Autor Thema: Agaricus butyreburneus, A. bellaniae und A. kivuensis s.l. in Europa  (Gelesen 258 mal)

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Offline Christoph

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Agaricus butyreburneus, A. bellaniae und A. kivuensis s.l. in Europa
« Antwort #1 am: 17. Februar 2021, 00:04 »
Servus beinand, 

ganz aktuell wurde ein Artikel über 5 neue chinesische Egerlingsarten aus der Sektion Spissicaules veröffentlicht:

Zhi-Lin Ling, Jun-Liang Zhou, Luis A. Parra, André De Kese , Philippe Callac, Bin Cao, Mao-Qiang He & Rui-Lin Zhao (2021): Four new species of Agaricus subgenus Spissicaules from China, Mycologia, DOI: 10.1080/00275514.2020.185280

Wenn ich sowas sehe, lese ich das sofort, denn Egerlinge interessieren mich ja. Die Stammbäume, die zur Beschreibung neuer Arten aus China führen, sind ja oft auch für hiesige Arten interessant.

Und schon stolpere ich über einen Namen, dem ich bisher noch nicht begegnet bin: Agaricus butyreburneus. Eigentlich ist das ein Nordamerikaner (auch erst sehr aktuell beschrieben). Aber Agaricus abruptibulbus gibt es ja auch in Europa.

Nun, um nicht weiter auszuschweifen: der Stammbaum enthält auch eine Kollektion aus Frankreich. Die Art gehört in die Sektion Rarolentes im subgenus Spissicaules.

Ich wusste nicht, dass in Europa Vertreter der Sektion Rarolentes überhaupt vorkommen. Da ich die Art nicht kenne und auch kein Gefühl für die Sektion habe, sei gesagt, dass es ein sehr heller, weißer bis etwas am Scheitel gelblicher (elfgenbeinfarbener) Egerling ist, der weder an der Oberfläche noch im Fleisch auf Druck oder im Schnitt verfärbt. Kein Gilben, kein Röten. Mehr kann ich nicht sagen.

Ein weiterer Beifang des papers:
Agaricus bellaniae - auch ein Nordamerikaner - wurde ebenfalls aus Frankreich sequenziert. Die zugehörige Sektion muss erst noch beschrieben werden (auch im subgenus Spissicaules).

Und aller guten Dinge sind drei:
Ein "Agaricus spec.", der zusammen mit Agaricus kivuensis (aus Burundi!) clustert, wurde aus Frankreich sequenziert (sect. Amoeni).

Was bedeutet das?

Die Artenvielfalt der Egerlinge bei uns in "good old Europe" ist noch lange nicht ausreichend erforscht. Ich kann jetzt nicht sagen, ob sie Sequenzen z. B. aus Gewächshäusern oder aus dem Freiland stammen. Da müsste man bei GeneBank einzeln nachsehen.

Und egal, wo man bei Agaricus hinsieht - es werden laufend neue Arten beschrieben. Das subgen. Spissicaules ist mit aktuell 21 Arten weltweit aber noch recht übersichtlich. Wenn ich da an die Minores denke...

Liebe Grüße,
Christoph


Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)