Autor Thema: Armillari(ell)a viridiflava - eine vergessene, europäische Art?  (Gelesen 2307 mal)

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Offline UdoA

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Antw: Armillari(ell)a viridiflava - eine vergessene, europäische Art?
« Antwort #3 am: 20. Februar 2010, 20:52 »
Hallo Christoph,

dafür gibt es mindestens ein Fleißkärtchen!  :)

Vielen Dank.

LG Udo
Eine Anhäufung von Tatsachen ist ebenso wenig eine Wissenschaft wie ein Haufen Steine schon ein Haus ist. (H. Poincaré)

Meine Pilzfotos: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/496395

Avatar: Oudemansiella mucida, Buchenschleimrübling

Offline Christoph

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Armillari(ell)a affinis - der Vollständigheit wegen
« Antwort #2 am: 20. Februar 2010, 16:12 »
Nochmal hallo in die Runde,

Udo hatte mich gebeten, auch die andere, Singersche Hallimaschdiagnose (ebenfalls auf S. 12) zu übersetzen. Gesagt - getan. Die Art wurde aber aus Costa-Rica beschrieben und dürfte bei uns wohl nicht zu erwarten sein...

Armillariella affinis Sing., spec. nov.

Hut braun, in der Hutmitte fein braunschuppig, ansonsten fast nackt, etwas schleimig, bis auf halben Radius durchscheinend gerieft, beim Trocknen entweder glatt oder ein wenig gerippt; Hut konvex, stumpf, später abgeflacht oder im Zentrum ein wenig niedergedrückt, 29-31 mm Durchmesser.
Lamellen lederblass, später blass bräunlich verfärbend; Lamellenschneide häufiger bräunend; Lamellen gedrängt, horizontal angewachsen oder herablaufend.
Sporenpulver creme-weiß (zwischen Ia und Ib nach Romagnesi), getrocknet creme (Ib).
Stiel oberhalb des Rings den Lamellen gleichfarben, unterhalb braun, später fast russbraun, oberflächlich weißseidig; Stiel gleichdick und mit Knolle, seltener nach oben hin verjüngt, 42-43 x 4 mm, an der Stielspitze meist 3 mm Durchmesser; häufig zur Basis hin gegabelt (verzweigt).
Velum einen Ring ausbildend, weiß, dünn häutig, nicht als Cortina ausgebildet, zum äußeren Rand hin zerrissen.
Mit schwarzen Rhizomorphen, aber an der Stielbasis diese nicht beobachtet.
Fleisch blass, in der Stielrinde fast der Oberfläche gleichfarben.
Ohne auffälligen Geruch. Geschmack fast mild (nach längerem Kauen etwas adstringierend).
Sporen (6,5-) 7-8(-9) x (4,5)4,7-5,5(-6) µm, elliptisch, einige eiflörmig, auch unter Immersion glatt, Sporenwand bei reifen Sporen bis zu 0,5 µm verdickt; Sporen hyalin, in KOH etwas bräunend, inamyloid.
Hymenium: Basidien 24-26,8 x 5,5 – 7,2 µm, an der Basis ohne Schnallen, hyalin, wenige ein wenig gelblich [vermutlich meint Singer mit hyalin farblos, denn eigentlich bedeutet es wortwörtlich nur „durchsichtig“, unabhängig vom Farbton], immer dünnwandig (keine Sklerobasidien).
(Pleuro)Cystiden fehlend, aber Subhymnialelemente können verlängert sein und sich zwischen die Basidien schieben; diese Hyphenenden (Elemente) bräunlich, spindelig, recht selten, z.B. 15 x 2,5 µm.
Cheilocystiden an der Schneide häufig und sehr heteromorph, 20-32 x 6-9,5 µm, spindelig, bauchig oder fast keulig, hyalin, dünn- ioder dickwandig.
Hyphen ohne Schnallen, inamyloid; Hymenophoraltrama bilateral; Mediostratum aus hyalinen Hyphen, die kaum gelatinös sind, 5-14 µm breit sind und fast parallel verlaufen und insgesamt 30-50 µm im Durchmesser (das Mediostratum).
Lateralstrata gelatinös, aus auswärtsgebogenen, schmaleren (bis 5 µm breit), hyalinen Hyphen mit längeren Zellen gebildet.
Subhymenium fast zellulär, einige Elemente nahe des Hymeniums bräunlich (Pigment häufig intraparietal), „his“ [das Wort kenne ich nicht im Lateinischen) 4-4,5 µm im Durchmesser.
Hutdeckschicht eine Cutis, kaum oder wenig gelatinös, aus fast parallelen, schnallenlosen, schmalen, aber häufig etwas bauchigen [bezieht sich wohl auf die Zellen] Hyphen aufgebaut. Diese 7-13 µm im Durchmesser.
Die den Hut bedeckenden Schüppchen auf der Hutdeckschicht aus aufsteigenden Hyphenbündeln gebildet; [Hyphen wohl ineinander verschlungen, denn ich verstehe den Zusammenhang mit „Fesseln“, catena, nicht]. Zellen dieser Hyphen verlängert, aber relativ dick (11-17 µm im Durchmesser).
Pigment überall und häufig intrazellulär,in den Vakuolen lokalisiert, seltener aber auch intraparietal (in der Zellwand) oder dünn inkurstierend, zimtfarben.
Auf Totholz, gerne an Eichen- und Erlenstrünken, rasig wachsend.

