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Servus beinand.

ich habe überlegt, ob ich das in das Vergiftungs-Unterforum stelle oder nicht. Da es keine klassischen Pilzvergiftung ist - und es auch Pilzberaterwissen betrifft (wie oft wird man gefragt, ob man Pilze gefahrlos anfassen kann?) - habe ich es lieber hier platziert.

Pilze mit Kontaktgift gibt es durchaus. Podostroma cornu-damae, eine extrem giftige Art, kann bei Berührung bereits zu Hautläsionen / Hautentzündung führen. Dieser Pilz kommt bei und aber nicht vor.

Was ist also passiert?

Zwei britische Mykologen haben in Hampshire nach corticioiden Pilzen gesucht. Es handelt sich um Alan Lucas und Paul Hugill, die das Buch "The  Resupinates  of  Hampshire" geschrieben haben. An jedem Tag haben sie einen kräftigen Fruchtkörper von Gloeocystidiellum porosum (Russulales) gefunden und an ihm gerochen. Das führte zu Brennen und einem nadelstichartigen Gefühl an der Nase und dem vorderen Gesicht, die Atmung und / oder Lunge und Bronchein waren nicht betroffen. Beide hat es erwischt - es ist also unbwahrscheinlich, dass es sich um eine allergische Reaktion handelte, da dann ja zufälligerweise beide auf ein Gloeocystidiellum reagieren müssten.
Später hat Alan Lucas den Fruchtkörper an eine Wange gehalten, um zu prüfen, ob es wirklich der Pilz war - und die Symptome traten nun an der Wange auf. Das Ganze dauert ca. 20 Minuten an.

Die Bestimmung scheint gesichert zu sein, die genauen Hintergründe sind aber unklar. Die beiden Mykologen hatten vorher schon Kontakt mit Gloeocystidiellum porosum und hatten da keine Probleme.

Ich selber hatte den Pilz auch schon in der Hand und es gab kein Problem.

Ob es an einem Parasiten in dem Gloecystidiellum handelte? Das wird nachträglich nicht zu klären sein. Jedenfalls ist das Ganze recht kurios.

Im Original kann man es in der aktuellen Field Mycology nachlesen:

Kibby (2019): A curious case of fungal contact dermatitis. Field Mycology 20(1): 26-27. doi:10.1016/j.fl dmyc.2019.01.008

Der Artikel ist frei lesbar und man kann ihn hier direkt runterladen: https://ac.els-cdn.com/S1468164119300088/1-s2.0-S1468164119300088-main.pdf?_tid=9558119b-d02c-4832-aa31-a5994aa93a10&acdnat=1553116341_c12e13fd9c57bf7ba58a609238f4921a

Liebe Grüße,
Christoph

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Servus beinand,

heute war so ein schöner, sonniger Tag - da habe ich mir meine Lupe und meine Kamera geschnappt, bin kurz raus und habe geschaut, on ich was Nettes für das Mikroskop nach Hause nehmen kann. Ein kleiner Zweig mit Xanthoria lag am Boden, also mit der Lupe mal schauen und siehe da, ein Perithecium war dunkel verfärbt und offenbar von einem Pilz befallen:



Lohnt sich sowas?! Nach dem Mikroskopierne ist ja nichts mehr übrig... Wenn man genau hinschaut, sieht man noch weitere Perithecien, die einen beginnenden Befall zeigen.

Also warum nicht? Unter dem Mikroskop zeigten sich die wohlbekannten, kleinen, braunen Konidien, die ein auffallendes Ornament haben:



 Also mal wieder Xanthoriicola physciae, ein wirklich sehr häufiger Parasit an Xanthoria.

Da ich letztes Jahr schönere Fotos gemacht habe, zeige ich die gleich mit. Dieser Fund stammt aus Franken - es war eine gemeinsame Exkursion mit Boris Zurinski in die Fränkische Schweiz. Xanthorricola physciae wächst wirklich überall - jeder kann den finden und per Mikroskop leicht bestätigen.











Xanthoriicola physciae ist übrigens ein Ascomyzet (Dothideomycetes, Ordnung Capnodiales, Familie Teratosphaeriaceae).

