Autor Thema: Röhrlinge Schnittbilder des 1. und 2. Tages  (Gelesen 2190 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Renate

  • Präsidium
  • ******
  • Beiträge: 157
Re: Röhrlinge Schnittbilder des 1. und 2. Tages
« Antwort #3 am: 2. April 2021, 11:24 »
Hallo zusammen,

Wie man schon an den bisher gezeigten Fotos sehen kann, gibt es Veränderungen in verschiedenen Teilen der Pilze. Wenn man genau schaut, gibt es Pilze, die sich im Übergang Hut Röhren verändern. Ein für mich besonderes Beispiel ist Suillus bovinus 20.09.2020.


Suillus bovinus

Manche Röhrlinge gelten als Färbepilze und die Farbstoffe sind in den Röhren. Bei Suillus bovinus ist die Röhrenschicht angewachsen, sie lässt sich also nicht leicht abschieben. Auffallend war, dass nach einem Tag ein zitronen-gelber Streifen oberhalb der Röhrenschicht zu sehen war. Ich habe daher der Neugierde wegen an ein paar Pilzen die Röhrenschicht zur Hälfte entfernt (mit etwas Nachdruck kann man sie abziehen).


Suillus bovinus SB 1a mit und ohne Röhren

An der Hälfte ohne Röhrenschicht ist dann am nächsten Tag auch kein Gelb direkt oberhalb der Röhren erschienen. Daraus schließe ich, dass die Farbstoffe entweder in der Zwischenschicht entwickelt werden oder aus den Röhren nach oben wandern.


Suillus bovinus SB 2

Ein weiteres Beispiel mit gelb ist Suillus collinitus 23.10.2020 (n=1)


Suillus collinitus

Suillus collinitus ist schon beim Schnitt im Hut sehr gelb. Im Stiel ist allerdings erst mal eher creme mit einem Hauch orange zu erkennen.


Suillus collinitus SB 1
 
Schon am nächsten Morgen ist aber auch der Stiel schön gelb, zur Basis hin wieder mit einem Hauch orange, dies verstärkt sich im Laufe des Tages noch ein wenig.


Suillus collinitus SB 2


Die Pilze können auch schwarz werden:
 
Strobilomyces strobilaceus 31.07.2020 (n=1) zeigt ebenfalls sehr intensive Farben.


Strobilomyces strobilaceus

Zunächst wird er Im SB 1a rot. So schnell kann man allein gar nicht sein, um ein SB 1 zu fotografieren.


Strobilomyces strobilaceus SB 1a

Im SB 1b wechselt er zu schwarz, das rot ist noch angedeutet sichtbar.


Strobilomyces strobilaceus SB 1b

Am nächsten Tag ist er schon am Morgen schwarz. Ich zeige das Bild vom Abend, da es von besserer Qualität ist.


Strobilomyces strobilaceus SB 2

Im nächsten Teil geht es weiter.

Bis später dann
Renate Schöber
« Letzte Änderung: 2. April 2021, 11:31 von Renate »

Offline Renate

  • Präsidium
  • ******
  • Beiträge: 157
Re: Röhrlinge Schnittbilder des 1. und 2. Tages
« Antwort #2 am: 2. April 2021, 11:09 »
Hallo zusammen,

schon geht es weiter mit rosa

Butyriboletus subappendiculatus 28.08.2019 (n=2)


Butyriboletus subappendiculatus ist zunächst weiß-gelb im Fleisch. Die Farben im SB 1 sind leider durch die automatische Farbkorrektur des Computers verfälscht.


Butyriboletus subappendiculatus SB1

Er wird im Hut rosa und im Stiel gelb bis safran.


Butyriboletus subappendiculatus SB 2


Es gibt auch gelb:

Interessante Farbveränderungen zeigt auch Imleria badia, gleich in mehreren Varianten. Zuerst einmal die dickbauchige Imleria badia 11.09.2020


Imleria badia

Im SB 1 ist der dickbauchige Stiel zunächst weiß. Im Hut blaut er ganz leicht.


Imleria badia SB1

Am nächsten Morgen ist der Hut leicht grau, der Stiel apikal weiß und dann ab der Stielmitte bis zur Basis hinab gelb.


