Autor Thema: Pisolithus (Erbsenstreulinge) - ein weiteres Aggregat (vier Arten in Europa)  (Gelesen 55 mal)

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Offline Christoph

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Servus beinand,

immer mehr Pilz"arten" werden genetisch zerlegt - es wird gezeigt, dass sie Artenaggregate sind. Da das Zerlegen mithilfe eines Stammbaums (z.B. über die Barcoding-Region ITS) prinzipiell "machbar" ist, eine Differenzierung anhand des Phänotyps (also Aussehen, Morphologie, Anatomie) aber nicht so einfach ist, ist die logische Konsequenz, dass immer mehr Arten beschrieben werden, die nicht klassische bestimmbar sind.

Ich bin beim Schmökern über einen Artikel aus der Zeitschrift Mycotaxon gestolpert, der - frei zugänglich als open access-paper - die Gattung Pisolithus in Makedonien (jetzt "Nordmakedonien") behandelt. In diesem Artikel wird mit Pisolithus capsulifer eine "alte, vergessene" Art zu Pisolithus kombiniert.

In Nordmakedonien kommen demnach drei Erbsenstreulingsarten vor:
Pisolithus arhizus, P. capsulifer und P. tinctorius.

Die vierte Europäische Art ist Pisolithus calongei (aus Spanien). Die kann man zumindest bestimmen - ihr Symbiosepartner sind Zistrosen (Gattung Cistus) und die Fruchtkörper sind kompakt, haben einen nur kurzen Pseudostiel. Hier geht es makroskopisch.

Bleiben wir bei den drei Arten aus Nordmakedonien... Die Autoren schreiben: "As P. tinctorius and P. arhizus have the same spore size and P. arhizus and P. capsulifer have a similar peridium colors, it is almost impossible to separate these species morphologically. In the face of such similar microscopic and
macroscopic characters, we do not propose a key here." (Rusevska et al. 2015: 1015)

Kurz gesagt: Pisolithus capsulifer hat ein bisserl kleinere Sporen (im Schnitt 0,5 µm kleiner, als Obergrenze werden 11 statt 11,5 µm erreicht, die Untergrenze liegt bei knapp unter 7 µm statt 8,5 µm (vielleicht geht da doch was). Wenn dann aber die Autoren selber schreiben, dass wohl nichts morphologisch-anatomisch geht, weshalb sie keinen Schlüssel anbieten (und auch keinerlei Abgrenzung diskutieren - abgesehen vom Stammbaum), dann scheint auch das nicht so richtig sauber zu sein (Variationsbreite der Sporengröße bei den beiden anderen Arten... ist die wirklich gut genug untersucht?!).

Kurz gesagt: es ist wie auch schon bei den Wettersternen, der Gattung Astraeus - Artbestimmung wohl fast nur noch per ITS (teils über Fruchtkörpergröße, aber wie sicher das ist...). Die modernen Zeiten machen auch vor den Sclerodermataceae nicht halt.

Literatur:
Martín MP, Durán F, Phosri C, Watling R. (2013): A new species of Pisolithus from Spain. Mycotaxon
124: 149–154. doi.org/10.5248/124.149
Katerina Rusevska, Mitko Karadelev, Cherdchai Phosri, Margarita Dueñas, M. Teresa Telleria, Roy Watling &
María P. Martín (2015): DNA barcoding is an effective tool for differentiating Pisolithus species from Macedonia. Mycotaxon 130: 1007–1016. doi.org/10.5248/130.1007

Die Studie von Martín et al. (2013) kann man hier frei herunterladen (ebenfalls open access)

Der Artikel von Rusevska et al. (2015) ist hier frei als pdf lesen.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 7. April 2019, 02:22 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)