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GriasDi Christoph,
zu den von Dir beschriebenen Unterschieden (Sporengröße, Substrat und Farbe und Form der Stromata) gibt es wohl auch deutliche Unterschiede bei den Ostiolen.
Ich hab die "Flächigen" bis heuer immer als D. stigma s.l. kartiert mit Angabe des Substrats. Da ich seit ein paar Wochen eine Stereolupe habe, hab ich bei meinen letzten Exkursionen aber schon mehrere Aufsammlungen an verschiedenen Substraten (hpts. Birke und Eiche) gemacht um mir die mal genauer anzuschauen. Bin selbst schon gespannt was rauskommt.
Ich hab den Diatrypeartikel von Görke /Lotz-Winter angehängt, in dem eben gerade D. undulata und D. stigma s.str. auch anhand der Ostiolen gut trennbar sein sollten. Wichtig wird aber wohl sein, dass die Stromata noch ganz frisch und absolut unverwittert sind.
Zu Deiner D. verruciformis an Birke... Ich dachte die "D. verruciformis" an Birke würde "D. favacea" genannt, obwohl es eigentlich außer dem Substrat keine Unterschiede gäbe.
An liabn Gruaß,
Werner
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BMG e.V. / Re: 10 Jahre BMG-Forum - runde Geburtstage sind was Schönes...
« Letzter Beitrag von Renate am 20. April 2019, 13:16 »
Lieber Christoph,

Herzlichen Glückwunsch.

Da hast Du/da habt Ihr was ganz Tolles auf die Füße gestellt.

Ich bin ja erst viel später zu den Schwammerln gestoßen. Aber gerade deswegen finde ich es toll hier eine Plattform zu haben, bei der man Schwammerl vorstellen kann, gnadenlos daneben liegen kann und dann doch zur richtigen Antwort hingeführt wird. Und man muss den Weg selbst gehen. Finde ich Klasse. Manchmal weiß man gar nicht wo die Reise hinführt, da braucht man Hilfe, das ist der und der. Und manchmal braucht man eine Hand, die einen dahin führt wo es hingehen soll, aber man geht eben selber.

Vielen Dank dafür. Und für Deine Schlüssel, die manchmal wirklich nicht Mainstream sind. Aber genau deswegen gebraucht werden, weil sie für unsereins nicht so leicht zugänglich sind.

Und vielen Dank für die Literartur-Recherche, die Du betreibst und deren Ergebnisse Du so freigebig zur Verfügung stellst.

Kurz, das Forum ist für uns alle ein Gewinn, ob wir selber schreiben, einfach nur mitlesen oder für irgendetwas recherchieren.

Also herzlichen Glückwunsch, vielen Dank und bitte so weitermachen.

Liebe Grüße
Renate
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Expertenforum Mykologie / Diatrype undulata, ein Doppelgänger von Diatrype stigma
« Letzter Beitrag von Christoph am 20. April 2019, 01:52 »
Servus beinand,

ich habe (mittlerweile) gestern Nachmittag ein "Flächiges Eckenscheibchen" an Birke aufgesammelt:



Diatrype stigma s.str. bevorzugt bei uns ja Haselnuss und Eiche (siehe z.B. Gernots Zusammenfassung), während an Buche wohl meist Doatrype decorticata zu finden ist. An Birke hingegen kommen drei Arten vor - Diatrype decorticata, Diatrype stigma und Diatrype undulata.

Diatrype decorticata kann man eigentlich ganz gut an den rotbraunen Stromata erkennen, die sehr dünn auslaufen und keinen "g'scheiten" Rand ausprägen. Insofern hatte ich die Hoffnung, Diatrype undulata gefunden zu haben - zumal mir die Stromaränder doch recht dicklich abgesetzt erscheinen.

Also ran ans Mikroskop und Sporen vermessen... die Diatrype war zum Glück in bestem Reifezustand. Die Messung ergab schließlich Sporenmaße von 5,25-7,5-9,0 x 1,5-1,7-2,0 µm


Diatrype undulata: 10 Messstriche ergeben 9,5 µm - mein Messokular ist nicht 1:1 übersetzend


Diatrype undulata: Die typischen, ineinander verwurschtelten, acht Sporen pro Ascus.

Die Sporen sind demnach zu kurz für Diatrype stigma s.str. - was auch nicht überrascht, da sie zwar an Birke vorkommen kann, da aber wohl nicht häufig ist?!

