Forum der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft

Allgemein => Expertenforum Mykologie => Thema gestartet von: Christoph am 27. Januar 2009, 18:30

Titel: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 27. Januar 2009, 18:30
Hallo zusammen,

man lernt nie aus - ich dachte bislang, der einzige Doppelgänger von Tremella mesenterica (Gelber Zitterling) sei Dacrymyces chrysospermus (Riesengallertträne). Im Pilzbestimmungsforum von Eric Strittmatter war es bereits Thema: http://forum.fungiworld.com/index.php?topic=4456.0.

(http://www.mykologie-bayern.de/forum/index.php?action=dlattach;topic=89.0;attach=360;image)
Tremella aurantia an Stereum hirsutum; Foto: Nico Berte (http://www.fotocommunity.de/pc/account/myprofile/942922). Fundort: Naturschutzgebiet im Osten Luxemburgs zwischen Niederanven und Roodt/ Syr mit ausgedehnten Feuchtgebieten um den Lauf der Syr.

Unterschiede:
makroskopisch: praktisch keine (etwas größer, eintrocknend etwas blassere, gebrochenere Farbe)
Ökologie: parasitiert am Striegeligen Schichtpilz (Stereum hirsutum), während Tremella mesenterica s.str. an Peniophora spp. parasitiert!
Anatomisch: kleinere Sporen und gestielte, nicht sitzende Basidien (Tr. mesenterica: sitzend)

Hier eine englischsprachige Beschreibung mit Foto: http://www.mykoweb.com/CAF/species/Tremella_aurantia.html (http://www.mykoweb.com/CAF/species/Tremella_aurantia.html)

Die Art kommt sicher auch in Bayern vor, wurde nur bislang übersehen! Bitte überprüft mal eure Funde von Tremella mesenterica bzw. achtet bitte in Zukunft unbedingt auf die Begleitpilze am selben Holz! Notfalls reinmikroskopieren...

Wäre doch gelacht, wenn wir nicht bald mit bayerischen Funden nachlegen könnten.

LG
Christoph
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Rudi am 30. Januar 2009, 14:47
Hallo Christoph,

den hab ich natürlich bisher auch noch nicht gekannt.
Auch auf meinen fotos konnte ich bei einem Schnelldurchgang nichts entsprechendes finden- werde aber heuer drauf achten!
Dabei ist mir ein Pilz ein- und aufgefallen, den ich auch noch(?) nicht kenne:
Ein ?Zitterling?, 1-3mm klein, rosa, auf Pappelholz.
Gefunden vor 2 Jahren im Februar- leider hab ich nicht mikroskopiert und nichts getrocknet.
Soll ich dort noch mal hin???

GRudi
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Peter am 30. Januar 2009, 15:59
Zitat
Gefunden vor 2 Jahren im Februar- leider hab ich nicht mikroskopiert und nichts getrocknet.
Soll ich dort noch mal hin???

Hallo Rudi,

logisch, dann entweder vital zusenden oder Mikro's anfertigen und posten.

Grüße vom Gelegenheits-Schnupfer
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 1. März 2009, 15:50
Hallo Pilzfreunde,

inzwischen gibt es bereits mutmaßliche Tremella-aurantia-Funde aus Wiesbaden/ Hessen (http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?frames;read=156982#156982) und Gersheim/ Saarland (http://www.pilzforum.eu/board/tremella-aurantia-gelber-schichtpilz-zitterling-t-3524.html). Allerdings würde ich vor dem Kartieren eine mikroskopische Untersuchung voraussetzen. Bin gespannt, wann es in Bayern soweit ist.

Gruß, Andreas
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: ursula am 8. Mai 2009, 18:01
Hallo, es gibt einen eindeutigen Fund aus Rheinland-Pfalz (Aschbacher Hof MTB 6612/2, leg J. Haedeke) Ende Januar 2009. Nachdem ich damals den thread gelesen hatte, sprach ich mit ihm zufällig drüber - durch eine unklare Tremella-Bestimmung bei  Bulgaria inquinans waren wir an dem Thema dran - und er hatte wie der Zufall es will dann einen Fund bei Stereum. Der hat nur sehr zögerlich seine Sporen gezeigt, aber dann kamen sie und vor allem die Hyphen des Stereums waren zu finden, wie bei Roberts gezeichnet. Da es leider nur diesen einzigen Fruchtkörper gab, habe ich ihn nicht selbst gesehen und daher im Moment auch nur diese spärlichen Angaben zu dem Fund. Aber der Fund und auch die Mikroaufnahmen sind dokumentiert und exsikkiert ist er auch.
Viele Grüße Ursula
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 9. Mai 2009, 13:33
Hallo Ursula,

