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Ergänzend darf ich eine Passage aus einem Briefwechsel mit Prof. Berndt wiedergeben:
Den Falschen  Wiesenegerling habe ich noch nicht in der Hand gehabt und kenne ihn nur aus der Literatur. Mit Horak oder Gröger müßte er auszuschlüsseln sein und sich vom Echten Wiesenegerling ( A.campestris ), der Hauptverwechselungsart, abgrenzen lassen.
Er wird als deutlich gedrungener und kleinwüchsiger beschrieben und seine Sporen sind mit 5-7,5 x 4 -5 µ kleiner als die des Echten Wiesenegerlings mit 7 -9 x 4 -6µ.
Die Angaben zu Geruch und  Verfärbung der Stielbasis nach Verletzung  sind in der Literatur unterschiedlich und damit unzuverlässig! Übereistimmend wird die Rötung des Fleisches aufgeführt.
E. Ludwig beschreibt ihn nur als "giftverdächtig".
Die Gelbverfärbung der Stielbasis nach Verletzung  beruht vermutlich  auf einer enzymatischen Bildung von Dihydroxyazobenzol. Möglicherweise fehlt das Enzym bei manchen Sippen oder ist nur in Spuren vorhanden, sodass es nicht oder nur zu einer diskreten Verfärbung kommt.
Interessant wäre, wie A.pseudopratensis bei der Heißwasserprobe reagiert, mit der wir im Zweifelsfalle Karbolegerlinge, die nicht nach Karbol riechen, identifizieren.

Zu A. freirei, der überhaupt nicht gilben soll sondern nur rötet, kann ich nichts sagen, da ich die Art nicht kenne.
Mit freundlichem Gruß
Ihr
Siegmar Berndt
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Liebe Rika, lieber Schorsch,

das mit dem Geruch ist natürlich so eine Sache - ich drehe es mal andersrum: wenn der vermeintliche Wiesenchampignon angenehm pilzig, also champignonartig riecht, dann passt es. Riecht er aber gar nicht, so kann es ein Vertreter der Karbolegerlinge i.w.S. sein. Und riecht er nach Tinte, ist eh alles klar.

Für mich: kein Geruch bedeutet, der Pilz ist "verdächtig".

Jetzt bleibt es natürlich dabei, dass die meisten Karbolegerlinge i.w.S. an der gilbenden Stielbasis zu erkennen sind. Dass aber heuer Agaricus pseudopratensis in München in die Pilzberatung kam, lässt m.E. aufhorchen. Als Pilzberater muss man da wirklich vorsichtig sein.

Zitat
Wie giftig sind sie eigentlich? Vergleichbar mit den Karbolis?

Agaricus pseudopratensis ist nach aktuellem Kenntnisstand Teil der Sektion Xanthodermatei, insofern gilt er als giftig. Dass es keinen bekannten Fall aus Deutschland gibt, ist klar, denn die Art ist hier ja (noch?) sehr selten. In Italien gilt er als giftig. Ob es an der Verwandtschaft und dem Karbolgeruch liegt oder ob es belegte Fälle gibt, weiß ich nicht. Ich gehe hier aber davon aus, dass die ganzen Karbolegerlinge giftig sind (ähnliche / gleiche Inhaltsstoffe?).

Was Agaricus freirei angeht, ist es unklarer. Der steht ja jetzt - zusammen mit dem Rebhuhnegerling - in der Sektion Hondenses. Da "das Rebhuhn" als der klassische, giftige Doppelgänger des Waldegerlings gilt (obwohl er zumindest schwach in der Stielbasis gilbt), lässt vermuten, dass auch Agaricus freirei giftig ist. Die Art wurde aber erst 2001 aus Spanien beschrieben und ist eben aktuell in Brandenburg kartiert. Da Agaricus freirei nur rötet und gar nicht gilbt, ist es schon "interessant", das zu wissen, denke ich ;-).

Zitat
Kann mir jemand sagen, wie man diese beiden "neuen" Champignons sicher erkennen kann (makro- bzw. mikroskopisch)?

Nun, Agaricus pseudopratensis rötet recht deutlich im Fleisch und kann zudem in der Stielbasis gilben (muss es aber nicht). Die Stielbasis spitzt sich nicht so deutlich zu. Zudem geht es hier nur um die weißen Formen dieser Art - die schuppighütigen erinnern in ihrer Beschuppung m.E. schon an Karbolegerlinge.

Agaricus freirei hatte ich logischerweise noch nie in der Hand. Daher weiß ich nicht, wie ich ihn umschreiben soll.

Liebe Grüße,
Christoph
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Hallo miteinander!

Nur mit Geruch identifizieren, erscheint mir recht gewagt. Ich hatte schon eindeutige Karbol-Egerlinge mit schön gilbender Stielbasis, die aber nicht gerochen haben (waren junge, noch geschlossene Exemplare). Testhalber habe ich sie in die Pfanne geworfen, um zu beobachten, ob sie wenigstens beim Anbraten ihren typischen Geruch entfalten: FEHLANZEIGE !!!

An Schorschs Frage anschließend: Kann mir jemand sagen, wie man diese beiden "neuen" Champignons sicher erkennen kann (makro- bzw. mikroskopisch)? Und: Wie giftig sind sie eigentlich? Vergleichbar mit den Karbolis?

