Autor Thema: Leptosphaeria cf. acuta an Brennessel  (Gelesen 598 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.385
  • Präsident
    • BMG e.V.
Re: Leptosphaeria cf. acuta an Brennessel
« Antwort #5 am: 31. Mai 2020, 16:22 »
Lieber Dirk,

sorry für die späte Reaktion - das sieht sehr nach Phoma acuta aus (wüsste nichts, was dagegen spricht), also die Nebenfruchtform von Leptosphaeria doliolum.

Nach der aktuellen Nomenklatur ist der Name Phoma acuta obsolet und man sollte nur noch schreiben:

Leptosphaeria doliolum (als Nebefruchtform).

Vielleicht findest du später im Jahr auch noch die Hauptfruchtform  :)

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Jonny70

  • Beiträge: 9
Re: Leptosphaeria cf. acuta an Brennessel
« Antwort #4 am: 24. April 2020, 13:39 »
Hallo Christoph,

von deinem Beitrag angeregt, bin ich direkt los und habe im hauseigenen Brennesselbestand ein paar getrocknete vorjährige Stängel mit kleinen schwarzen Punkten mitgenommen und rehydriert. Leider ist bis jetzt keine Lepthoshaeria in anamorpher Form aufgetaucht.

Nach deinen Erklärungen unten und der Beschreibung von:
"Phoma Piskorzii (Petrak) comb. nov., the anamorph of Leptosphaeria acuta (Fuckel) P. Karst."

Müsste es sich ja dann um "Pyknidien" von Phoma_acuta spp. acuta (Hoffmann) , der Nebenfruchtform von Leptosphaeria_doliolum handeln.




Konidiosporen:  [95% • 14 •• v • Kongo SDS] = 3,8 - 4,6 - 5,4  x  1,3 - 1,8 - 2,3 µm




Herzliche Grüße und bleibt Gesund
Dirk




« Letzte Änderung: 24. April 2020, 13:52 von Jonny70 »

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.385
  • Präsident
    • BMG e.V.
Re: Leptosphaeria cf. acuta an Brennessel
« Antwort #3 am: 18. April 2020, 21:44 »
Servus Felli,

Alain Gardiennet hat die Bestimmung ebenfalls bestätigt. Bleibt die Frage, was L. acuta sensu Müller (1950) ist. Es fehlen hier ja noch die Sequenzdaten und es wird sich noch zeigen, ob L. acuta eine sehr variabble Art ist oder ob es sich um ein Aggregat handelt. Insofern ist Pilze der Schweiz für mich nur ein "sensu", also Leptosphaeria acuta ss. Breitenbach & Kränzlin.

Ich war neugierig, ob es bereits irgendwo eine moderne Überarbeitung gibt. Zumal im selben Form (Ascofrance) eine Kollektion an Brennessel als zwefeilhaft angesehen wurde:
http://ascofrance.fr/search_forum/36442
Ich zitiere: "... pense que podria ser otra Leptosphaeria u otro genero afin, ya que no la habia cogido con esporas mayores de 50 micras, y en este caso llegan a 70 micras..."

Es gibt also offenbar zwei unterschiedliche Konzepte: Sporen eher kurz, unter 50 µm und Sporen lang, bis zu 70 µm.

Im alten Standardwerk wird die kurzsporige "Variante" als Leptosphaeria acuta angesehen, in jüngeren Publikationen die langsporige?!

Man muss also warten, bis anhand des Typusmaterials rauskommt, wer recht hat bzw. was Sache ist. Eine variable Art oder zwei Arten, die mikroskopisch trennbar sind (oder am Ende zig Arten, die nur genetisch gehen?! Kam ja alles schon vor).

Jedenfalls werde ich es als Leptosphaeria acuta ss. B&K abspeichern (das Paper von Holm habe ich nicht).

Ich finde es spannend, dass selbst bei so einem Allerweltspilz wie L. acuta noch Unsicherheit besteht.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Felli

  • Beiträge: 138
Re: Leptosphaeria cf. acuta an Brennessel
« Antwort #2 am: 18. April 2020, 18:37 »
Servus Christoph,
L. acuta darf sogar nach PDS bis 13 Septen haben ;D

Auch bei meinen Aufsammlungen hab ich 12 und mehr Septen gesehen.
Ich denke bei langsamer Reife der Sporen bzw. bei Überreife bilden sich sich oft mehr Septen und schnüren auch ein wenig ein.
Das kann man auch manchmal bei den Trichoglossums erkennen.
Also ich denke, dass das eine normale L. acuta ist
Grüße
Felli

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.385
  • Präsident
    • BMG e.V.
Leptosphaeria cf. acuta an Brennessel
« Antwort #1 am: 18. April 2020, 02:26 »
Servus beinand,

bei der aktuellen Trockenheit freut man sich ja quasi über alles. Aus diesem Grund habe ich mich zunächst hier bei mir in Mammendorf nach einem trockenen, vorjährigen Urtica-Stängel (Urtica dioica var. longifolia) gebückt, weil auf ihm eine noch (zu) junge Aporhytisma urticae zu sehen war. Und siehe da, die Stängelbasis zeigt viele, winzige, schwarze Punkte.