Liebe Grüße,
Christoph

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Servus beinand,

beim Schmökern der Mycologia bin ich über einen Artikel gestolpert, in dem zwei neue Pilze beschrieben werden:

Xabier Vázquez-Campos, Andrew S. Kinsela, T. David Waite, Richard N. Collins & Brett A. Neilan (2014): Fodinomyces uranophilus gen. nov. sp. nov. and Coniochaeta fodinicola sp. nov., two uranium mine-inhabiting Ascomycota fungi from northern Australia, Mycologia, 106:6, 1073-1089, DOI: 10.3852/14-013

Fodinomyces heißt wortwörtlich übersetzt "Minenpilz" - wegen des Wachstums in Minen. Und "fodinicola" wiederum "Minen besiedelnd".

Die Pilze wurden aber nicht auf dem abgebauten Gestein gefunden, sondern in dem "Prozesswasser", mit dem das Erzgestein ausgewaschen wird. Das ist eine Salzwassersuppe, die durch Schwefelsäure einen pH-Wert unter 2 besitzt. Also viel Salz, dazu noch sehr sauer und gelöste Schwermetalle.

Selbst in dieser "Brühe" leben Pilze. Natürlich wurde mit den Pilzen experimentiert und geprüft, wie sie mit Uranionen umgehen können. Und siehe da, sie können mit relativ hohen Dosen umgehen, kein Problem für diese extremen Pilze.

Für Minenbetreiber können solche Pilze nervig sein - sie bilden beispielsweise Biofilme in Pumpsystemen uns können die dann verstopfen. Deshalb werden auch regelmäßig Proben untersucht, wodurch die beiden Pilze auch entdeckt wurden.

Ich finde es krass, was manche Pilzarten an Umweltbedingungen überleben können. Dass es säureresistente Arten gibt, ist ja schon lange bekannt. Auch dass es salztolerante Pilze gibt (der Salzgehalt des Wassers waren 100g pro Liter), dass hier aber alles drei zusammenkommt - extrem sauer, extrem salzhaltig und Schwermetallbelastung... Und selbst da gibt es Pilze.

Dies nur zur allgemeinen Info ;-).

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

auch wenn es hier keine direkten Reaktionen gab, haben bereits mehrere Pilzfreundinnen und -freunde angefangen, zu suchen.

Schon vor dem Aufruf erfolgreich war Matthias Reul, der in Marktredwitz in seinemeigenen Garten
fündig war. Die Fotos (makros und Mikros, toll aufbereitet) findet man hier im EU-Forum.

Thorben, der auch hier bei uns angemeldet ist, hat auch begonnen, bei sich zu suchen. Er hat zwar bisger keine Hysteropatella gefunden, dafür aber so tolle Sachen wie Karstenia idaei oder eine cf. Burgoa.

Allein das sonst ja kaum abgesuchte Substrat Apfelbaumrinde lohnt sich also.

Mir wurden zudem per What'sApp Fotos aus Südbayern zugeschickt, die eventuell Hysteropatella prostii zeigen, aber da muss noch mikroskopiert werden.

Aus Nordbayern liegen auch Funde in pilze-deutschland vor, aber in Südbayern ist noch Fehlanzeige. Wie schon geschrieben: im AMIS-Gebiet stammt der letzte Nachweis noch von Allescher. Dabei ist die Art sicher da und zu finden...

Liebe Grüße und danke an alle, die bereits mitmachen, nach Hysteropatella prostii zu suchen,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Trino am 17. März 2019, 15:58 »
Hallo Christoph,

das die Sporen etwas klein sind liegt daran das die Fruchtkörper noch jung sind, würde ich das mal so sagen. Ich habe hier noch was stehen mal sehen ob die weiter reifen.
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Christoph am 17. März 2019, 15:19 »
Lieber Mario,

sind die Sporenmaße verlässlich oder noch zu klein, weil die Fruchtkörper so jung sind?
Dass der Pilz in die Dacrymyces-capitatus-Ecke gehört, ist klar. Nur ist die Abgrenzung zu Dacrymyces lacrymalis nicht so klar. Ich kenne Dacrymyces capitatus größersporig, während D. lacrymalis kleine Sporen haben soll (dafür aber nicht gestielt).

Was dieses "Spines" an den Hyphen angeht - das ist mir schon mehrfach aufgefallen, ich kann aber nicht sagen, ob das bei allen vorkommen kann oder etwas aussagt. Es ist aber völlig richtig und sehr gut, auf solche Details zu achten.