vielen Dank für die Information über den Fund von Tremella aurantia aus Rheinland-Pfalz, auch wenn er nicht aus Bayern stammt - ich denke, das ist nur noch eine Frage der Zeit. Nichtsdestotrotz freuen mich die bisherigen Fundmeldungen, da etliche Pilzfreunde inzwischen genauer hinsehen und nicht jeden gelben Zitterling gleich als Tr. mesenterica notieren.

Habe gestern an Axel Schilling, seines Zeichens Administrator der Online-Pilzkartierung (http://brd.pilzkartierung.de/), eine E-Mail mit der Bitte geschickt, den Gelben Schichtpilzzitterling in die Art-Datei aufzunehmen, damit der Pilz künftig erfasst werden kann. Sobald ich Feedback erhalte, gebe ich hier Bescheid.

Schönes Restwochenende

Gruß, Andreas
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 10. Juni 2009, 05:55
Hallo nochmals,

Habe gestern an Axel Schilling, seines Zeichens Administrator der Online-Pilzkartierung (http://brd.pilzkartierung.de/), eine E-Mail mit der Bitte geschickt, den Gelben Schichtpilzzitterling in die Art-Datei aufzunehmen, damit der Pilz künftig erfasst werden kann.

Axel Schilling hat mir inzwischen geantwortet: Er hat meine E-Mail an Peter Dobbitsch weitergeleitet, der die Taxa der DGfM-Kartierung verwaltet. Mit dem nächsten Update soll die Artdatei um Tremella aurantia erweitert werden. Bis dahin würde ich entsprechende Funde unter dem Taxon Tremella spec. (http://brd.pilzkartierung.de/f2specart.php?csuchsatz=ugv&cFund=) erfassen und im Feld "Anmerkung" vermerken, dass es sich um T. aurantia handelt. Im Feld "Wirt/Substrat/Symbiont" würde ich statt dem Listeneintrag "FUNGI (PILZE)" das Substrat auswählen, also z.B. "Fagus sylvatica". Über das Feld "Organ" kann das Substrat noch spezifiziert werden, beispielsweise "Stamm". Im Feld "Wirt-/Substrat-/Symbiont-Ergänzung" würde ich dann den Wirt erfassen: "an Trametes hirsuta". Schade nur, dass dann vermutlich kein Platz mehr vorhanden sein wird, in diesem Fall nähere Angaben zum Substrat zu machen, beispielsweise ob der Stamm noch aufrecht stand oder bereits am Boden lag. Gleiches gilt für den Zersetzungsgrad und ob der Stamm noch berindet war.

Abschließend hoffe ich, dass die DGfM die Online-Kartierung zügig ausbaut und insbesondere die maximal mögliche Zeichenlänge einiger Eingabefelder vergrößert, um möglichst viele Angaben zu erfassen. Letztlich müssen mit der Online-Kartierung mindestens genauso viele Daten erfassbar sein, wie mit dem betagten DOS-Programm "Pilzkartierung 2000".

Gruß, Andreas
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 11. Juni 2009, 12:45
Hallo Pilzfreunde,

Axel Schilling hat mich heute darüber informiert, dass Tremella aurantia jetzt als Taxon in der Online-Kartierung angelegt ist und entsprechend kartiert werden kann:

http://brd.pilzkartierung.de/f2specart.php?csuchsatz=ISE&cFund=

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 12. Dezember 2009, 02:12
Hallo in die Runde,

im aktuellen Tintling (http://www.tintling.de/) 4/2009 (Heft Nr. 61) berichten Ursula Sauter und Jörg Haedeke auf den Seiten 81 bis 84 in ihrem Artikel "Tremella aurantia - ein Doppelgänger des Goldgelben Zitterlings" über den bereits hier vermerkten Fund am Großen Letzberg südlich von Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz). Leider vermag ich nicht zu interpretieren, was sich hinter dem Kürzel "a.a.O." verbirgt - vielleicht kann Ursula mir auf die Sprünge helfen?

