Autor Thema: Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald  (Gelesen 668 mal)

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Offline Christoph

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Re: Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald
« Antwort #7 am: 22. April 2019, 20:53 »
Servus Hias,

Harmaja schrieb 1969 in seiner Clitocybe-Bearbeitung über Clitocybe phyllophila s.str.: "spore deposit pinkish buff, 9 B 2 (the reddish tint of the spore prints has been observed to persist several years in herbarium specimens)" - siehe hier auf S. 87: http://www.funga.fi/Karstenia/Karstenia%2010%20X%201969-1.pdf

Ansonsten passt die Beschreibung gut auf deinen Fund, insbesondere die ausgebuchteten Lamellen, die Harmaja explizit als Möglichkeit des Anwuchses an den Stiel erwähnt. Auch der Geruch - Harmaja beschriebt ihn als an Erdbeeren erinnernd, also auch irgendwie süßlich. Bis auf den Rosaton im Sporenpulver ist das irgendwie alles sehr passend, finde ich.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Hias

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Re: Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald
« Antwort #6 am: 22. April 2019, 11:27 »
Servus beinand,

erstmal vielen Dank für eure Kommentare!
Jetzt habe ich ein bisschen recherchiert und komme zu folgendem Schluss:
Wie Christoph schrieb gehört die Art in die Artengruppe um C. phyllophila und wahrscheinlich habe ich sie schon mindestens einmal, wenn nicht gar zweimal gefunden. Durch den sehr gedrungenen Habitus der noch relativ jungen Fk habe ich mich da täuschen lassen.
Diese Kollektion von 2017 aus den Grasleiten ist höchstwahrscheinlich dasselbe, bestimmt hatte ich sie als C. phyllophila:



Die Kollektion aus Klais könnte tatsächlich wie Gernot schreibt jener Art entsprechen, die E. Ludwig im Kompendium als C. krizii-josephii führt. Nach Studium der Originalbeschreibung scheint es mir jedoch zweifelhaft, ob Ludwig diesen Namen zurecht für seine Aufsammlungen verwendet, da er niemals einen auffallend modrig-erdigen Geruch festgestellt hat und die von ihm gemalten Pilze eine konzentrisch aufrechende Huthaut aufweisen und nicht radial wie von Svrcek für C. krizii-josephii beschrieben. J. Marqua beschreibt eine Kollektion auf Debris mit stark staubartigem Geruch, die wohl gut zu C. krizii-josephii passt. Zu meinen beiden Kollektionen aus dem Nadelwald passt dieser Namen mit Sicherheit nicht, da sich nicht nur der Geruch, sondern auch Soziologie (gesellig, nicht büschelig) und Ökologie deutlich unterscheiden: Svrcek schreibt von Haufen aus Resten verschiedener Pflanzen unter Brennesseln am Waldrand, dazu passt die saure Nadelstreu im Fichtenjungholz nun wirklich nicht. Dazu kommt die graubraune Hutfarbe der Exsikkate (bei meinen cremefarben).
Da C. phyllophila nach Literatur (Ludwig, Gröger, FN) ein Sporenpulver mit deutlichen Rosaton aufweist, passt dieser Name wohl auch nicht. Möglicherweise hatte ich noch nie eine "echte" C. phyllophila in der Hand, da meine Aufsammlungen allesamt auch in dicker Schicht maximal satt cremefarbenes Sporenpulver ohne Rosaton aufwiesen. Zum Beispiel diese hier von 2011 vom Taubenberg:



Völlig schräg war eine Kollektion mit rein weißem Sporenpulver und zähen Stielen aus Puppling:



Beste Grüße
Hias

Offline Gernot

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Re: Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald
« Antwort #5 am: 20. April 2019, 21:52 »
Servus, Hias,

das erinnert mich an die Darstellung von Clitocybe krizii-josephi im Ludwig. Sporenpulverfarbe, sofern dieses wirklich weißlich war, und Geruch würden passen...

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Re: Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald
« Antwort #4 am: 20. April 2019, 21:07 »
Servus Rudi,

Maipilz glaube ich nicht, ehrlich gesagt. Zudem riecht der ja stark nach Mehl, während der vom Hias leicht aromatisch süßlich riecht.

Georg Müller hat den Pilz, den Hias zeigt, vermute ich mal, auch gefunden: http://www.pilzepilze.de/piga/zeige.htm?name=clitocybe_phyllophila

Vielleicht hat Georg ja einen Beleg und man kann dann die beiden vergleichen...

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Rudi

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Re: Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald
« Antwort #3 am: 20. April 2019, 20:38 »
Mir fällt  da grad der Maipilz ein. Den hab ich auch mal im Oktober gefunden und erst nach viel Überlegungen enttarnt.  Die Sporen sollen ja a bisserl  schlanker sein, aber Schnallen hat er,  glaub ich, auch. Na ja, nach 2 Zoigl kommt halt sowas raus.
LG Rudi
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Offline Christoph

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Re: Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald
« Antwort #2 am: 20. April 2019, 19:42 »
Servus Hias,

ich bin da ehrlich gesagt in de, Clitocybe-phyllophila-Aggregat. Sporen schwach kongophil passt - sie müssten auch cyanophil sein (zumindest etwas). Sporen glatt passt auch. Sporengrößen passen zumindest für das Aggregat. Lamellen ausgebuchtet kommt vor. Kräftige Fruchtkörper - passt auch, kommt in dem Aggregat vor. Nichtablösbare Lamellen passt ebenfalls. Und keine Cystiden - passt auf Clitocybe. Vergleiche auch hier: http://www.cercle-myco-bruxelles.be/Publications/03/Clitocybe.pdf

Dass das Sporenpulver weiß erscheint, wenn eine sehr dünne Lage da ist, stört mich da nicht.

Wenn du jetzt aber fragst, welche Art aus dem Komplex.... dann ducke ich mich natürlich. Vielleicht kann Peter Specht weiterhelfen?

Liebe Grüße,
Christoph

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Offline Hias

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Undefinierbare weiße Lepista aus dem Bergnadelwald
« Antwort #1 am: 20. April 2019, 16:28 »
Servus beinand,

diese relativ großen weißen Schwammerln habe ich im vergangenen September im Bergnadelwald (gut 1000 m) über Kalk gefunden und weiß nicht mal, in welche Gattung ich sie einordnen muss:




Vom Habitus her würde ich auf eine Lepista tippen, aber die Sporen sind halt glatt und die Lamellen nicht ablösbar.

Hier gehts zur kompletten Beschreibung des Funds.

Vielleicht kennt jemand von euch diese Art.

Beste Grüße
Hias