TYPUS Costa Rica, Heredia, Varblanes near
Hacienda "Tyrol," 11 VI 1984, Singer B 14615
(F).


Diese Art gehört zum Armillariella-mellea-Formenkreis und wurde bislang nur in der tropisch-montanen Zone Mittelamerikas beobachtet. Sie unterscheidet sich von Armillaria polymyces (Pers. ex Gray) Sing. & Clem. durch das blassere Sporenpulver, etwas kleinere Fruchtkörper, keine ausgepägte Ixocutis und die Form und Größe der Cheilocystiden.
Obwohl Romagnesis Schlüssel (Romagnesi 1983) zu Armillariella mellea führt, unterscheidet sich unsere Art von dieser durch einige Merkmale.
Armillariella borealis Marxmüller hat häufig Schnallen an den Basidien, größere Fruchtkörper und ein rein weißes Sporenpulver. Ockerliche bis gelbe Farben treten häufig auf der Hutoberfläche und am Stiel auf.


Liebe Grüße
Christoph
« Letzte Änderung: 20. Februar 2010, 19:36 von Christoph »
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

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Armillari(ell)a viridiflava - eine vergessene, europäische Art?
« Antwort #1 am: 20. Februar 2010, 16:08 »
Hallo zusammen,

im DGfM-Forum gab es mal eine Diskussion über Armillariella viridiflava: http://forum.dgfm-ev.de/board10-pilze/board1-wissenschaftliches-scientific-board/1109-armillaria-viridiflava-sing-literatur/

Dort wurde auf ein pdf aufmerksam gemacht, in welchem einige Neubeschreibungen und Kombinationen von Singer zu finden sind:

http://libsysdigi.library.uiuc.edu/oca/Books2007-11/newtaxanewcombin21sing/newtaxanewcombin21sing.pdf

Es lohnt sich, das mal durchzusehen, da hier auch europäische Arten beschrieben wurden.

Darunter auch Armillariella viridiflava, die Singer auf S. 12 dieser Publikation aus Spanien beschrieben hat, aber wohl in Europa nicht weiter beachtet wurde? Im Prinzip sieht sie aus wie eine typische Armillaria mellea - auch dank der ausspitzenden Stielbasis, hat aber unter anderem Schnallen an der Basidienbasis...

Singer hat sehr viel in Latein publiziert, insbesondere die Beschreibung dieser Art.

Ich hatte die Originaldiagnose übersetzt und möchte sie zur Information hier nochmal widergeben. Ich würde mich freuen, wenn Lateiner die Übersetzung kritisch überprüfen würden...


Armillariella viridiflava Sing., spec. nov.

