Autor Thema: Ein paar Pilze an Weide: Exidia recisa, Diatrype bullata, Corticium roseum usw.  (Gelesen 484 mal)

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Offline Christoph

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Servus beinand,

heute habe ich "meine" Salweide nochmal besucht.

Der schönen Ciboria caucus, die ich dort heute gefunden habe, habe ich bereits einen eigenen Thread gewidmet.

Hier eins der Fotos aus dem Parallelthread:



Darüber hinaus fand ich Hymenochaete tabacina, aber noch recht jung und nicht sehr fotogen. Sehr fotogen fand ich hingegen diesen winzigen, weißen Lamellenpilz, von dem ich dachte, es sei ein sehr junges Cheimonophyllum:


Crepidotus cesatii als Babys




Der Pilz hat einen Durchmesser von drei Millimimetern, hat aber witzigerweise bereits Sporen entwickelt



Ich hatte allerdings befürchtet, dass der Pilz noch steril sei. Gewachsen ist er an einem dünnen Salweidenzweig.
Das Mikroskop hat dann doch bereits reife Sporen (neben unreifen) herausgekitzelt. Es ist nichts anderes als Crepidotus cesatii, nur sehr jung.

Dieses Steccherinum war "natürlich" noch völlig unreif und daher noch nicht bestimmbar. Hübsch finde ich die Strukturen dennoch. Halt ein Pilz ohne Namen.



Die Artenliste ist zwar übersichtlich, aber es kommen schon ein paar Arten zusammen. Ich habe auch wenig mitgenommen, da ich um die "normalen, großen" Pyrenomyzeten meist einen Bogen mache. Leider habe ich aber keine Cortis an der Weide gefunden. Und Gallertpilze waren auch keine neuen zu sehen, nur immer noch Exidia recisa, die ja irgendwie immer an Weide zu finden ist.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 21. März 2019, 21:59 von Christoph »
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

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So, jetzt bin ich ein bisserl schlauer...

Der Resupinatus bleibt spannend. Man kann sowohl R. trichotis als auch R. applicatus ausschließen. Die Anatomie entspricht ganz gut Resupinatus striatulus im Sinne von Consiglio & Setti (2018), nur passt da - bis auf den Belag auf der Hutoberseite - die Makroskopie nicht. Es bleibt spannend.

Mittlerweile habe ich die Exidia mikroskopiert. Sie ist wie zu erwarten noch jung, sporuliert aber bereits. Die Sporen sind klein, 10,0-12,25 x 3,75-4,25 µm, Q = 2,6-3,0
Ich habe aber nur schnell neun Sporen gemessen - es sind nicht sehr viele im Präparat gewesen, die Sporen haben aber teils schon Sekundärsporen gebildet.

Es ist damit Exidia nigricans im engen Sinn. Bei Exidia schlage ich immer wieder gerne bei Neuhoff nach. Er beschreibt die typischerweise kleinsporige Exidia nigricans (als E. glandulosa) entsprechend, erwähnt aber, dass es auch Kollektionen mit deutlich größeren Sporen gibt. Das kann ich auch an eigenen Funden bestätigen. Bei mir geht das dann bis auf 18 x 6 µm rauf. Hier ist es aber die ganz typische, "normale" Exidia nigricans. Die Drüsenwarzen werden sich noch im Laufe des Wachstums ausprägen (ein Baby eben).

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Servus beinand,

mittlerweile gestern habe ich nochmal kurz die Salweide besucht und nach weiteren Pilzen Ausschau gehalten, die ich beim ersten Besuch übersehen habe oder die neu fruktifizieren.

Ich fange da erstmal mit etwas Banalem an...

Datronia mollis - ich finde die Art makroskopisch leicht kenntlich.



Die leichte Ablösbarkeit vom Substrat, der feine Geruch nach Aprikosenmarmelade beim Eintrocknen, die großen, grauen Poren mit dicken Dissipimenten.

Neu wächst Exidia cf. nigricans - noch sehr jung, ich habe sie noch nicht mikroskopiert, da ich mit der kleinen gelben Orbilia angefangen habe, die man auch auf dem Foto sieht - und die ich nicht bestimmen konnte, auch noch zu jung...





Sporen sehr klein, bis ca. 3 x 2 µm, leicht gebogen, aber nicht so stark wie Orbilia xanthostigma, geschweige denn grobwarzig. Oder junge Sporen sehen noch nicht so aus, wie sie später aussehen sollen. Da fehlt mir die Erfahrung und das Wissen. Um Orbilien habe ich meist einen Bogen gemacht.

Ein Klassiker ist Fomitiporia punctata.





