Autor Thema: Korallen an Buchenstreu :Phaeoclavulina/ Ramaria decurrens? -> Ramaria stricta  (Gelesen 367 mal)

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Offline abeja

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Hallo Josef,
besten Dank für deine Mühe!

Das Ergebnis hatte ich ja bereits "befürchtet"  :)  - aber so ist ja noch mehr Sicherheit und Information dabei herausgekommen. Jedenfalls hat es auch dazu geführt, dass ich mir diese Art makroskopisch noch mal sehr intensiv angeschaut habe und nun auch die Entwicklungsstadien besser kenne (und weiß, dass sie kein dickes festes Holz "braucht".)

FG, abeja

Offline Josef

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Hallo abeja,

besten Dank für das Material, dass gut angekommen ist.

Das ist Ramaria stricta.

Wie schon Christoph geschrieben hat, sind die dicken Rhizomorphen ein gutes Zeichen für die Arten der Untergattung Lentoramaria. Bei einem Schnitt der Rhizomorphen sieht man auch gleich die Skeletthyphen, welche die Rhizomorphen ummanteln und die uns zu R. stricta führen.

Natürlich gibt es noch ein paar wenige weitere Arten mit Skeletthyphen in den Rhizomorphen, manchmal auch zusätzlich in den Ästen wie bei R. gracilis.

Skeletthyphen nur in den Rhizomorphen (in Europa)
Ramaria canobrunnea Schild 2003
Ramaria fagicola R.H. Petersen 1975
Ramaria stricta var. stricta (Fr.) Quél. 1888

Herzliche Grüße, Josef

Offline abeja

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Hallo Christoph,

genau!  :) Inzwischen habe ich mir aber "fest vorgenommen", mich von Ramaria stricta nicht mehr hinters Licht führen zu lassen.
Diese Woche sah ich wieder eine ganze Gruppe, an einem ehemaligen Holzlagerplatz (kenne den Ort, jetzt lagert aber kein Holz, es ist auch wenig Restholz sichtbar.)
Dieses Mal waren die Korallen ausgewachsen, sehr gerade und ziemlich hoch (bis 10 cm), sie waren kaum gelblich, mit bräunlichen Spitzen, "fetten" Rhizomorphen.
Und wieder waren sie ganz überwiegend nicht an sichtbarem Holz gewachsen. Ich habe aber gegraben, Rhizomorph an Blatt herum an Buchecker herum an ganz morschem faserigen kleinen Holzstückchen.

Das Pröbchen des sehr reifen Fruchtkörpers wurde dann auch etwas rot-braun beim Verletzen und reagierte auch mit KOH, auf der Außenseite deutlicher als im Fleisch.

FG, abeja

Offline Christoph

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Servus abeja,

manchmal wachsen auch mehrere Arten nah beinander.

Schaun mer mal, was Josef anhand der Belege rausbekommt. Ich bin schon gespannt.

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: Ramaria stricta wäre leicht an den Skeletthyphen der Rhizomorphenperipherie bestimmbar, wenn sie mal makroskopisch unklar sind. Die dicken, rein weiße Rhizomorphen sind aber meist auffällig. Vor kurzem hatte ich aber auch eine Ramaria, von der ich dachte, sie sei "was besseres", war dann aber auch nur Ramaria stricta. Die Fruchtkörper sind irgendwie doch variabel. ;-)
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline abeja

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Hallo Josef und alle anderen,

die Korallen von letzter Woche habe ich heute versendet.
Aber ich glaube, das war gar nicht notwendig.
Ich befürchte, es ist doch nur was ganz Simples...

Und jetzt wird es peinlich (für mich)  :-[:
ich war heute noch mal in dem Wald und habe die Korallen auch wieder gefunden. Nun hatte ich aber auf Anhieb welche, die eindeutig mit ihrem Mycel und ihren Rhizomorphen an Holz saßen.
Manche schienen nicht auf Holz zu wachsen, sondern auf Bucheckern und Blättern. Wenn man die langen Rhizopmorphen aber weiter verfolgte, fand sich doch ein winziges, oft sehr morsches Holzstückchen.
Ich gehe inzwischen davon aus, dass das einfach ganz junge Ramaria stricta sein könnten.
Dazu würde auch Geruch und Geschmack und die sehr blasse gelbliche Farbe passen, die rasch entfärbt.
Was nicht dazu passt: ich konnte keine eindeutige rotbraune Verfärbung bei Verletzung feststellen und keine eindeutige Färbung mit KOH (allerhöchstens minimal, aber in dem Bereich, wo man sich das auch einbilden kann.)

