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Der Schwarzblauende Röhrling - krebserregend und arsenhaltig!

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Christoph:
Servus Schorsch, servus alle...

das Problem bei krebserrgenden Substanzen ist halt, dass sie alle zusammen das Grundrisiko erhöhen, an Krebs zu erkranken. Die Aussage, dass es ab einem gewissen Alter egal sei, stimmt biologisch gesehen nicht. Es kann sein, dass eine Zelle bereits soweit vormutiert ist, dass eine letzte Mutation aus ihr eine entartete Krebszelle werden lässt. Im Alter kommt dann hinzu, dass z.B. die Reperaturmechanismen der DNA nicht mehr richtig funktionieren. Es ist auch im Alter sinnvoll, sich gesund zu ernähren.

Wir erhöhen ohnehin ständig das Grundrisiko, an Krebs zu erkranken. Wir nehmen z.B. über die Nahrung Dioxine auf (Aal, Frühstücksei, Milch usw., auch Grillen...). Man grillt ab und zu, man isst vielleicht mal eine Tüte Chips zum Fußball, obwohl dort Stärke zu hoch erhitzt wurde... Manche sind sogar Kettenraucher...

Und selbst der Kettenraucher: er erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken durch das Rauchen, er muss aber nicht an Krebs erkranken. Daher ist auch und gerade für ihn sinnvoll, andere Risikofaktoren, die das Risiko noch weiter erhöhen, wegzulassen. "Da ist's eh schon wurscht" trifft daher weder auf Raucher, noch auf ältere Menschen zu.

Wichtig finde ich aber für die Pilzberatung, auf das Krebsrisiko hinzuweisen, das durch den Verzehr von z.B. Cyanoboletus erhöht wird.

Eins muss ich noch richtigstellen - bei Laccaria waren es µg pro Gramm, was wieder mg pro kg entspricht (ich hatte das "pro Gramm" automatisch als "pro kg" gelesen). Insofern muss ich die Aussage natürlich revidieren... Laccaria ametyhstina enthält ähnlich hohe Mengen an DMA wie Cyanoboletus.

Für die Pilzberatung ist das schon relevant. Ich werde den Laccaria-Artikel noch genau durchlesen. Aber wenn, dann sollte man vor beiden warnen. Nur wird die Laccaria wohl selten in größeren Mengen verspeist werden, da als Einzelfruchtkörper zu klein.

Übrigens: im Nachbarforum hat sich die Autorin der Studie zu Wort gemeldet. Was sie schreibt, ist sehr interessant - ich empfehle, auch dort den Thread zu lesen:
https://www.pilzforum.eu/board/thread/43958-der-schwarzblauende-r%C3%B6hrling-cyanoboletus-cyanescens-ist-ein-extremer-arsensamml/

Liebe Grüße,
Christoph

Schorsch:
Servus an alle,
i dua mi do leichta. Bevor mi a paar Pulveruleti den Garaus macha, hod mi sicha scho wos anders dawischt.
In dem Fall ein abgewandeltes Kohl-Zitat: die Gnade der frühen Geburt.
Schönes Rest-WE Schorsch

Christoph:
Servus beinand,

da die Aussage, man die Tintenmaroni / die Schwarzblauenden Röhrlinge seien cancerogen, in einem anderen Pilzforum kontrovers gesehen wird, möchte ich für diejenigen, die nicht die gesamte Studie lesen wollen, die entsprechenden Aussagen aus dem Paper hier zitieren:

