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Hallo Christoph,

das die Sporen etwas klein sind liegt daran das die Fruchtkörper noch jung sind, würde ich das mal so sagen. Ich habe hier noch was stehen mal sehen ob die weiter reifen.
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Lieber Mario,

sind die Sporenmaße verlässlich oder noch zu klein, weil die Fruchtkörper so jung sind?
Dass der Pilz in die Dacrymyces-capitatus-Ecke gehört, ist klar. Nur ist die Abgrenzung zu Dacrymyces lacrymalis nicht so klar. Ich kenne Dacrymyces capitatus größersporig, während D. lacrymalis kleine Sporen haben soll (dafür aber nicht gestielt).

Was dieses "Spines" an den Hyphen angeht - das ist mir schon mehrfach aufgefallen, ich kann aber nicht sagen, ob das bei allen vorkommen kann oder etwas aussagt. Es ist aber völlig richtig und sehr gut, auf solche Details zu achten.

Das ganze Dacrymyces-stillatus-Aggregat gehört sauber aufgearbeitet - inklusive Genetik.

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / "Großpilze" (Basidiomyzeten) auf/in Menschen
« Letzter Beitrag von Christoph am Gestern um 15:11 »
Servus beinand,

möglicherweise wird man auf einer Wanderung gefragt, ob es gefährlich sei, an Pilzen zu riechen (wegen der Sporen) und ob Waldpilze auch Menschen befallen können.

Nun, leider kann man nicht einfach "nein" antworten...

Dass es eine Vielzahl humanpathogener Pilze gibt - darunter auch Basidiomyzeten - sollte klar sein (auch wenn es im Vergleich zur Anzahl an Pilzarten ein verschwindend geringer Teil ist). Man denkt da aber eher an Hefen wie Malassezia furfur - dieser Pilz, der mit den Nacktbasidien (Exobasidion) verwandt ist, lebt eigentlich auf der Haut jedes Menschen, ist aber bei ca. 1/4 der Menschen symptomerzeugend und damit wohl der häufigste (aber ein harmloser) Mykoseauslöser.

Dass aber Großpilze auch Mykosen auslösen können, ist vermutlich nicht jedem bekannt. Schizophyllum commune ist hier als Beispiel zu nennen - und war auch schon hier im Forum ein Thema: z.B. https://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1513.0.html

Es gibt aber noch weitere - so Coprinopsis cinerea (in Form seiner Nebenfruchtform Hormographiella aspergillata). Man muss aber hier dazu sagen, dass sich dieser Tintling nur bei Patienten mit Immunsystemschwächung als Pathogen erweist.

Die Gattung Ceriporia ist auch nicht ganz harmlos. Die ostasiatische Ceriporia lacerata ist bekannt dafür, in einigen Fällen Probleme bereitet zu haben.

Volvariella volvacea - der Reisstrohpilz - wiederum hat bei (allerdings nur) einem Falls das Gehirn einer Patienten befallen.

Bjerkandera adusta hat in Japan mehrfach Asthma ausgelöst, zudem auch chronischen (nicht athamtischen) Husten.

Die Gattungen Perenniporia, Inotonus s.l., Phellinus s.l., Cyclomyces, Phanerochaete chrysosporium und Irpex lacteus haben ebenfalls Krankheiten ausgelöst. Im Fall von Irpex betraf es ein neunjähriges Mädchen, deren Lunge befallen war. Sie war allerdings Leukämiepatientin - wie gesagt, meist muss das Immunsystem stark geswchwächt sein, damit die Pilze greifen können.

Generell kann man wohl sagen, dass saptobe Arten mit großem Substraspektrum und gewisser Toleranz für extreme Standorte (siehe z.B. hier) auch auf Menschen gehen können, wenn sie nicht abgewehrt werden können.

Hinsichtlich Lungeninfektionen ist klar, dass hier jeder Pilz, dessen Sporen in der Lunge keimen, unser Immunsystem aktiviert (Allergien, Asthma) oder im Falle einer vorgeschädigten Lunge dort dann als Myzel überauern können und größere Schäden anrichten.

Insofern: keine Panik, aber doch gewissen Respekt.

Alles nachzulasen in diesem Review-Artikel:

Anuradha Chowdhary, Shallu Kathuria, Kshitij Agarwal & Jacques F. Meis (2014): Recognizing filamentous basidiomycetes as agents of human disease: A review. Medical Mycology 52: 782–797.

(frei als pdf lesbar)

Liebe Grüße,
Christoph

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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Trino am 16. März 2019, 18:36 »
Hallo zusammen,

hier habe ich eine gestielte Gallertträne die ich vorsichtig als D. capitatus bestimmt habe. Der Fund ist von Heute 16.03.2019 aus einen Buchen mischwald, das Substrat war ein Entrindeter Ast, Buche oder Hasel.