Interessant finde ich hingegen die Info, dass in alten, vergehenden Frk. von Tr. aurantia (Gelber Schichtpilz-Zitterling) manchmal ein undeutlicher weißlicher Kern beobachtet worden ist, der aus den Hyphen von Stereum hirsutum (Striegeliger Schichtpilz) besteht. Allerdings erreicht der Kern nicht die Dimension wie bei den Frk. von Tr. encephala (Alabasterkernling) - hänge der Vollständigkeit halber noch 2 Bilder jener Art dran. Beide Arten gehören nach CHEN zur Aurantia-Gruppe.

Was jetzt noch fehlt, wäre eine Kartierung des Fundes durch die Autoren in der Online-Pilzkartierung.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich an Stereum hirsutum (Striegeliger Schichtpilz) auch schon Tr. foliacea (Rotbrauner Zitterling) gefunden habe. Leider sind die Informationen über das Wirtsspektrum und die Wirtsspezifität unserer heimischen Arten bislang sehr spärlich. Der Artikel könnte jedenfalls dazu beitragen, dieses Defizit bei der Erfassung von Tremella-Funden zu reduzieren.

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: zuehli am 12. Dezember 2009, 08:21
Leider vermag ich nicht zu interpretieren, was sich hinter dem Kürzel "a.a.O." verbirgt

Hi Andreas,

das Kürzel a.a.O. (am angegebenen Ort) wird bei Literaturzitaten verwendet, wenn die die vollständige Bezeichnung der Literaturstelle schon aufgeführt war und die folgenden sich dann auf diese vorher erwähnten beziehen.
Im vorliegenden Fall hättest Du etwas aufmerksamer lesen sollen, denn im Tintlingsartikel steht auf S. 81 auf der rechten Spalte im letzten Absatz: "... wurde von P.ROBERTS (1995) ausführlich beschrieben, alle folgenden Angaben beziehen sich auf diese Veröffentlichung." Die findet man im Anhang im Literaturverzeichnis.

Hier werden Sie geholfen ;)
Gruß Harald
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: ursula am 12. Dezember 2009, 10:55
Hallo Andreas, ich kartiere bisher immer noch über das Programm 2000. Allerdings frage ich mich zunehmend, ob ich seltenere Funde nicht doch zusätzlich in die Online-Kartierung geben sollte. Das leidige Thema Kartierung...
Gruß Ursula
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 12. Dezember 2009, 11:47
Servus Harald,

das Kürzel a.a.O. (am angegebenen Ort) wird bei Literaturzitaten verwendet, wenn die die vollständige Bezeichnung der Literaturstelle schon aufgeführt war und die folgenden sich dann auf diese vorher erwähnten beziehen.

besten Dank für die kleine Nachhilfe - wieder etwas dazugelernt.

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 12. Dezember 2009, 12:18
Hallo Ursula,

ich kartiere bisher immer noch über das Programm 2000. Allerdings frage ich mich zunehmend, ob ich seltenere Funde nicht doch zusätzlich in die Online-Kartierung geben sollte.

als ich noch im Augsburger Pilzverein aktiv war, hatte ich meine Pilzfunde generell in der Online-Kartierung erfasst. Dies bietet den entscheidenden Vorteil, dass die Daten nach der Eingabe sofort interessierten Pilzfreunden zur Verfügung stehen und nicht erst in einer Schublade liegend auf bessere Zeiten warten. Zudem war seinerzeit noch gar nicht entschieden, dass die DGfM die "Offline-Datensätze" in die Online-Kartierung integrieren will.

Am Jahresende hatte ich dann die Datensätze über die Export-Funktion der Online-Kartierung (http://brd.pilzkartierung.de/f2export2.php?nID=89) exportiert und an den Vereinsvorsitzenden geschickt. Dieser konnte dann meine Daten über das kostenlose Tool Fundadd problemlos in seinem DOS-Programm Kartierung 2000 (http://dgfm-ev.de/index.php?id=kartierung) einspielen und eine vollständige, regionale Fundliste ausdrucken. So war uns beiden geholfen. Eigentlich sollte sich "Fundadd" über den Menüpunkt "Export" herunterladen lassen, allerdings sehe ich dort keinen Downloadlink mehr. Man müsste also Axel Schilling danach fragen oder einfach mich kontaktieren, dann gebe ich das Programm gerne weiter.

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt: Ein gravierender Nachteil ist sicher, dass die mit der Online-Kartierung erfassten Fundmeldungen einen kleineren Umfang haben als die Datensätze in der Offline-Kartierung. Deshalb plädiere ich schon seit Jahren dafür, die Eingabemaske der Online-Kartierung ans DOS-Programm anzugleichen. Darüber hinaus sollte die Zeichenlänge der Eingabefelder endlich vergrößert werden.

