Autor Thema: Schlüssel der "Gifthäublinge" nach Smith & Singer 1964  (Gelesen 37 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.043
  • Präsident
    • BMG e.V.
Schlüssel der "Gifthäublinge" nach Smith & Singer 1964
« Antwort #1 am: 13. April 2019, 16:30 »
Servus beinand,

die Monographie von Smith & Singer (1964) ist natürlich nicht mehr aktuell, aber sie ist zumindest eine Grundlage für die Galerina-Bestimmung, da dieses Werk sich auch die Interpretation alter Namen stark beeinflusst hat. Ich bestimme gerne nach diesem Werk und schaue danach dann in aktuelle Bearbeitungen hinein.

Gulden et al. (2001) haben den ganzen Galerina-marginata-Komplex genetisch betrachtet, allerdings nicht nach den heutigen Maßstäben. Sie nutzten noch RFLPs und gleichen den RFLP-Stammbaum dann mit einem ITS-Stammbaum ab, wobei der RFLP-Stammbaum als Basis und Borlage genommen wurde. Kurz gesagt: die Synonymisierung aller von Gulden et al. (2001) untersuchten Gifthäublingstaxa kann man anwenden, muss es aber nicht, da dieser Schritt auch zu früh sein kann. Wer versuchen will, Gifthäublinge genauer zu bestimmen, kann es mit dem "Original" versuchen (Smith & Singer 1964). Daher habe ich aus diesem Werk den entsprechenden Schlüssel übertragen und etwas ergänzt (Galerina autumnalis ist bei Smith & Singer in einem anderen Stirps als Galerina marginata und daher in einem anderen Schlüssel).

Wie immer lade ich das Word-Dokument des Schlüssels hoch, kopiere ihn hier aber zum schnellen Überfliegen mit hinein (das Layout ist dann manchmal etwas zerschossen, zum schnellen Lesen reicht es aber).

Viel Vergnügen mit Bestimmungsversuchen  ;)

Liebe Grüße,
Christoph


Schlüssel der Gifthäublinge nach Smith & Singer (1964) – zusammengestellt von C. Hahn


In den Schlüssel wurde Galerina autumnalis mit einbezogen, die Smith & Singer (1964) in einen anderen Stirps platzierten, da die gelatinöse Huthaut von ihnen sehr hoch gewichtet wurde. In dem Schlüssel sind einige Arten enthalten, die nach damaligem Stand nicht in Europa vorkommen. Dies ist jeweils hinter den Arten erwähnt. Der Schlüssel ist keine (bzw. nicht überall eine) wortwörtliche Übersetzung des Originalschlüssels, sondern anhand der Beschreibungen der Art in de Monographie teils etwas abgewandelt / überarbeitet / konkretisiert worden. Auch enthält der Originalschlüssel keine geographischen Angaben.

Der Schlüssel:

1 ohne Pleurocystiden (Art aus Alaska) …………………………………………………………………. Galerina wellsiae
1* mit Pleurocystiden ………………………………………………………………………………………………………………………. 2

2(1) im Offenland, in Wiesen, nicht lignicol; Geschmack im Hals kratzend-brennend (Art aus Oregon, U.S.A.) ....…………………………………………………………………………………………………………….. Galerina venenata
2* wenn im Offenland / in Wiesen, dann kein Kratzen / Brennen im Hals erzeugend ………………………. 3

3(2) äußere Sporenwandschicht runzelig, sich sehr leicht und stark vom Endospor ablösend, d.h. Sporen sehr deutlich kalyptrat (Art aus Südamerika und Japan, in Europa aus Gewächshäusern bekannt) ………………………………………..…………………………………………………………..……… Galerina helvoliceps
3* Exospor sich nur an einzelnen Stellen ablösend, Sporen nur wenig kalyptrat ………………..………………. 4

4(3) Zwischen Sphagnum in Sphagnum-Mooren Südamerikas vorkommend ……..….. Galerina riparia
4* Nicht sphagnicol ………………………………………………..………………………………………………………………………… 5

5(4) An Grashorsten in den südamerikanischen Anden oberhalb von 3.000 m ….... Galerina infernalis
5* An Holz, zwischen Moos, in der Nadelstreu oder Humus besiedelnd ……………………..……………………. 6