Imleria badia SB 2m

Am nächsten Abend ist er insgesamt etwas grauer geworden (das Foto übertreibt), deutlich sichtbar der bis zur Hälfte gelbe Stiel.


Imleria badia SB 2

Die schlankeren langstieligen Imleria badia 30.10.2020 zeigen ein anderes Bild


Imleria badia

Im SB 1 ist der Stiel wieder weiß und das Hutfleisch blaut leicht.


Imleria badia SB 1

Am nächsten Morgen ist der Stiel von der Basis ausgehend zur Hälfte gelb geworden, oberhalb der Stielmitte ist er weiß.


Imleria badia SB 2m

Nach ca. 24 Stunden ist der Stiel bis zum Übergang zum Hut gelb geworden. Der Hut ist weiß. Der Übergang zwischen dem gelben und dem weißen Bereich ist dunkler.


Imleria badia SB 2

Imleria badia kann aber auch im Stiel maseriert werden.

Es kann auch zu einer Blaufärbung im Stiel kommen. Allerdings habe ich da kein Foto dazu.

Weiter geht es im nächsten Beitrag.

Bis gleich
Renate Schöber
« Letzte Änderung: 2. April 2021, 11:16 von Renate »

Offline Renate

  • Präsidium
  • ******
  • Beiträge: 157
Röhrlinge Schnittbilder des 1. und 2. Tages
« Antwort #1 am: 2. April 2021, 10:47 »
Röhrlinge Schnittbilder des 1. und 2. Tags

Guten Tag,

jeder von Euch kennt das Phänomen des Rötens, Blauens oder Grauwerdens von Röhrlingen, wenn man sie verletzt oder anschneidet. Solche (und andere) Farbveränderungen werden zur Bestimmung herangezogen. Eine allgemein bekannte Anwendung ist das Aufschneiden von Röhrlingen und die Begutachtung der sich innerhalb der nächsten Zeit ergebenden Farbveränderungen an der Schnittfläche, also der Schnittbilder.

Das habe ich auch gemacht. Und weil ich gleich dabei war, habe ich bei den halbierten Pilzen die Stiele gekappt und die Hüte zum Absporen ausgelegt. Aus Zeitgründen ist das meist abends geschehen. Am nächsten Morgen bin ich zur Arbeit gegangen und am nächsten Abend, also nach einem Tag, habe ich die Pilze weggeräumt, Sporen vermessen, was man halt so macht. Ich habe dabei festgestellt, dass manche Röhrlinge in dieser Zeit an der Schnittfläche im Hut ganz rot wurden. Zunächst habe ich das als Verderben der Pilze gewertet. Allerdings ist mir irgendwann aufgefallen, dass sich viele Pilze trotzdem noch fest anfühlten und auch sonst nicht den Eindruck von vergammelten Pilzen machten. Nach einem Tag in der Wärme waren sie sicher nicht mehr zum Essen geeignet, aber so richtig kaputt? Naja seltsam. Ich habe dann genauer geschaut. Als nächstes ist mir aufgefallen, dass es wiederkehrende Muster gab. In der mir zur Verfügung stehenden Literatur und im Internet habe ich nichts dazu gefunden. Also wurde ich neugierig. Und so hat sich das, was ich Euch heute zeigen will, entwickelt.

Hier ist also eine Zusammenstellung meiner Ergebnisse zur Untersuchung der Schnittbilder vom 2. Tag.

Zunächst einmal Angaben zum Vorgehen:

Die Pilze werden wie üblich aufgeschnitten und die Schnittbilder beurteilt (bei mir meist abends). Nach einiger Zeit kann man noch einmal nachsehen ob es Veränderungen innerhalb der ersten Zeit gibt. Ich lege sie danach mit der Schnittfläche nach oben auf eine Glasplatte oder auch auf einen Pappteller und decke sie zu, so dass sie nicht austrocknen können. Zum Abdecken nehme ich durchsichtige Plastik-Becher, Glasschüsseln und ähnliches, die Pilze sind nicht hermetisch abgedichtet, sie liegen frei auf den Glasplatten ohne Berührung mit der Abdeckung.


