Autor Thema: Ocellaria ocellata - Fund aus Fröttmaning und ein paar Fragen dazu  (Gelesen 4931 mal)

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Till

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Hallo,

zur Verbreitung von Ocellaria kann ich nur sagen, dass iwir sie hier, wenn ich den Überblick nicht verloren habe, erst einmal gefunden haben, und zwar in einem bachbegleitenden Gehölzsaum bei Laufen/Salzach.

Es erstaunt mich immer wieder, was man über solche winzigen Arten in der älteren Literatur finden kann. Schon die Brüder Tulasne haben O.ocellata mit einer Ausführlichkeit beschrieben, wie man sie heute kaum noch kennt, und in den 1960er Jahren hat Andre Bellmère im Bull. Soc. myc. Fr. seitenlang die Ontogenie der Fruchtkörper dargestellt, mit sehr schönen Zeichnungen der Mikroanatomie.

Grüße
Till


Offline Christoph

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Servus Andreas und Ingo,

ich schaue ja eben und gerade wegen Zottos Arbeiten die Ascos - wenn es geht - frisch und in Wasser an. An Hemiamyloidität habe ich dennoch nicht gedacht. Jetzt klärt sich für mich das Bild. Ich werde mal bei Gelegenheit den Herbarbeleg mit KOH aufquellen und dann nochmals mit Lugol rangehen, um die dann entstehende Blauverfärbung anzuschauen.

Zitat
... dann kannst Du bei Verwendung von Lugol feststellen, dass eine ganze Menge der Iod-positiven Arten ROT statt BLAU reagieren (ca. 20%)

Dass es so krass ist, war mir nicht bewusst. Auf alle Fälle kann ich jetzt den Fund definitiv als O. ocellata abhaken (oder als Pezicula ocellata, wie auch immer). Der Gattungsunterschied, will man ihn aufrecht erhalten, basiert dann wohl nur auf der Eigenschaft, die Rinde mit aufzubrechen?!

LG
Christoph
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Offline mollisia

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Hallo Christoph,

ja, Ingo hat natürlich recht.
DENNIS hat nie (oder jedenfalls in der Regel nicht) mit Frischmaterial gearbeitet und außerdem Melzers verwendet. Herbarmaterial wird in der Regel mit KOH aufgequollen, und nach dieser Vorbehandlung erhältst Du IMMER eine blaue Reaktion (außer es wäre eine Art mit komplett negativer Reaktion natürlich). Wenn Du Material (egal ob frisch oder aus Herbar) in WASSER untersuchst, dann kannst Du bei Verwendung von Lugol feststellen, dass eine ganze Menge der Iod-positiven Arten ROT statt BLAU reagieren (ca. 20%) - eine Tatsache, die erst Zotto ins Bewusstsein gerückt hat.
Bei Inoperculaten daher IMMER die Iod-Reaktion erstens mit Lugol und nicht mit Melzers durchführen, und zweitens NIE mit KOH vorbehandeln, sondern immer Lugol ins Wasserpräparat einleiten oder meinetwegen direkt in Lugol einlegen.

beste Grüße,
Andreas

Offline Ingo W

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Hallo Christoph!

Die Ocellaria ist ja eigentlich eine bessere Pezicula und dort ist die rote Porusreaktion recht oft zu sehen. Mit KOH vorbehandelt  ist die Reaktion dann blau, also die perfekte hemiamyloide Reaktion.

Ich probiere das eigentlich gar nicht mehr aus, sollte aber auch bei O. ocellata so sein. Müsste auch mit Trockenmaterial gehen, denn Dennis hat bestimmt ebenfalls Trockenmaterial gehabt.

VG Ingo W
Kleine Pilze sind auch schön, sehen bloß die wenigsten!

Offline Christoph

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Hallo Ingo,

hat sich bei Deinen Funden denn eine blaue Reaktion ergeben (z.B. nach dem KOH-Vorbehandeln)? Ich habe die Zweige mittlerweile auf den Dörrex gelegt. Klappt die Reaktion auch noch an Trockenmaterial?

Der Test mit Melzers zeigte auch kein Blau, sondern nur Rotbraun...  :'(

Danke für's Bestätigen!

LG
Christoph
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Offline Ingo W

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Hallo Christoph!
Zitat
Ich habe eben nochmal die Asci in Melzers angesehen, ob bei höherer IKI-Konzentration das Blauen auftreten könnte...

Kannst ja mal mit KOH vorbehandeln, und dann nochmal den Jodtest machen.
Das mit dem Sporeninhalt geht auch in Ordnung. Die Altmeister haben ja kaum Lebendmaterial mikroskopiert. Vitaler multiguttulater Inhalt wandelt sich zu großtropfigem Inhalt um, wenn gestresst oder getrocknet.
Ich habe da keinen Zweifel an O. ocellata.

