Autor Thema: "Großpilze" (Basidiomyzeten) auf/in Menschen  (Gelesen 30 mal)

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Offline Christoph

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"Großpilze" (Basidiomyzeten) auf/in Menschen
« Antwort #1 am: Gestern um 15:11 »
Servus beinand,

möglicherweise wird man auf einer Wanderung gefragt, ob es gefährlich sei, an Pilzen zu riechen (wegen der Sporen) und ob Waldpilze auch Menschen befallen können.

Nun, leider kann man nicht einfach "nein" antworten...

Dass es eine Vielzahl humanpathogener Pilze gibt - darunter auch Basidiomyzeten - sollte klar sein (auch wenn es im Vergleich zur Anzahl an Pilzarten ein verschwindend geringer Teil ist). Man denkt da aber eher an Hefen wie Malassezia furfur - dieser Pilz, der mit den Nacktbasidien (Exobasidion) verwandt ist, lebt eigentlich auf der Haut jedes Menschen, ist aber bei ca. 1/4 der Menschen symptomerzeugend und damit wohl der häufigste (aber ein harmloser) Mykoseauslöser.

Dass aber Großpilze auch Mykosen auslösen können, ist vermutlich nicht jedem bekannt. Schizophyllum commune ist hier als Beispiel zu nennen - und war auch schon hier im Forum ein Thema: z.B. https://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1513.0.html

Es gibt aber noch weitere - so Coprinopsis cinerea (in Form seiner Nebenfruchtform Hormographiella aspergillata). Man muss aber hier dazu sagen, dass sich dieser Tintling nur bei Patienten mit Immunsystemschwächung als Pathogen erweist.

Die Gattung Ceriporia ist auch nicht ganz harmlos. Die ostasiatische Ceriporia lacerata ist bekannt dafür, in einigen Fällen Probleme bereitet zu haben.

Volvariella volvacea - der Reisstrohpilz - wiederum hat bei (allerdings nur) einem Falls das Gehirn einer Patienten befallen.

Bjerkandera adusta hat in Japan mehrfach Asthma ausgelöst, zudem auch chronischen (nicht athamtischen) Husten.

Die Gattungen Perenniporia, Inotonus s.l., Phellinus s.l., Cyclomyces, Phanerochaete chrysosporium und Irpex lacteus haben ebenfalls Krankheiten ausgelöst. Im Fall von Irpex betraf es ein neunjähriges Mädchen, deren Lunge befallen war. Sie war allerdings Leukämiepatientin - wie gesagt, meist muss das Immunsystem stark geswchwächt sein, damit die Pilze greifen können.

Generell kann man wohl sagen, dass saptobe Arten mit großem Substraspektrum und gewisser Toleranz für extreme Standorte (siehe z.B. hier) auch auf Menschen gehen können, wenn sie nicht abgewehrt werden können.

Hinsichtlich Lungeninfektionen ist klar, dass hier jeder Pilz, dessen Sporen in der Lunge keimen, unser Immunsystem aktiviert (Allergien, Asthma) oder im Falle einer vorgeschädigten Lunge dort dann als Myzel überauern können und größere Schäden anrichten.

Insofern: keine Panik, aber doch gewissen Respekt.

Alles nachzulasen in diesem Review-Artikel:

Anuradha Chowdhary, Shallu Kathuria, Kshitij Agarwal & Jacques F. Meis (2014): Recognizing filamentous basidiomycetes as agents of human disease: A review. Medical Mycology 52: 782–797.

(frei als pdf lesbar)

Liebe Grüße,
Christoph

Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)