Autor Thema: Kann man Ascomyceten ohne Sporen bestimmen?  (Gelesen 463 mal)

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Offline Felli

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Re: Kann man Ascomyceten ohne Sporen bestimmen?
« Antwort #2 am: 29. April 2021, 23:41 »
Servus Schorsch,
für mich ist das keine Peziza!
Ich denke es ist eine Lorchel. Der gerippte Stiel ist sehr typisch,
Das was du als Asci ansiehst sind Paraphysen-glaub ich.
ich denke ohne reife Sporen wird das nicht bestimmbar sein
Grüße
Felli

Offline Schorsch

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    • Pilze des Isartals und des Voralpenlandes
Kann man Ascomyceten ohne Sporen bestimmen?
« Antwort #1 am: 29. April 2021, 23:08 »
Peziza varia sive micropus
Am 18. April 2021 fanden Werner Edelmann und ich an einem ziemlich morschen, liegendenBuchenstamm mehrere Exemplare eines becherförmigen Ascomyceten. Deutlich gestielt, ockerfarben, Durchmesser 20 – 30 mm. Werner äußerte sofort den Verdacht, dass es sich um Peziza micropus (Kurzstieliger Becherling) handeln könnte, schloss aber auch eine kleine Form einer Gyromitra parma (Schildförmige Scheiben-Lorchel) nicht aus. Bei der Mikroskopie waren die Asci noch ohne Sporen, nur mit Granula gefüllt. Mit Melzers ergab sich keinerlei jodpositive Reaktion. Nachreifungsversuche meinerseits mit täglichem Nachmikroskopieren führten zu keinem Erfolg.
10 Tage später, am 28. April, suchte ich die Stelle nochmals auf. Es waren noch 2 Exemplare vorhanden, deutlich gealtert, aber immer noch becherförmig, nicht ausgebreitet wie man es von Gyromitra parma erwarten würde. Ich nahm einen halben Pilz mit um ihn nochmals zu mikroskopieren. Nach wie vor waren keine Sporen zu sehen. Allerdings war es auch bis Ende April sehr kalt mit regelmäßigen Nachtfrösten. Bei einigen wenigen Asci konnte ich eine jodpositive Reaktion der Ascispitzen feststellen. Auffällig war aber der dreifach geschichtete Aufbau des Excipulums, der sich im Bino sogar als fünffach herausstellte. So ergaben die Hinweise, dass es sich doch mit großer Wahrscheinlichkeit um Peziza micropus handelt.
Was haltet Ihr davon? Für konstruktive Kritik und Anregungen wäre ich sehr dankbar.

Ausschnitt aus dem Peziza-Schlüssel von Hohmeyer 1986 (https://www.dgfm-ev.de/publikationen/artikelarchiv/ein-schluessel-zu-den-europaeischen-arten-der-gattung-peziza/download)
(22 b) Hym. mit ockerbraunen bis braunen Farben (Methuen-Farbfeld 6 (D-F) (5—8)). Frk. bis 6 cm, tief becherförmig, Basis meist stielartig zusammengezogen. Mittlere t. intricata sehr breit und bereits mit bloßem Auge oder der Handlupe im Querschnitt erkennbar. Frk. fast ausschließlich auf Holz, Holzresten, Mulm usw., Sp. (14)15-17(19)/(7,5) 9-11 Mm
Abb.: PdS I 46, Dennis V B. Bres. 1207, Boud. 268, Gerhardt (1985) 279 micropus

Laut Mycoquebec-Blog (http://blog.mycoquebec.org/blog/peziza-varia-une-pezize-a-lallure-variable-englobe-maintenant-peziza-micropus-et-peziza-repanda/) sind „die Arten der Peziza varia- Gruppe sind schwer zu unterscheiden. So waren in Quebec die Unterschiede zwischen den drei in dieser Gruppe erkannten Arten P. micropus, P. repanda und P. varia gering. Darüber hinaus haben Hansen & al. (2002) Phylogenetic diversity in the core group of Peziza inferred from ITS sequenses end morphology. - Mycol. Res. 106  879-902- (Anm. d. Verf.)) hatte diese Peziza als identisch beurteilt und vorgeschlagen, die 3 mit einem vierten, P. cerea, unter dem Namen P. varia neu zu gruppieren. Dieses Konzept scheint mittlerweile gut angenommen zu sein (Beug et al. 2014). Mycoquebec entfernt daher P. micropus und P. repanda aus seinem Index und gruppiert die so identifizierten Exemplare unter dem Namen Peziza varia neu.“ (übersetzt mit Google).


« Letzte Änderung: 30. April 2021, 14:09 von Schorsch »
Frei di, dass regnt, wei wannst di ned freist, regnts aa.
frei nach Karl Valentin.