Autor Thema: Russula ionochlora?  (Gelesen 151 mal)

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Offline Christoph

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Re: Russula ionochlora?
« Antwort #8 am: 16. Juni 2019, 23:19 »
Servus Hias und Werner,

die R. grisea von dir, Hias, schaut schon anders aus - allein der dicke Stiel, alles viel kompakter. Auch die Huthauthaare sehen m.E. anders aus, auch wenn man meist nur die Endzellen sieht. Und eben die Sporenpulverfarbe...

Tertiärhügelland... an dem Tag hat's mich halt nach Purk gezogen (ein toller Buchenwald auf einer alten Burgruine) - und da gibt's beides, sauer und Kalk. Hast aber recht, ich hocke ja an der Grenze zum Tertiärhügelland und an den Altmoränen der Risskaltzeit. Vielleicht finde ich da ja auch noch weitere "Papageien".  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Werner E.

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Re: Russula ionochlora?
« Antwort #7 am: 16. Juni 2019, 20:25 »
Servus Christoph und Hias,
geht's halt ab und zu mal auf'n  Tertiär.
Die Papageientäublinge dort sollten vom Standort her schon zu R. ionochlora gehören.
Ich hatte letztes Jahr so einen " Blaudeiberlfund" mir brüchigen Lamellen bei Allershausen, zu dem der Werner Jurkeit wegen dem Fundort schon gemeint hat es könne eigentlich nur R. ionochlora sein.
An liabn Gruaß,
Werner

Offline Hias

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Re: Russula ionochlora?
« Antwort #6 am: 16. Juni 2019, 17:20 »
Servus Christoph,

R. grisea war für mich immer dieser massive Pilz aus Parkanlagen (hier auf der Wiese beim BND in Pullach):


Eben mit Sporenpulver IIc. Ein ganz anderes Schwammerl, als die eher schmächtigen Papageientäublinge aus dem sauren Laubwald (hab ich schon ewig nicht mehr gesehen). Da wäre ich schon auch baff, wenn mir die irgendein Genetiker als Papageitäublinge verkaufen wollte  ;)

R. grisea aus Pullach

Liebe Grüße
Hias

Offline Christoph

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Re: Russula ionochlora?
« Antwort #5 am: 16. Juni 2019, 14:35 »
Servus Hias,

super, danke für die Infos. Mich hatten die Lamellen nämlich wirklich ein bisserl gestört. So kann ich ihn mit gutem Gewissen als R. ionochlora abhaken. Und falls mal ne ausführlichere Studie über die Griseinae rauskommt, muss man ja eh alles nochmal nachbearbeiten und nachbestimmen.

Und was die Unterscheidug zu Russula grisea angeht - dann wäre die Sporenpulverfarbe variabler als gedacht. Meine Kollektion hatte ja nur IIa, die "typische" Russula grisea hat ja gelberes Sporenpulver (wobei ich mir nicht zutraue, Russula grisea s.str. zu erkennen / zu bestimmen, was ja durch die Genetik bestätigt wird). Wobei ja bisher, wenn ich mich nicht täusche, nur die ITS angesehen wurde. Ob das bei den Griseinae reicht, wage ich zu bezweifeln.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Hias

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Re: Russula ionochlora?
« Antwort #4 am: 16. Juni 2019, 09:42 »
Servus Christoph,

ich habe leider keine rezenten Funde von R. ionochlora. Ein älterer Fund von 2007 sieht genauso aus wie deine zweite Aufsammlung und hatte auch Gabelungen am Lamellenansatz. Eine gesicherte Bestimmung bei den Griseinae scheint momentan schwierig. Helga Marxmüllers Kollektionen von R. grisea sind z.B. molekular zum Teil als R. ionochlora identifiziert worden, ohne dass eine morphologische Trennung in jedem Fall möglich war.

Würde ich einfach als R. ionochlora ablegen und eine molekular gestützte Arbeit über die Gruppe abwarten.

Liebe Grüße
Hias

Offline Christoph

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Re: Russula ionochlora?
« Antwort #3 am: 14. Juni 2019, 21:14 »
Kennt sich denn niemand hier mit Täublingen aus?  :'(
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Offline Christoph

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Re: Russula ionochlora?
« Antwort #2 am: 12. Juni 2019, 14:29 »
Und hier die zweite Kollektion - Luftlinie vielleicht 2 km entfernt

sie ist in meinen Augen mikroskopisch identisch - die Sporen sind wieder klein und isoliert warzig bis nur kurz gratig verbunden, die Plage wieder inamyloid, die Dermatocystiden einzellig, lang keulig und SV-Positiv (aber nicht sehr stark), diesmal sind sie einen Tick breiter (5-9 µm), die Sporenmaße sind gleich...

