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Ist das ein Blättling?

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Christoph:
Liebe abeja,

stimmt, den Shii-Take hatte ich ganz vergessen. Der kann bei Rohgenuss ja auch diese Peitscheinhieb-Dermatitis auslösen, insofern sollten auch seine Sporen potentiell allergen sein.

Nochmal zu Schizophyllum commune - ich möchte da Heinz Clémençon (indirekt) zitieren:


--- Zitat ---"Heinz Clémençon erläuterte in seinem Referat mit gewohntem Charme das Wesen des Gemeinen Spaltblättlings, Schizophyllum commune. Der Pilz ist ein ideales Studienobjekt und bestens untersucht. Er kommt  weltweit  vor  und  ist  nicht  nur  in  der  Lage,  extreme  Witterungsverhältnisse zu überdauern, er zeigt sich auch bei der Nahrung äusserst flexibel. Für einmal ging es im Referat nicht um den Speisewert  der  Pilze,  sondern  demjenigen  des  Menschen:  neben  der  Besiedelung  von  pflanzlichem Material  ist  Schizophyllum commune  auch  in  der  Lage,  den  Menschen zu parasitieren und kann auf Knochen,  in  den  Augen  oder  anderen  Organen wachsen."
--- Ende Zitat ---

Quelle: file:///C:/Users/chjha/AppData/Local/Temp/2017_1_SZP.pdf
Artikel "Neue Gesichter bei der VAPKO" von Marionna Schlater (SZP 2017(1): 18-19, Zitat stammt von S. 18)

Liebe Grüße,
Christoph

abeja:
Hallo Christoph,
mein Beitrag war auch nur zur Ergänzung des Themas gedacht.  :)
Roh würde ich auch keinen Spaltblättling in den Mund nehmen, gegart hatte ich ja keine (größeren) Bedenken.
Nur bedeutet jedes ausgedehntere Hantieren mit den Pilzen ja auch, dass man eventuell eine höhere Sporenfracht abbekommt - ich beziehe mich jetzt hauptsächlich auf die Zucht in Thailand, die mich deshalb etwas überrascht hatte (... ich war auch zum ersten Mal in Asien, hatte da keine Erfahrungen).

Shiitake, Lentinula edodes  ist auch ein Zuchtpilz, wo es Berichte über allergisches Asthma/ Hypersensibilität durch Einatmen der Sporen gibt (Betroffene in den Zuchtbetrieben).

FG, abeja

Christoph:
P.S.: habe den Beitrag von Schorsch gefunden: https://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1513.0.html

Da findest du weitere Literatur über Fälle mit Schizophyllum commune.

Liebe Grüße,
Christoph

Christoph:
Servus abeja,

ja, Schizophyllum radiatum meinte ich auch mit aggressivere Arten - ich hätte im Singular schreiben sollen). Ich hätte allerdings keine Bedenken, Schizophyllum gekocht oder gebraten zu probieren, zumindest wenn es ein Stamm (oder eine kryptische Art) ist, die ich in Thailand kaufen würde, wo er gegessen word.

Ich habe auch mal irgendwo gelesen, dass in der TCM (glaube ich) Sch. commune roh gekaut wird. Nun, das würde ich dann nicht machen...

Wir hatten hier auch mal das Thema (im Wissenschaftsbereich, müsste ich mal raussuchen), wo wir medizinische Fachartikel verlinkt haben (Schorsch war da mit dabei), wo es um Abszesse im Gehirn ging.


--- Zitat ---In Asien sind Spaltblättlinge Kulturpilze und werden traditionell zu Speisezwecken verwendet. So sehr kritisch kann das mit dem gesundheitlichen Risiko nicht sein, jedenfalls nicht deutlich größer als bei anderen Kulturpilzen, deren Sporen bei den damit befassten Arbeitern auch Probleme auslösen können.

--- Ende Zitat ---

Hm, du meinst vermutlich das Problem der Austernpilzsporen? Die können heftige allergische Reaktionen auslösen (es wurden auch die Antigene untersucht). Ja, das ist bekannt. Bei Schizophyllum ist es aber eben so, dass die Sporen auskeimen und nicht nur Allergien auslösen, sondern z. B. die Lungen besiedeln können, im Mundraum Probleme bereiten können und eben ungünstigerweise Nervenfasern entlang wachsen und so bis ins Gehirn vordringen kann.

Ja, inwieweit auch unser Schizophyllum commune einzelne aggressivere Stämme bilden kann, weiß ich nicht. Ich weiß aber auch nicht, wie ich Sch. commune von Sch. radiatum unterscheiden kann.

Ich habe keine Panik vor Schizophyllum, würde aber anhand dessen, was ich an medizinischen Papern gelesen habe, niemals rohen, lebenden Schizophyllum in den Mund nehmen. Auch wenn mein Immunsystem damit fertig werden würde - ich weiß nicht, wann ich gerade durch eine Infektion, die frisch ist, geschwächt bin. Oder ob das dann das i-Tüpfelchen ist.

Bekannt humanpathogene Pilze muss ich nicht roh essen. Da gibt es andere zur Wahl. Und ich würde humanpathogene Pilze auch nicht in meiner Wohnung kultivieren. Sie gebraten zu essen - damit hätte ich gar kein Problem, weil sie dann ja nicht mehr pathogen sind.

Ich wollte es ja eigentlich auch nur als Nebeninfo zum Spaltblättling bringen, dass es da potentiell Probleme geben könnte. Es kann aber gut sein, dass Austernpilze viel schneller und häufiger Probleme bereiten, da sie Unmengen an Sporen bilden (dass davon Zuchtsets für daheim im Keller oder Zimmer verkauft wwerden - ohne Warnhinweis - finde ich fahrlässig). Nur wenn es mal Probleme geben sollte, dann sind die bei Spaltblättlingen eben heftiger.

Ich mag auch keine stinknormale Zahnwurzelentzündung, in der Schizophyllum mitmitscht ;-).

Liebe Grüße,
Christoph

abeja:
Hallo allerseits,
Spaltblättlinge finden wir in unseren Wäldern ja recht häufig, aber auch in Spanien (ganz trocken im Sommer) als auch in den Tropen habe ich immer wieder "wilde" Exemplare angetroffen.
Von der medizinischen Problematik (kritisch d.h. invasiv möglich bei immungeschädigten Menschen, ansonsten - wie es in diversen Dokumenten heißt - nicht-invasiv, aber auch allergische Krankheitsbilder auslösend) hatte ich schon gehört bzw. gelesen.

Umso überraschter war ich, als ich im letzten Jahr abgepackte frische (kultivierte) Spaltblättlinge in einem wohlsortierten Supermarkt in Thailand im Kühlregal fand. Ich habe sie dort nicht probiert, weil mir die Menge für einen Versuch viel zu groß war. Tatsächlich spielte ich mit dem Gedanken, hier bei uns gewachsene Exemplare einmal  zu versuchen.
Einen Geschmackstest ohne Verzehr (weil zu alte Pilze) hatte ich mal gewagt ... sie schmeckten "nach Pilz" und sind (auch gegart) eher "crunchy".
Leider waren es immer - mutmaßlich -  alte Pilze. Kurz vor dem diesjährigen großen Wintereinbruch sah ich mal welche, die ich für frisch gewachsen hielt, aber dann kam der Schnee mit Frost.

In Asien sind Spaltblättlinge Kulturpilze und werden traditionell zu Speisezwecken verwendet. So sehr kritisch kann das mit dem gesundheitlichen Risiko nicht sein, jedenfalls nicht deutlich größer als bei anderen Kulturpilzen, deren Sporen bei den damit befassten Arbeitern auch Probleme auslösen können.

Mein Beitrag zu Kulturpilzen (allg.) in Thailand im DGfM-Forum ... ist lang ....  :-[
https://forum.dgfm-ev.de/thread/2210-kulturpilze-in-thailand/

Daraus "extrahiert" dieses thailändische Video über die Spaltblättlingszucht:
https://www.youtube.com/watch?v=GfV5-d2L5R4

Das Dokument, in dem steht, dass der Pilz, der bei Lungenkrankheiten isoliert werden konnte, zu einer Clade gehört, die sich genetisch von Schizophyllum commune unterscheidet (Schizophyllum radiatum genannt, morphologisch wohl nicht trennbar) war dieses hier:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27440814/


Das ausführlichste Dokument zu Schizophyllum commune, was ich fand:
"The Chemistry, Nutritional Value, Immunopharmacology and Safety of the Traditional Food of Medicinal Split-Gill Fungus Schizophyllum commune Fr.:Fr. (Schizophyllaceae). A Literature Review"
darin auch ein Kapitel zu "Toxicity and Contraindications".

FG, abeja

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