Autor Thema: Butyriboletus spec.  (Gelesen 98 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline Renate

  • Beiträge: 86
Re: Butyriboletus spec.
« Antwort #3 am: 30. Juli 2019, 09:59 »
Guten Morgen Christoph,

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Du verwirrst mich da nicht noch mehr, sondern hilfst einzelne Fäden aufzudröseln.

Und da hab ich auch schon die nächsten Frage:

Ist die makroskopische Netzstruktur bestimmungsrelevant?

Pilz 1 hat oben ein engmaschiges Netz, das zu Basis hin zu einem langgezogenem Netz wird bis fast  „gerieft“.

Pilz 2 und 3 haben ein anderes Netz. Der kleinere geht oben fast in die Röhren über, der größere ist dann schon ausgebuchtet und hat oben in den ersten „Reihen“ ein eher langgestrecktes Netz. Aber beide haben soweit erkennbar bis zur Basis, die in der Erde war, ein engmaschiges Netz, also nicht gestreckt. Den unterschiedlichen Ansatz an der Stielspitze habe ich mir mit dem Wachstum der Pilze erklärt.

Die Beobachtung habe ich letztes Jahr schon gemacht, dass es in der Ausprägung des Netzes diese Unterschiede gibt. Aber bis jetzt kann ich mir das keiner Butyriboletus Art eindeutig zuordnen, weil ich letztes Jahr nur nach Gattung bestimmte. Die mir zur Verfügung stehende Literatur gibt da nichts her.

Liebe Grüße
Renate


Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.260
  • Präsident
    • BMG e.V.
Re: Butyriboletus spec.
« Antwort #2 am: 29. Juli 2019, 20:55 »
Liebe Renate,

in der Gattung Butyriboletus muss man mit den Sporenmaßen vorsichtig sein. Man braucht alte, ausgewachsene Fruchtkörper, um diese richtig zu interpretieren. Meine eigenen Beobachtungen bei B. subappendiculatus sind wie folgt: junge Sporen erreichen zwar die normale Sporenbreite, sind aber noch zu kurz. Bei alten Fruchtkörpern findet man dann auch sehr lange Sporen. Ich hatte mal einen alten Schlappen, deessen Quotient bis zu 4,4 hoch reichte (Unterkante 3,0). Bei jungen Fruchtkörpern kann der Quotient zu klein ausfallen. B. subappendiculatus hat sehr alt auch gerne rostorangerote Poren, woran man ihn dann erkenne kann. Ich will damit sagen, dass man am besten eine Kollektion braucht und nicht nur einen Einzelfruchtkörper (wenn der zu jung ist).

Pilz 1 ist sehr wahrscheinlich zu jung (was die Soporen betrifft).

Pilz 2 sieht zwar richtig groß aus, aber die Röhren sehen noch hell gelb aus. Wenn sie richtig oliv sind, dann ist er voll reif.

Pilze 3 und 4 sehen schon wieder sehr jung aus.

Pilze 3 zeigt das typische, weiße Fleisch in der Stielmitte und Pilz 4 ist ja richtig hell im Fleisch. Bei den beiden hätte ich keinen Zweifel daran, dass es B. subappendiculatus ist. Der darf auch etwas blauen.

Pilz 1 ist im Fleisch irgendwie zu gelb - aber B. appendiculatus s.str. sollte langsam, aber dann doch deutlich blauen.  Wäre er stärker angelaufen, hätte ich eher B. appendiculatus vermutet (bin da aber unsicher).

Pilz 2 sieht nach B. subappendiculatus aus, aber das Fleisch kann ich nicht sehen.

Ich hoffe, ich habe mehr geholfen als verwirrt ;-).

Liebe Grüße,
Christoph



Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Renate

  • Beiträge: 86
Butyriboletus spec.
« Antwort #1 am: 29. Juli 2019, 20:10 »
Guten Abend,

am 20.07.2019 fand eine Kartierungsexkursion der AMIS im Aichbachtal bei Simbach a. Inn statt.
Es hatte eine Woche zuvor geregnet und so hatten wir Glück und es gab einige Pilze zu finden. Darunter auch von meinen Wunschpilzen: einige Butyriboletus. Jetzt ist es so, dass der Pilz, den ich mitgenommen habe und die Pilze, die ich 4 Tage später fand, leider keine Fachliteratur gelesen haben. Die Funde verteilen sich auf mehrere Stellen, so dass durchaus mehrere Arten in Frage kommen.