Hut blass olivlich mit dunkel olivlicher Mitte; vollständig mit kleinsten Fasern besetzt, später mit olivlicher bis dunkeolivlicher, befaserter Hutmitte, ansonsten verkahlend und im äußeren Drittel oder bis zur Hälfte des Radius hygrophan, wodurch der außerste Hutrand häufig weiß erscheint. Hutrand (jung?) ca. 3-9 mmm weit gerieft, aber später ungerieft; beim Ausgetrocknet fast zimtfarben verfärbend, vollständig getrocknet aber Hutrand dunkel rotbraun („winterleaf“ M&P, aber dunkler), die Hutmitte dunkelbraun („autumn“ M&P), kaum schmierig; Hutmitte meist runzelig, konvex glockig, später (nur) konvex, gebuckelt, später fast abgeflacht, 30-64 mm im Durchmesser. Lamellen weiß, später gelblich und häufig an der Schneide rostig verfärbend, gedrängt, mittelmäßig breit, herbalaufend. Sporenpulver vor dem Austrocknen (also frisch…) blass creme (Romagnesi Ib oder IIa, getrocknet IIa oder IIb, das heißt gelblich). Stiel weiß, später weißlich oder goldgelb-weißlich (rutilus ist alles zwischen goldgelb und „rötlich-gelb“, also orangelich), bald darauf von der Stielbasis ausgehend in Richtung Stielspitze zimtfarben oder oliv-braun, getrocknet mehr oder weniger Kakao-farben („cacao“ M&P), Stieloberfläche wenig dicht mit Fasern besetzt; Stielspitze „sanft“ längsfurchig. Stiel fest, später ausgestopft, mehr oder weniger gleich dick oder (wenn dicht büschelig gewachsen) zur Basis hin dünn ausspitzend, 80-125 x 9-11,5 mm. Apikales Velum (= Teilvelum? Muss wohl so sein…) gut ausgebildet und dauerhaft, dicklich häutig, nahe der Stieloberfläche subcortiniform (= fast spinnwebartig), gelblich, selten weiß und häufig teilweise gelblich. Basalmyzel weiß. Rhizomorphen Schwarz, an der Stielbasis fehlend oder selten. Fleisch weiß, später im Stiel (im inneren Bereich des Stiels) braun, in den Lamellen und Ring beim Brechen/Drücken fleischfarben-bräunlich verfärbend; Fruchtkörper fleischig. Geruch schwach, kaum bemerkbar. Geschmack mild, aber nach längerem Kauen etwas bitterlich.adstringierend, später wieder mild. Sporen 6,2-8,5 x 4,5-5,5 (-6) µm, elliposid, unter Ölimmersion glatt, Wand bis zu 0,3 µm verdickt, inamyloid, hyalin, Sporeninhalt mit KOH gilbend.Hymenium: Basidien (16-) 21,8-31,8 x (6-) 6,7-9 (-10) µm, (2-)4-sporig oder völlig viersporig, manche bis zu 45 µm lang, an der Basis häufig mit Schnalle; Wand wenig bis deutlich verdickt, aber Sklerobasidienkaum gesehen. Cystiden fehlend (im Hymenium, also Pleurocystiden…); Cheilocystiden zahlreich (an der Schneide), vielgestaltig, (15-) 24 – 32 (-70) x (3-) 6-10 (-12) µm, vielgestaltig, aber sehr viele zylindrisch oder fusoid bis ventricos („mit Bauch“), einige schlauchförmig oder ampullenförmig, häufig kopfig, seltener „effilatus“ (Kenne das Wort nicht); sehr viele stumpf, dünnwandig, durchsichtig (hyalin) oder fast durchsichtig. Viele Basidien enthalten ein dichtes Plasma , aber mit einem oder zwei gefärbten Körperchen (Vakuole?); keine sekundären Transversalsepten werden an den Basidien eingezogen; wenn sporulierend, dann ist Basalschnalle häufig winzig. Hyphen ohne Schnallen, inamyloid, wenig (kaum) gelatinös. Hymophoraltrama subregulär-bilateral und mit gelatinösem Lateralstrata. Subhymenium fast zellig, kleinzellig. Huthaut aus einer gelatinösen schicht aufgebaut; in den Huthautfasern („oberflächlichen Fasern“) mit aufsteigenden Zellen (=Hyphen?), diese breiter; Pigment in KOH sehr schwach, ein klein wenig inkrustierend oder häufiger intrazellulär, orangbraun oder rotbräunlich. An Laubholzstümpfen, z.B. an Zistrosengewächsen oder Rosengewächsen, büschelig oder dicht rasig; Typus: Spanien, Katalonien, Berge nahe Tossa, 24.10.1979, Singer C 9601 (F).




Inwieweit der Goldgelbe Hallimasch auch mal Schnallen haben darf und wie die weiteren Unterschiede zu berwerten sind, möchte ich bewusst offen lassen. Auf alle Fälle finde ich es interessant, dass 1989 ein weiterer Hallimasch beschrieben wurde, dessen Name mir persönlich bis vor kurzem völlig unbekannt war.

Liebe Grüße
Christoph
« Letzte Änderung: 20. Februar 2010, 18:05 von Christoph »
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