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Verdacht auf Agaricus osecanus ... oder doch A. arvensis?

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abeja:
Hallo Christoph,
vielen Dank für deinen Kommentar   :).
Ja, die Champignons ... Es war ja auch wieder nur so ein Versuch von mir, mich der Sache so weit wie möglich makroskopisch anzunähern (keine Sporenmaße).
Ich denke - wenn das Gilben so viel deutlicher ist (vor allem jetzt beim getrockneten Pilz sehr deutlich), dann lege ich ihn als Agaricus cf. arvensis ab.

FG, abeja

Christoph:
Liebe abeja,

irgendwie traut sich niemand recht, zu antworten?! Champignons hat aber auch der Teufel gesehen... Wenn man nach Parra geht (die aktuelle Monographie), dann kann man Anisegerlinge fast nur noch per DNA bestimmen. Egal ob die großen oder die kleinen Arten. Ausnahmen sind eben z. B. Agaricus urinascens, der ja auffallend große Spore hat. Ob die intensivere Schaefferreaktion hundertprozentig ist, weiß ich nicht.

Was ich als Agaricus osecanus angesprochen hatte, ist nicht genetisch geprüft. Den Beleg habe ich aber natürlich noch. Ich bin da icht nach Parra gegangen, sondern  nach den bisherigen, klassischen Merkmalen, die herangezogen wurden - eben das sehr schwache Gilben als ein Beispiel. Und der Standort - nicht mitten auf einer Wiese, sondern am Waldrand und von dort ein bisserl in die Wiese gehend, aber zumindest im Halbschatten.

Müsste ich raten, würde ich bei deinem deutlicher gilbenden Egerling auf Agaricus arvensis tippen. Passen denn die Sporenmaße dazu? Um sicher zu sein, wird man aber wohl sequenzieren müssen (bis dann vielleicht doch irgendein riffiges Merkmal gefunden wird, das man vorher übersehen hatte).

Liebe Grüße,
Christoph

abeja:
Hallo allerseits,

letzte Woche habe ich eine Gruppe Egerlinge gefunden und ich denke, es könnte eventuell Agaricus osecanus (nivescens) sein ... oder doch A. arvensis.
Das ist jetzt wieder nur eine makroskopische Annäherung aber inkl. chemischer Tests   :D
... da habe ich gerade ein bisschen aufgestockt.

Ca. 10 Exemplare habe ich gefunden am 15.06.2020 auf einem "Straßenbegleitstreifen" mit Rasen unter einer Kiefer, Innenstadt Lörrach Nähe Berliner Platz (Bodenverhältsnisse unklar).
Die Pilze waren bis auf 1-2 Exemplare noch nicht voll entwickelt, die größten Fruchtkörper hatten ca. 8, höchstens 10 cm Hutdurchmesser.
Das Übersichtsbild ist leicht überbelichtet, die Pilze erschienen aber tatsächlich ziemlich weiß.
Von Nahem waren sie etwas bräunlich-gelblich verfärbt an manchen Stellen, sogar leicht schorfig aufgesprungen auf der Huthaut.

Der Ring war hängend und mit Zahnradkranz (wo sich nichts Besonderes farblich hervortat), am unteren Stielende waren ein paar Schüppchen - also Reste vom Velum universale. Sowohl die Velumreste an der Ringunterseite als auch diese Schüppchen bräunten bei Lagerung.
Durch Ankratzen des Stieles konnte ich eine miminale Gilbung sehen, im Schnitt gilbten die Pilze nicht oder kaum, das Fleisch in der Stielbasis zeigte eine leichte Bräunung.
Nach einem Tag Lagerung waren die Hüte doch insgesamt etwas gelblicher geworden, jedoch nicht die Schnittflächen. Die Schnittflächen verfärbten sich erst ein wenig bei der Trocknung - einen halben Pilz habe ich getrocknet.

Lamellen jung sehr blass, eher grau, dann bräunend, dabei kaum rötliche Töne.

Geruch:
MINIMAL nach Anis im frischen Zustand + ein etwas unangenehmerer Geruch in der Stielbasis (besonders beim älteren Pilz).
Beide Gerüche verflogen bei 1 Tag Lagerung in einer Box im Kühlschrank. Es war kein "besonderer" Geruch mehr herauszukitzeln, sehr neutral "pilzig", aber deutlich schwächer als der Geruch von Kulturchampignons.

Wegen des leichten Gilbens und des leichten Anisgeruchs vermutete ich einen der Egerlinge um Agaricus arvensis herum.
Man glaubt es vielleicht nicht, aber ich habe noch nie Schaf-Champignons gefunden. Daher weiß ich gar nicht, wie ausgeprägt dort das Gilben ist und wie stark der Anisgeruch bzw. -geschmack ist. Ich kenne nur die Anisegerlinge aus dem Wald, also Agaricus essetei/silvicola und diese riechen 3-mal so stark, mindestens.

Der Geruch war so schwach, dass ich ihn mir auch "eingebildet" haben könnte.
Zusammen mit der "komischen" Gilbung hielt ich sogar Karbol-Egerlinge für möglich.

Mit KOH ergab sich eine positive Reaktion:
auf der Huthaut eine "zitronige" Verfärbung, auf dem Stiel oben eher gelb-orange, am kräftigsten war die Reaktion an der Stielbasis außen, im Hutfleisch oder Stielfleisch gab es kaum eine Reaktion.

Die Schäffer-Reaktion war positiv, :
orange, sowohl auf der Huthaut als auch auf der Stielrinde.
Damit sind die Karbolegerlinge ja ausgeschlossen und durch die orange Reaktion (und nicht rot) am Stiel auch wohl Agaricus urinascens.

Ich habe natürlich den Beitrag von Christoph zu Agaricus osecanus gelesen und damit verglichen. Rein makroskopisch ist das sehr ähnlich, meine ich - nur sind meine Pilze kleiner und sie gilben beim Lagern doch etwas stärker.

Was meinen die Champignonologen zu meinem Fund?
Wenn es etwas "Interessantes" sein könnte ... ein Pröbchen wäre vorhanden.

FG, abeja


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