Die Fruchtkörper sind sehr Jung daher hatte ich Probleme überhaupt reife Sporen zu finden. Auch habe ich beim ersten Fruchtkörper nicht mal reife Basidien finden können.

Schnallen gab es keine und meiner Meinung nach auch keine Dikaryophysen und wenn überhaupt dann sahen die aus wie längere Basidien (Ich denke aber es waren keine). Aufgefallen ist mir das die Hyphen teilweise Behaart (Fein stackelig) sind.

Die Sporen sind etwas klein, wobei möglicherweise daran liegen kann das die noch nicht ganz reif sind, jedenfalls sind die meistens unseptiert oder einmal septiert. Natürlich gab es auch ein paar die 3 fach septiert sind, die Septen sind sehr dünn fast unscheinbar.

So hier erstmal ein paar Bilder.







Übrigens in der Schlüssel was ich habe steht Basis mit dickwandige Hyphen ist es immer noch aktuell? Oder hat sich da auch wieder was geändert.

Gruß Mario
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Letzter Beitrag von Renate am 10. März 2019, 22:48 »
Lieber Christoph,

ja das ist der gleiche Pilz. Ich hänge mal Bilder von einer anderen Kamera an. Geblaut hat er beim "Fuhrwerken" schon, beim einfach Durchschneiden kaum. Ich habe nämlich den Mittelteil herausgeschnitten um ein schönes Schnittbild zu erhalten.

Mikroskopiert habe ich nicht, da fehlte mir einfach die Zeit. Aber grundsätzlich wäre das eine Erklärung für das unterschiedliche Blauen, das ich mittlerweile sehe. Einmal alles, einmal nur ein Teil des Pilzes. Vielleicht lässt sich das dieses Jahr mit Glück und mehr Zeit fürs Mikroskopieren klären.

Liebe Grüße
Renate
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Servus beinand,

Gernot Friebes hat im Forum funga-austria einen interessanten Ascomyzeten an Apfelbaumrinde vorgestellt: Hysteropatella prostii.

Dieser Pilz sieht aus wie eine Hysteriaceae, also wie Hysterium pulicare oder anders ausgedrückt wie eine kleine Kaffeebohne auf Borke, ist aber in Wirklichkeit eine Patellariaceae. Konvergenz aufgrund ähnlicher Standortsbedingungen.

Hans-Otto Baral bezeichnet die Art als "wirklich häufig und gemein", allerdings praktisch nur auf Apfelbaumrinde vorkommend. Man muss nach alten Apfelbäumen Ausschau halten, bei denen sich bereits die äußere Borke ablöst. Auf dieser Borkenstücken kommen die Kaffeebohnen vor, auch auf der Innenseite - man muss also genau hinsehen.

Bei mir sind alte Streuobstwiesen Fehlanzeige und man kann ja nicht einfach so in fremde Gärten einfallen und mit der Lupe bewaffnet dort die Apfelbäume screenen. Falls ich aber mal irgendwo an einem alten, frei zugänglichen Apfelbaum vorbeikomme, werde ich mal nachsehen. Und dabei möchte ich gleich dazu animieren, dass auch andere Leser unseres Forums mal Ausschau halten. In Bayern gibt es nur sehr wenige Fundpunkte, die u.a. auf Lothar Krieglsteiners Röhn-Arbeit zurückzuführen sind.

Ich habe heute mit Till über die Art gesprochen (es gibt ja neben Internet auch noch das gute alte Telefon - ja, es war Festnetz *hihi). Aus dem AMIS-Gebiet ist der letzte Nachweis offenbar ein Fund von Andreas Allescher in Stein an der Traun, also aus dem 19. Jahrhundert!
In Südbayern sind in den einschlägigen Verbreitungskarten keine Funde eingetragen - der Altnachweis ist offensichtlich nicht in die Kartierung eingegangen. Es wäre ja verrückt, wenn die Art nicht nochda sein sollte.

Ich vermute, dass sie nur wegen des etwas ungewöhnlichen Substrats nicht gefunden wird. Sucht man aber gezielt... Und sie schauen so süß aus, diese kleinen Bohnen...

Es gibt übrigens eine neue Bearbeitung der Patellariaceae, in der auch Hysteropatella prostii beschrieben und abgebildet wird (Tafel auf S. 304):

Yacharoen S, Tian Q, Chomnunti P, Boonmee S, Chukeatirote E, Bhat JD, Hyde KD (2015): Patellariaceae revisited. Mycosphere 6(3), 290–326, Doi 10.5943/mycosphere/6/3/7

(einfach auf den Link klicken, kann dort runtergeladen werden)

Ich hoffe auf Erfolgsmeldungen :-) viel Erfolg beim Suchen bzw. viel Spaß beim Finden...

