Autor Thema: Peniophora piceae - ein Portrait (und Erstnachweis für Bayern?)  (Gelesen 10124 mal)

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Offline Frank D.

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Re: Peniophora piceae - ein Portrait (und Erstnachweis für Bayern?)
« Antwort #20 am: 9. Dezember 2011, 17:10 »
Hallo Till,

Harald Ostrow und ich haben Peniophora piceae im August zur Tagung in Berchtesgaden gefunden.
Ein wahrscheinlicher Erstfund für Bayern ist Thujacorticium mirabile (jetzt T. zurhausenii), den ich ebenfalls zu dieser Tagung fand.

Beste Grüße Frank

Till

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Re: Peniophora piceae - ein Portrait (und Erstnachweis für Bayern?)
« Antwort #19 am: 7. Dezember 2011, 18:06 »
Hallo, Gemeinde,

Christoph hat mich dankenswerterweise aus meiner unfreiwilligen Selbstaussperrung aus dem Forum erlöst, weshalb ich mich gerade ein wenig durch frühere Threads arbeite. Ich wusste gar nicht, dass P. piceae so rar ist in Bayern - hab wohl, da die Cortis nie so im Zentrum meines Interesses standen, die einschlägigen Verbreitungsdaten gar nicht überprüft.

Nach meinen Unterlagen haben wir hier im AMIS-Gebiet bisher 2 Nachweise - den ersten hier aus meinem Hauswald bei Taching im Kreis TS, den anderen vom Högl bei Freilassing im Kreis BGL (leg. Rößl). Beide Funde sind ziemlich rezent (31.10.10, 26.3.11). Das Foto stammt vom Högl.

Beide Funde stammen also aus der Zeit nach der damaligen Forumsdiskussion (und ohne deren Kenntnis).
Schöne Grüße
Till
« Letzte Änderung: 7. Dezember 2011, 18:23 von Till »

Offline Christoph

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Hi Andreas,

wie schon geschrieben: Herrmann Jahn hat sich im BayerWald vergebens nach dieser Art umgesehen und Heinz und ich waren bislang auch erfolglos. Probie Dein Glück!

LG
Christoph
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AK_CCM

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Hi Christoph,

spontan fiele mir das Westerholz bei Klosterlechfeld ein. Aber das ist mir zu weit weg. Zudem bin ich lieber auf Offengrasflächen unterwegs.

Hätte dennoch nichts dagegen, im Bayerwald über die Art zu stolpern. ;)

Gruß, Andreas

Offline Christoph

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Hallo Jürgen,

Ehingen ist zumindest nicht allzuweit von Bayern entfernt.  ;) Leider gibt es im bayerischen Schwaben wenig Weißtannen (abgesehen vom Allgäu). Ich denke, dass man im Raum Allgäu im Gebirge wohl auch noch fündig werden müsste. Ich gehe hierbei von einer ozeanisch geprägten Art bezüglich Peniophora piceae aus...

LG
Christoph
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Offline Der Juergen

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Hallo Christoph,

der Fund stammt aus dem Ehinger Raum. Wir haben hier ein paar Weißtannen-Areale mit älterem Baumbestand.

Grüßle
Juergen

Offline Christoph

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Servus Jürgen,

wo hast Du den Fund denn gemacht? Ich vermute, nicht in Bayern?! Makroskopisch geht es vermutlich bei eintrocknenden Fruchtkörpern leichter - wie Du auch nachgetragen hast. Peniophora pithya ist es aber sicherlich nicht - kenne ich wie schinmal geschrieben dunkler. Die helle Zuwachskante, die Du beschreibst und die sich hochbiegenden Ränder passen ja auch sehr gut.

Liebe Grüße
Christoph
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Offline Der Juergen

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Hallo zusammen,

habe nun bei getrockneten Exemplaren die deutlich hochgebogenen Ränder gesehen. Also, für mich ist das P. piceae.

Grüßle
Juergen

Offline Der Juergen

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Hallo Zystidenrindenpilzler:-)

ich möchte gerne diese Fund hier als Vergleich dazustellen. Selbst bin ich ebenfalls unentschieden, welche der beide Arten hier tatsächlich vorlieg. Die Sporen (Abwurfpräparat) variieren in der Größe nicht wenig (Variationskoeffizient L/B = 9,1 / 8,1). Ich habe bei folgender Messung tendenziell die größten/größeren Sporen berücksichtigt:

Sporen (P=95%, n=20): 5,9-7,4-8,8 x (2,4)2,5-3,1-3,7 µm

Dies spricht eher für Peniophora piceae. Gloeozystiden konnte ich keine entdecken, und die makroskopischen Merkmale entsprechen denen von Christoph beschriebenen: Frische Fruchtkörper sind teilweise am Rand etwas hochgebogen, Zuwachskanten bei jungen Belägen sind heller (weißlich), Fund auf einem Weißtannenstamm am Boden, von einer jüngst gefällten Weißtanne, die innerhalb eines größeren Weißtannenbestandes wuchs. Der Geruch ist übrigens säuerlich / fruchtig und nicht unangenehm.