"Hyperaccumulation of arsenic in C. pulverulentus raises a serious question on the mushroom’s edibility. DMA is considered to be much less toxic than inorganic arsenic, at least concerning the acute toxicity. However, DMA is a probable human carcinogen according to the United States Environmental Protection Agency (US EPA) and definitely carcinogenic according to the International Agency for Research on Cancer (IARC) (IARC, 2012; US EPA, 2016). Therefore, the US EPA derived a benchmark dose lower limit (BMDL10 – for a 10% increase in risk) of 430 μg per kg body weight per day for DMA (US EPA, 2006). According to the European Food Safety Agency (EFSA), risk assessment of genotoxic and carcinogenic substances should be carried out by calculating the margin of exposure (MoE) (EFSA, 2005). The MoE is calculated by dividing the BMDL by the daily exposure. When using a BMDL10 that is derived from animal studies, an MoE of 10,000 or higher can be considered safe (EFSA, 2005)." Braeuer et al. (2018: 8)

und

"When calculating the MoE for an average person of about 70 kg body weight and using the median DMA concentration in fungal biomass (115 mg As kg−1 dry weight, which is roughly 12 mg As kg−1 fresh weight; N.B., concentrations only refer to the arsenic, not to the whole molecule), it becomes apparent that no more than 90 g fresh C. pulverulentus can be consumed per year (on a regular basis) without increasing one’s health risk (Table 3). For the highest DMA concentration (86 mg As kg−1 fresh mass), 12 g per year can increase risk of developing cancer." Braeuer et al. (2018: 8)

und schließlich:

"C. pulverulentus is considered a good edible mushroom but in view of our results it should not be further recommended for consumption. Because of the carcinogenic potential of DMA, we advise against the regular consumption of more than 90 g of fresh mushrooms per year." Braeuer et al. (2018: 8-9)

Nebenbei angemerkt: Ich bin nur der Überbringer dieser Aussagen, nicht die Quelle der Aussagen. Natürlich kann, darf und soll man diese Aussagen hinterfragen, aber sie stammen aus einer Fachpublikation aus einem peer reviewd journal (impact factor 4.946). Man sollte daher auf gleicher, wissenschaftlicher Basis gegenargumentieren.

Dass Cancerogenität kontrovers gesehen wird, ist ja eh bekannt. Im Fall von Glyphosat kommt die WHO zum Schluss, dass es krebserregend sei. Dem folgen im Moment auch U.S.-amerikanische Gerichte, die Bayer/Monsanto entsprechend mit hohen Geldstrafen belegen. Nicht folgt dem das hiesige EU-Parlament und auch Bayer widerspricht der Aussage.

Nur wer hat recht?

Ehrlich: ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich, bis das Gegenteil klar belegt ist, kein Glyphosat in meiner Nahrung haben will. Ebenso möchte ich, bis das Gegenteil nicht klar belegt ist, keine größeren Mengen an DMA mit der Nahrung aufnehmen. Und deshalb habe ich die Tintenmaroni für mich gestrichen.

Und unabhängig von meiner eigenen Entscheidung empfehle ich jedem Pilzberater, die Information über DMA in Tintenmaroni auch an die zu Beratenden weiterzugeben. Wenn man gewarnt hat, kann jeder Sammler selbst entscheiden, ob er dennoch das Risiko eingehen will, ob die Studie stimmt.

So bin ich auch davon überzeugt, dass Rauchen das Krebsrisiko erhöht. Rauche ich an Silvester eine Zigarre, dann nehme ich das Risiko bewusst in Kauf. Das ist Eigenverantwortung. Gibt es aber Hinweise (und hier sind es ja ganz konkrete Aussagen), dann fände ich ein Verschweigen des Risikos als verantwortungslos.

Liebe Grüße,
Christoph

Christoph:
Servus Till,

natürlich erhöhen wir durch alles mögliche, was wir aus der Umwelt aufnehmen (einatmen, essen, trinken), das Risiko, Krebs zu bekommen. Ich denke da nur an das Frühstücksei, das Dioxine enthält, oder die Kartoffelchips und ihre Nitrosamine (oder die Salamipizza) oder an den Volkssport Grillen... Manche Leute rauchen dann auch noch ab und zu...