VG Ingo W
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Offline Christoph

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Servus Wolfgang,

vielen Dank für die Infos Österreich betreffend! Die Sporen innerhalb der Asci waren auch in meiner Kollektion oft auffallend schlank, schlanker als die freien Sporen. Insofern würde sich das mit der Vermutung der unreifen  Sporen decken.
Die Asci waren auch bei meiner Kollektion zylindrisch, ich habe nur keine kompletten Asci gezeichnet.
Ich habe eben nochmal die Asci in Melzers angesehen, ob bei höherer IKI-Konzentration das Blauen auftreten könnte... und auch hier ist auffällig, dass die Ascuswand viel dicker erscheint als in Wasser.
Danke für das Angebot bezüglich des Belegs. Wenn der Beleg aber unreif ist, ist es vielleicht besser, andere Belege zu vergleichen. Ich werde aber vielleicht auf Dein Angebot noch zurückkommen  ;).

Liebe Grüße
Christoph
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Offline Wolfgang D.

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Antw: Ocellaria ocellata in Ö
« Antwort #2 am: 15. Mai 2010, 18:01 »
Hallo Christoph,
wir haben in Ö zwei Belege in WU aus Kärnten det. Walter Jaklitsch, der den Pilz sicher nicht leichtfertig benannt hat, zwei Belege in GJO aus der Steiermark, die hingegen wohl nicht besonders genau analysiert worden sind, einige Beobachtungen durch Andrea Dorninger in ihren Grauerlen-Auenwäldern, die sich bei den Ascos auch nur grob an PdS orientiert hat, sowie ein Fund von mir, ebenfalls aus einem Grauerlen-Auenwald.
Bei meinem eigenen Fund von 1990 habe ich keine Aufzeichnungen über die Iodreaktion. Die Sporen sind etwas kleiner, besonders schmaler als bei PdS, die Asci sind oben mehr abgerundet und insgesamt mehr zylindrisch, die Paraphysen sind nicht verzweigt, apikal kaum verdickt und nicht septiert. Till hat sich die Kollektion damals angeschaut und als "höchstwahrscheinlich O. ocellata" kommentiert, da "keine freien Sporen gesehen und offenbar noch nicht reif". Die Abweichungen der Mikros könnten daher z. T. mit dem (jungen) Entwicklungsstadium zusammenhängen.
Bei Bedarf steht dir mein Beleg gerne zur Verfügung.
Aus den vorliegenden Funden könnte man vielleicht ableiten, dass O. ocellata es ziemlich niederschlagsreich mag bzw. braucht, aber nicht zu kühl.
LG
Wolfgang

Offline Christoph

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Servus beinand,

dass ich mal freiwillig eine Dermateaceae mitnehme... aber manchmal mache ich das  ;)
Gestern auf der Fröttmaninger Haide fand ich zusammen mit Sonja an einer nahezu abgestorbenen Weide an den ansitzenden Totästen (und auf einem noch etwas im Saft befindlichem Ast) einen kleinen Discomyzeten, der mir makroskopisch sehr bekannt vorkam. Ich hatte das Foto von Ocellaria ocellata in Pilze der Schweiz (P.d.S.) im Kopf.


Ocellaria ocellata an Salix spec. zwischen div. Felchten (u.A. Xanthoria pariethina)


Ocellaria ocellata an Salix spec.

Die Mikroskopie bestätigte Ocellaria ocellata im Sinne von P.d.S. Hier ist allerdings eine Diskrepanz zu Dennis erwähnt worden. Die Ascusspitzen reagieren laut P.d.S. mit Lugol dunkel rotbraun, laut Dennis aber blau. Mein Fund zeigte die rote Reaktion (lebend in Wasser):



Der Dermateaceen-Schlüssel vom Mykokey - http://www.mycokey.com/MycokeyDK/DKkeysPDFs/Dermateaceae.pdf - schreibt auf S. 31 ebenfalls, dass die Asci J+ seien (also Blau werden), zitiert aber sowohl Dennis als auch P.d.S. als typische Fundbeschreibungen.

Auf Ascofrance gibt es ein Mikrofoto, das genau meiner Kollektion entspricht (inkl. der multiguttulaten Sporen): http://www.ascofrance.com/bdd/image.php?image=817_03

P.d.S. geben aber wenige, große Tropfen an.

Der Rest passt gut überein (siehe Mikroskopierzkizzen / Angaben), wie ich finde. Es wird aber ab und an auch Ocellaria masseeana für Europa angegeben. Da ich diese Art nicht kenne und nur sehr ungern allein nach P.d.S bestimme (da nicht vollständig, was die Gattungen betrifft), würde ich mich über Eure Erfahrungen zu O. ocellata freuen (bzw. über die Angrenzung zu anderen Ocellarien). Sind die Sporenzeichnungen bei P.d.S. Artefakte wegen toter FK oder sind meine Sporen noch zu jung?

Wie häufig ist Ocellaria ocellata eigentlich? Die Onlinekartierung nennt nur Funde aus Bayern (und fast alle sind vom Peter...).

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 16. Mai 2010, 10:24 von Christoph »
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