Autor Thema: Pyrrhulomyces - eine neue Gattung für Pholiota astragalina  (Gelesen 129 mal)

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Offline Christoph

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Re: Pyrrhulomyces - eine neue Gattung für Pholiota astragalina
« Antwort #3 am: 24. Februar 2021, 01:24 »
Servus Werner,

immer gerne. Es freut mich, wenn ich mitbekomme, dass das gelesen wird. Dann lohnt sich das. Es kann ja nicht jeder alle Zeitschriften besitzen. Und viele kommen an die Mycologia nicht gut ran.

Schwefelkopfartiger Schwefelkopf ist schon nett als Name. Irgendwie auch schade *grins

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Werner E.

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Re: Pyrrhulomyces - eine neue Gattung für Pholiota astragalina
« Antwort #2 am: 21. Februar 2021, 22:44 »
GriasDi Christoph,
besten Dank dafür, dass Du uns immer über die neuesten Studien aufklärst. Hier, in dem Fall besonders interessant, da ich die Arten auch kenne.
Und Pholiota subochracea sieht ja auch tatsächlich nach einem Schwefelkopf aus. Gut, dass der früher verwendete Name Pholiota nemantolomoides vorher schon durch Ph. subochracea ersetzt wurde. "Schwefelkopfähnlicher Schwefelkopf" hätt sich jetzt schon doof angehört. 🙂
An liabn Gruaß,
Werner

Offline Christoph

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Pyrrhulomyces - eine neue Gattung für Pholiota astragalina
« Antwort #1 am: 20. Februar 2021, 02:09 »
Servus beinand,

erneut möchte ich ein Paper aus der Zeitschrift Mycologia vorstellen:

En-jing Tian & P. Brandon Matheny (2020): A phylogenetic assessment of
Pholiota and the new genus Pyrrhulomyces , Mycologia, DOI: 10.1080/00275514.2020.1816067


Die Gattung der Schüppliunge wurde näher angeschaut... Dabei hat sich zum Beispiel bestätigt, dass Flammula eine eigene Gattung ist, dass Kuehneromyces eben kein Schüppling ist (aber natürlich nah verwandt ist). Die Strophariaceae werden also immer besser bearbeitet.

Was auch herauskam: der auf Druck schwärzende, mehr wie ein Ziegelroter Schwefelkopf aussehende "Safran-Schüppling" "Pholiota astragalina" steht deutlich außerhalb der Gattung der Schüpplinge. Er bildet einen klar abgegrenzten Clade zusammen mit Stropharia s. str. und Hypholoma.

Spannend ist, dass "Pholiota" subochracea (= Pholiota nematoloides), der Schwefelkopf-Schüppling, hier im Stammbaum in der Gattung der Schwefelköpfe steht. Er sieht auch makroskopisch mehr nach Schwefelkopf aus als nach Schüppling.

Ich vermute, die Autoren haben die Art nicht rüberkombiniert, weil Schwefelköpfe mit den kleinen Satellitengattungen wie Bogbodia oder Phaeonematoloma mal genauer angesehen werden sollten. Und je nachdem, welche Gene zu einem Stammbaum zusammengefasst werden, ist die Position mal in und mal am Rand der Schwefelköpfe.

Ähnlich beim Safran-Schüppling... beim Multigenstammbaum steht er am Rand der Schwefelköpfe (basal zu den Schwefelköpfen bzw. könnte auch als teil davon angesehen werden, wenn man Schwefelköpfe etwas weiter fasst), bei weniger Genen und anderer Artenauswahl (breiter über die ganze Familie) deutlicher als eigene Gattung getrennt.

Daher wird für Pholiota astragalina und die neu beschriebene Pyrrhulomyces amariceps eben diese Gattung, Pyrrhulomyces beschrieben. P. amariceps ist eine "nordamerikansiche P. astragalina".

Nebenbei stellt sich heraus, dass Pholiota scabella mitten in den Träuschlingen steht. Die Autoren haben aber hier nicht nach Acanthocysten gesucht, diskutieren dies aber und erklären, dass diese im Myzel zu erwarten wären und danach gesucht werden solle/könne.

Wer weiter klassisch Pholiota im alten Sinn verwenden will, für den ändert sich nichts.

Ich selber hatte mal eine Kollektion des Safranschüpplings, die so sehr nach einen Ziegelroten Schwefelkopf aussah, dass ich sehr verdutzt war. Ich hatte damals den Fund mit Erhard Ludwig diskutiert - er hat ihn auch gemalt und in seinem Werk veröffentlicht und diskutiert. Damals fiel schon auf, dass bis auf etwas andere Sporenpulverfarbe (auch der Ziegelrote ist mehr braun- als schwarzsporig) und das Schwärzen eine Unterscheidung schwierig ist (o.k., Laub- vs, Nadelholz...). Dass die Art nun doch bei oder näher bei den Schwefelköpfen steht, bestätigt die Schwierigkeiten.

Und Pholiota subochracea war für mich immer "der Schwefelkopf, der keiner ist". Rein makroskopisch ist es einer (nur Sporenpulver braun). Sprich: Schwefelköpfe sind sporenfarbtechnisch als Gattung wohl varialber als angenommen. Der makroskopische Eindruck passt aber gut.

Nett ist auch die Etymology - ich zitiere aus dem Artikel:

Zitat
Etymology: Pyrrhulomyces (Greek, masculine), referring to the similar coloration exhibited by the Eurasian bullfinch (Pyrrhula pyrrhula), a bird species.

Zu deutsch: Gimpel bzw. Dompfaff - wegen dessen Farbe (der Rotton der Brust).

Was ich gut finde: jetzt sind praktisch nur noch die Arten Schüpplinge, die auch wie Schüpplinge aussehen. Glatthütige Arten fliegen alle raus. Das macht es dann doch einfacher, man muss nicht mehr die Ausnahmen erlernen, dafür müsste man sich ein paar Kleingattungen merken. Hier merke ich mir den Gimpel. ;-) In Nordamerika könnte ich vermutlich sagen: "Schau mal, der Bitterköpfige Gimpel" - irgendwie schon lustig, finde ich.  8)

Liebe Grüße,
Christoph
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