Dennoch - all diese Risikofaktoren addieren sich ja auf. Wer bewusst rauchen will, weil einfach die Zigarre zu einem Glas Ardbeg (Scotch Whisky) so gut schmeckt, der macht das dann aber auch bewusst - sowohl der Zigarrenrauch als auch das Phenol im Whisky wird dann genossen.

Sollte man sich aber ab und zu dieses Vergnügen gönnen, dann sollte man ja zumindest wissen, wie man weitere Risiken minimiert.

Das Arsen selbst ist hier ja nicht der Springende Punkt, es ist das DMA. Und das gilt eben als krebserregend. Ich weiß noch, dass zwischendurch vor Laccaria gewarnt wurde - im Zusammenhang mit DMA. Nur bewegen wir uns da im Mikrogrammbereich. Hier hingegen werden die Grenzwerte dermaßen überschritten, dass man meines Erachtens informiert werden sollte, dass der Genuss dieses Pilzes das Krebsrisiko erhöht.

Natürlich kann man auch mit regelmäßigen Mahlzeiten dieses Pilzes 90 Jahre alt werden. Das schaffen sogar manche Kettenraucher. Es ist eben ein stochastisches Risiko. Je mehr, umso größer das Risiko.

Man warnt ja auch Leute, die Milchlinge silieren wollen, vor Lactarius turpis, dem Mordsschwamm. Ebenso sollte man m.E. auch vor den Tintenmaroni warnen. Wer dann dennoch diesen Pilz essen will, macht das ganz bewusst - man will ja niemanden bevormunden. Aber einen Pilz, der DMA bis in den Grammbereich enthalten kann, kann ich selber nicht weiter als Speisepilz bezeichnen.


--- Zitat --- Für den normalen PSVler sind diese Meldungen natürlich verunsichernd, weil nun schon wieder ein anderer "Speisepilz" bei Wanderungen usw. nur noch mit einem großen ABER empfohlen werden kann. Wie wirst Du selber es künftig damit halten? Wenn das so weiter geht, gibt es in 20 Jahren nur noch die Formel "schmackhafter Speisepilz, aber ..."
--- Ende Zitat ---

Ich mache das wie bei anderen neuen Erkenntnissen: ich teile sie mit.  ;) Würde man sowas wissen, aber nicht mitteilen, würde man ja auch schlecht beraten. Ich finde, dass das "Beraten" im Mittelpunkt stehen sollte. Dazu gehört m.E. auch, zu wissen, welche Pilze viel Cadmium anreichern, welche krebserregend sind und welche viel Caesium sammeln. Was dann der Sammler mit den Informationen macht, liegt in dessen Verantwortung.

Liebe Grüße,
Christoph

Till:
Hallo, Christoph -

es ist halt schwer, herauszufinden, wie viele Menschen jährlich tatsächlich einer schwarzblauen Arsenvergiftung oder Cancer pulverulenti erliegen - aber das gilt ja auch für die Krebstoten, die zu viele radioaktiv verseuchte Schwammerl zu sich genommen haben. Für den normalen PSVler sind diese Meldungen natürlich verunsichernd, weil nun schon wieder ein anderer "Speisepilz" bei Wanderungen usw. nur noch mit einem großen ABER empfohlen werden kann. Wie wirst Du selber es künftig damit halten? Wenn das so weiter geht, gibt es in 20 Jahren nur noch die Formel "schmackhafter Speisepilz, aber ..."

Der Schwarzblauende ist im Norden unseres Gebiets, in den großen Forsten wie dem Altöttinger und dem Weilhart, sehr verbreitet und in manchen Jahren ausgesprochen häufig. Und die Leute kennen ihn. Auf einer Pilzführung erzählte mir eine Dame, dass sie den "Tintenmaroni" seit langem sammelt und mit Genuss verspeist. Ich fand diesen "Volksnamen" sehr treffend und viel eingängiger als den sperrigen Begriff "Schwarzblauender Röhrling" und habe ihn seither selber oft angewendet.

Schöne Grüße
Till

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