Es ist die voll resupinate Schwester von Fomitiporia rubusta und F. hartigii. Es gab davon auch Leichen, aber an denen wuchs nichts mit der Lupe sichtbares, weshalb ich die Leichen im Wald gelassen habe.

Und wenn man genauer hinschaut, findet man auch so Winzlinge wie diesen Resupinatus:





Er ist der Grund, warum ich den Rest der hier gezeigten Pilze noch nicht mikroskopiert habe (bis auf die Orbilia eben). Denn ich schwimme mit der Bestimmung.

Es gibt zwar nur fünf beschriebene Arten mit Lamellen in Europa (soweit ich weiß):

Resupinatus albonigra
R. applicatus
R. kavinii
R. striatulus
R. trichotis

Allerdings ist Resupinatus applicatus ein Aggregat aus wohl fünf Arten (die Genetik...)
Resupinatus trichotis - im deutschsprachigen Raum immer und immer wieder mit R. applicatus synonymisiert, ist genetisch betrachtet deutlich eigenständig (es ist nur noch nicht klar, welcher Clade von R. applicatus der Typus ist, da nur ein Iconotypus von Batsch vorliegt...), ähnelt aber anatomisch doch sehr R. applicatus s.str.
R. kavinii kann man makroskopisch ausschließen und R. alboniger hat größere Sporen als die Kollektion hier. Und R. striatulus wächst meist an Nadelholz (aber eben nicht immer).

Bleibt R. trichotis oder R. applicatus s.l.

Und da ich keine schwarzen Haare am Fruchtkörperansatz sehe, müsste es eher R. applicatus sein. Das Ding lässt sich aber nur mit Mühe sauber mikroskopieren (komplettes Gummifleisch und Gummilamellen), sodass die Präparation wohl getrocknet leichter fällt. Zudem ist der Kristallmantel auf dem Hut überraschend - präpariert man, sieht man im Mikroskop Unmengen an groben Kristallen. Und die Cheilozystiden sind komplett miteinander verwurschtelt und kaum darzustellen (mit Mühe geht es, die langen, dünnen Dornen, die R. trichotis hier zeigt, scheinen zu fehlen).

Mehr dazu wohl in einem eigenen Thread über Resupinatus (mal schauen, wann ich dazu komme - in der Gattung hat sich einiges getan).
Jedenfalls ist es nicht so einfach, wie oft suggeriert wird. Bei Resupinatus ist noch echter Forschungsbedarf (wie bei vielen Kleingattungen).

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 5. März 2019, 20:13 von Christoph »
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Offline Christoph

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Servus beinand,

heute war ich kurz im Wald, genauer gesagt bei/unter/neben einer Salweide in einem meiner Mammendorfer Wälder. Im Sommer kann man dort kaum hin, da die Weide in einem Brennesselfeld steht (die übliche Düngung ist bei uns teils extrem). Da es aber eine alte Weide mit viel Totholz ist, lohnt sich im Frühjahr der Besuch.

Ich habe zwar banale Arten vorgefunden, die aber hübsch genug sind, dass ich sie hier zeigen will.

Mit der schönsten fange ich mal an - dem Kreiseldrüsling. Die Fruchtkörper waren heute Nachmittag noch komlplett durchgefroren - ich habe also Drüslingseis fotografiert. Nett ist, dass sie wirklich durchsichtig sind. Dieser Ast ist abgebrochen und lag am Boden - an ansitzenden Ästen waren zwar auch überall Kreiseldrüslinge, aber die waren alle zu reinen Flecken weggetrocknet.











Hyphoderma setigerum agg. findet man auch gerne an Weide, so auch ich heute:



Siehe diesbezüglich auch meine ausführliche Diskussion dazu - https://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1838.0.html

An Weidenästen findet man natürlich immer irgendwo Diatrype bullata, das Blasige Eckenscheibchen (wobei der Name schräg ist, da ich keine Ecken sehe...).





Auf der Astunterseite wuchs dann Corticium roseum - auch sehr häufig. Diese Art sporuliert nur innerhalb eines sehr kuren Zeitraums im Frühling. Meist kann man also keine Sporen bewundern.





Als Abschluss noch die bereits im "Daedaleopsis-tricolor-Thread" gezeigte Deadaleopsis confragosa in einer netten, rotschwarzen Wuchsform (und reativ normal mit ausgezogenen Poren):













Liebe Grüße und danke für die virtuelle Begleitung bei meinem kleinen Salweidenbesuch,
Christoph
« Letzte Änderung: 23. Februar 2019, 22:50 von Christoph »
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