Gehe ich nach dem Schlüssel von...

Chlebicki (2005): Some species of the genus Diatrype from the Czech Republic preserved in PRM, BRNM and KRAM. Czech Mycol. 57(1-2): 117-138

... so landet man direkt beim letzetn Schlüsselfragenpaar. Die Angaben, die sich gegenüber stehen, sind fast identisch. Nur die Sporenmaße sollen sich minimal unterscheiden:

7-9 µm lang bei D. decorticata und 6-8 µm bei D. undulata. Zudem trennt Chlebicki (2005) nach Substrat - ihm folgend käme D. decorticata "mostly on Fagus sylvatica, but also on Acer, Corylus, Carpinus, Prunus" und D. dundulata "on Betula spp."

Hm... Gernot schreibt, an Birke kämen beide vor... Was also tun? Die Maße sind genau verbindend, da sie ja bei sehr kurzen Sporen anfangen und dann aber bis 9 µm hochgehen.

Ich empfinde aber den Stromarand als recht erhaben und die Farbe ist mir zu dunkel, eben wegen der dicken Stromata. Deshalb habe ich mich für D. undulata entschieden - falls es Einwände geben sollte, bitte ich gerne um Rückmeldung.

An einem anderen Birkenast habe ich noch Diatrypella verruciformis aufgesammelt, wobei die Art ja unkritisch ist. Zum Glück war sie auch vollkommen reif, sodass ich die Sporen und Asci ausmessen konnte. Sieht schon verrückt aus mit den vollgestopften Asci. Das aber nur nebenbei bemerkt.

Auf Pilze-Deutschland gibt es übrigens keine einzigen Eintrag von Diatrype undulata. Entweder kennt die Art hier niemand oder sie ist in Südbayern selten. Letzteres kann ich mir aber nicht vorstellen. Ich denke eher, dass sie unter "Diatrype stigma" schlummert.

Liebe Grüße,
Christoph

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BMG e.V. / 10 Jahre BMG-Forum - runde Geburtstage sind was Schönes...
« Letzter Beitrag von Christoph am 19. April 2019, 01:58 »
Servus beinand,

jetzt hätte ich selber fast unser Jubiläum aus den Augen verloren... im Januar 2009 haben wir das BMG-Forum für die Öffentlichkeit gestartet. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Es gab damals ja bereits andere, florierende Foren. Und wie es sich zeigt, fluktuiert die Forenwelt. Manche werden (leider) kurzfristig vom Netz genommen, andere schlafen langsam ein, während wieder andere Hochphasen erleben.

Angefangen hatten wir als kleines Forum rund um und für die relativ junge Bayerische Mykologische Gesellschaft. Inhaltlich dominierten zu Beginn Pilze an Holz, die auch heute noch stark vertreten sind. Legandär war auch unser Rätselfred, der unglaubliche Zugriffszahlen hatte. 2010 hatten wir noch 6600 Beiträge, das Forum war jung, die User sehr aktiv. Dann ging es langsam bergab... 2014 unterschritten wir die 2000er-Marke, 2015 waren es dann noch 879 Beiträge und 2016 kam dann ein Tiefpunkt: nur noch 18 Threads im ganzen Jahr und insgesamt 140 Beiträge.

Ein Forum steht und fällt nicht nur mit den Mitgliedern, sondern auch und insbesondere mit der Leitung. Seit Frühjhar 2016 habe ich wieder Zeit und Ressourcen frei, mich hier um das Forum zu kümmern. 2018 hatten wir wieder immerhin 171 Themen und 950 Beiträge - trotz des extrem trockenen Jahres.

Die reine Zahl an Beiträgen sagt aber nicht sooo viel aus, es ist vor allem der Inhalt der Beiträge. Der Vorteil eines nicht zu stark frequentierten Forums ist, dass Themen nicht so schnell in der Versenkung verschwinden und auch nach längerer Zeit wieder aktiviert werden. Der Nachteil ist, dass es nicht zu einem "Community-Effekt" kommt, bei demneben den Fachinhalten auch das Zwischenmenschliche Platz findet (für andere ist das nur "off topic", aber warum soll die Pilzkunde immer so bierernst sein?).