Das ganze Dacrymyces-stillatus-Aggregat gehört sauber aufgearbeitet - inklusive Genetik.

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / "Großpilze" (Basidiomyzeten) auf/in Menschen
« Letzter Beitrag von Christoph am 17. März 2019, 15:11 »
Servus beinand,

möglicherweise wird man auf einer Wanderung gefragt, ob es gefährlich sei, an Pilzen zu riechen (wegen der Sporen) und ob Waldpilze auch Menschen befallen können.

Nun, leider kann man nicht einfach "nein" antworten...

Dass es eine Vielzahl humanpathogener Pilze gibt - darunter auch Basidiomyzeten - sollte klar sein (auch wenn es im Vergleich zur Anzahl an Pilzarten ein verschwindend geringer Teil ist). Man denkt da aber eher an Hefen wie Malassezia furfur - dieser Pilz, der mit den Nacktbasidien (Exobasidion) verwandt ist, lebt eigentlich auf der Haut jedes Menschen, ist aber bei ca. 1/4 der Menschen symptomerzeugend und damit wohl der häufigste (aber ein harmloser) Mykoseauslöser.

Dass aber Großpilze auch Mykosen auslösen können, ist vermutlich nicht jedem bekannt. Schizophyllum commune ist hier als Beispiel zu nennen - und war auch schon hier im Forum ein Thema: z.B. https://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1513.0.html

Es gibt aber noch weitere - so Coprinopsis cinerea (in Form seiner Nebenfruchtform Hormographiella aspergillata). Man muss aber hier dazu sagen, dass sich dieser Tintling nur bei Patienten mit Immunsystemschwächung als Pathogen erweist.

Die Gattung Ceriporia ist auch nicht ganz harmlos. Die ostasiatische Ceriporia lacerata ist bekannt dafür, in einigen Fällen Probleme bereitet zu haben.

Volvariella volvacea - der Reisstrohpilz - wiederum hat bei (allerdings nur) einem Falls das Gehirn einer Patienten befallen.

Bjerkandera adusta hat in Japan mehrfach Asthma ausgelöst, zudem auch chronischen (nicht athamtischen) Husten.

Die Gattungen Perenniporia, Inotonus s.l., Phellinus s.l., Cyclomyces, Phanerochaete chrysosporium und Irpex lacteus haben ebenfalls Krankheiten ausgelöst. Im Fall von Irpex betraf es ein neunjähriges Mädchen, deren Lunge befallen war. Sie war allerdings Leukämiepatientin - wie gesagt, meist muss das Immunsystem stark geswchwächt sein, damit die Pilze greifen können.

Generell kann man wohl sagen, dass saptobe Arten mit großem Substraspektrum und gewisser Toleranz für extreme Standorte (siehe z.B. hier) auch auf Menschen gehen können, wenn sie nicht abgewehrt werden können.

Hinsichtlich Lungeninfektionen ist klar, dass hier jeder Pilz, dessen Sporen in der Lunge keimen, unser Immunsystem aktiviert (Allergien, Asthma) oder im Falle einer vorgeschädigten Lunge dort dann als Myzel überauern können und größere Schäden anrichten.

Insofern: keine Panik, aber doch gewissen Respekt.

Alles nachzulasen in diesem Review-Artikel:

Anuradha Chowdhary, Shallu Kathuria, Kshitij Agarwal & Jacques F. Meis (2014): Recognizing filamentous basidiomycetes as agents of human disease: A review. Medical Mycology 52: 782–797.

(frei als pdf lesbar)

Liebe Grüße,
Christoph

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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Trino am 16. März 2019, 18:36 »
Hallo zusammen,

hier habe ich eine gestielte Gallertträne die ich vorsichtig als D. capitatus bestimmt habe. Der Fund ist von Heute 16.03.2019 aus einen Buchen mischwald, das Substrat war ein Entrindeter Ast, Buche oder Hasel.



Die Fruchtkörper sind sehr Jung daher hatte ich Probleme überhaupt reife Sporen zu finden. Auch habe ich beim ersten Fruchtkörper nicht mal reife Basidien finden können.

Schnallen gab es keine und meiner Meinung nach auch keine Dikaryophysen und wenn überhaupt dann sahen die aus wie längere Basidien (Ich denke aber es waren keine). Aufgefallen ist mir das die Hyphen teilweise Behaart (Fein stackelig) sind.