Bild Gyroporus castaneus


Am nächsten Morgen, also nach ca. 12 Stunden, kontrolliere ich die Pilze, manchmal zusätzlich am Mittag. Am späten Nachmittag oder bis zum späten Abend  schaue ich dann, welche Veränderungen sich ergeben haben. Ich habe sie dokumentiert als

Schnittbilder 1. Tag sofort nach Schnitt (meist abends) (SB1)
Schnittbilder 1. Tag Farbveränderung (SB 1a)
Schnittbilder 1. Tag weitere Farbveränderung, meist ausblassen (SB 1b)
Schnittbilder 2. Tag nach ca. 12 - 17 Stunden (meist morgens) (SB 2m)
Schnittbilder 2. Tag nach ca. 18 – 24 (ausnahmsweise bis 29) Stunden (meist abends) Vollbild (SB 2)

Die Liegezeit ist wichtig, da viele Röhrlinge in der Regel erst nach ca.12 – 14 Stunden anfangen, Farbe zu zeigen und das Vollbild meist ab ca. 18 – 24 Stunden erreichen.

Die Pilze liegen bei Zimmertemperatur, also zwischen 20 und (im Sommer) 27 Grad.

Die andere Hälfte eines Pilzes habe ich normalerweise in eine Dose gegeben, mit einem Deckel verschlossen und diese in den Kühlschrank bei ca. 8 Grad gelegt. Wenn sich die draußen gelagerten Pilze veränderten, änderten sich oft auch die Pilze im Kühlschrank, allerdings meist wesentlich langsamer. Diese Pilze erreichten bis auf wenige Ausnahmen innerhalb der 24 Stunden nicht das Vollbild und fingen dann auch irgendwann an zu vergammeln ohne das Vollbild je zu erreichen. Die Pilze waren in durchsichtigen Plastikdosen gelagert, aber im Kühlschrank war es dunkel und kalt. Bei einigen Pilzen habe ich die Veränderung im Kühlschrank dokumentiert und dies handschriftlich auf den Bildern vermerkt.

Wenn ich nur ein oder zwei Pilze derselben Art zum Untersuchen hatte, habe ich das vermerkt (z.B.: n=1). Ich habe auch das Datum des Fundes dazugeschrieben.

Fotografiert habe ich mit dem Handy (I-phone X), mit einer EOS RP (überwiegend die Innenaufnahmen) und mit einer Panasonic DC G91. Die Fotos vom Morgen des zweiten Tages (SB 2m) habe ich aus Zeitgründen mit dem Handy
(bei meist nicht guter Belichtung) aufgenommen.


Welche Veränderungen ergeben sich

Schaut man sich die Pilze am nächsten Abend an, so zeigen sich oft Veränderungen

Zuallererst einmal kann man verschiedene Farben sehen, die vorher nicht da waren.

Rot:
Als erstes ein allseits bekannter Pilz zur Einführung: Neoboletus praestigiator/eryhtropus 30.06.20

Neoboletus praestigiator/erythropus

Zunächst blaut er vorschriftmäßig

Neoboletus praestigiator/erytropus SB1a

Dann entfärbt er

Neoboletus praestigiator/erythropus SB 1b

Um am nächsten Abend dann ein schönes Rot-orange zu zeigen.

Neoboletus praestigiator/erytrhopus SB 2

Im Kühlschrank über Nacht gelagert, ergibt sich kein Röten, der Pilz bleibt blau, wobei mehr Gelb-Anteile enthalten sind.

Neoboletus praestigiator/erythropus Kühlschrank SB2


Ähnlich verhält sich auch Cyanoboletus pulverulentus (n=1) 24.8.2020. Er blaut schnell und intensiv.

Cyanoboletus pulverulentus SB1

Am nächsten Morgen ist er schon rot, um am Abend dann etwas hellere Farben zu zeigen. 

Cyanoboletus pulverulentus SB 2


Eine andere Variante von Rot zeigt Imperator torosus (n=1) 28.08.2019

Imperator torosus

Zunächst wird er intensiv blau in verschiedenen Schattierungen

Imperator torosus SB 1

Am nächsten Tag ist er intensiv rot in verschiedenen Schattierungen

Imperator torosus SB 2

Im nächsten Beitrag zeige ich Euch weitere Farbveränderungen.

Bis gleich
Renate Schöber
« Letzte Änderung: 2. April 2021, 10:56 von Renate »