Liebe Grüße,
Christoph

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Plattform für Pilzfreunde / Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Letzter Beitrag von Christoph am 10. März 2019, 21:20 »
Liebe Renate,

schön dass du dran bleibst. Spannende Sache!

Der Anhängselröhrling, den du zeigst (img3621 und EOS7536 - sind das beide der gleiche Pilz?) sieht nach B. subappendiculatus aus, wenn beide Bilder zusammengehören. Das Fleisch im Stiel ist schon sehr blass / weiß und etwas blauen darf der auch ab und an mal. Im Mikroskop verrät er sich (wenn reif) durch einen deutlich größeren Sporenquotient.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Daldinia
« Letzter Beitrag von Christoph am 10. März 2019, 21:17 »
Lieber Schorsch,

gern geschehen! Ich würde dennoch empfehlen, mit dem Artikel von Stadler et al. (2014) die Mikromerkmale abzugleichen - dann ist es absolut hieb- und stichfest. Auf alle Fälle animiert es, sich doch mal wieder mit der Gattung auseinaderzusetzen.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Letzter Beitrag von Renate am 10. März 2019, 15:06 »
Hallo zusammen,

vor Beginn der neuen Saison für Röhrlinge gebe ich Euch einen kurzen Zwischenbericht über meine Einfrierexperimente. Kurz vorweg: es ist spannend und bringt Überraschendes.

Aus Vereinfachungsgründen verwende ich überwiegend die deutschen (Sammel-)begriffe. Da ich im Sommer phasenweise beruflich sehr beansprucht war, bin ich froh gewesen, überhaupt in den Wald zu kommen und habe daher auf die genauere Bestimmung verzichtet.

Letztes Jahr gab es viele Röhrlinge, darunter auch viele Anhängselröhrlinge, und so konnte ich ein paar Pilze zum Einfrieren sammeln. Beim Auftauen zeigten sich unterschiedliche Färbeverhalten. Die altbekannten Speisepilze verhielten sich wie erwartet. Keine spektakulären Farb-Veränderungen bei Steinpilzen, Maronen, Flockenstieligen Hexenröhrlingen, Jagahaxn (=Birkenpilze), Rotkappen, und Rotfußröhrlingen.

Auch der Schönfußröhrling blaute schön beim Aufschneiden, aber beim Auftauen gab es nichts Besonderes.

Die etwas selteneren Röhrlinge waren dann schon für Überraschungen gut. Ich kenne jetzt drei neue Varianten des Auftauens. Damit ergibt sich als Zwischenstand:

Butyriboletus spec: Blau/Türkis/Gelb über den Röhren und nicht vollständig bis zur Huthaut, vereinzelt Blau in/an den Röhren. Hier bestimmte ich makroskopisch B. appendiculatis, neue Fundstellen. Ich habe dickere Stücke eingefroren und eines während des Auftauvorganges aufgeschnitten. Es war außen und innen verfärbt. Außen mehr, innen etwas weniger, damit ist für mich die Temperatur entscheidend für die Veränderung und nicht der Luftkontakt.

Butyriboletus spec: sehr geringe Reaktion, ist noch zu klären, neue Fundstellen

Boletus spec.: Rosa/Rot im Hut, Blau im Stiel
Dieser hat mich im Sommer ziemlich genarrt. Ich habe mich über eine Gruppe Butyriboletus gefreut und im Eifer des Gefechts den benachbarten Schwammerl auch gleich als solchen betitelt. Bloß bei der Geschmackskontrolle war er bitter. Da es sehr heiß und trocken war und das die ersten dieser Art in dem Sommer waren, habe ich das zunächst als überständigen Pilz abgetan. Ein paar Tage später gab es dann an dieser Stelle wieder welche und ich habe einen frisch gewachsenen probiert, der war genauso bitter. Ich hoffe drauf, dass er wieder wächst, dass er wiederholbar diese Farbreaktion zeigt und ich ihn dann eindeutig bestimmen kann.

Es bleibt spannend.

Viele Grüße
Renate

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Expertenforum Mykologie / Re: Daldinia
« Letzter Beitrag von Schorsch am 10. März 2019, 11:40 »
Lieber Christoph,
vielen Dank. Ich habe im Nachhinein noch einen Text von Dr. Claudia Goercke gefunden. Dabei habe ich festgestellt, dass ich bei der Bestimmung - ohne es zu wissen - ihrem Vorgehen analog vorgegangen bin.
Pilz des Monats der Stuttgarter Pilzfreunde https://www.pilzfreun.de/?p=629
Das Holz weerde ich weiter beobachten. An dem Stubben sind einige Reißer mit Knospen, so dass nach Blattaustrieb eine sichere Bestimmung möglich sein sollte.
Allen ein schönes Restwochenende
Schorsch
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