Autor Thema: Schleierling aus der Schotterheide  (Gelesen 3927 mal)

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Offline mollisia

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Antw: Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #8 am: 23. April 2010, 21:41 »
Hallo Andreas,

mikroskopier doch mal die Sporen in hochprozentiger KOH (20% aufwärts). C. anthracinus und wohl auch die Verwandten zeigen da eine violettliche Verfärbung der Sporen.

beste Grüße,
Andreas

AK_CCM

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Antw: Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #7 am: 23. April 2010, 09:34 »
Hallo in die Runde,

wenn ich mir auf Hias' Seite die Bilder von C. diasemospermus var. leptospermus anschaue und mir die Frk. einen Monat später gewürzt mit ein paar Nachtfrösten vorstelle, könnte man die Art für meine Kollektion durchaus in Betracht ziehen.

Bei Gelegenheit liefere ich noch mehr mikroskopische Details, vlt. kommen wir auf diesem Weg weiter. Aktuell habe ich leider keine Zeit, den Fall weiterzuverfolgen.

Gruß, Andreas

Offline mollisia

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Antw: Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #6 am: 22. April 2010, 21:32 »
Hallo,

also meiner Meinung nach hat der nix mit den Cortinarien der flexipes-Gruppe zu tun, das muss was total anderes sein.
Bei der Lamellenfarbe fragt man sich, ob das nicht sogar mal ne Dermocybe war, so wie das bei C. anthracinus ja auch der Fall war. Irgendwie würde ich den lieber in der Ecke sehen.

beste Grüße,
Andreas

Offline Hias

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Antw: Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #5 am: 21. April 2010, 15:04 »
Servus Christoph,

des passt schon, des Habitat! Ich hab dir doch am Montag erzählt, dass im Spätherbst die ganze Fröttmaniger Heide mit C. diasemospermus vollstand ;D

Aber ohne Geruchsprobe kriegen wir das nie raus, ob der vom Andi auch einer ist. Ich kann's mir bei den Farben ehrlichgesagt nicht vorstellen - aber wer weiß ...

Auf meiner Cortinarienseite http://www.interhias.de/schwammerlseiten/bestimmungen/2009/cortinarius/cortinarius.html findet ihr 4 Kollektionen (Nr. 20-23) davon, der "Roteste" ist die var. leptospermus, aber so rot wie der vom Andi ist er im Leben nicht.

Grüße
Hias

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Antw: Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #4 am: 21. April 2010, 14:42 »
Servus ihr beiden,

ich finde die Farben auch bemerkenswert. Schade, dass kein Geruch vermerkt wurde. Duch das weiße Velum universale und die freudigen Lamellen sollte zumindest die Sektion zu ermitteln sein.

Mein erster Gedanke ob der relativ helle Lamellen war Cort. diasemospermus, wobei ich so einen schön gefärbten noch nicht gesehen habe (weshalb ich das nicht glaube und auch keinen Abgleich mit den Mikros gemacht habe). Auch passt das Habitat nicht. War nur meine allererste Assoziation. Der würde dann nach Zitronenmelisse riechen. Er ist jedenfalls makroskopisch extrem variabel (bis auf den absolut typischen Geruch).

Vielleicht kann ein wirklicher Cortinarienkenner etwas sagen...

LG
Christoph
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

AK_CCM

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Antw: Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #3 am: 17. April 2010, 12:48 »
Servus Hias,

leider habe ich keine Notizen von dem Fund und kann daher nicht ausschließen, dass die Schwammerln einen speziellen Geruch hatten. Die freudigen Farben sind in der Tat sehr auffällig. Danke fürs Nachschlagen in Deiner Literatur - vielleicht hat ein anderer Pilzfreund einen Tipp für mich, was für ein Cortinarius mir hier begegnet ist.

Gruß, Andi

Offline Hias

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Antw: Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #2 am: 17. April 2010, 09:12 »
Servus Andi,

hatten die Schwammerln einen typischen Geruch? (Radi, Geranien)
Die leuchtenden Farben sind schon ziemlich einzigartig. Ich kenn den nicht und habe im meiner Literatur nichts Vergleichbares gefunden.

