Autor Thema: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder  (Gelesen 4017 mal)

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AK_CCM

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Re: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #8 am: 23. August 2010, 08:48 »
Hallo Pilzfreunde,

leider komme ich erst heute dazu, die Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit kund zu tun - ich zitiere:

Zitat von: StMUG postalisch am 14.7.2010
Nach Art. 22 Bayerisches Naturschutzgesetz dürfen alle Teile der freien Natur, insbesondere auch der Wald, von jedermann zu Erholungszwecken frei betreten werden. Deshalb ist grundsätzlich sowohl das Suchen eines sog. Cache im Rahmen des Geocachings als auch das Betreten des Waldes zum Zwecke des Pilzesammelns vom freien Betretungsrecht umfasst.

Einschnitte dieses Rechts auf Naturgenuss, etwa durch Aufnahme eines Wegegebots in den Wäldern in das Bayerische Naturschutzgesetz, sind nicht geplant.

Bitte beachten Sie jedoch, dass das allgemeine Betretungsrecht durch einschlägige Schutzgebietsverordnungen, z. B. für ein Naturschutzgebiet, eingeschränkt sein kann.

Weiterhin viel Spaß bei der Jagd nach Schätzen und Pilzen.

Gruß, Andreas

Offline Christoph

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Antw: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #7 am: 30. Mai 2010, 18:43 »
Servus beinand,

ich habe selber schon Geocaching betrieben. Das war so im Zeitraum 2000 bis 2003. Ich fand das witzig. Ist einfach eine Art Schnitzeljagd für Erwachsene. Ich habe keinen Cache erlebt, bei dem irgendwas an einen Baum genagelt würde (ur Frage von Thomas). Im Gegenteil. Gute Caches leben von der Routenbeschreibung und dem Verwenden von natürlichen Merkmalen für die Orientierung. Zumindest damals ist man auch nicht einfach blind mit einem GPS zu den Koordinaten gerannt, da im geschlossenen Wald der Empfang für's GPS ohnehin schwierig ist.

Ich stimme dem hier angeschlagenen allgemeinen Tenor zu, dass das Geocaching mehr positive Effekte mit sich bringt denn negative. Und sooo viele Leute sind das auch wieder nicht, die das betreiben. Man braucht immerhin ein GPS, was nicht jeder einfach so besitzt und muss Lust für Orientierungsübungen haben. Bei den Caches, die ich gemacht habe, waren die "Schätze" sehr gut versteckt (dies aber gut beschrieben), sodass kein Dritter davon gestört würde.

Ein Cache führt in ein Naturschutzgebiet (Siebentischwald, Augsburg/Königsbrunn). Hier hatten die Organisatoren zudem extra darauf hingewiesen, dass man auf den Wegen bleiben solle. War ein einfacher Cache, eigentlich eher ein normaler Spaziergang mit Nebenbeifund des Caches.

Ich glaube auch nicht daran, wegen Geocaching ein Wegegebot im Wald durchsetzen zu können (von politischer Seite aus). Das prinzipielle Verbot des Geocachings aufgrund der Verschmutzungsbestimmung (keine Gegenstände im Wald belassen) erachte ich als pure unnötige und für den Bürger kontrproduktive Bürokratie.

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Der Juergen

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Antw: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #6 am: 30. Mai 2010, 17:39 »
Hallo zusammen,

die vielbeschworene "Wildruhe", die Jäger einfordern, erklärt sich aus der einfachen Tatsache, dass viele Waldgebiete einen viel zu hohen, durch Hege entstandenen Wildbestand haben, auf den auch noch ein starker Jagddruck ausgeübt wird. Das Wild wird dadurch extrem scheu und versteckt sich in uneinsichtigen Stellen, wie Dickungen, steile unzugängliche Hänge usw. Sind diese Verstecke nicht in ausreichender Fläche vorhanden, gibts Probleme mit dem normalen "Wald-Publikum". Als ich das damals erfuhr; dass der Wildbestand in unseren Wäldern zu hoch ist, wollte ich das rein Gefühlsmäßig gar nicht glauben ... man sieht ja mal nur ab und zu ein Reh, und Wildschweine gar nicht. Das liegt daran, dass Das Wild ja auch nicht gerade blöd ist, und mit Scheu auf den Jagddruck geagiert. In "echten" Nationalparken, also da wo nicht mehr gejagt wird, ist das Wild viel zutraulicher und der Park-Besucher kann hier in der Regel alle heimischen Wildarten live sehen. Übrigens ist in solchen Nationalparken (gibts in Deutschland nicht, da ist das Jagdrecht unangetastet!) der Wildbestand viel niedriger als in "gehegten" Wäldern. Also, lange Rede, kurzer Sinn: Die Jäger machen keine "Strecke" mehr, wenn das aufgescheuchte, scheue Wild aus den Revieren abwandert. Hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, warum denn der Jäger für "Wildschaden" aufkommen muss? Hmmm? Vielleicht, weil er für den hohen Wildbestand verantwortlich ist? 