Ich werde da vielleicht nochmal mit dem scharfen Glas reinschauen, und nach Gloeozystiden absuchen.

Grüßle
Juergen

Offline Christoph

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Hallo Andreas,

danke für die Infos! Ich habe zusammen mit dem Holzer Heinz intensiv im Bayerischen Wald gesucht. Es gab viel Schneebruch, was die Suche erleichtern hätte sollen. Allerdings nur Fehlanzeige. Es gab nur die üblichen Verdächtigen zu bewundern - Aleurodiscus amorphus, Durandiella gallica, Exidiopsis grisea etc., aber weit und breit keine Peniophora. Kann es sein, dass die Art einfach zu sehr ozeanische Ansprüche stellt und der Bayerwald zu kontinental ist? Dann müsstest Du auch in Thüringen Probleme haben, sie zu finden?! Falls Du überhaupt Tannenbestände in Deiner Umgebung hast...

LG
Christoph
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Offline mollisia

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Hallo,

ich meine Peniophora piceae aus dem Nordschwarzwald gut zu kennen, die Art ist dort relativ banal. Ich habe mehrere Jahre gezielt in den Wintermonaten (Dezember-Februar) auf die Tannenpilze geachtet und festgestellt, dass sie genau wie Panellus violaceofulvus und Aleurodiscus amorphus als verbreitet angesehen werden kann. Man muss sie aber zu suchen wissen, genau wie Aleurodicus auch. Auf der Unterseite von am Baum ansitzenden Ästen, vor allem bei eher jüngeren tannen, da hat man fast schon eine Erfolgsgarantie. Im Nordschwarzwald. In Thüringen weiß ich nicht, ob sie überhaupt nachgewiesen ist bisher. Ich wohne leider zu weit von tannenvorkommen weg jetzt und außerdem gibt es hier keine milden Winterperioden, wie ich sie aus dem atlantischen Nordschwarzwald her eben kenne.
Ich kann nur unterstreichen, was Christoph zur makroskopischen Erscheinung sagt, doch kam mir eine Verwechslung mit P. cinerea nie in den Sinn. Ich habe aber auch soweit ich mich erinnere nie so cinerea-artig mosaikartig eingetrocknete Fruchtkörper gehabt, vermutlich weil ich immer in in triefendnasse Wälder gegangen bin (Schneeschmelze...) Die Farbe habe ich immer mit einem gewissen Blau- bzw. Violettanteil in Erinnerung, nie rein grau wie P. cinerea.

beste Grüße,
Andreas

Offline Christoph

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Servus Christian,

erstmal herzlich willkommen hier  :)

Ich habe ja selber Peniophora piceae erst einmal überhaupt gesehen und mich beim Bestimmen auf die Nordische Corti-Flora verlassen. Insofern bin ich mir nicht sicher, wie ich Deine Fotos einstufen soll.

Peniophora pithya
kenne ich dunkler gefärbt und ohne die leicht abstehenden Fruchtkörperränder. "Meine" P. piceae hatte aber dünnere Ränder (war vielleicht einfach noch jünger). Beim Abheben vom Substrat hat sie teils die oberste Rindenschicht des Astes mit angehoben/abgerissen. Sie hob sich also nicht so deutlich ab wie es beispielsweise Peniophora quercina macht.

Bei mir war auffällig, dass ältere Fruchtkörper einen dunkleren Rand hatten und so ein bisserl an Peniophora limitata erinnerten. Die jungen hingegen hatten einen weißen Rand (Zuwachszone).
Hast Du noch Fotos von getrockneten Fruchtkörpern? Ich frage deshalb nach, weil man dann besser sehen kann, wie diese aufreißen (z.B. mosaikartig) und wie dann die FK-Ränder aussehen (du hast es ja schon beschrieben, aber wie stark heben sie sich ab?).

Gloeozystiden habe ich auch keine finden können, was ja aber eher typisch ist. Wenn ab und an mal vereinzelte auftreten können, heißt das ja nicht, dass diese in jedem Fruchtkörper sind.

Sollten deine FK also mosaikartig einreißen und sich dann die kleinen Flächen jeweils am Rand etwas abheben (siehe mein erstes Foto), dann spricht das sehr für Peniophora piceae, wie diese z.B. in den Corticiaceae of North Europe beschrieben wird. Deine Kollektion hat dickere, kräftigere FK als die meine. Wie das zu interpretieren ist, weiß ich nicht. Da aber auch die Mikroskopie gut passt, sollte sie es wohl sein. Vielleicht kann Wolfgang D. noch etwas schreiben - er hat die Art sicher häufiger als ich gesehen.

