Autor Thema: Gyromitra esculenta var. bubaci  (Gelesen 243 mal)

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Offline Christoph

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Gyromitra esculenta var. bubaci
« Antwort #1 am: 23. April 2019, 00:06 »
Servus beinand,

Boris Zurinski, der über die Osterfeiertage bei mir zu Besuch war, hat mir als Ostergeschenk statt eines Eis eine Lorchel mitgebracht - und zwar ein stattliches Exemplar einer Gyromitra esculenta s.l.
Der Fruchtkörper war 14 cm hoch und hatte 9 cm Hutdurchmesser:



Fundort ist der Tennenloher Forst, ein ziemlich bis absolut geniales Waldgebiet bei Tennenlohe - also zwischen Nürnberg und Erlangen.

Überrascht war ich dann von den Sporenmaßen (n = 60):

21,0-25,6-32,25 x (9,0-)9,5-11,8-13,75(-14,25) µm - auf Viertelmikrometerschritte gerundet, Durchschnitt unterstrichen

Der Quotient war sehr variabel, was typisch für Giftlorcheln ist: Q = 1,8-2,18-2,8











Die Sporen sind für die normale Giftlorchel deutlich zu groß. Deformierte Sporen wurden nicht berücksichtigt. Die Sporen hatten jeweils vier Zellkerne, die man gut im Lichtmikroskop sehen kann (3-3,5 µm Durchmesser, Nukleolus gut sichtbar). Auf meinen Fotos per Handy durch's Okular ist das nicht so gut zu sehen.

Normal für Gyromitra esculenta sind 18-28 x 8-12 µm.

Man kann und sollte diskutieren, ob größere Sporen allein eine eigene Varietät begründen lassen. Velenovski (1922) hatte aufgrund der Sporen eine eigene Art geschaffen - Gyromitra bubaci Vel.
Moravec (1986) hat den Typus untersucht und sich explizit mit den Sporenmaßen von Gyromitra esculenta s.l. befasst. Er kam zu dem Schluss, dass Gyromitra esculente eine erstaunlich große Variationsbreite aufweist - insgesamt hat er als Ergebnis 18-20-27-29  x  (8,5)-9-12,5(-13.5)  µm   (Q = 1,8-2,9) angegeben, während allgemein "16-20-22-25  x  8-10-12 µm even in recent literature" anmerkt (was die gewöhnlich angegebenen Maße angeht.
Van Vooren & Moreau (2009) geben 20-27 x 8-12,5 µm an.

Da es nach Moravec kein sooo großer Sprung auf Sporen von über 30 µm ist, aber dennoch die erreichten 32 µm (mit Ausreißern war er bei 35 µm) deutlich sind (und die Sporen auch recht breit werden können), hat er das Taxon als Varietät akzeotiert undentsprechend umkomnbiniert.

Jetzt weiß ich nicht, wie viele Pilzfreunde Frühjharslorcheln auf ihre Sporenmaße hin prüfen. Gerade da könnten wir alle etwas beitragen, denn viele, die Maße nehmen, können solche Thesen - wie hier, dass die Sporen mit Sprung größer sind, ohne Übergänge - besser testen. Höhere Stichprobe...

Die Fruchtkörpergröße hingegen stellt kein Merkmal dar (wie auch nicht bei der Riesenlorchel, die von klein bis groß variiert). Der Typus von Gyromitra bubacii ist klein, Aufsammlungen von Moravec hingegen teils groß.

Ich werde am Freitag in Tennenlohe selber sammeln gehen, damit ich schöne Fotos habe. Jetzt muss das improvisierte Foto per Handy reichen...

Literatur:

van Vooren N. & Moreau P.-A. (2009): Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales) 1. Le genre Gyromitra Fr., sous-genre Gyromitra. Ascomycete.org 1(1): 7-14.

Moravec J. (1986): Revision of the type of Gyromitra bubaci and the problem of ascospore size of Gyromitra esculenta (Discomycetes). Česká Mykol. 40(1): 11-18.

Velenovsý J. (1922): České Houby. Prague, Nakladem Ceské Botanické Spolecnosti, 950 p.

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: ich möchte auch noch  auf die Diskussion zu den Sporenmaßen von Gyromitra esculenta im Gyromitra-Thread hinweisen - es geht um die Ergebnisse von Kempton PE, Wells VL (1973): Studies on the fleshy Fungi of Alaska VI. Notes on Gyromitra. Mycologia 65: 396-400.
Dort wurden  (20-)21,5-24,5(-27,5) x 11-13 µm als maximale Sporenmaße bei maximaler Reife ermittelt
« Letzte Änderung: 23. April 2019, 23:18 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)