Autor Thema: Kartierungsaufruf: Therrya fuckelii, ein (orts-)häufiger Pilz an Kiefernästen  (Gelesen 338 mal)

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Offline Christoph

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Servus beinand,

jetzt habe ich westlich von Purk wieder so schwarzes Zeugs  ;) mitgenommen, das Therrya sein könnte...



... und wieder ist es steril. Vielleicht braucht es noch und vor allem mehr zusammenhängenden Regen?!

Liebe Grüße,
Christoph
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

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Servus Werner,

ich habe eben bei Solheim et al. (2013) ein bisserl nachgelesen. Demzufolge kommt Therrya pini meist an Ästen von unter einem Zentimeter Durchmesser vor, währen Therrya fuckelii Astdicken zwischen einem und drei Zentimeter bevorzugt. Allerdings ist das eben nicht hundertprozentig, aber mal ein Anhaltspunkt. Und es kam - musste ja so sein - vor, dass beide Arten am selben Kiefernast wachsen.

Dass man unreife Kollektionen nicht kartieren sollte, ist ja ohnehin selbstredend. Leider haben Solheim et al. (2013) die untersuchten Kollektionen (es waren knapp über 100) nicht aufgelistet bzw. nichts zur Phänologie ausgesagt.

Vielleicht sollte man in ein paar Wochen nochmal schauen, ob man reife Teerflecken mit weißem Inneren findet  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Online Werner E.

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GriasDi Christoph,

ich hab grad drei verschiedene Kollektionen mikroskopiert.
Leider auch nur Paraphysen und junge Asci, die sich gerade dazwischen entwickeln.
Weil ja noch die seltene T. pini existiert, kann man die so unreif leider nicht kartieren.

An liabn Gruaß,
Werner

Offline Christoph

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Servus Werner,

wie vermutet, habe ich in Franken, genauer gesagt im Tennenloher Forst, die Therrya gefunden. Denke ich zumindest, denn die Matz war unreif.

Makroskopisch passt es aber, wie ich finde sehr gut. Und wenn man das Ganze anfeuchtet und dann mit einer Präpariernadel öffnet, sieht es sehr Rhytismatales-artig aus (mit dem hellen Inneren, den vorperforierten "Aufklappseiten"... nur fand ich bei mehrfachem Beproben keinen einzigen sporentragenden Ascus.

Hier die Bilder:






Das war das "reifste", was ich finden konnte...

Ich habe solche Flecken an Kiefernästen mit noch bunter Borke schon oft gesehen, nur nie groß beachtet. Was nicht heißt, dass das dann immer eine Therrya war. Es ist aber gut zu wissen, dass man mal in solche Flecken reinmikroskopieren sollte - danke für den Hinweis  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Online Werner E.

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Da Therrya fuckelii aerophil in den Baumkronen erscheint, denke ich, dass die herabgefallenen Äste relativ frisch vom selben Jahr sein sollten. Wenn Du am Freitag in Erlangen bist, wirst Du in den Kiefernwäldern dort sicher fündig.

Offline Christoph

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Seass Werner,

super, danke!

Liebe Grüße,
Christoph
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Online Werner E.

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GriasDi Christoph,
es sind immer Äste/Aststücke, die unbelaubt sind. Also die etwas dickeren Äste, ab ca 2-5cm Dicke, ohne den jüngeren Trieben des Jahres oder Vorjahres. Ich hab nachgelesen, dass der Pilz, ähnlich Colpoma quercina an Eiche, der Kiefer bei der "natürlichen Beschneidung der Äste" dient. Die Äste sind immer berindet und initialmorsch. Die kleinen Fruchtkörper erscheinen in der äußersten Rindenschicht. Antrodia ramentacea hat scheinbar eine ganz ähnliche Ökologie. Die hab ich jetzt schon 2x gefunden. Beide Male war auch T. fuckelii am Ast.
An liabn Gruaß,
Werner

Offline Christoph

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Servus Werner,

ich habe jetzt bei den Kiefern, die ich in der Nähe finden konnte, gesucht, wurde aber nicht fündig. Kannst du noch ein bisserl mehr zur Ökologie sagen?

Waren es Zweige, die frisch am Boden lagen oder welche vom Vorjahr oder... ?!

Wo sollte man am besten suchen?

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Servus Werner,

danke für den Aufruf! Bin mal gespannt, ob jemand fündig wird. Ich finde die Rhytismatales eh interessant - es gibt da eben mehr als nur den Ahorn-Runzelschorf  ;)

Neben Therrya pini sieht, finde ich, auch Tryblidiopsis pini makroskopisch ähnlich - hat aber ganz andere Sporen. Man muss also definitiv mikroskopieren. Die "Teerflecken" sind für alle dreio typisch. Ich selber habe hier ja kaum Kiefern, insofern weiß ich nicht, ob ich beispielsweise fündig werde. Vielleicht finde ich aber mal Tryblidiopsis pini, denn diese Art wächst auch an Fichte.

Noch zwei Literaturstellen als Tipps:

Für Therrya:
Solheim H., Torp T.B., Hietala H.M. (2013): Characterization of the ascomycetes Therrya fuckelii and T. pini fruiting on Scots pine branches in Nordic countries. Mycol Progress 12: 37–44.
DOI 10.1007/s11557-012-0813-2


Für Tryblidiopsis:
Livsey S. &  Minter D.W. (1994): The taxonomy and biology of Tryblidiopsis pinastri. Can. J . Bot. 72: 549-557.

Liebe Grüße,
Christoph
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Online Werner E.

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Servus beinand',

heut stell' ich mal einen zumindest ortshäufigen leicht bestimmbaren Ascomycet vor, der aerophil an Kiefernästen wächst, und, ähnlich wie Colpoma quercina an Eiche, der Kiefer zur "Selbstbeschneidung" dient.
Bei einer Exkursion in Oberfranken mit der PKA Coburg fielen mir diese kleinen schwarzen leicht polsterförmigen Flecken an einem herabgefallenen teilberindeten Kiefernast auf, die Peter Püwert schon makroskopisch als Therrya fuckelii ansprechen konnte.
Nach einem längeren Wasserbad schwellen die Fleckchen etwas auf, bei manchen reißt das schwarze Häutchen sternförmig auf und gibt eine hellgelbliche Fruchtschicht frei.
Unter dem Mikroskop fallen die viersporigen Asci auf, in denen sich parallel angeordnete mehrfach septierte Sporen mit über 100 mü Länge befinden.
Auffällig sind auch die langen hyalinen beiderseitigen Anhängsel, wodurch die Art auch unreif meist bestimmbar ist.
Verwechselt werden kann T.fuckelii mit der scheinbar viel selteneren T. pini, die kürzere Sporen ohne derart ausgeprägten hyalinen Anhängsel hat. Die Asci sind achtsporig und die Sporen zu einer Helix verdreht angeordnet.
Ich finde T. fuckelii in den Kiefernwäldern rund um Bamberg bei praktisch jeder Exkursion, und auch im Münchner Raum wurde ich z.B. im Kapuzinerhölzl und im Münchner Norden bei Oberschleißheim gleich fündig.
T.fuckelii ist außer in Oberfranken bisher nur ein mal vom Till bei Traunstein kartiert.
Eine schöne Beschreibung der Art von Fredi Kasparek ist hier einzusehen:
https://www.fredis-pilzseite.de/fototherrya-fuckelii/

An liabn Gruaß, Werner