Autor Thema: Rettet die Bienen - Artenvielfaltsvolksbegehren: Kabinett reagiert!  (Gelesen 253 mal)

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Offline Christoph

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Liebe Pilzfreundinnen und -freunde,

wie vermutlich alle wissen, hat das Volksbegehren "Rettet die Bienen" die erste Hürde geschafft. Eine zweite wird es wohl nicht geben, da das Kabinett dem Bayerischen Landtag die Annahme aller Inhalte des Volksbegehrens vorgeschlagen hat. (Siehe z.B. hier)

Es wird also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dazu kommen, dass die Punkte des Volksbegehrens ohne Volksentscheid als Gesetz verabschiedet werden. Am 8. Mai 2019 wird der Landtag darüber beraten, dann wissen wir mehr.

Wir, die BMG, haben zwar nicht sehr viel machen können, haben aber das Volksbegehren "offiziell" unterstützt und unser Logo mit auf die Seite der Unterstützer setzen lassen. Zudem haben wir in unserem Mitgliederrundbrief vom Januar 2019 für das Volksbegehren geworben. Insofern freue ich mich auch persönlich, dass das Volksbegehren ein so großer Erfolg wurde.

Bei mir zuhause in Mammendorf - hier leben viele Landwirte - ging die Diskussion pro und kontra Volksbegehren teils sehr in die emotionale Ebene. Das wird andernorts wohl nichts anders sein. Natürlich stellt es teilweise eine Einschränkung für Landwirte dar. Und auch klar ist, denke ich, dass Landnutzung und Naturschutz sich oft oder meist gegenüber stehen. Mehr Naturschutz bedeutet dann zwangsläufig Einschränkung für den Landwirt. Man darf das aber nicht im Umkehrschluss sehen. Nicht jeder Landwirt ist gegen Naturschutz. Und wir alle wollen ja auch Lebensmittel einkaufen können und die müssen ja auch irgendwo produziert werden. Ich will aber gar nicht auf die politische Ebene innerhalb der Landwiertschaft wechseln. Vielmehr geht es mir um die Pros für die Artenfielfalt und damit auch die Pilze.

Ich nenne ein paar wenige Beispiele:
Werden nun auch in Bayern 5 Meter Randstreifen an Gewässern durchgesetzt, in denen keine Gülle verspritzt werden darf, dann dient das auch und gerade dem Gewässerschutz. Momentan kann so gegüllt werden, dass die Gülle direkt in die Bäche tropft. Dass die Nitratbelastung der Gewässer und des Grundwassers steigen, ist da kein Wunder. Ich habe mit meinen Schülern beispielsweise Nitratmessungen in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck vornehmen lassen, sowohl von Oberflächengewässern als auch von grundwassergespeisten Seen. Natürlich schwanken die Werte, denn nach Regen wird ja viel Oberflächenmaterial in die Gewässer gespült und somit direkt der Dünger von den Feldern. Das wird auch mit den neuen Gesetzen nicht anders werden. Aber die Gülle direkt in die Gewässer zu "verklappen" ist dann zumindest illegal.

Das Hauptproblem besteht wohl darin, dass zu viele Rinder in den Ställen gehalten werden und somit zu viel Gülle produzieren. Die Landwirte haben dann die Wiesen nicht mehr als Weide, sondern als Gülleverklappungsflächen. Und was zu viel gedüngt wird, geht ins Grundwasser.

Sind nun die Gewässer und auch das Grundwasser nitratbelastet, so wird Nitrat in alle möglichen Flächen eingetragen. Je mehr Nitrat, umso geringer die Artenvielfalt - das gilt nicht nur für die Botanik, sondern auch für die Pilze. Was schon aufgedüngt wurde, ist kaum oder nur schwierig zu retten. Daher sollten wir sehr hoffen, dass der Grundwasser- und Gewässerschutz auch in der oberen Politik ernst genommen wird.

Die Mahdzeitpunkt der Wiesen soll nun weiter gestreut werden und nicht mehr alle gleichzeitig gemäht werden. Das hilft natürlich den Insekten, aber auch den Pilzen. Natürlich sind phytopathogene Pilze nicht die Pilzgruppe, die man als Landwirt fördern will. Nur werden die Arten, die z.B. auf den geplanten Blühstreifen vorkommen, nicht die Felder kontaminieren, da gerade die Phytos ja oft sehr wirtsspezifisch sind.

Vielleicht kann man es auch so ausdrücken: Natürlich ist es sinnvoll und sehr wünschenswert, die stark bdrohten Magerstandorte zu schützen. Aber selbst in Halbfettwiesen kommen zahlreiche Pilzarten vor. Und manchen von denen täte es schon gut, wenn man den Mahdzeitpunkt variiert. Dann werden immer irgendwo Fruchtkörper überleben. Ich denke da nicht mal nur an Conocybe oder Ähnliches - ich frage mich beispielsweise immer noch, warum der Grasflämmling - Gymnopilus flavus (Bres.) Sing. (= Flammula dactylidicola Lge) - der an Dactylis glomerata, dem Knäuelgras wächst, vom Aussterben bedroht ist. Das Knäuelgras ist extrem häufig...

Wie man es dreht und wendet - wenn man die Artenvielfalt der Insekten erhöhen will, vor allem der Fluginsekten, dann muss man auch die botanische Artenvielfalt bereichern - und auch die Möglichkeit, zu blühen - und wird damit insgesamt auch den von uns geliebten Pilzen behilflich sein. Ja, selbst dann, wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht.

Wir haben zwar nur ein winziges Bisserl dazu betragen können, aber besser ein Bisserl als gar nicht. Jetzt hoffe ich, dass am 8. Mai die Weichen gestellt werden. Und ich hoffe, dass die Landwirte mit ins Boot geholt werden und nicht als die Buhmänner dastehen. Wer von der Landwirtschaft leben will, wird die rechtlichen Möglichkeiten auch mal bis an die Kante nutzen müssen. Insofern obliegt es der Politik, die Grenzen so festzulegen, dass die heimnische Artenvielfalt nicht zu sehr unter der Landnutzung leidet. Sind die Regeln bekannt, dann man sich auch als Landwirt darauf einstellen. Für manche Landwirte wird sich eh nichts ändern, da sie jetzt schon freiwillig so naturfreundlich bewirtschaften, dass das Volksbegehren keinen Einfluss auf ihre zukünftige Wirtschaftsweise haben wird - auch wenn das vermutlich eher die Ausnahme sien wird.

Wenn der Verbraucher auch anfängt, auf umweltfreundlicher produzierte Nahrung zu setzen - und man auch im eigenen Garten versucht, statt Englischem Rasen eine Blumenwiese zuzulassen, dann wird es vielleicht wieder besser. Im Moment ist es erschreckend, dass man durch halb Deutschland auf der Autobahn fahren kann, ohne die Windschutzscheibe putzen zu müssen. Das war früher ganz anders, und das müsste ja jedem auffallen. Vielleicht haben auch deshalb 18,3 % der Wahlberechtigten für das Volksbegehren gestimmt.

Ich bin gespannt, ob sich dadurch etwas zum Besseren ändern wird. Ich hoffe es aber sehr.

Liebe Grüße,
Christoph

Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)