Autor Thema: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide  (Gelesen 13568 mal)

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Offline Christoph

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Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
« Antwort #3 am: 16. Mai 2010, 19:59 »
Servus Andi,

die Dacrymyces müsste natürlich mikroskopiert werden, sage ich mal so  ;).

Die Helvella corium ist ein Superfund! Ich meine mich zu erinnern, sie mal vor vielen Jahren gesehen zu haben, bin mir aber nicht sicher (vielleicht bei Till Lohmeyer...?).

Der Cortinarius diasemospermus erscheint mir ziemlich düster. Hätte ich so nicht erkannt. Hat er denn charakteristisch nach Zitronenmelisse gerochen?

Die Hebeloma mesophaeum sieht m.E. sehr gut aus. Das üppige Velum universale ist auch typisch.

Phellinus punctatus hatten wir auch an Weide.

Für die Fundliste dann noch zum Ergänzen von uns (Sonja und mir) die Gesamtfundliste vom Norden der Heide:

Auricularia auricula-judae an Salix und Sambucus
"Coprinus" disseminatus an Salix
"Coprinus" romagnesianus (an der ehemaligen GSF)
Exidia plana an Salix
Merismodes confusa an Salix
Mycena niveipes an Laubholz (cf. Salix)
Ocellaria ocellata an Salix
Phellinus punctatus an Salix
Trametes hirsuta an Salix
Tremella mesenterica s.str. an Peniophora spec. (an Salix)
Vascellum pratense (diverse FK vom Vorjahr, häufig)

LG
Christoph

Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Hias

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Antw: Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
« Antwort #2 am: 16. Mai 2010, 19:50 »
Super Bericht, Andi, vielen Dank!

Grüße
Hias

AK_CCM

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Streifzug durch die Fröttmaninger Heide
« Antwort #1 am: 16. Mai 2010, 19:17 »
Hallo Pilzfreunde,

vorgestern waren Joe Reitmeier vom Verein für Pilzkunde München und meiner einer auf der Fröttmaninger Heide im Norden Münchens unterwegs - Sonja und Christoph, die zeitweilig parallel auf den Flächen umherstreiften, sind wir aufgrund der Größe des Areals und den unterschiedlichen Einstiegspunkten leider nicht begegnet.

Anfangs dachten wir, dass wir umsonst hergekommen waren, denn auf den Offengrasflächen fanden wir nichts - von der Rötlingspracht aus dem Vorjahr keine Spur. Erst im ersten kleinen  Kiefernwäldchen, das letztes Jahr während des GEO-Tags der Artenvielfalt 2009 mit dem Kerbrandigen Trichterling (Infundibulicybe costata) voll stand, fanden wir mit einer Gallertträne (Dacrymyces cf. stillatus) auf den Überresten eines Sofas und einem der Kiefernzapfenrüblinge (Strobilurus tenacellus oder S. stephanocystis) die ersten Schwammerln. Dann entdeckten wir im Gras doch noch ein kleines Grüppchen Wiesenstaubbecher (Vascellum pratense.

Danach inspizierten wir den Querweg an den Rändern. Dort gesellten sich der Raustielige bzw. Halbkugelige Ackerling (Agrocybe pediades), der Winter-Stielbovist (Tulostoma brumalis) auf unsere Fundliste. Außerdem spürte Joe noch einen kleinen braunen Faserling auf - habe eine Kollektion aufgesammelt und mitgenommen.

Im Bereich der Kieshügel mit überwiegend jungen Birken, Kiefern und Weiden war dann an windgeschützten Stellen schon mehr los: Mit dem Hellsporigen Gürtelfuß (Cortinarius cf. diasemospermus var. diasemospermus, dem Dunkelscheibigen Fälbling (Hebeloma cf. mesophaeum), dem Bittersüßen Risspilz (Inocybe dulcamara) und der Rötlichen Wurzeltrüffel (Rhizopogon roseolus) zeigten sich bereits erste Mykorrhizapilze.

Das Highlight war jedoch eine mutmaßliche Pseudoplectania nigrella, die sich bei genauerem Hinsehen als Lederige Weiden-Lorchel (Helvella cf. corium) entpuppte. Wie der Name erahnen lässt, ist die Art ein Weidenbegleiter. Joe hat gleich mal in den Roten Listen nachgesehen: H. corium steht in der RLB mit R und in der RLD mit 1 - bei der Deutschlandliste weiß ich allerdings nicht, ob das die alte oder die neue, offiziell noch nicht veröffentlichte Liste von Pätzold et al. ist. Doppeltes Glück: Auf dem Weg in Richtung U-Bahn konnte ich an einer anderen Stelle noch einen zweiten Einzelfrk. erspähen.

Zwei weitere Treffer für die Fundliste lieferte uns eine Weide mit einem abgebrochenen Ast: Unmittelbar an der Bruchstelle wurde mit dem Frk. des Polsterförmigen Feuerschwamms (Phellinus punctatus) auch der Grund der Holzschwäche offenbar. Die Weide ist im Stammbereich außerdem vom Muschelförmigen Feuerschwamm (Phellinus conchatus) besiedelt.

Unterm Strich hat sich die Exkursion wieder einmal voll rentiert, obwohl uns kein einziger Rötling ins Netz ging. Dafür müsste es dann doch etwas wärmer werden.

Gruß, Andreas
« Letzte Änderung: 16. Mai 2010, 19:23 von AK_CCM »