Die Sporen sind etwas klein, wobei möglicherweise daran liegen kann das die noch nicht ganz reif sind, jedenfalls sind die meistens unseptiert oder einmal septiert. Natürlich gab es auch ein paar die 3 fach septiert sind, die Septen sind sehr dünn fast unscheinbar.

So hier erstmal ein paar Bilder.







Übrigens in der Schlüssel was ich habe steht Basis mit dickwandige Hyphen ist es immer noch aktuell? Oder hat sich da auch wieder was geändert.

Gruß Mario
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Letzter Beitrag von Renate am 10. März 2019, 22:48 »
Lieber Christoph,

ja das ist der gleiche Pilz. Ich hänge mal Bilder von einer anderen Kamera an. Geblaut hat er beim "Fuhrwerken" schon, beim einfach Durchschneiden kaum. Ich habe nämlich den Mittelteil herausgeschnitten um ein schönes Schnittbild zu erhalten.

Mikroskopiert habe ich nicht, da fehlte mir einfach die Zeit. Aber grundsätzlich wäre das eine Erklärung für das unterschiedliche Blauen, das ich mittlerweile sehe. Einmal alles, einmal nur ein Teil des Pilzes. Vielleicht lässt sich das dieses Jahr mit Glück und mehr Zeit fürs Mikroskopieren klären.

Liebe Grüße
Renate
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Servus beinand,

Gernot Friebes hat im Forum funga-austria einen interessanten Ascomyzeten an Apfelbaumrinde vorgestellt: Hysteropatella prostii.

Dieser Pilz sieht aus wie eine Hysteriaceae, also wie Hysterium pulicare oder anders ausgedrückt wie eine kleine Kaffeebohne auf Borke, ist aber in Wirklichkeit eine Patellariaceae. Konvergenz aufgrund ähnlicher Standortsbedingungen.

Hans-Otto Baral bezeichnet die Art als "wirklich häufig und gemein", allerdings praktisch nur auf Apfelbaumrinde vorkommend. Man muss nach alten Apfelbäumen Ausschau halten, bei denen sich bereits die äußere Borke ablöst. Auf dieser Borkenstücken kommen die Kaffeebohnen vor, auch auf der Innenseite - man muss also genau hinsehen.

Bei mir sind alte Streuobstwiesen Fehlanzeige und man kann ja nicht einfach so in fremde Gärten einfallen und mit der Lupe bewaffnet dort die Apfelbäume screenen. Falls ich aber mal irgendwo an einem alten, frei zugänglichen Apfelbaum vorbeikomme, werde ich mal nachsehen. Und dabei möchte ich gleich dazu animieren, dass auch andere Leser unseres Forums mal Ausschau halten. In Bayern gibt es nur sehr wenige Fundpunkte, die u.a. auf Lothar Krieglsteiners Röhn-Arbeit zurückzuführen sind.

Ich habe heute mit Till über die Art gesprochen (es gibt ja neben Internet auch noch das gute alte Telefon - ja, es war Festnetz *hihi). Aus dem AMIS-Gebiet ist der letzte Nachweis offenbar ein Fund von Andreas Allescher in Stein an der Traun, also aus dem 19. Jahrhundert!
In Südbayern sind in den einschlägigen Verbreitungskarten keine Funde eingetragen - der Altnachweis ist offensichtlich nicht in die Kartierung eingegangen. Es wäre ja verrückt, wenn die Art nicht nochda sein sollte.

Ich vermute, dass sie nur wegen des etwas ungewöhnlichen Substrats nicht gefunden wird. Sucht man aber gezielt... Und sie schauen so süß aus, diese kleinen Bohnen...

Es gibt übrigens eine neue Bearbeitung der Patellariaceae, in der auch Hysteropatella prostii beschrieben und abgebildet wird (Tafel auf S. 304):

Yacharoen S, Tian Q, Chomnunti P, Boonmee S, Chukeatirote E, Bhat JD, Hyde KD (2015): Patellariaceae revisited. Mycosphere 6(3), 290–326, Doi 10.5943/mycosphere/6/3/7

(einfach auf den Link klicken, kann dort runtergeladen werden)

Ich hoffe auf Erfolgsmeldungen :-) viel Erfolg beim Suchen bzw. viel Spaß beim Finden...

Liebe Grüße,
Christoph

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