Bei der ersten Kollektion ist das Hutfleisch unter der violett getönten Huthaut creme, hier ist die violettlich (Marxmüller beschreibt das als ein Merkmal für R. ionochlora). Und die Hutfarben sidn etwas anders - hier ist die Hutmitte typischer, etwas mehr grünlich (aber die Hutfarben sind in der Sektion / Untersektion Griseinae ja sehr variabel). Das Sporenpulver ist ebenfalls IIa und auch hier finde ich die Gabelungen / Anastomosen der Lamellen - und auch hier sind sie deutlich creme und brechen nach anfänglichem Verbiegen...

Hier die Fotos dazu:










Huthaare - wie bei der ersten Kollektion


und auch hier diese eher spitz auslaufenden, etwas gebogenen Elemente


Dermatocystiden in SV


Sporen in Melzers

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 12. Juni 2019, 14:33 von Christoph »
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Russula ionochlora?
« Antwort #1 am: 12. Juni 2019, 14:17 »
Servus beinand,

ich finde die Sektion Griseinae ziemlich schwierig, da die Artabgrenzungen mir oft schwammig erscheinen. Nichtsdestotrotz nimmt man auch mal so ein Deiberl mit nach Hause. Hier geht es um zwei Fruchtkörper, die - jeweils einzeln fruktifizierend - in zwei nahe gelegen Gebieten von mir gefunden wurden. Die erste Kollektion stammt aus Purk bei Moorenweis - Buchenhochwald, die andere weiter westlich aus einem Buchen-Kiefern-Mischwald. Letzterer ist ein saures Habitat, ersterer ist ein Kalkbuchenwald, aber am Fundort direkt ist der Boden oberflächlich versauert. Beide habe ich am 10. Juni 2019 aufgesammelt.

Ich zeige erst die eine Kollektion (aus Purk):





Der Hut erinnert von oben an einen teils ausgeblassten Frauentäubling; die Huthaut ist am Rand abziehbar (ca. ein bis zwei Zentimeter weit) und das Hutfleishc ist sehr hell creme.

Die Lamellen sind bereits im Gelände creme (und nicht weiß erscheindend), biegsam, aber dann brechend, nicht verschmierend. Nahe des Stiels findet man sehr viele Anastomosen und Gabelungen







Der Stiel ist etwas grünlich überhaucht, darüber etwas violettlich, sonst weiß.



Der Geschmack ist mild.

Das Sporenpulver ist IIa, also sehr hell creme

Die Sporen sind isoliertwarzig bis mit sehr kurzen Verbindungen zwischen den Warzen versehen, nicht mal angedeutet netzig; das Ornament ist maximal 0,5 µm hoch. Der Apiculus und die Plage sind inamyloid.



Sporenmaße: 6,0-7,0-8,0 x 5,5-6,0-6,75 µm; Q = 1,1-1,17-1,25

Die Dermatocystiden sind einzellig, meist keulig, mit SV werden sie grau bis grauschwärzlich, sie sind 5-7 µm breit, meist gestreckt keulenförmig.


Pileocystiden frisch in Wasser


Pileocystiden in Sulfovanillin


Diese spitz zulaufenden Elemente sind auch in der zweiten Kollektion enthalten - vermutlich auch Pileocystiden - hier aber nicht grau reagierend: links in Wasser, rechts in Sulfovanillin

Die Huthaare sind mehrzellig, basal aus mehreren etwas aufgblähten Zellen, dann mit einer relativ kurzen, dünneren Endzelle.



Die Untergattung bzw. Übersektion Heterophyllidae sollte klar sein: einzellige, nicht sehr stark reagierende Dermatocystiden, Fehlen von Inkrustationen in der HDS, milder Geschmack...

Und die Sektion Griseinae durch das cremefarbene Sporenpulver...

Ich dachte im Gelände an Russula subterfurcata wegen der doch auffallenden Lamellen in Stielnähe, komme aber immer auf Russula ionochlora, wenn ich schlüssele oder lese (verwendet: der Russula-Schlüssel von Bon, die Monographie von Einhellinger, die Monographie von Sarnari und das Werk von Helga Marxmüller). Auch die frühe Erscheinungszeit passt ja ganz gut.

Was mir nicht passt... Die Lamellen am Stielansatz und die Grüntöne am Stiel. Da das Sporenpulver wirklich sehr blass creme ist, müsste es aber schon so hinkommen. Ich habe aber nicht gerade viel Erfahrung mit diesen Täublingen (habe mich mehr mit den Speitäublingen und den "Säufernasen" beschäftigt).

Könnt ihr die Bestimmung bestätigen?!

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 12. Juni 2019, 14:22 von Christoph »
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