FG, abeja

Und noch zwei Bilder von heute, junge Fruchtkörper auf Holz ansitzend

Offline abeja

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Hallo Hias,
vielen Dank für den Vergleich.
Ja, das sieht schon ein bisschen anders aus. Die Pilze wirken gelber und sind bei der gleichen Dicke der Verzweigungen höher gewachsen, dadurch wirken sie insgesamt filigraner.
Meine Pilze waren - glaube ich - ganz frisch gewachsen, zwischendurch kamen ganz kleine Fruchtkörperchen nach. "Untenherum" sieht es aber wieder sehr ähnlich aus.
Mit KOH färbte sich bei mir nichts, was ich als orangefarben bezeichnen könnte.

Hallo Josef,
vielen Dank für das Angebot, das mache ich sehr gerne!
Das wäre ja toll, wenn der Pilz seinen Namen bekommt und man mit Hias' Pilz auch noch abgleichen kann.
Der getrocknete Fruchtkörper ist sehr brüchig (heute noch mal angeschaut) - ich glaube, ich muss den in ein Döschen packen. Am Freitag werde ich ihn voraussichtlich versenden.

FG, abeja

Offline Josef

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Hallo Abeja,

das könnte ohne weiteres Ramaria decurrens sein und ich würde mir gerne deine Aufsammlung ansehen.
Es ist richtig, dass R. decurrens bislang selten in Deutschland ist und ich habe wenige Funde gesehen.

Ich unterscheide weiterhin die Arten aus der Untergattung Asterospora als Ramaria und die mit meist 2-sporigen Basidien und großen Sporen (wie z.B. Ph. broomei) als Phaeoclavulina. Eine genaue Überarbeitung der stachelsporigen Arten muss aber noch erfolgen.

Der Hinweis von Hias, mit seiner guten Untersuchung zeigt für mich  - wie Hias schon bestimmt - R. decurrens. Auch dieses Material würde ich gerne studieren. Hias ich melde mich bei dir.

Also Abeja, wenn du mir dein Material senden möchtest, hier meine Adresse.
Josef Maria Christan
Wiesbachhornstraße 8
81825 München

Herzliche Grüße, Josef

Offline Hias

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Servus Abeja,

ich hatte letztes Jahr in einem ähnlichen Biotop R. decurrens. Makroskopisch sahen sie etwas anders aus, aber du kannst ja mal vergleichen:

http://www.interhias.de/schwammerlseiten/bestimmungen/2019/gomphales/gomphales.html#ank3

Grüße
Hias

Offline abeja

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Hallo allerseits,
letzten Freitag habe ich im Wald zwischen Lörrach und Rheinfelden, Mischwald auf Kalk, ca. 400m NN, bei Buchen diese Korallen entdeckt.
Das Übersichtsbild zeigt ungefähr die Hälfte der Fruchtkörper.
Ich weiß, dass makroskopisch normalerweise bei Korallen nicht viel geht, aber vielleicht kann man das trotzdem etwas eingrenzen.
Ein Exsikkat inkl. Rhizomorphen liegt vor.

Die Fruchtkörper waren in einem sehr blassen Gelb, hatten ein weißliches flauschiges Mycel und saßen mit langen weißen Rhizomorphen direkt an Buchenblättern oder Bucheckern.
Die zarten Spitzen neigten nach dem Transport zum Bräunen, die Farbe blich noch etwas mehr aus, an der Basis wurde sie leicht rötlich-bräunlich,
beim Ankratzen oder im hellen Fleisch gab es keine deutliche Farbveränderung, eine leicht verzögerte Bräunung vielleicht.
Mit KOH keine Reaktion, mit Fe-II-Sulfat auf der Außenfläche sofortiges dunkles Grau-Grün.

Geruch (frisch und feucht): herb-würzig mit einer etwas stechenden Spitzennote, angetrocknet kaum Geruch wahrnehmbar
Geschmack (frisch und feucht): deutlich adstringierend-bitterlich
Sporenpulver: blasses Braun

Mit FoTE komme ich per Beschreibung von Fruchtkörpern und Habitat + Bildvergleich auf Phaeoclavulina decurrens (Ramaria decurrens).
Das soll in Deutschland ein sehr seltener Pilz sein ::)   :o
Wäre das eine Möglichkeit oder gibt es viel bessere Alternativen?

FG, abeja

Die Bilder auf dem Teller (weißer Dessertteller) sind abends bei Kunstlicht und automatischem Weißabgleich entstanden und nach besten Wissen und Gewissen bearbeitet (aufgehellt).
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2020, 23:09 von abeja »