Grüße
Hias

AK_CCM

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Schleierling aus der Schotterheide
« Antwort #1 am: 17. April 2010, 05:13 »
Hallo Pilzfreunde,

letztes Jahr hatte ich Ende November in der Fröttmaninger Heide einen freudig gefärbten Cortinarius unter Salix gefunden, den ich leider nicht kenne. Zum Glück habe ich vor kurzem das Exsikkat wiedergefunden, sodass ich auch Mikromerkmale liefern kann.

Hut: ca. 2 bis 4 cm im Durchmesser, flach konvex bis ausgebreitet, am Rand lange mit Cortina-Resten (?) bedeckt, mit zunehmendem Alter am Rand nach oben gewölbt, dünnfleischig, feucht matt glänzend, überwiegend glatt, aber vor allem zum Rand hin radialfaserig-rissig; zentral dunkel rot-bräunlich (z.B. #592824), nach außen etwas heller (z.B. #592824), im Vergleich zu den Farben des Stiels mit höherem Rotanteil, am Rand ins freudig bräunliche Farbspektrum der Lamellen (z.B. #974513, #c07939) übergehend, Fleisch von der Stielfarbe nach oben hin ins Schwärzliche übergehend
Lamellen: bauchig, ausgebuchtet angewachsen und mit Zahn kurz herablaufend, untermischt, Abstand eher weit, Schneiden unregelmäßig schartig; freudig mit Brauntönen gefärbt (z.B. #802f11, #a73500), mit strahlförmig vom Hutgrund zu den Lamellenschneiden ausgerichteten, länglichen und orangebräunlich ausgeblassten Flecken (z.B. #a55e28), am Rand praktisch ohne Hutfleisch und dadurch mehr orangefarben erscheinend (z.B. #d37c1b), insgesamt an die Farben von verrostendem Eisen erinnernd.
Stiel: ungefähr 5-10 cm lang und etwa 5 mm dünn, hohl, nie kerzengerade, besonders untere Stielhälfte unregelmäßig verbogen, geschwungen, bis gekniet, basal etwas dicker, am Grund gerne büschelig verwachsen; Grund/ Stielfleisch mit diversen Brauntönen (z.B. #692e1f, #753830) gefärbt, basal dunkler (z.B. #57241d), schmutzig rosa (z.B. #b8958f) bis violett-grau (z.B. ) längs überfasert, untere Stielhälfte bisweilen völlig verkleidet ohne durchscheinenden Stielgrund, insgesamt an das hell-fleischfarbene Spektrum von Putenschnitzel erinnernd.
Sporen (Messreihe 30 Stück): eiförmig, bisweilen leicht mandelförmig, eher dickwandig, braun, jeweils mit einem großen Öltropfen gefüllt, feinwarzig ornamentiert; (7,6)-8,2-8,6-9,4-(9,6) x (4,7)-5,0-5,3-5,8-(6,4) µm
Kollektion: 22 Frk.
Funddatum: 29.11.2009
Fundort D - BY - Reg.-Bez. Oberbayern - München - Fröttmaninger Heide (ehemaliges Panzerübungsgelände der Bundeswehr) südlich der A99, im Osten nahe den U-Bahn-Schienen, ungefähr auf Höhe der U-Bahn-Haltestelle
Messtischblatt: 7735/4.3.2.4
Meereshöhe: ca. 493 m ü. NN
Ökologie: sandig-kiesiger, kalkhaltiger Boden (Münchener Schotterebene) mit niederem, teils lückigem Bewuchs (gestörter Boden aufgrund der militärischen Nutzung in der Vergangenheit), unter jungen, etwa mannshohen Weidenbüschen (Salix sp.)

Leider habe ich keine Literatur bzw. keinen Schlüssel (z.B. Funga Nordica) über Schleierlinge im Regal stehen, sodass ich erst einmal ratlos bin. Aber vielleicht hat jemand von euch eine Idee, was ich hier gefunden haben könnte.

Gruß, Andreas
« Letzte Änderung: 17. April 2010, 05:39 von AK_CCM »