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Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen

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Jonny70:
Hallo Christoph,

vielen Dank für deine rasche und ausführliche Antwort.
Ich habe eben noch mal nachmikroskopiert und ich hoffe ein paar brauchbare Dikaryophysen gefunden zu haben. Die Bilder füge ich auch an.




Die Mikroaufnahmen von Gernot und Pablo gleichen den von mir schon sehr, leider habe ich die klassichen wie von Gernot gezeigten Dikaryophysen nicht ablichten können. Ich könnte mir auch vorstellen, dass manche Enden auch dreifach gegabelt sein könnten.

Was nicht passt ist die Farbe. die wachsen bei mir auch nicht weiter und es kommen auch keine weiteren hinzu.
Ich werde aber trotzdem den Fund als Dycrymyces_enatus ablegen.

Nochmals danke für deine Unterstützung.

Herzliche Grüße

Dirk
 

Christoph:
Servus Dirk,

es gibt nicht viele Arten, die in Frage kommen. Du hast Schnallen und du hast Dikaryophysen (sieht man auf den Fotos).

Dacrymyces paraphysatus hat deutlich größere und dickwandigere Sporen mit drei Septen, fällt also schonmal raus.
Dacrymyces macnabbii hat offene Medallonschnallen und wächst an Nadelholz und fällt auch raus (siehe Anfang des Threads)
Dacrymyces tortus/punctiformis wächst auch an Nadelholz und hat schmalere, längere Sporen, fällt also raus

Für Dacrymyces enatus sind die Dikaryophysen, die ich meine zu sehen, schon sehr gewunden und recht weit untern schon mit kurzen Seitenästen auftretend:



Ich habe hier mal drei markiert - mit Pfeil und Haken: so sollte es sein. Die ganz links blau umrandete liegt einzeln im Präparat - vielleicht interpretiere ich sie falsch, sieht aber nach einer klar in der Mitte verzweigten Dikaryophyse aus. Die dritte, die nicht komplett umrandet ist, ist auch nicht nur apikal etwas verzweigt, sondern schon auf Höhe von 2/3 der Länge, was mich jetzt nicht so stören würde.

Typischerweise ist Dacrymyces enatus ocker bis ockerbraun gefärbt, woran man sie gut makroskopisch erkennen kann. Gernot und Pablo haben jeweils eine Kollektion mit Makro- und Mikrobildern in diesem Thread hier vorgestellt. Vergleich mal damit.

Ich kann makroskopisch also nichts dazu sagen - weiß, dann ocker klingt zumindest nach ocker, weiß nach noch viel zu jung.
Ob die Sporenmaße beim Nachreifen schon stimmen, ist die Frage. Die Literatur widerspricht sich in der Größe - Reid  (1974) – A monograph of the British Dacrymycetales – gibt sie mit 9,75-11 x 3,5-3,75 µm deutlich kleiner an als Göttel oder andere Arbeiten.

Mir fällt keine andere, passende Art ein. Insofern widerspreche ich nicht. Ist halt noch sehr jung und nachgereift... Ich würde an deiner Stelle aber nochmal speziell nach Dikaryophysen im Hymenium suchen und die "sammeln" (Fotocollage), um zu sehen, wie sie typischerweise aussehen. Vielleicht hat ja auch das Nachreifen bei dehr hoher Luftfeuchtigkeit zu mehr Knorrigkeit geführt oder ich habe die wenigen am Foto nicht richtig interpretiert.

Liebe Grüße,
Christoph

Jonny70:
Hallo zusammen,

letzte Woche Habe ich einen Laubholzast, ich meine es war Esche mit Propolis_farinosa darauf gefunden.
Nachdem ich das Ästchen zum Befeuchten hingelegt hatte, sind nach ein paar Tagen kleine weiße bis ockerfarbene Flecken entstanden.
Beim Mikroskpoiren haben sich "Stimmgabelbasidien" gezeigt. Ich denke mal Richtung "Dacrymyces"
Beschreibung: Heller Belag  mit ca. 0,2 -1mm großen zusammenwachsenden Einzelfruchtkörper.
Basidiosporen unseptiert. Sporen[95% • 13 • QPr • v • Kongo H2O] = (10,9)11 - 12,4 - 13,8 x 4 - 4,9 - 5,9 µm  Qm = 2,5.
Schnallen an den Septen.

Nach dem Schlüssel von Göttel lande ich bei Dacrymyces_enatus, die Beschreibung pass meiner Meinung ganz gut, leider kann ich die Mikrozeichnungen nicht nachprüfen, da bei meinem nicht so guten Scan der Arbeit, ausgerechnet die Seiten um 208 bis 211 sind kaum zu lesen. :(
Was ist eure Meinung dazu?
Im Anhang ein paar Bilder dazu.
Vielen Dank ein schönes Wochenende und herzliche Grüße
Dirk

Christoph:
Lieber Felli,

Gallerttränen sind recht häufig von Tremellen befallen und sind dann oft auch so milchig-blass. Es kann auch sein, dass die Gallertträne keine eigenen Sporen bildet, sondern nur die Tremella (z. B. Tremella obscura, wie du ja auch schreibst).
Im Fall von Dacrymycees stillatus s.l. ist es recht einfach, denn Tremella obscura hat Schnallen, Dacrymycees stillatus s.str. keine Schnallen.
Eine sorgsame Analyse sollte daher eindeutig zeigen, ob die Basidien und die Fruchtkörpermasse von einer oder zweei Arten stammt. Ich würde vermuten, dass es eigentlich eine Gallertträne ist, die von der Tremella befallen ist. Dass dann eine dritte Art als Hyperparasit dazu kommt, ist a super spannend.

Liebe Grüße,
Christoph

Felli:
Servus,
Ich hätte da etwas das mit einer Gallertträne zu tun hat. ;)
Auf einem Fichtenstumpf wuchsen diese Gesellen.



Als erste legte ich die Gelbe unters Mikro, und wie sollte es anders sein - total unreif, aber mit schnallenlosen Hyphen und den typischen Basidien möglicher Weise D. stillatus.


Als nächste kam die Blasse daneben dran.

Hier fand ich ausser diesen Konidien



mit Kresylblau angefärbt


auch  Tremella-Basidien und Asci.
In Kongorot


Leider waren sehr wenige Strukturen vorhanden die auf die Art des Fruchtkörper´s schliessen lässt.

Nun habe ich zwei Probleme. Diese beziehen sich auf die Basidien und Asci.
1. Sind die hellen Fruchtkörper nun Dacrymyces oder Tremella?
- wenn es Dacrymyces -Fruchtkörper sind, wären sie mit 2 Parasiten befallen.
Einmal mit Helicogonium und zum Zweiten mit einer Tremella cf. obscura oder so was.
2. Sind die Hellen eine Tremella -Art, wären Diese mit dem Helicogonium befallen.

Nun die Hauptfrage:
Wie kann ich eine strukturlose Dacrymyces von einer Tremella unterscheiden
wenn man die Basidien nicht kennen würde bzw. nicht da wären?
Wäre wichtig um den Helocogonium zu benennen.

Hoffe ihr könnt mir helfen

Grüße
Felli

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