Ich bin natürlich befangen, und Eigenlob hat manchmal einen doch seltsamen Geruch. Und rein quantitativ betrachtet gibt es viel größere, aktivere Foren. Ich bereue aber die Zeit hier nicht, denn abgesehen von Diskussionen rund um Pilze ist das BMG-Forum auch eine Leseplattform. Statt eines Blogs eben ein ganzes Forum. Man kann, darf und soll auch ohne aktiv dabei zu sein, Infos hier lesen, nutzen, anwenden. Sei es die Sammlung von Vergiftungsfällen als Infoquelle auch für Pilzberater, seien es Bestimmungsschlüssel und Kartierungsaufrufe... (die Schlüssel sind oft etwas speziell, da im Moment nur ich welche vorstelle - und meine Interessen sind manchmal nicht so ganz Mainstream), seien es einfach nur Informationen rund um unsere Tagungen, wie aktuell über das Volksbegehren Artenvielfalt ("Rettet die Bienen"), alles dient der Information.

Natürlich freue ich mich besonders über Diskussionen, denn der Input Vieler bereichert mehr als der Input weniger. Dass wir aber beides sind, Diskussionsplattform und Informationsdienst, finde ich ehrlich gesagt gut.

Dann hoffe ich, dass das Forum auch die nächsten zehn Jahre gut durchhält und weiter mit Informationen rund um die Pilze gefüllt wird.

In diesem Sinne Grüße in die Runde,
Christoph


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Servus Stefan,

vielen Dank für's Verlinken! Ich hatte gar nicht geschaut, ob das Paper bei Researchgate frei verfügbar ist.

@Rudi: hättest sonst von mir ne Mail bekommen - aber so ist es viel praktischer

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus Christoph,

äußerst interessant!
(auch wenn ich den Artikel selber nicht lesen kann...)
Wo mag es denn noch NFF geben- manche Schimmel tragen ja auch schon Menschen... 8) ??? :'(

LG Rudi
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Servus Werner,

tolle Funde! Und danke auch für den Hinweis, den Weißen Semmelstoppelpilz immer anhand der Sporenmaße abzusichern, da - wie du ja schreibst - auch Hydnum repandum manchmal sehr blass daherkommen kann.

Oligoporus floriformis habe ich lange nicht mehr live gesehen. Ich hatte ihn aber auch erst zweimal in der Hand. Er wurde getrocknet so knochenhart wie Oligoporus obductus. War das bei deinem Fund auch der Fall?

Die Trockenheit macht mir auch ein bisserl Sorge. Dabei hat es so schön geregnet, aber der Wind macht den ganzen Oberboden sahelzonentauglich  :-X

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus Werner,

schöne Funde!
Hydnum albidum ist allerdings in Mainfranken gar nicht so selten, sowohl in Eichen-Haunbuchenwäldern und auch unter (Schwarz-)Kiefern.
Den Blumenporling hab ich allerdings erst einmal gesehen- und zwar gefunden und gezeigt von Lothar K.
http://pilzseite.de/Pilzgalerie/Oligoporus/floriformis/FrameSet.htm

LG Rudi
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Servus beinand',

die Wälder im Münchner Raum sind gerade dabei wieder extrem trocken zu werden. Die Gelegenheit über den Fund zweier für zumindest den südbayrischen Raum sehr seltenen weißen Nichtblätterpilze zu informieren, die leicht bestimmbar sind.

Ende Oktober letzten Jahres war ich wieder im tollen Berglholz bei Oberschleißheim unterwegs, wobei mir der Fund reinweißer Semmelstoppelpilze - Hydnum albidum und reinweißer trametoider Porlinge an Fichtenstumpf - Oligoporus floriformis gelang.

Die Hutoberseite von Hydnum albidum ist auffallend reinweiß, die Unterseite reif aber dann doch leicht ockerlich. Zur sicheren Abgrenzung von sehr blassen Fruchtkörpern anderer Arten, wie H. repandum, müssen die arttypischen sehr kleinen Sporen von 5-6 mü Größe gecheckt werden.

Oligoporus floriformis wächst bis auf wenige Ausnahmen an Nadelholz und bildet Fruchtkörper, die an Trametes oder Antrodiella erinnern. Die Hüte sind mit ca 3cm rel. klein und sehr dünn. Auffallend ist auch das sehr enge Porenbild, und das monomitische Hyphensystem zum Unterschied zu Trametes und Antrodiella.
An liabn Gruaß,
Werner

 




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