LG
Christoph
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Offline Älbler

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Hallo Christoph,

wie gut, dass mich heute der Juergen auf deinen Beitrag zu Peniophora piceae aufmerksam gemacht hat :D

Gestern hatte ich in einem kleinen Tannenareal mit ca. 80 - 100jährigen Weißtannen eine Peniophora auf einem Tannenzweig gefunden. Bei der Bestimmungsarbeit gelangte ich mit Hilfe der Schlüssel von KRIEGLSTEINER und JÜLICH zum Entscheidungsproblem P. piceae oder P. pithya. Leider hat der Fund bisher nicht abgesport.

Den hochgebogenen Rand bei trockenen Fruchtkörpern konnte ich auch feststellen. Die Farbe der FK würde ich mit rosagrau bis violettgrau bezeichnen. Gloeozystiden habe ich nicht gesehen, obwohl die Beschreibung von ERIKSON in der Mykobank das Vorkommen einzelner Gloeozystiden bei der Art erwähnt !

Du hast wohl Erfahrung mit der Makroskopie dieser Peniophora-Gruppe. Vielleicht kannst du mir sagen, ob dies die P. piceae sein könnte.

Viele Grüße
Christian

Offline Christoph

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Hallo zusammen,

anbei noch eine kleine Nachreichung. Hermann Jahn hat in seinen Westfälischen Pilzbriefen einen ausführlichen Artikel über Pilze an Weißtanne publiziert:

http://wwwuser.gwdg.de/~rjahn/Pilzbriefe/PB_Bd_7_5.pdf

 Der Beitrag fußt auch auf einem Besuch Jahns im Bayerischen Wald (Region Zwiesel, jetzt Teil des Nationalparks). Interssanterweise hat er selber trotz seiner intensiven Suche keine Penophora piceae (die er im Beitrag kurz bespricht) nachweisen können. Jahn vermutet, dass dies daran liegen könne, dass Peniophora piceae nur im Winterhalbjahr, also bis zum Frühling, fruktifiziere, wohingegen er im Juli im Bayerischen Wald gesammelt hat.

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Servus Ingo - danke schön! Dann hoffe ich, dass Du bald fündig wirst  ;).

Hallo Wolfgang...

Zitat
Aufgrund der relativ hohen Fundanzahl aus diesen beiden Ländern bin ich in Hinblick auf die Bestimmungssicherheit skeptisch.

Ja, das ist sicher ein Problem. Das absolut ungünstige Epitheton macht sicherlich Probleme. Dann ist es oft etwas mühsam, eine Peniophora zu mikroskopieren, weshalb vielleicht manche davon zurückschrecken. Im Sinne der nordischen Corticioiden-Funga ("The Corticiaceae of Northern Europe") ist sie aber, wenn man genau arbeitet und hinsieht, leicht bestimmbar.

Ich war regelrecht frappiert, als ich die typischen Merkmale direkt erkannt habe. Ich habe sehr viele Peniophora pithya mikroskopiert (wegen eines Projektes im NP Bayerischer Wald), da ich auch an Fichte nur sehr ungern eine wenig auffällige Peniophora makroskopisch ansprechen möchte. Insofern habe ich die Beschreibung von Peniophora piceae als recht nah verwandte Art immer wieder gelesen. Der Verweis auf Peniophora limitata als makroskopisch ähnlich (im älteren Stadium) in Kombionation zu jung weißen bis weißlichen Fruchtkörperrändern machte mich immer stutzig. Und siehe da, plötzlich hatte ich diese frisch gebrochenen Tannenäste in der Hand (bzw. die ganze Tanne liegt vor einem) und konnte alle Stadien nebeneinander sehen. Gestern waren die Ränder aber noch großteils heruntergebogen, während sie sich heute wegen der trockenen Witterung deutlich aufgerichtet haben. Was will man mehr?

Ich finde diese Merkmalskombination so auffällig, dass es wirklich leicht sein sollte, eine ausreichend große Kollektion zu bestimmen (auch makroskopisch). Einzelfruchtkörper im falschen Entwicklungsstadium hingegen dürften nicht so einfach einzuordnen sein. Und sollte das Substrat nicht passen, würde ich ohnehin zu größter Genauigkeit raten, was die Analyse der weiteren Merkmale angeht.

Auf die Peniophora-Monographie bin ich gespannt! Ist es eine Weltmonographie, die erscheinen soll? (Dachte, in Europa seien die Arten mittlerweile schon ganz gut geklärt).


Hallo Andreas,

gestern war ich von der Ionomidotis zu sehr abgelenkt. Die richtige Freude über die Peniophora kam eigentlich erst heute so richtig, weshalb ich gleich nochmal los bin, um neue Fotos zu machen. Nebenbei habe ich einen weiteren Ast mit Ionomidotis fulvotingens gefunden (vom gleichen Baum) - und auch hier wieder an Peniophora piceae.

LG
Christoph

« Letzte Änderung: 3. April 2010, 11:15 von Christoph »
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