Allgemein > Expertenforum Mykologie

Gyromitra parma - auch außerhalb von Auwäldern?!

<< < (2/2)

Gerd:
Hallo Andreas,


--- Zitat von: mollisia am 12. April 2012, 12:03 ---ich habe G. parma hier ums Eck standorttreu seit drei Jahren. Ist zwar nur eine kleine Bachschlucht, aber kann man schon als Auwald bezeichnen. Massenvorkommen von Märzenbecher, dazu Bärlauch. An Bäumen gibts da vor allem Esche, Ahorn und Linde. Die G. parma wuchs bei mir an Linde, zusammen mit Polyporus badius. Letztes Jahr wurde sie nicht reif sondern vertrocknete während des Reifens.

Deine vom Bild 6 hätte ich makroskopisch nie als G. parma erkannt. Meine waren richtig große Flatschen und wenn sie nicht auf Holz gewachsen wäre, dann hätte ich sie als Morchelbecherling angesehen. Erst als ich einen Fruchtkörper rausgenommen hab war der zemlcih deutliche Stiel zu erkennen, der vorher im Moos verborgen war.

--- Ende Zitat ---

- Im Ulmer Raum findet man "G. parma" (immer und nur an Laubholz bis hin zum Beginn der Finalphase der Zersetzung) regelmäßig in zwei Habitaten:

(1) Auwälder entlang der Iller (z.B. "Silberwald", ---> kennen Christoph und Rudi)
(2) Deutlich seltener in Gebieten mit Massenvorkommen von "Märzenbecher" und "Sarcoscypha jurana"

 --->  Und sogar dieses Jahr, obwohl wir seit Ostern kaum Niederschläge hatten!!!
-----------------------

- Die von dir angegebene Größe kann ich nicht bestätigen.
---> Denn  Durchmesser über 8cm konnte ich bisher noch nie feststellen.

- Eine Verwechslung im Feld mit "Disciotis venosa" (Flatsch-Morchel) halte ich für sehr unwahrscheinlich, da diese Art nicht an Holz wächst und einen deutlichen Chlorgeruch hat.

- Eine Verwechlung mit "Gyromitra ancilis" (Größter Scheibling), auch eine im Ulmer Raum häufige Art, ist eher denkbar, wenn man nicht darauf achtet, dann diese Art Nadelholz (Fichte), bevorzugt Finalphase und Wurzelbereich,  besiedelt und bei uns Auwälder meidet und Fichtenforsten bevorzugt.

- Und wenn man es genau wissen will reicht bereits ein kurzer Blick in's "Scharfe Auge" (Mikroskop), da beide Arten bei Sporenreife (*) deutlich unterschiedlich ausgeprägte Sporenpole haben.

(*) Doch Vorsicht ist angebracht: Nicht völlig ausgereifte Sporen von "G. parma" (haben gerade erst "K. Keck" und "P. Hausmann" bei einem Fund vom 1. Mai beobachtet) zeigen an den Polen eine (allerdings nicht gekrümmte) Ausstülpung, die sich erst einige Tage später, wie zu erwarten, in mehrere "Schwänze" gesplittet hatte.

Grüße
Gerd

         

mollisia:
Hallo Christoph,

ich habe G. parma hier ums Eck standorttreu seit drei Jahren. Ist zwar nur eine kleine Bachschlucht, aber kann man schon als Auwald bezeichnen. Massenvorkommen von Märzenbecher, dazu Bärlauch. An Bäumen gibts da vor allem Esche, Ahorn und Linde. Die G. parma wuchs bei mir an Linde, zusammen mit Polyporus badius. Letztes Jahr wurde sie nicht reif sondern vertrocknete während des Reifens.

