Autor Thema: Kleinkinder essen Pilze - es geht wieder los (auch mit ernsten Vergiftungen)  (Gelesen 553 mal)

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Offline Jenny

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Hallo Christoph,

super, dass du die Vergiftungsfälle so gut ausgearbeitet hast, v. a. dem mit Inocybe rimosa...den habe ich, jetzt wo ich selbst künftig auf meinen kleinen Wirbelwind achten muss, mit sehr viel Interesse gelesen.

@auch an dich Georg ein Danke für die Verlinkung. Der Beitrag ist ebenfalls sehr gut.

Grüße
Jenny

Offline Schorsch

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Servus,
ich möchte bei der Gelegenheit nochmal darauf hinweisen, dass man sich noch immer den interessanten Vortrag von Fr. Dr. Schenk-Jäger „Kinderunfälle mit Rasenpilzen“, den sie auf der Veranstaltung der Toxikologischen Abteilung des Klinikum Rechts der Isar der LMU
„Giftpilze, Pilzgifte, Pilzvergiftungen“ vom 12. Dez. 2015 gehalten hat auf der Seite http://www.toxinfo.med.tum.de/inhalt/pilzfortbildung2015 als PDF herunterladen kann.
Schönes WE Schorsch

http://www.toxinfo.med.tum.de/system/files/inhaltsseiten_generell/Rasenpilze_Schenk-Jaeger.pdf
Gfrei di, dass regnt, wei wenns di net gfreist, regnts aa. (nach Karl Valentin)

Offline Christoph

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Servus beinand,

eigentlich hoffe ich, dass das mit den Vergiftungen ein Singular ist - ich gehe aber von einer gewissen Dunkelziffer aus.

Jedenfalls war ich in den letzten Tagen mit zwei Fällen kleiner Kinder (unter 6 Jahre alt) befasst.

Im ersten Fall ist gar nichts passiert - es wurde ein Stück von Pluteus cervinus agg. in den Mund genommen und vermutlich verschluckt, wobei das sogar unsicher war. Die Bestimmung auf Aggregatsebene wurde mithilfe des Mikroskops am Pilzrest anhand der Hakencystiden absolut gesichert (habe ich untersucht). Region: Bayerisches Schwaben, Großraum Augsburg

Der zweite mir bekannte Fall ist leider nicht ganu so glimpflich abgelaufen.
Es wurden ca. 3/4 eines Hutes eines relativ großen Fruchtkörpers von Inocybe rimosa verspeist (Bestimmungssicherheit ca. 90% - wegen der sehr langen und schmalen Cheilocystiden - bis 80 µm Länge - der FK war aber trotz der Größe noch steril, also keine Sporen - es zeigte sich aber bereits ein Nekropigment in allerdings sehr wenigen Cheilocystiden). Die Sektion ist sicher, die Artbestimmung bekannt schwierig - ich beziehe mich hier auf die Angaben von Ditte Bandini auf ihrer Website, was I. rimosa s.str. betrifft.
Inocybe rimosa ist als sehr potent bekannt, was das Muskarin angeht. Das Kind (Alter: vier Jahre, weiblich) wurde direkt in eine Klinik gebracht und behandelt - Muskarinvergiftungen sind ja zum Glück gut zu behandeln.
Region: südlich von München, Großraum Starnberger See.
Der mit dem Fall betreute Pilzsachverständige kam zu mir nach Hause und wir haben den Pilz gemeinsam bestimmt (anhand des Viertels, das übrig war - dazu der ganze Stiel, der auch zu Inocybe rimosa passte).

Langer Rede kurzer Sinn:
Auch wenn zum Glück die meisten Fälle von Pilzen im Mund von kleinen Kindern hramlos ausgehen, kann es dennoch immer sein, dass ein Fall schwer bis sehr schwer verläuft. Man muss wirklich jeden Einzelfall genau prüfen und sich auch am besten das Pilzmaterial direkt und nicht nur per Foto anschauen.

Ich hoffe, dass es die meisten Eltern schaffen, ihren Kindern beizubringen, dass man weder Pilze noch Pflanzen einfach so isst. Manche Pflanzen sind ja viel gefährlicher als (heimische) Pilze. Ich hoffe daher, dass es zu keinen weiteren, schweren Fällen kommt.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)