Grüßle
Juergen

p.s.: Rehe und Hasen z.B. haben in Wäldern eigentlich gar nichts verloren, das sind Tiere der offenen Graslandschaften und Steppen. Dass die bei uns in den Wäldern leben müssen liegt an der Jagd und der Landwirtschaft!
« Letzte Änderung: 30. Mai 2010, 17:41 von Der Juergen »

dorle

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Antw: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #5 am: 30. Mai 2010, 12:58 »
Hallo zusammen,
habe mich noch nicht so recht mit dem Thema beschäftigt.
Bisher scheinen die Zustimmungen zu überwiegen. Tagsüber könnte ich mir auch vorstellen, dass dies Freude macht.

Unklar ist mir nur wie es aussieht, wenn nachts auf die "Jagd" gegangen wird. Wie gross seht Ihr da die Gefahr, daß die Tiere aufgeschreckt werden, oder unabsichtlich -so ganz gut sieht man auch mit Taschenlampe wohl nicht- Sachen zertrampelt werden. Ich weiß es schlichtweg nicht.

Auch weiß ich nicht ob es stimmt, dass für das Geocoaching auch immer wieder Hinweise einfach an Bäume genagelt werden. Oder geht dies in Wirklichkeit gegen Null und wird übertrieben.

Jedenfalls ein interessantes Thema.

Die Gefahr eines Betretungsverbots sehe ich auch als ganz gering an. Wäre auch eine mittlere Katastrophe.

Schönen Sonntag
Thomas.


Offline hans

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Antw: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #4 am: 30. Mai 2010, 09:31 »
Ich kann Peter und Wolfgang nur zustimmen. Geochaching ist etwas, was auch Jüngere in die Natur lockt und weg von der Spielkonsole und Bildschirm. So gesehen sollte man sogar dafür werben ;D.

Apropos, wir haben uns ja auch auf die Fahnen geschrieben, was für die "Volksaufklärung" zu tun und dafür Aktionen durchzuführen. Mal ins Unreine gesprochen, ohne die Ressourcenfrage zu berühren, wär es nicht eine Idee z.B. im Rahmen einer Tagung mit einem Geocaching-Club was zusammen zu organisieren? Die Caches könnten aus besonderen Pilzen bestehen mit der Aufgabe sie zu fotografieren und den Standort zu beschreiben. Und dann werden Preise vergeben oder so was.

Halluzinierend, Hans

Offline Peter

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Antw: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #3 am: 29. Mai 2010, 14:52 »
Zitat
Was haltet ihr von Geocaching und wie hoch schätzt ihr die Gefahr eines Wegegebots in unseren Wäldern ein?

Wenn dieser Freizeitsport in normalen Maßen genossen wird wie Schwammerl suchen, botanisieren, Orientierungsläufe oder einfach nur Wandern, finde ich das völlig in Ordnung.
Manche Jäger und Fischer empfinden sich halt immer noch als Privilegierte, die ihre 'Natur' nach ihren Gesetzen formen wollen.

Die Gefahr eines Wegegebotes halte ich auf breiter Fläche für sehr gering. In Teilbereichen wie Schonungen und Wild-Winterfütterungen ist es ja schon lange etabliert und so wird es auch bleiben.

Grüße, Peter

"Seit Millionen Jahren haben unzählige Organismen auf unserer Erde gelernt, im Einklang mit der Natur zu leben. Es gibt nur eine Ausnahme: Der Mensch."

Offline Wolfgang D.