Meine Hoffung für die Zukunft ist deshalb, dass die neue Führung der DGfM, nachdem sie sich für den Kauf der Online-Kartierung entschieden hat, gemeinsam mit den Meldern (!) die Eingabemaske überarbeiten lässt. Es gilt, ein ergonomischeres Eingabeformular zur Erfassung von Pilzfunden zu konzipieren. In diesen Prozess müssen jedoch unbedingt alle Kartierer einbezogen werden, schließlich füttern sie das System fortwährend mit ihren Daten. Daraus leite ich ein Mitspracherecht ab.

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 28. Februar 2010, 16:53
Hallo Glibberfreunde,

möchte anlässlich der Tauperiode den Suchaufruf nochmals aus der Versenkung heben:
Bislang existiert noch kein bayerischer Nachweis.

Viel Spaß beim Suchen!

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 28. Februar 2010, 18:51
Hallo nochmals,

bei der Gelegenheit möchte ich noch auf die Weltmonographie von CHEN hinweisen:

CHEN, Chee-Jen (1998): Morphological and Molecular Studies in the Genus Tremella. Bibliotheca Mycologica. Bd. 174 (http://faculty.stut.edu.tw/~c5200999/thesis.htm)

Dort findet ihr auch detailierte Beschreibungen und hervorragende Mikrozeichnungen der beiden Taxa T. aurantia und T. mesenterica.

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: ursula am 28. Februar 2010, 22:21
Hallo, es ist zwar nicht Bayern aber am 20.2. hatte ich 2 Funde von  T. mesenterica bei Peniophora lycii (Reissinsel, Mannheim). Alle, die mir in der Zwischenzeit von mesenterica- Aufsammlungen berichtet hatten, hatten keine Peniophora dabei gesehen, was laut Roberts zur Art gehören würde.
Ursula
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: AK_CCM am 1. März 2010, 09:27
Hallo Ursula,

danke für Info bzgl. des Wirtspektrums von T. mesenterica. Selbst kenne ich den Goldgelben Zitterling nur an P. limitata - zumindest ist mir momentan kein anderer Wirt bewusst. Werde bei Gelegenheit mein Bildarchiv durchstöbern, vielleicht fördere ich dabei noch andere Vergesellschaftungen zutage.

Wer T. mesenterica ohne die Frk. eines Zystidenrindenpilzes gefunden hat, muss ins Substrat schauen: Dann hängt die Art an den im Holz befindlichen Hyphen des Wirts. Beide Pilze müssen nicht unbedingt zur selben Zeit fruktifizieren.

Den Nebensatz mit Roberts verstehe ich leider nicht.

Einen guten Start in die Woche

Gruß, Andreas
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 1. März 2010, 09:38
Hallo Andreas,

der Nebensatz mit Roberts meint sicherlich folgendes:
Roberts hat festgestellt, dass Tremella mesenterica auf Peniophora als Wirtsgattung beschränkt ist. Eine Tremella "mesenterica" an einem anderen Wirt dürfte damit auch keine Tremella mesenterica sein...

Es ist zweifelsohne richtig, dass man Tremella mesenterica, wie auch von Ursula beschrieben, auf nacktem Holz, also ohne Fruchtkörper des Wirts finden kann. Und wie Du auch schreibst, ist dann das Myzel des Wirts zumindest bereits (oder noch) im Holz vorhanden. Nur hilft einem das bei der Bestimmung der Tremella nicht weiter, da man ja dann den Wirt nicht kennt. Hier hilft dann nur das Mikroskop, da sich Tremella mesenterica und Tremella aurantia ja anatomisch unterscheiden lassen. Manchmal achtet man aber auch nicht darauf, da z.B. eine junge Peniophora cinerea, ebenfalls ein Wirt der Tremella mesenterica, einem nicht gerade ins Auge springen muss  ;)

Jedenfalls ist das Kartieren jetzt etwas schwieriger, dafür aber auch spannender geworden. Gelbe Tremellen auf scheinbar nacktem Holz müssen zwangsläufig unters Mikroskop...  8)

LG
Christoph
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Helmut am 1. März 2010, 19:33
Servus Andreas und Christoph,

habe mal meine Bilder angesehen, inklusive der alten Dias. Entweder war bei den Fruchtkörpern etwas Peniophora-ähnliches zu sehen oder nur das blanke Holz. Somit lässt sich daraus kein Nachweis von T. aurantia ableiten. Ist wohl doch selten.

