Autor Thema: Fomitopsis pinicola - ein Artenaggregat und die Mär der weit fliegenden Sporen  (Gelesen 87 mal)

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Offline Christoph

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Servus beinand,

ich möchte hier gerne den Inhalt einer brandneuen Publikation aus der Mycologia vorstellen (Vorabpublikation, noch keiner Ausgabe der Mycologia zugeordnet).

Gemäß des Aufsatzes von Haight et al. (2019) ist Fomitopsis pinicola in mehrere Arten aufzutrennen. Musste ja so kommen  8). Aber das betrifft nur Nordamerika. Dass es mehrere Arten gibt, die sich nicht kreuzen lassen, war schon länger bekannt. Dank der Genetik konnte man jetzt aber zwei Arten neu beschreiben:

Fomitopsis mounceae spec. nov.
Fomitopsis schrenkii spec. nov.

Fomitoptis ochracea wurde bereits 2008 von Ryvarden & Stokland, SynopsisFungorum 25: 46. beschrieben.

Schaut man sich die Fotos an, dann sieht Fomitopsis mounceae exakt wie die unsrige Art aus, Fomitopsis schrenkii wie eine etwas atypische Fruchtkörperausprägung, die aber noch in der Variationsbreite europäischen Materials entspricht. Einzig Fomitopsis ochracea hat bisserl andere Farben unf geht wohl makroskopisch. Im Mikroskop kann man mit den Sporenquotienten arbeiten, um alle vier Arten (inkl. dem europäischen Fomitopsis pinicola) knapp zu trennen.

Also: Nordamerika hat drei Arten, wir in Europa / Eurasien eine Art des Rotrandporlings i.w.S. Das heißt: bei uns geht's makroskopisch, in Nordamerika muss man sehr genau bestimmen.

Zu der Mär der sich weltweit ausbreitenden Sporen... Das zeigt, dass selbst bei Schwächeparasiten / saproben Pilzen die Sporen keine Langstreckenverbreitung ermöglichen (müssen). Sind die Sporen eben nicht dickwandig und durch Melanine geschwärzt (UV-Schutz), verlieren sie wohl recht bald ihre Keimungsfähigkeit. Selbst ein hohes Gebirge kann schon eine Barriere sein. So sind manche Röhrlinge von der nordamerikanischen Westküste näher mit Japanischen Röhrlingen als mit Arten östlich der Rocky Mountains verwandt. Die Rockys sind da offenbar unüberwindlich.

Jedenfalls hat sich nach bisherigem Kenntnisstand einerseits der Europäer Fomitopsis pinicola nicht nach Nordamerika verirrt, während sich keiner der drei "Amis" nach Europa getraut hat. Wer also schöne Fotos aus einem Urlaub in Kanada oder den USA mitgebracht hat, auf dem ein Rotrandporling zu sehen ist, sollte den nicht mit Fomitopsis pinicola unterschreiben. Diese Art wurde in Nordamerika noch nicht nachgewiesen.

Ich finde es faszinierend, dass die Sporenverbreitung eben nicht immer auf Ferndistanzen möglich ist. Sollte aber durch Holzimport mal ein transkontinentaler Transfer von Myzel / Fruchtkörpern erfolgen, könnten sich völlig unbemerkt (denn wer mikroskopiert schon Fomitopsis pinicola) neue Arten hier ansiedeln. 

Hier das Literaturzitat:
John-Erich Haight, Karen K. Nakasone, Gary A. Laursen, Scott A. Redhead, D.Lee Taylor & Jessie A. Glaeser (2019): Fomitopsis mounceae and F. schrenkii—two new speciesfrom North America in the F. pinicola complex, Mycologia, DOI: 10.1080/00275514.2018.1564449

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 30. März 2019, 02:50 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)