Die Punkte waren so klein, dass ich an eine Phoma dachte. Also mal mitnehmen, schaden kann's nicht und soooviel gibt's im Moment eh nicht zum Mikroskopieren. Ich hatte auf Phoma acuta gehofft (nein, das ist eben nicht die Nebenfruchtform von Leptosphaeria acuta, auch wenn das in vielen Büchern, Foren und Websites - auch bei den Ehingern - so steht). Denn dann wüsste ich, dass ich im Herbst nochmal nach den Stängeln sehen sollte, um Leptosphaeris doliolum zu finden (ist der Gattungstypus und wächst an Brennessel - Phoma acuta ist dessen Nebenfruchtform).
Oder es könnte Phoma piskorzii sein (das ist die Nebenfruchtform von Leptosphaeria acuta! Hat deutlich größere Konidien als Phoma acuta).

Ja, ich weiß, one fungus - one name. Aber wenn man sowas wie Phoma acuta schreibt, ist klar, was gemeint ist...

Nun, umso mehr war ich überrascht, als ich dann im Mikroskop haufenweise Asci (reif) und Sporen fand. Und siehe da, die Sporen ähneln sehr denen von "Leptosphaeria" acuta (die Anführungszeichen, weil es sicher keine Leptosphaeria i.e.S. ist - die Gattung wird ja jetzt komplett zerlegt. Gerüchteweise wird sie eventuell Plenodomus acutus heißen, aber da passen die Sporen auch nicht wirklich?!). Naja, egal, jedenfalls sieht es im Mikroskop sehr nach Leptospharia acuta aus.


Perithecien im Wirtsgewebe - nur die Spitzen ragen aus dem Gewebe hervor. Im Schnitt die typische Form - denkt man sich das helle Gewebe weg, passt es makroskopisch.


Mikromerkmale - "d" in Lugol; man sieht, dass die Perithecienwand ca. 30 µm dick ist. Das - wie auch die Excipulumstruktur - passt zu Leptosphaeria acuta.

Ich kenne die Art zwar nur aufsitzend und meine dann, mit der Lupe schon eine Vorbestimmung machen zu können, aber sie entwickeln sich erst unter der äußersten Schicht des Stängels und sprengen den dann ab. Insofern wären meine Leptosphaerien "frühreif". Kann passieren, vielleicht wegen der Trockenheit - der Wirt als Schutzgewebe vor dem Austrocknen?

Ich habe aber dennoch Zweifel an der Bestimmung. Die Sporen hatten 9-12 Septen, einmal sogar 13 Septen. Das ist nach klassischem Konzept (z. B. Müller 1950 - seine Promotion über Leptosphaeria) zu viel. Zudem meint Müller (1950), dass die Septen nicht eingeschnürt sein sollen, was sie bei meiner Kollektion sind. Das excipulum soll in Lugol rot werden, was meine Kollektion nicht macht.

Müller (1950, S. 301-302) gibt an:

Sporenmaße: 36-50 x 5-6 µm, bis zu maximal 10 Septen, an den Septen nicht (!) eingeschnürt.
Asci 130-140 x 10 µm

Meine Kollektion:
Sporenmaße 50,5-56-62 x 6,75-7,2-7,75 µm, häufig bis 12 Septen, einmal 13, an den Septen deutlich eingeschnürt, vor allem am Mittelseptum
Asci bis 160 x 13

Die Sporen sind schom auffällig - sie fangen in der Länge und der Breite erst da an, wo die Angaben von Müller enden.

Da ich in der Literatur sonst nichts gefunden habe, habe ich parallel im Forum Ascofrance den Pilz eingestellt. ich bin gespannt, was dort erwiedert wird. Falls es was zu berichten gibt, werde ich hier natürlich updaten. Oder ihr schaut den Thread dort direkt an: http://www.ascofrance.fr/forum?page=1&id=62741

Liebe Grüße,
Christoph

« Letzte Änderung: 18. April 2020, 02:29 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)