Gruß

Helmut
Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 1. März 2010, 20:01
Servus Helmut,

danke Dir für's Nachschauen! Ich habe bislang auch nur Tremella mesenterica s.str. fotografiert. Dass Tremella aurantia zumindest in Bayern selten ist, scheint wohl wirklich so zu sein. Je mehr sich aber an der "Suche nach dem gelben Schatz" beteiligen, umso eher wird der Erstnachweis gelingen. Wär doch gelacht...

LG
Christoph

Titel: Antw: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 31. März 2010, 15:21
Hallo zusammen,

es gibt einen weiteren, aktuellen Nachweis (2010) aus Deutschland, genauer: Baden-Württemberg. Ich bin über die Onlinekartierung darauf gestoßen, da vor kurzem die Fundmeldung eingetragen wurde.

Hier gibt es Fotos und Beschreibung der Kollektion (auch Mikrofotos) in der Rubrik Pilz des Monats (Februar):
http://web16.enio-srv1.de/html/monatspilz.html (http://web16.enio-srv1.de/html/monatspilz.html)

Der Fundort ist nicht allzuweit von der bayerischen Grenze entfernt: http://brd.pilzkartierung.de/bwsqlart.php?csuchsatz=ISE (http://brd.pilzkartierung.de/bwsqlart.php?csuchsatz=ISE)

Ich bin immer noch gespannt, wann der Erstnachweis bei uns gelingt.

LG
Christoph
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 9. November 2010, 15:29
Servus beinand,

ich möchte diesen Beitrag erneut etwas pushen. Ich habe eben zufällig im PilzePilze-Forum gesehen, dass es wieder einen Nachweis dieser leicht kenntlichen Art in Deutschland gibt: http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?noframes;read=197893

Es kann doch nicht sein, dass bei uns in Bayern absolute Fehlanzeige herrscht...?!?

Wer schafft den Erstfund?

LG
Christoph
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Rudi am 5. April 2011, 21:18
Ich war am Sonntag in Ermangelung geeigneter Ascomyceten in ein Wäldchen bei Ochsenfurt gegangen, um Holzpilze zu suchen.
Da leuchtete mir in gut 3 Metern höhe an einer alten Hasel etwas orangenes entgegen.
Daneben Stereum hirsutum.
Das wird doch nicht...
Doch! Offensichtlich ists Tremella aurantia.
Neben Unmengen von kleinen Konidiensporen fanden sich auch echte mit ca 5,6-7,5x 5,5-6,5y.

Hat denn jemand bisher in By schon das Schwammerl gefunden?

LG Rudi
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Peter am 9. April 2011, 20:06
Glückwunsch Rudi,

bei uns herrscht noch Fehlanzeige, bring halt mal ein paar Äste mit beim nächsten Besuch ;)

LG, Peter
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 6. Dezember 2011, 21:40
Hallo Rudi,

ich hatte ganz vergessen, mich als Gratulant einzureihen. Die kleinen Sporen (deutlich kleiner als bei Tr. mesenterica) und der Wirt machen die Sache ja glasklar.

Hier findest Du - falls Du in einer Winternacht den Beleg nachbearbeiten möchtest - eine ausführliche Beschreibung: http://faculty.stut.edu.tw/~c5200999/paper/phd/Tremella%20aurantia%20Schw%20&%20Fr%201822.pdf

Und hier im Vergleich eine Beschreibung von Tremella mesenterica s.str.: http://faculty.stut.edu.tw/~c5200999/paper/phd/Tremella%20mesenterica%20Retz%20&%20Fr.pdf

(wie weiter unten schon zitiert findest Du den Index zu den Beschreibungen hier: http://faculty.stut.edu.tw/~c5200999/thesis.htm

Ich weiß von keinen weiteren Funden, aber Till Lohmeyer meinte, es sei ein Artikel über Tremella aurantiaca in Bayern für die Mycologia Bavarica in Aussicht. Vielleicht passt Dein Fund auch dazu und kann in den Artikel mit aufgenommen werden (oder Du machst, wenn der Autor möchte, mit).

Toller Fund. Auf alle Fälle haben wir die Art jetzt in Bayern. Der Beleg ist wichtig...

LG
Christoph
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Peter am 29. Dezember 2011, 16:12
Hallo Rudi,

nur zur Info, meine Funde vom 28.12.2011 bei Lohr a. Main auf Quercus waren T. mesenterica. Der im Feld nur schwer identifizierbare Wirt war Peniophora quercina und die Sporen messen i. M. 15 x 10 µm.

lg, Peter
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 6. April 2012, 23:56
Servus beinand,

so, jetzt habe ich möglicherweise auch Tremella aurantia gefunden. Und zwar im Landkreis FFB, westlich vom Haspelmoor, nahe der Kläranlage Hattenhofen, an ansitzendem Weidenast.

Die Sporen sind 7,5-9 x 5,5-6 µm klein, die Konidien passenderweise bis 5 x 4 µm groß, oval, also vom Längen-Breiten-Quuotient kleiner als bei Tr. mesenterica (wurde hier bereits erwähnt, dass Breitenbach und Kränzlin die Tremella aurantia abbilden?). Haustorien meist mit unverzweigtem Auswuchs (passt auch).

Warum dann nur möglicherweise Tremella aurantia?

Nun:

1.) Die Fruchtkörper sind noch sehr jung, zumeist noch in der NFF, die HFF ist blasser als die NFF, aber noch sehr klein. Kaum reife Basidien (drum alle sitzend, keine gestielte gesehen), kaum Sporen.
2.) Nahe des Substrats treten Vesikel mit bis zu 30 µm Durchmesser auf, was eher typisch für Tremella mesenterica wäre.
3.) Kein Wirt erkennbar - weder Peniophora noch Stereum sichtbar - Suche nach Wirtshyphen: Fehlanzeige.

Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als das Asterl nachreifen zu lassen. Ich werde es morgen draußen deponieren und schauen, was sich tut, wenn der Fruchtkörper reifer ist. Die kleinen Sporen können ja an der Jugend liegen - sprich wären beim Präparieren abgebrochen und noch unreif.

Falls ich was rausbekomme, halte ich Euch auf dem Laufenden.

LG
Christoph
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 29. Mai 2012, 21:26
Hallo zusammen,

ich möchte nur der Vollständigkeit halber ergänzen, dass die ausgereiften Fruchtkörper die für Tremella mesenterica typischen Sporen hervorbrachten. Meine Vorsicht war alsooffensichtlich angebracht. Ich selber werde also bei jungen Fruchtkörpern in Zukunft die Vesikel über die Konidiengröße gewichten ^^.

Ich muss also weiter suchen... und suchen... und irgendwann finden.

LG
Christoph
Titel: Re: Tremella aurantia - ein Kartierungs- bzw. Suchaufruf!
Beitrag von: Christoph am 31. Januar 2018, 01:57
Hallo zusammen,

nachdem ich aufgrund meiner Pilzführung in die Amperauen bei Dachau für den VfP München mit einer Kollektion einer gelben Tremella konfrontiert wurde, bei der nicht auf den Wirt geachtet wurde, „durfte“ ich wieder einmal rein mikroskopisch versuchen, die Art zu bestimmen – wobei „natürlich“ die Tremella unreif war.

Nachdem die von mir früher mal angegebenen Links auf Beschreibungen beider Arten (Tremella mesenterica und Tr. aurantia) auf den Seiten der Southern Taiwan University of Science and Technology tot sind, liste ich hier für eine klarere Bestimmung die Trennmerkmale nochmal auf (die Beschreibungen, die jetzt nicht mehr erreichbar waren, stammten mit hoher Wahrscheinlichkeit von Chen). Ich möchte dabei auch auf einen sehr schönen Artikel von Peter Roberts verweisen:
Roberts P (1995): British Tremella species 1: Tremella aurantia and T. mesenterica. Mycologist 9(3): 110–114.
Ganz aktuell wurden beide Arten auch in der Zeitschrift Field Mycology verglichen:
Overall A (2017): Tremella aurantia & T. mesenterica, two British ‘Yellow Brain Fungi’ compared. Field Mycology 18(3): 82-84.

Hier nun die Gegenüberstellung:


Tremella mesenterica:


Wirt: Peniophora spp.

Sporen: (8,0-)10,0-16,0(-18,0) x 6,0 x 9,5(-12,0) µm

Basidien meist ungestielt (nur ausnahmsweise vereinzelt kurz gestielte Basidien); meist senkrecht septiert; zwei Basidientypen auftretend:
Basidientyp I: subglobos bis breit ellipsoid, 20-23(-25) x (17-)18-22(-23) µm
Basidientyp II: oval, (20-)24-31(-35) x (15-)16-20 µm

Vesikel dickwandig (Wandstärke 2-3,5 µm), kugelig bis ellipsoid – dann (12-)14-21 x (9-)11-16,5(-19) µm – oval bis keulenförmig – dann 22-27 x 15-17 µm –  manchmal auch lanzettförmig – dann 34-35 x 7-10 µm.

Haustorien im inneren Bereich des Fruchtkörpers häufig, 3-6(-7) x 2,5-4 µm, mit teils mehreren, gewundenen und sich verzweigenden Auswüchsen („Greifhyphen“ - genau genommen nur Auswüchse aus der Haustortienzelle, keine Hyphen)

Konidien sehr variabel geformt, von subglobos bis hin zu gestreckt-zylindrisch


Tremella aurantia:

Wirt: Stereum hirsutum

Sporen: 5,5-9,0 x 4,5-7,0 µm

Basidien meist typisch gestielt, Stiel 2-5 x 2-3 µm; oft auffallend schräg septiert (etwas an Sirobasidium erinnernd); zwei Basidientypen auftretend:
Basidientyp I: globos bis subglobos, 10,5-13(-14) x 10,5-13(-14) µm
Basidientyp II: birnenförmig bis keulig, 10,5-15,5(-24) x 10,5-13(-14) µm

Vesikel fehlend (!)

Haustorien 3-5 x 2,5-4,5 µm, mit meist nur einem, unverzweigten Auswuchs

Konidien subglobos bis ellipsoid, weniger variabel in der Länge


Kurz zusammengefasst:

Tremella mesenterica hat deutlich größere Sporen, zudem deutlich größere und sitzende Basidien (bei Tr. aurantia kleiner, dafür gestielt). Die Vesikel sind bei Tr. mesenterica wirklich auffällig, da sie durch ihre dicken Wände herausstechen. Man findet sie unregelmäßig in der Trama eingestreut. Bei Tr. aurantia fehlen diese. Und auch die Auswüchse der Haustorien sind unterschiedlich (verzweigt vs. unverzweigt usw.).

Es gibt noch weitere Unterscheidungmöglichkeiten – so z.B. die Größe und Form von angeschwollenen (dünnwandigen) Zellen im Subhymenium, in der Trama und nahe des Substrats – hier zeigt Tr. mesenterica tief unten, nahe des Substrats gerne zitronenförmig angeschwollene Zellen (sonst auch globos bis oval bis hin zu birnenförmig), während sie bei Tr. aurantia nur sobglobos bis ovoid bis keulig sind. Die Zellen schwellen bei Tr. mesenterica auch viel deutlicher an (bis über 20 µm Breite erreichend – bei Tr. aurantia nur bis 11 µm breit).

Sollte übrigens eine Tremella an Stereum hirsutum gefunden werden, die kugelige, sitzende Basidien aufweist, so wäre das Tremella tremelloides (Berk.) Massee – eine weitere, gelbe Art, die aber nur aus Nordamerika bekannt ist.

Ist die Kollektion reif, ist die Unterscheidung also gar kein Problem. Natürlich war meine Kollektion wieder mal unreif. Und bei den Konidien war ich schon früher verwirrt, da Chen für Tremella mesenterica angibt, die Konidien seien nur 1-2 µm breit. Roberts (1999) gibt hingegen Breiten von 2-2,5 µm an. Bei meiner aktuell untersuchten Kollektion waren die Konidien sogar bis 4,5 µm breit, also deutlich größer. Das ist mir aber wie gesagt auch früher schon aufgefallen. Was ich aber hier bestätigen kann, ist die große Varianz in der Länge, also in der Form. Roberts (1995) gibt sie aber auch nur als subglobos bis ellipsoid an.

Also sind die Konidien an sich variabler, als von den bisherigen Studien angegeben – oder irgendwas ist hier seltsam. Ich gehe von ersterem aus.

Da ich bei der aktuell untersuchten gelben Tremella auch schon Probasidien gefunden habe, die einerseits ungestielt sind und zudem sehr groß sind (bis 22 µm im Durchmesser), ist auch diese eine klare Tremella mesenterica.

Ich muss also noch länger auf einen Fund von Tremella aurantia warten...

Liebe Grüße,
Christoph