Viele Grüße – Rika
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Aber der Geruch ist eindeutig und verlässlich?
Inzwischen habe ich gelernt, meine Nase mehr zuhilfe zu ziehen ;-)
Liebe Grüße Schorsch

PS. der A. pseudopratensis war ja auch am Mittwoch, den 24.10.2018, in der Sendung des Bayr. Fernsehen bei "Quer" Beleg für die Klimaerwärmung. Die Sendungsmacher hatten vorher auch bei mir angerufen und mich befragt. Mir schienen die Indizien noch nicht hinreichend belastbar um auf eine Vergeallmeinerung schließen zu können.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Pilz am Stammfuß einer Eiche
« Letzter Beitrag von Christoph am 21. Oktober 2018, 20:43 »
Servus Kathy,

wenn die Poren auf Druck nicht geschwärzt haben, dann ist es ein Klapperschwamm. Der Eichhase hätte viele kleine, mehr oder weniger zentral gestielte Hüte und fällt als Möglichkeit weg.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Pilz am Stammfuß einer Eiche
« Letzter Beitrag von Kathy am 21. Oktober 2018, 11:49 »
Liebe Forenmitglieder,
ist das auch ein Riesenporling oder eher ein Klapperschwamm oder Eichhase?
Liebe Grüße
Kathy
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Oktoberpilze 2018
« Letzter Beitrag von Helmut am 20. Oktober 2018, 00:18 »
Servus Werner und Christoph,

da stellt sich schon die Frage, wie unterscheidet sich die Kollektion vom normalen Seifenritterling, zumal diese seltene Art auch schon als Varietät desselben beschrieben worden war. Obwohl mich Tricholoma auch etwas mehr interessiert, hätte ich die T. boudieri beinahe übersehen. Von oben erinnerte die Kollektion zunächst eher an einen Täubling. Kurz umgedreht, fiel mir gleich das Röten auf, dann die weißlichen Lamellen. Bei genauerer Betrachtung kam T. saponaceum in die engere Wahl. Aber der Geruch passte nicht, er war nur schwach, undeutlich, eigentlich gar nicht seifig. Zusammenfefasst: Ein zierlicher T. saponaceum mit stärkerer Rötung und fehlendem Seifengeruch.
So wurde ein Foto gemacht und die Frk mitgenommen. An einer anderen Stelle im selben Wald fand ich nochmal zwei Frk. Ökologie: Fichtenmischwald über Kalk.

Gruß Helmut
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Hallo Christoph,

ja man hat sich an die "neuen" Medien schnell gewöhnt. Wege sie funktionieren dann nicht mehr. ;)

Vielen Dank. Gerne komme ich auf dein Angebot zurück. Ich kenne die Arbeit von Vizzini et al. (2016) nicht.

Bei meinem Fund gibt es ja Weiden und Pappel, die Weiden bilden jedoch den größeren Bestand, da es dort einen kleinen Wassergraben gibt. (Momentan ausgetrocknet, da gab es so die letzten Jahre noch nicht).

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
Dirk
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Servus Dirk,

jetzt habe ich wieder Internet (man fühlt sich ohne so von der Außenwelt abgeschlossen). Das Saarland ist im Vergleich zu Oberbayern überall wärmebegünstigt?!

Du solltest dir mal die Arbeit von Vizzini et al. (2016) anschauen (kann ich dir gerne schicken). Da findest du Fotos, die 1 : 1 auf deine Kollektion passen.

Früher war ich vorsichtiger bei der Bestimmung, denn es gab noch weitere, ähnliche Arten - wie z.B. Amanita "helianthemicola" nom. prov. oder eben Amanita subfuliginosa - mit dunklen Lamellenschneiden, düsterem Stiel usw.
Der Fund von Wolfgang Schössler zeigt letzten Endes alle Übergänge zwischen typischen Amanita subfuliginosa und Amanita simulans, sodass die beiden sicher nicht trennbar sind. Deine Kollektion geht auch in Richtung Amanita subfuliginosa - und das schließe ich (Vizzini et al. 2016 folgend) in Amanita simulans mit ein. Die gelbocker Flecken passen auch sehr gut, der düstere Stiel, die brüchige Volva, die kleinen Hüllreste am Hut, die dunklen Schneiden - ein Bilderbuchfund.

Amanita simulans wächst nach Vizzini et al. (2016) nicht nur bei Pappeln, sondern auch bei Weide, bei Sonnenröschen (Helianthemum) und bei Cistrosen. Und offenbar gerne dort, wo es warm ist (Italien, Frankreich, Saarland, Oberbayern bei Südhanglage usw.)  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / Re: Waldpilze immer noch radioaktiv belastet
« Letzter Beitrag von Christoph am 18. Oktober 2018, 23:32 »
Servus Schorsch,

vielen Dank für die Infos und die Links!

Leider wird uns das Thema noch lange verfolgen. Auch wenn die Menge an Caesium im Boden insgesamt abnimmt, gibt es eben Pilze, die Caesium anreichern. Das können sie auch, wenn weniger Caesium verfügbar ist (es löst sich ja wieder aus dem Mineralboden, wenn es das frei verfügbare Caesium vom Pilz aufgenommen wurde) - Stichwort Löslichkeitsprodukt.

Ein Beispiel wäre hier die Gattung Elaphomyces - die Hirschtrüffeln. Das sind die besten Caesiumsammler, die bislang bekannt sind (bis über 120.000 bq / kg Frischmasse). Und die Wuidschweinderl fressen das und sind dann Sondermüll (falls erlegt).

Ein weiterer Effekt ist, dass durch das Lösen, wieder Mineralisieren, wieder Lösen das Caesium langsam aber sicher in tiefere Bodenschichten transportiert wird - jetzt können Arten mit etwas tiefer liegendem Myzel mehr Aufnehmen als früher - das heißt, die Belastung kann bei manchen Arten ansteigen, obwohl das Caesium insgesamt abgenommen hat.

Liebe Grüße,
Christoph
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