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Antw: Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #2 am: 29. Mai 2010, 13:17 »
Hallo Andreas,

ich bin erst kürzlich über Freunde auf das geocaching aufmerksam geworden. Von allem, was ich da mitbekommen habe, ist das ein strategisches und spielerisches Verngügen, für das es in der "community" auch klare Richtlinien für ein rücksichtsvolles und behutsames Verhalten gibt. Also in der Regel etwas für zivilisierte und disziplinierte Menschen und nichts für rabiate, aggressive und zerstörerische Zeitgenossen. Bei den sonstigen Schandtaten gegen die Natur, die oft von Grundbesitzern und Pächtern selbst verübt werden, erscheint es mir geradezu zynisch, den Faktor "geocaching" ins Spiel zu bringen (wie überall, wird es aber natürlich auch hier ärgerliche Ausnahmefälle und lokale Probleme geben). Ansonsten für viele ein Anreiz, sich wieder einmal in die Natur zu bewegen und dabei die Augen offen zu halten, vielleicht entdeckt der eine oder andere dabei ja auch einmal eine Schmetterlingsraupe oder ein Schwammerl, das ihn fasziniert. Bis der "geocaching-hype" in ein paar Jahren wieder abgeklungen ist ...
LG
Wolfgang

AK_CCM

  • Gast
Geocaching: Jäger fordern Wegegebot in Bayerns Wälder
« Antwort #1 am: 29. Mai 2010, 03:55 »
Hallo Pilzfreunde,

in dem Magazin quer des Bayerischen Fernsehens bin ich auf ein Thema aufmerksam geworden, das uns in Zukunft Schwierigkeiten bereiten könnte: Einige Jäger ärgern sich über Geocacher (moderne Schatzsucher mit GPS-Navi), Mountainbiker und andere Aktivisten, die in ihren Revieren angeblich das Wild scheu machen sollen. Deshalb plädieren sie jetzt für ein Wegegebot in Bayerns Wälder. Lt. quer habe das Umweltministerium bis dato aber noch keine Entscheidung gefällt. Werde diesbezüglich bei der Redaktion nachhaken, was genau bisher mit dem Ministerium gelaufen ist.

Interessant finde ich auch die Kommentare der Zuschauer auf der oben verlinkten Website. Besonders gut kann ich mich mit der Äußerung eines Jägers identifizieren, der sich von Kollegen distanziert, die meinen, mit der Pacht auch ein alleiniges Nutzungsrecht an „ihrem“ Revier erworben zu haben:

Zitat
Wenn man die Leute aus Wald und Natur aussperrt, macht man den Wald den Wald für die Leute zu einem Fremdkörper, mit dem sie nichts anfangen können, zu dem sie keinen Bezug haben und für dessen Schutz und Erhalt sie dann auch nicht bereit sind.

Bei den im Beitrag gezeigten Jagdkollegen sollte man wohl lieber nachprüfen, ob sie noch die notwendige Eignung zur Jagd aufweisen.
Offensichtlich wird es Zeit, eine regelmäßig MPU für Jäger einzuführen.
Zumindest nach dem, was in dem Beitrag dargestellt wird.
Darüber hinaus existiert mit dem Artikel 33a Absatz 1 des Bayerischen Naturschutzgesetzes bereits eine Rechtsgrundlage, um ggf. gegen die Owner (diejenigen, die fürs Geocaching Schätze im Wald verstecken) vorzugehen:

Zitat
Art. 33a
Sauberhaltung der freien Natur


(1) 1 Bei der Ausübung des Rechts nach Art. 21 [Anm. d. Verfassers: Recht auf Naturgenuss und Erholung] dürfen bewegliche Sachen in der freien Natur außerhalb der dafür vorgesehenen Einrichtungen nicht zurückgelassen werden. 2 Werden Sachen entgegen Satz 1 zurückgelassen, kann die zuständige Naturschutzbehörde Anordnungen gegen den Verursacher treffen. 3 Sie kann zurückgelassene Sachen in Verwahrung nehmen und verwerten. 4 Für die Verwahrung, Verwertung und Herausgabe der verwahrten Sachen sowie für die Herausgabe des Erlöses finden Art. 26 bis 28 Abs. 2, Abs. 3 Satz 3 und Abs. 4 des Polizeiaufgabengesetzes sinngemäß Anwendung. 5 Die abfallrechtlichen Vorschriften bleiben unberührt.
Was haltet ihr von Geocaching und wie hoch schätzt ihr die Gefahr eines Wegegebots in unseren Wäldern ein?

Gruß, Andreas
« Letzte Änderung: 29. Mai 2010, 08:56 von AK_CCM »