Autor Thema: Diplodia sapinea - ein häufiger Pilz an Kiefern  (Gelesen 331 mal)

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Offline Christoph

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Diplodia sapinea - ein häufiger Pilz an Kiefern
« Antwort #1 am: 27. März 2018, 15:00 »
Servus beinand,

in Rothschwaig hatte ich am 24.02.2018 u.a. kleine, schwarze Pycnidien an Kiefernzapfen aufgesammelt. Das ist das „schöne“ an Kartierungsprojekten – man schaut sich auch Sachen an, die man sonst nicht ansehen würde:







Die Pycnidien haben sich als ein sehr häufiger und bekannter/gefürchteter Schadpilz der Kiefer herausgetsellt: Diplodia sapinea. Jetzt kenne ich mich bei Coelomyzeten eh kaum aus, aber ich kenne zumindest Sphaeriopsis visci, die nah verwandt ist – zumindest in die gleiche Familie gehört. Hilfreich für die Bestimmung war auch, dass es im EU-Forum einen Thread zu „Sphaeriopsis“ sapinea gibt.
Da ich mich wie gesagt in der Gruppe nicht auskenne, achte ich dann auf Details, da man die ja eventuell für die Bestimmung benötigt. Jedenfalls habe ich festgestellt, dass die Konidien ornamentiert sind. Erst sah es nach Warzen aus, dann doch nach Löchern. Ich meinte, das in der Seitenansicht der Konidienwand zu erkennen – sieht ein bisserl aus wie bei Ganoderma, nur nicht gar so deutlich.

Steht der Arbeitsname, kann man loslegen und recherchieren. Schließlich wurde 2003 mit Diplodia scrobiculata eine zweite Art beschrieben, die genau diese Löcher in den Sporen haben soll. Diplodia sapinea hingegen wird oft als glatt beschrieben.

Zudem wurden drei Morphotypen festgestellt (schon seit den 80er Jahren), was die Sache auch nicht einfacher macht – Typ A und C haben in Kultur ein fluffiges Luftmyzel und wachsen schnell, Typ B hat ein dichtes, nicht in die Luft wachsendes Myzel und wächst nur langsam. Typ C wiederum hat besonders große Konidien. Genetisch wurde festgestellt, dass Typ B eigenständig ist und - wie oben erwähnt – dann als Diplodia scrobiculata neu beschrieben.

Im Parallelforum habe ich das ein bisserl ausführlich dargestellt und Literaturstellen entsprechend zitiert. Für mich war insbesondere Swart et al.  (1993) wertvoll.

Ich zitiere:
Zitat
Scanning electron microscopy of world isolates

Twenty isolates of S. sapinea consistently had conidia with smooth outer surfaces (Fig. I) typical of those reported for the type-A form (Table I). The remaining thirty isolates had between 6 and 38% of conidia with small indentations, or pits, distributed either over the entire outer surface, or parts of individual conidia (Figs 2, 3).

Effect of maturity on conidial ornamentation

The age of conidia did not appear to affect the occurrence of pits in any of the four isolates examined (Table 2). Over the entire 56 d period, the two type-A isolates, CWS 60 and CWS 61, respectively had means of 19.6 and 18.4% pitted conidia.The two type-B isolates, CWS 59 and CWS 64, respectively had means of 23.6 and 18.4% of pitted conidia over the same period.

Swart et al. (1993) haben 20 Kollektionen von S. sapinea mit völlig glatten Konidien festgestellt (sie haben mit einem Elektronenmikroskop gearbeitet!). Weitere 30 Isolate hatten zwischen 6 und 38% Konidien mit kleinen Vertiefungen, Gruben, Löchern. Dieses Merkmal ist altersunabhängig, hat also nichts mit ausgeereiften vs. jungen Sporen zu tun.

Die Autoren fassen salbst zusammen (im abstract) - Hervorhenung in Fettdruck von mir:

Zitat
Authentic S. sapinea isolates, categorized as type A and type B in previous studies, were chosen for detailed examination of the effect of spore age, nutrition, and pigmentation on surface ornamentation. No distinct differences in conidial morphology between the two types were discernible between conidia of different ages, or those produced on media containing different carbon or nitrogen sources.

