Autor Thema: Kartierungsaufruf: Trichoglossum walteri  (Gelesen 2379 mal)

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Offline Peter W.

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Re: Kartierungsaufruf: Trichoglossum walteri
« Antwort #3 am: 18. November 2010, 19:20 »
Lieber Christoph, lieber Peter,

ich glaube es geht nicht um die Frage ob wir besser Kartieren oder nicht. Sicher sind einige Pilze noch viel häufiger, wie wir sie heute erfasst haben. Es geht aber um die Frage was wir wollen. Wollen wir noch mehr verbautes Land und damit immer mehr Biotope vernichten (egal ob dort eine selten Erdzunge wächst oder ein seltene Pflanze oder nicht) oder wollen wir der Natur mehr Raum geben und mit der vorhanden Fläche, die wir heute schon verbaut haben, auskommen. Es geht doch nicht in erster Linie um den seltenen Pilz, sondern darum, dass wieder eine Fläche weg ist, die zum Beispiel auch Wasser speichert und auch vielen anderen nicht seltene Lebewesen Platz gibt. Die einzelne Wiese ist vielleicht bedeutungslos, aber was wir in den letzten 100 Jahr angerichtet haben sehen wir heute an den vielen Hochwasser mit großen Schäden. Und was die Erdzunge betrifft, sind wir uns doch einig, dass Pilzschutz nur durch Biotopsschutz erreichbar ist. Und selber wenn wir 100 Standorte dieser Art finden, ist sie immer noch selten und sichert auf lange Sicht das fortleben der Art nicht. Schade finde ich auch, dass WIR uns für Geld noch vor den Karren spannen lassen und diesen Raubbau an der Natur damit indirekt Beihilfe leisten, obwohl uns das sicher nicht immer bewusst ist. Ja das ist ein Dilemma  :'(.

Ich denke da an Brechts Worte: Erst kommt das Fresen und dann die Moral.

Gruß Peter
Pilze haben ein Manko, einige kann man essen!

Offline Peter

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Re: Kartierungsaufruf: Trichoglossum walteri
« Antwort #2 am: 18. November 2010, 17:41 »
Liebe Wiesenpilzfreunde,

um das Thema mal zu visualisieren, habe ich hier ein Bild vom Originalwuchsort Kreut von der letzten Woche.



Christoph spricht mir aus der Seele - wir müssen mehr kartieren um noch qualifiziertere Aussagen machen zu können.

LG, Peter
"Seit Millionen Jahren haben unzählige Organismen auf unserer Erde gelernt, im Einklang mit der Natur zu leben. Es gibt nur eine Ausnahme: Der Mensch."

Offline Christoph

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Kartierungsaufruf: Trichoglossum walteri
« Antwort #1 am: 18. November 2010, 11:42 »
Hallo zusammen,

aus aktuellem Anlass möchte ich auf eine Art hinweisen, die man zurzeit mit etwas Gück finden kann: Trichoglossum walteri.

Trichoglossum lässt sich leicht von der ähnlichen Gattung Geoglossum unterscheiden, da die Haarzungen zwischen den Asci und Paraphysen zudem auffällige, dunkle Setae besitzt, die bei Geoglossum fehlen.

Hat man die Setae gefunden, muss man nur noch nach reifen Sporen suchen. Das häufigere Trichoglossum hirsutum hat reif 16-zellige, bis weit über 100 µm lange Sporen, während die Sporen von Trichoglossum walteri nur 8-zellig und kürzer als 100 µm sind.

Wo kann man Trichoglossum walteri finden? Die bisherigen Wuchsorte sind bodensaure(!), nährstoffarme Wiesenflächen. Die Art scheint Kalk und basenreiche Böden zu meiden. Ich selber bin mitten im Kalk (Raum Starnberger See / Fünfseenland), wo die Art vermutlich nicht vorkommt. Wer aber Magerwiesen auf saurem Untergrund kennt (ich denke z.B. an den Bayerischen Wald, das Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald usw.), der könnte die Gelegenheit am Schopfe packen und mal auf eine Wiese seiner Wahl schauen (immer die Augen knapp oberhalb des Bodens halten und ab und an die Gräser zur Seite drücken), bevor die Saison endgültig zu Ende ist.

Warum gerade Trichoglossum walteri? Nun, bislang war nur ein Fundpunkt in Bayern bekannt. An diesem Wuchsort werden bald Wohnhäuser gebaut. Aus diesem Grund wurde, um abschätzen zu können, ob die Art an sich dadurch in Bayern ausgerottet würde, u.a. ein Gutachter beauftragt, gezielt nach dieser Art zu suchen und so möglicherweise ein Verbreitungsbild abzuleiten. Dem Gutachter galang es, innerhalb einer Woche 10 Wuchsorte nachzuweisen, sieben davon im Bayerischen Wald, drei in der Rhön. Man kann das zwar nicht 1 : 1 auf die Fläche Bayerns hochrechnen - und das Habitat, in dem die Art vorkommt, ist selbst durch Stickstoffeintrag und Düngung gefährdet - aber das zeigt, dass unser bisheriges Wissen über die Verbreitung dieser Art noch sehr lückenhaft war.

Vielleicht gelingt es uns, sicherere Aussagen zum Vorkommen dieser Art durch gezieltes Nachsuchen auf größerer Fläche zu erreichen.

Über Fundmeldungen hier im Forum würde ich mich sehr freuen.

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)