Deine vom Bild 6 hätte ich makroskopisch nie als G. parma erkannt. Meine waren richtig große Flatschen und wenn sie nicht auf Holz gewachsen wäre, dann hätte ich sie als Morchelbecherling angesehen. Erst als ich einen Fruchtkörper rausgenommen hab war der zemlcih deutliche Stiel zu erkennen, der vorher im Moos verborgen war.

beste Grüße,
Andreas

Rudi:
Hallo Christoph,
nicht traurig sein.
Ich hab parma auch nur einmal gesehen und die auch nur mit (?).
Dafür stand sie aber zusammen mit fastigiata und gigas (die beide in rauen Mengen) sowie dem Tulpenbecher in einem Laubwald auf einem Hügel.
Leider nicht in Bayern...
http://www.pilzseite.de/Pilzgalerie/Gyromitra/parma/FrameSet.htm

LG Rudi

Christoph:
Servus beinand,

*schnief*, niemand schreibt was zu Gyromitra parma. Zu selten oder zu banal?

Ich habe - dank Peter W.'s Link (http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1128.msg16175.html#msg16175) im anderen Gyromitra-Thread - die Antwort gefunden (sage ich mal so). Denn in Van Vooren & Moreau (2009) - Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales) 4. Le genre Gyromitra Fr., sous-genre Caroliniana. Ascomycete.org, 1 (2): 15-20 kann man auf Seite 19 über Gyromitra parma lesen:

Espèce présentant des spores caractéristiques, dont l’ornementation est constituée d’un réseau net et dont l’apex est très épineux. Elle pousse sous feuillus, notamment le hêtre (Fagus), ou dans des forêts composées de diverses essences.

Wenn Gyromitra parma also auch unter/bei/an Buche wächst, dann ist eine Bindung an Auwälder also nicht zwangsläufig. Das heißt aber, dass man in diversen Laubwaldgesellschaften nach dieser Scheibenlorchel schauen kann.

Wie selten ist sie wirklich? Oder schauen zu wenig Pilzfreunde in der Morchelzeit auf Scheibenlorcheln?

LG
Christoph

Christoph:
Hallo zusammen,

heute war ich mit dem Hund in einem Laubwald über Kalk unterwegs. Wer sich im Raum München auskennt, weiß, wo Holzhausen bei Schöngeising liegt. Ich war in einem Laubwald mit Hainbuche, Eiche, Buche unterwegs und mir fielen die üppigen (aber noch nicht blühenden) Aronstäbe auf. Der Wald liegt am oberen Bereich eines Moränenhügels, ist also nie überflutet, der Boden scheint aber eine gewisse Feuchtigkeit zu speichern.

In einem kleinen Bereich stehen einzelne, eingestreute, alte Pappeln und dazu gehörig auch verrottende Pappelstämme am Boden. Auf einem der Stämme fand ich junge "Becherlinge":









(Fotos wieder mit dem Handy, da keine Kamera zur Hand gehabt - wollte ja nur Gassi gehen ^^)

Rein optisch sehen sie ein bisserl aus wie Gyromitra parma, die ich bislang nur im Silberwald bei Neuulm und in Bregenz am Bodensee gesehen habe.

Hier drei Vergleichsbilder vom Silberwald, definitiv bestimmt:








Ich hab einen Becherling mitgenommen - und wie schon erwartet: noch nicht einmal junge Asci zu sehen. Die werden ja immer erst so spät reif...

Ich vermute also nur Gyromitra parma, weiß es noch nicht genau (nicht, dass es eine noch junge Peziza micropus ist oder ähnliches...). Ich werde im Laufe der nächsten Wochen immer wieder mal vorbei schauen und dann nen alten Schlappen ernten.

Jedenfalls wäre das ein Fund, der unabhängig von einem Gewässer (ob stehend oder fließend) gemacht wurde. In der Onlinekartierung ist noch ein Fund von Peter Karasch aus Keferloh (östl. von München) an Birke eingetragen.

Ist mein bisheriger Eindruck, es handle sich bei Gyromitra parma um einen Auwaldpilz, verkehrt und die Art kommt vielleicht in viel mehr Laubwaldgesellschaften vor? (Unabhängig von meinem voreiligen Bestimmungsversuch)

LG
Christoph

Navigation

[0] Themen-Index

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln