt stehend; Pleurocystiden wie Cheilocystiden geformt (Art aus dem Bundesstaat Washington, U.S.A. …………………………………………………………………………………….……….. Galerina rudericola

12(9) Pleurocystiden häufig mit einem oder mehreren fingerartigen Auswüchsen; Ring häutig (Art aus Südamerika, Patagonien, an Nothofagus-Holz) ………………………………………………….. Galerina patagonica
12* Pleurocystiden ohne fingerartige Auswüchse …………………………………………………………………………. 13

13(12) Huthautfeucht etwas schmierig, aber nicht gelatinös; Hut deutlich hygrophan; an Holz; Sporen (von 4-sporigen Basidien / Kollektionen) nur bis 6 µm breit werdend .………………. Galerina marginata
13* Huthaut etwas gelatinös, zu Galerina autumnalis vermittelnd; Hut nicht oder wenig hygrophan; praticol (in Wiesen), am Boden, Humus besiedelnd; wenn an Holz vorkommend, dann dieses meist finalfaul; Sporen (von 4-sporigen Basidien / Kollektionen) breiter, bis 7,5 µm breit ..…………………………
………………………………………………………………………………………………………………………..……. Galerina unicolor

Literatur:
Gulden G., Dunham S. & Stockmann J. (2001): DNA studies in the Galerina marginata complex. Mycol. Res. 105(4) : 432-440.
Smith A.H. & Singer R. (1964): A Monograph on the Genus Galerina. Hafner Publishing Company. 384 pp.
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Servus Rudi,

sehr schöne Fotos - danke für's Verlinken  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus Christian,

vielen Dank für deinen Einwurf! Ich habe mich nämlich (versehentlich) zu unklar ausgedrückt und bei einem Punkt einen Fehler gemacht.

Daher erstmal ganz grundsätzlich, um das ganze etwas besser zu strukturieren:

Die Gattung Meruliopsis wurde von Bondartsev für Xylomyzon taxicola Pers. aufgestellt, insofern ist Meruliopsis taxicola der Typus der Gattung.

Binder et al. (2013) haben in ihrer unglaublich aufwendigen Studie (Multigenanalyse passt hier wirklich - bis zu 356 Gene wurden untersucht, aber nicht für alle Taxa. Für den Hauptstammbaum waren es weniger (ich finde gerade nicht die Anzahl, das fehlt in der Legende der dortigen Fig. 4). Sie haben auch schon deutlich gemacht, dass Meruliopsis taxicola nicht in die Gattung Gloeoporus gehört. Meruliopsis taxicola gehört zwar auch in den "phlebioid clade", steht aber den Gattungen Ceriporia, Ceriporiopsis und Byssomerulius nnäher.
Jung et al. (2018) bestätigen das. Als ich den Artikel las, hätte ich nochmal den von Binder et al. (2013) durchackern sollen und beide vergleichen. Jung et al. (2018) ging es ja primär um die Beschreibung zweier neuer Gloeoprus-Arten und die Bestätigung, dass Meruilopsis taxicola (und ein paar wenige weitere "Gloeoporusse" nicht zu Gloeoprus gehören).

Das wollte ich zusammenfassen. Für mich ist dabei der Name Meruliopsis corium so fest "eingebrannt", dass ich ganz übersehen hatte, dass in beiden Artikeln "Meruliopsis" corium wieder Byssomerulius corium ist. Byssomerulius corium wiederum ist nah mit Meruliopsis taxicola verwandt, aber eben nicht kongenerisch.

Ergo: Unser an Kiefern wachsender Ex-Gloeoporus ist wieder und definitiv Meruliopsis (da der Gattungstypus); Gloeporus ist zwar in der entfernten Verwandtschaft (alles rund um Phlebia), aber dort in einem anderen Ast des Stammbaums.
Meruliopsis taxicola ist zusammen mit anderen Meruliopsis-Arten wie z. B. M. albostramineus auf dem selben Hauptast wie Byssomerulius, Ceriporia, Ceriporiopsis, Irpex, Trametopsis, Leptoporus usw., hier aber am nächsten mit Ceriporia und Leptoporus verwandt (aber nicht ganz sauber aufgelöst).
Binder et al. (2013) hatten weniger Arten aus Gloeoporus s.str. und Meruliopsis (usw.) analysiert, da sie ja über die ganzen Porlinge hinweg ihre Bäume gerechnet hatten.

Ich hatte beim Schreiben nur automatisch den "Lederartigen Fältling" zu Meruliopsis gesteckt. Ich bessere das gleich im Ausgangbeitrag aus.  ;)

Liebe Grüße,
Christoph



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Hallo Christoph,

was haben dann Binder et al. 2013 falsch gemacht? Dort steht "Byssomerulius" corium weit weg von "Gloeoporus" taxicola auf entfernten Ästen! Also kein "Support" für eine Verwandschaft auf Gattungsebene (Meruliopsis)! Neben Gloeoporus dichrous ist im Stammbäumchen dafür "Gelatoporia" pannocincta platziert. In manchen Systematiken finde ich daher diesen Ceriporiopsis pannocinctus im Verein der Gloeoporuse. Was aus der Arbeit von Binder et al. wohl hervorgeht.

Viele Grüße
Christian
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