Vorneweg: im Aichbachtal wechseln sich kalkhaltiger und saurer Boden kleinräumig ab. Alte Fichten stehen neben alten Buchen und reine Fichtenwälder grenzen kleinräumig an alte Laubmischwälder, für die Abgrenzung nach Bodenbeschaffenheit oder Mykorhizzapartner nicht förderlich. Alle Pilze mild im Geschmack. Die Pilze wollten nicht absporen, daher alle Sporenmaße aus Schnitt.

Zu den Pilzen:
Pilz1 wurde mir freundlicherweise überlassen: direkt am Stamm einer Fichte gewachsen, daneben eine Buche. Hut Durchmesser 5cm, am Rand rotbraun, in der Mitte eher lehmfarben und (hitzebedingt?) aufgerissen. Fleisch hellgelb und leicht blauend. Röhren und Poren leuchtend gelb. Poren stellenweise orange verfärbt, im Schnitt blauend. Stiel oben gelb mit gelbem Netz dann leicht rötlich und zur Basis hin braun, dabei streckt sich das Netz zur Basis hin sehr stark , deutlich wurzelnd, Fleisch in der Basis rosabräunlich. Weiter oben hellgelb  und leicht blauend, Stielrinde gelb.
Sporen 9,2-12,7 µm x 3,9-5,1 µm, Q-Wert (2,1)-2,5-(3,00)
Schlüssel nach Klofac: Sporen kleiner 13µ  Q = 2,5 B. appendiculatis, Problem: direkt am Stamm einer Fichte gewachsen.








Pilz 2 und Pilz 3 habe ich 4 Tage später an einem Weg gefunden, auf der anderen Seite des Wegs Fichten, daneben eine große Buche, Hut beim großen Schwammerl Durchmesser ca 16cm. Am Rand wieder braun, in der Mitte mehr lehmfarben. Fleisch beim jungen Pilz kräftig gelb, oberhalb der Röhren blauend (scharf abgegrenzt), Fleisch beim großen Pilz cremegelb bis fast weiß, kaum blauend. Röhren und Poren kräftig gelb, auf Druck stark blauend (Flaschenblau/grün), im Schnitt leicht blauend. Stiel beim jungen Pilz oben kräftig gelb mit gelbem Netz, weiter unten mit gelb mit deutlichem Graustich darunter mit rötlichen Flecken und ins rötliche übergehend. Stiel in der Basis abgerundet, Fleisch in der Basis rosa, darüber weißlich und zur Stielrinde gelb. Beim älteren Pilz ebenfalls ,,zoniert“ oben gelb, dann dunkler, wieder heller und dann ins Rote übergehend, dann braun, Basis abgerundet, leicht wurzelnd. Mit gelbem bzw. gleichfarbenem Netz. Fleisch in der Stielbasis rosa, darüber weißlich, in der Stielrinde gelb.
Netz beim jungen Pilz in die Poren übergehend, beim alten Pilz mit langgestrecktem Netz verbunden, dann kleinnetzig, Netz soweit erkennbar zur Basis hin nicht gestreckt.
Sporen: zum Verzweifeln: der kleine wollte fast gar keine Sporen hergeben. Der große genausowenig. Ich habe über Nacht ein Stück zum Absporen gegeben, am nächsten Tag nichts. Dann aus diesem Stück: Röhrenschnitt: 10,2-13,0µm x 3,8*4,4µm, Q-Wert (2,3) – 2,9 – (3,3)  B. subappendiculatis (Schlüssel Klofac)
Sporen aus dem selben Pilz(!), aber über Nacht im Kühlschrank:
9,1-12µm x 4,0-4,7µm, Q – Wert (2,2) – 2,5 – (2,9)  B. appendiculatis (Schlüssel Klofac)
Mittelwerte über alle: 11,2µm x 4,2µm, Q-Wert 2,67
Hyphen der Huthaut vereinzelt breiter als 6µm  B. subappendiculatis (Schlüssel Klofac)
Ich käme hier auf Butyriboletus subappendiculatis.
















Die anderen Butyriboletus habe ich wegen der Sporengröße und Q-Wert ausgeschlossen.

Vielleicht könnt Ihr helfen, die Schwammerl richtig zuzuordnen.
 
Vielen Dank vorab mal.

Renate

« Letzte Änderung: 29. Juli 2019, 20:25 von Renate »