6(5) Huthaut auffallend viskos, abziehbar, gummiartig gelifiziert; Ring meist relativ dünn, flüchtig, dennoch aus Velum universale gebildet (jung aufsteigend); an Holz ………….……… Galerina autumnalis
6* Huthaut feucht etwas schmierig, aber nicht auffallend gelatinös; Ring dünn bis kräftiger; an Holz, zwischen Moos, in der Nadelstreu oder Humus besiedelnd ……………………………………………………………… 7


7(6) Sporen von 4-sporigen Basidien / Kollektionen auffallend lang, 10-13 x 5- 6,5 µm; Pleurocystiden in Wasser und KOH farblos-hyalin; unterhalb des Rings mit einer weißen, faserigen Ringzone (Rest des Velum universale); zwischen Moosen wachsend (Art aus Colorado, U.S.A.) ……………………………….... ………………………………………………………………………………..……………………………………….. Galerina platyphylla
7* Sporen von 4-sporigen Basidien / Kollektionen kürzer, 7-10(-11) µm; Pleurocystiden in KOH farblos-hyalin oder gelb ……………………………………………………………………………………………………………………. 8

8(7) unterhalb des Rings mit fein faserig- schüppchenartigen Resten Velum universale; Pleurocystiden meist gelb in KOH (Art aus dem Bundesstaat Washiongton, U.S.A. oberhalb 1000 m)……………………………………………………………………………………………………………………………… Galerina vialis
8* Velumreste zwar faserig, aber wenig bis kaum flockig/schuppig; Pleurocystiden nicht gelb in KOH ………………………………………………………………………………………………………………………………………………..……. 9

9(8) Sporenornament sehr fein, nur schwach im Mikroskop erkennbar, fast glatt erscheinend …….. 10
9* Sporenornament unter Ölimmersion gut und deutlich erkennbar …………………………………………….. 12

10(9) auf Kiefernnadeln wachsend; Sporen blass ocker im Mikroskop und mit auffallend dünner Wand (europäische Art)  …………………………………………………………………………………… Galerina pinetorum
10* nicht an Kiefernnadeln wachsend; Sporen dunkler und mit deutlicher Wand (Arten aus Nord- und Südamerika)  ………………………………………………………………………..………………………………………………………… 11

11(10) Lamellen eng stehend; Pleurocystiden unterscheiden sich in der Form von den Cheilocystiden und sind gestielt-blasig bis keulenförmig, nicht flaschenförmig (Art aus Argentinien) ………………………… ………………………………………………………………………………………………………………………….. Galerina physospora
11* Lamellen entfernt stehend; Pleurocystiden wie Cheilocystiden geformt (Art aus dem Bundesstaat Washington, U.S.A. …………………………………………………………………………………….……….. Galerina rudericola

12(9) Pleurocystiden häufig mit einem oder mehreren fingerartigen Auswüchsen; Ring häutig (Art aus Südamerika, Patagonien, an Nothofagus-Holz) ………………………………………………….. Galerina patagonica
12* Pleurocystiden ohne fingerartige Auswüchse …………………………………………………………………………. 13

13(12) Huthautfeucht etwas schmierig, aber nicht gelatinös; Hut deutlich hygrophan; an Holz; Sporen (von 4-sporigen Basidien / Kollektionen) nur bis 6 µm breit werdend .………………. Galerina marginata
13* Huthaut etwas gelatinös, zu Galerina autumnalis vermittelnd; Hut nicht oder wenig hygrophan; praticol (in Wiesen), am Boden, Humus besiedelnd; wenn an Holz vorkommend, dann dieses meist finalfaul; Sporen (von 4-sporigen Basidien / Kollektionen) breiter, bis 7,5 µm breit ..…………………………
………………………………………………………………………………………………………………………..……. Galerina unicolor

Literatur:
Gulden G., Dunham S. & Stockmann J. (2001): DNA studies in the Galerina marginata complex. Mycol. Res. 105(4) : 432-440.
Smith A.H. & Singer R. (1964): A Monograph on the Genus Galerina. Hafner Publishing Company. 384 pp.
« Letzte Änderung: 13. April 2019, 22:08 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)