Autor Thema: Auch Lamellenpilze haben Nebenfruchtformen - z.B. Strophariaceae...  (Gelesen 170 mal)

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Offline Christoph

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Servus Stefan,

vielen Dank für's Verlinken! Ich hatte gar nicht geschaut, ob das Paper bei Researchgate frei verfügbar ist.

@Rudi: hättest sonst von mir ne Mail bekommen - aber so ist es viel praktischer

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Rudi

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Servus Christoph,

äußerst interessant!
(auch wenn ich den Artikel selber nicht lesen kann...)
Wo mag es denn noch NFF geben- manche Schimmel tragen ja auch schon Menschen... 8) ??? :'(

LG Rudi
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Offline Christoph

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Auch Lamellenpilze haben Nebenfruchtformen - z.B. Strophariaceae...
« Antwort #1 am: 16. April 2019, 14:21 »
Servus beinand,

ich bin beim Recherchieren über Strophariaceae über einen Artikel gestolpert, der schon etwas älter ist, mir aber neu war und, wie ich finde, inhaltlich sehr interessant ist:

Walther G. & Weiß M (2008): Anamorphs in the Strophariaceae (Agaricales). Botany 86: 551-566. https://doi.org/10.1139/B08-036

Strophariaceae sind hinsichtlich ihrer Lebensweise eh sehr interessant. So sind die "echten" Träuschlinge ja Nematodenjäger mit Fangzellen im Myzel, wodurch mittlerweile die Gattung definiert wird. Dass da auch Nebenfruchtformen existieren, ist naheliegend - analog ist es ja auch bei Hohenbuehelia. Das Paper zeigt aber auch die Nebenfruchtformen von Schüpplingen, dem Stockschwämmchen, von Schwefelköpfen (usw.).

Die Konidienträger können "coiled" sein, also wirr eingerollt, oder aber auch kurz und gerade oder lang und gerade - die Konidien sind auch unterschiedlichst geformt... nierenförmig gebogen bei Kuehneromyces mutabilis, etwas plump und dickwandig bei Pholiota alnicola, in Ketten und zerbrechend bei Pholiota gummosa oder "langweilig" als einfach zerfallende Hyphen bei Stropharia rugosoannulata.
Manche Konidien sind selber verwurschtelt, andere sehr regelmäßig geformt.

Unabhängig von der Ästhetik dieser uns meist verborgenen Vielfalt zeigt es mit jedenfalls, wie wenig wir allgemein über die Lebensweise von Großpilzen wissen. Bei Becherlingen, Pyrenomyzeten i.w.S. und anderen Ascmomyzeten ist uns klar, dass sie "Schimmelpilze" sein können oder sogar eigene, anamorphe Fruchtkörper bilden (z.B. Pycnidien, die sog. Coelomyzeten), teils das asexuelle Stadium andere Lebensräume als die sexuelle Form besiedeln (Generationswechsel - z.B. bei manchen Orbilia-Artn von trockenen Ästen in Baumkronen als sexuelles Stadium hinein in die Bäche als aquatische anamorphe Stadien).
Dass aber auch normale Lamellenpilze Nebenfruchtformen haben, ist, denke ich, nicht jedem bekannt. Ich wusste es bisher von Tintlingen i.w.S., dann von Nyctalis (hier die Hefestadien) und ich hatte immer wieder mal irgendwo was über die eine oder andere Nebenfruchtform gelesen. Hier kam es aber geballt.

Die Nebenfruchtformen wurden von den Autoren aus Einkernmyzelien und aus Zweikernmyzelien erzeugt (also aus den sog. Primärmyzelien sowie aus den schon "gepaarten" Sekundärmyzelien). Letztere kann man bei den Strophariaceae leicht an den Schnallen erkennen.

Als Beiprodukt wurden von mehreren Stropharia-Arten die Nematodenfangzellen auf Agar entdeckt. Zudem behandelt der Beitrag Myzelzystiden, was ich auch interessant finde (hatte ich bei meinen Kremplingsstudien auch betrachtet).

Liebe Grüße,
Christoph
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