Man kann also sagen, dass sowohl löchrige als auch glatte Kondien bei beiden Arten auftreten. Bei weiterer Recherche bin dann auf Phillips et al (2013) gestoßen. Hier werden alle Gattungen anhand der Anamorphen ausgeschlüsselt – dies wird so praktiziert, da von allen bekannten Arten Anamorphe beschrieben wurde und diese auch in Kultur aus den Teleomorphen züchtbar sind, aber nicht von allen Arten die Teleomorphen bekannt sind.

Man kommt durch folgende Merkmale schnell auf die Gattung Diplodia: Konidien werden noch an den konidiogenen Zellen ansitzend braun, sie haben keine Keimspalte, haben kein streifiges Ornament und sind unseptiert bis vereinzelt einfach- bis zweifach septiert.

Innerhalb der Gattung Diplodia geht es dann auch recht einfach – die sehr langen und breiten Konidien sind sehr bezeichnend… man landet direkt bei Diplodia sapinea – und auch Phillips et al. (2013) geben an, dass das Ornament glatt oder löchrig ist.

Die ganze Gattung Diplodia ist laut Phillips et al. (2013) recht aggressiv – es sind endophytische Pilz, die sich im gesamten Baum ausbreiten und je nach Zustand des Baums (z.B. bei Trockenstress) Schadsymptome auslösen können. Bei Diplodia sapinea ist es die Kiefernschütte – die Nadeln sterben ab und werden schütter. Das endophytische Vorkommen im gesamten(!) Baum erklärt auch, warum der Pilz auch an den Zapfen vorkommt – er wächst am lebenden Baum hinein und bildet dann Pycnidien aus, wenn die Zapfen am Boden überwintert haben. Das gleiche macht er an abgefallenen Ästen / Zweigen / Nadeln (usw.).

Ich werde bei Gelegenheit versuchen, Fotos von den Konidien zu machen – ob es gelingt, weiß ich noch nicht (per Handy durchs Okular). Im Nachbarthread gibt’s aber viele, schöne Fotos.
Wer Lust hat, mit der Lupe nach schwarzen Pycnidien an Kiefernzapfen zu suchen (sie sind etwas unförmig), der wird schnell fündig. Und im Mikroskop sind sie wirklich sehr hübsch. Vielleicht nicht ganz so atemberaubend wie das jetzt massenhaft an Fichtenzapfen zu findende Phragmotrichum chailletii, aber dank der riesigen Konidien durchaus beeindruckend.

In der Systematik hat sich auch einiges getan – diesbezüglich empfehle ich die Lektüre von Slippers et al. (2013).

Ich habe den Gattungsschlüssel von Phillips et al. (2013) ins Deutsche übersetzt und hier zur Verfügung gestellt. Ebenso den Schlüssel der Gattung Diplodia (da habe ich beim Übersetzen minimal redaktionell eingegriffen, da die Sprünge nicht immer richtig benummert wurden - jetzt müsste es passen). Ich habe auch ein paar wenige Kommentare angefügt.

Literatur:

Phillips AJL, Alves A, Abdollahzadeh J, Slippers B, Wingfield MJ, Groenewald JZ, Crous PW (2013): The Botryosphaeriaceae: genera and species known from culture. Studies in Mycology 76: 51–167.

Slippers B, Boissin E, Phillips AJL, Groenewald JZ, Lombard L, Wingfield MJ, Postma A, Burgess T, Crous PW (2013): Phylogenetic lineages in the Botryosphaeriales: a systematic and evolutionary framework. Studies in Mycology 76: 31–49.

Swart WJ, M.J. Wingfield MJ, van Wyk P (1993): Variation in conidial morphology among geographic isolates of Sphaeropsis sapinea. Mycol. Res. 97(7) 832-838

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 27. März 2018, 15:03 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)