Autor Thema: Fund eines Schiefen Birkenpilzes (Leccinum Schistophilum)?  (Gelesen 168 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Hara

  • Beiträge: 2
Re: Fund eines Schiefen Birkenpilzes (Leccinum Schistophilum)?
« Antwort #3 am: 16. Juli 2020, 15:59 »
Vielen Dank für die ausführliche Antwort Christoph!

Ich dachte, dass sich das "Schiefer"auf den gekrümmten Stiel bezieht.  ;D So kann man sich irren. Aber ich kann definitiv ein Schiefer-Vorkommen bei uns ausschließen. Pappeln waren ebenfalls keine vorhanden, weswegen ich duriusculum gleich ausgeschlossen habe.
Bislang habe ich nur den gemeinen Birkenpilz, den Wollstieligen Raufußröhrling und diverse Rotkappen bei mir finden können, weshalb ich gleich beim wollstieligen war. Jedoch habe ich mir die Raufüße noch nicht so genau angesehen, weil ich gar nicht wusste wie vielfältig sie sind. Damit fange ich erst jetzt an.
Ich hoffe noch mehr seltene Arten unter diesen finden zu können, da es viele gute Raufußvorkommen in meinem Heidegebiet gibt.
Ich werde dich auf jeden Fall auf dem laufenden halten, was ich noch so finden kann und frage hier gerne nochmal nach, wenn ich mir nicht ganz sicher bin oder ich etwas besonderes gefunden habe.
Ich freue mich, falls meine Fundmeldung dazu beiträgt, noch mehr über diesen Pilz und sein Vorkommen zu erfahren.
Wenn ich nochmal ein Exemplar finden sollte bewahre ich diesen auf jeden Fall auf. Jedoch habe ich kein Mikroskop zur eindeutigen Indentifizierung. Würde es etwas bringen, wenn ich dir evtl. ein getrocknetes Exemplar zuschicke?

Liebe Grüße Michael

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.356
  • Präsident
    • BMG e.V.
Re: Fund eines Schiefen Birkenpilzes (Leccinum Schistophilum)?
« Antwort #2 am: 16. Juli 2020, 15:35 »
Lieber Hara,

erstmal herzlich willkommen hier im Forum. Du bist natürlich gerne dazu eingeladen, auch weiterhin hier mitzumachen (das Forum beschränkt sich nicht auf Bayern, nordfriesische Pilze sind hier auch sehr von Interesse).

Zu dem Raufuß - der deutsche Name ist eigentlich der Schiefer-Raufuß. das Epitheton schistophilum heißt schieferliebend, denn der Pilz wächst normalerweise auf sehr flachgründigen Böden wie z. B. Abraumhalden oder eben über Schiefergestein (von da ist der Holotypus). Es scheint aber zu sein, dass die ökologische A,plitude größer ist. So habe ich auch von Funden aus Mooren gehört. Manchmal wird die Art auch mit Leccinum palustre synonymisiert, was ich nicht wirklich glauben kann. Daraus folgend wurde dann die kologie der Art z. B. von den Bakker falsch definiert, nämlich nur noch als Moorart, obwohl der Holotypus eben aus einem Extremhabitat (Schiefergestein, kaum Humus, sehr trocken) stammt.

Wie auch immer - erstmal zu deinem Pilz.

Es passt sehr viel zu Leccinum schistophilum. Die Huthaut erscheint fein areoliert einzureißen, das Fleisch verfärbt erst rosa, dann graulich, die Stielbasis zeigt außen türkisblaue Flecken, die Stielschuppen passen und es ist kein allzu großer Pilz.

Sehr ähnlich ist makroskopisch Leccinum duriusculum, der aber im Fleisch dunkler verfärbt und gerne kräftiger ist. Er zeigt aber auch gerne eine feinfeldrig aufreißende Huthaut. Abgesehen von der Fleischverfärbung käme dieser Pilz nur bei Pappeln vor und unterscheidet sich im Zweifelsfall mikroskopisch.

Andere Arten, die rosa und dann grau verfärben sind Leccinum roseofractum und Leccinum pulchrum. Ersteren kenne ich nur dunkelhütig und zudem mehr glatthütig und natürlich mit schwarzen Stielschuppen und ohne Grüntöne in der Stielbasis. Das passt also nicht. Leccinum pulchrum hätte eine freudig braune Huthaut mit hellen Flecken (und sie ist auch glatt). Auch hier wären die Schuppen dunkel und kein Grün in der Stielbasis.
Leccinum rotundifoliae s.str. wäre auch makroskopisch ähnlich, verfärbt aber auch nicht blaugrün in der Stielbasis. Hier findest du schöne Abbildungen: http://docplayer.se/69325911-Svensk-mykologisk-tidskrift-volym-36-nummer.html
(Umschlagseite und in der Zeitschrift - die lohnt soch eh, weil dort viele aktische-alpine Arten gezeigt werden)
Zudem wächst Leccinum rotundifoliae nur bei Zwergbirken (Betula nana und Betula rotundifolium) in der Arktis. Die Identität eines Teils der ITS mit der von Leccinum pulchrum reicht nicht für eine Synonymisierung (ich schreibe das nur, weil viele alles von den Bakker blind übernehmen).

Insofern finde ich jetzt makroskopisch nichts, was gegen deine Bestimmung spräche. Nur das Habitat ist für mich überraschend. Ich kenne aber auch nur zwei Kollektionen aus eigener Anschauung. Eine aus Chemnitz (habe ich zusammen mit Peter Welt publiziert) und eine aus Thüringen an der Grenze zu Sachsen von einer Tagebauabraumhalde. Für mich ist die Art daher auch sehr selten, wobei hier bei mir im Süden keine passenden Habitate sind. Ich denke, dass in den Tagebauregionen Ostdeutschlands viele Fundstellen vorliegen müssten.

Um ganz sicherzugehen, solltest du aber unbedingt einen Beleg machen, sprich die Kollektion trockn en (wegen Sporenmaßen usw.).

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Hara

  • Beiträge: 2
Fund eines Schiefen Birkenpilzes (Leccinum Schistophilum)?
« Antwort #1 am: 15. Juli 2020, 20:23 »
Hallo Liebe Pilzfreunde,
ersteinmal vielen Dank für die Aufnahme!
Mir wurde dieses Forum empfohlen, als ich versucht habe einen Raufußröhrling zu bestimmen, den ich für den Wollstieligen Raufußröhrling hielt.
Dieser wuchs aber direkt aus der sandigen Erde heraus, verfärbte sich beim Anschnitt leicht rosa, blaute nur ganz schwach an der Stielbasis, hatte einen ganz krummen Stiel und eine verkürtzte Huthaut, die ganz feine Schuppen aufwieß.
Er wuchs auf einem Erdwall in einer Moor/Heidelandschaft zwischen Großen Fichten, Eichen und kleinen Birken. Er roch angenehm pilzig und eine Kostprobe viel angenehm mild aus.
Ich würde mich rießig freuen, wenn ich tatsächlich einen so seltenen Pilz in meinem Gebiet (Nordfriesland) nachweisen könnte.