Autor Thema: Exidiopsis effusa - offene Fragen zum Artkonzept  (Gelesen 199 mal)

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Offline Christoph

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Exidiopsis effusa - offene Fragen zum Artkonzept
« Antwort #1 am: 27. Februar 2019, 22:14 »
Hallo zusammen,

angeregt durch einen Thread im EU-Forum möchte ich hier einen allgemeinen Thread zum Thema Exidiopsis effusa starten.

Über Exidiopsis grisea, der nächstverwandten Art in der interessanten Gattung Exidiopsis gibt es hier ja bereits einen Thread, der die Abgrenzung zu Exidiopsis effusa beinhaltet.

Nur was genau ist Exidiopsis effusa genau?

Nach Wells & Raitviir (1977) sowie dem Konzept von Oberwinkler (1963) handelt es sich um eine Art, die sehr dünne Überzüge ausbildet und deren Sporen relativ lang und breit werden können:
Das Konzept von Oberwinkler (1963) nennt Sporenmaße von (10-)13-17 x 3,5-4,5 µm, das Konzept von Wells & Raitviir (1977) Sporenmaße von (11-)12,5-16 x (4,5-)5-7 µm.

Exidiopsis grisea unterschiedet sich dem folgend durch dickere Fruchtkörper (die wirklich sehr dick werden können) und kleinere Sporen (sowie das bevorzugte Substrat Tanne, während Exidiopsis effusa an Laubholz vorkommt, sehr gerne an Buche).

Das Problem: Roberts (1993) definiert Exidiopsis (im raum Devon, Großbritannien) als kleinsporig: Sporen 10,5-14,0(-15,0) x 3,5-4,5 µm. Er hat keine Kollektion mit den langen und breiten Sporen, wie sie die anderen Autoren angeben.

Da Exidiopsis effusa eigentlich makroskopisch leicht kenntlich ist, habe ich auch (leider) viel zu wenige Proben analysiert und auch kaum Belege angefertigt.

Meine wenigen Proben ergaben:

Sporenmaße einer Kollektion aus der Schrödelhütte im Nationalpark Bayerischer Wald: (n=30) 11-15,1-18(-21) x 4-4,9-5,5(-6) µm

Hier Fotos dieser Kollektion:






Fruchtkörper sehr dünn!

Eine weitere Kollektion am gleichen Tag aus dem NSG Mittelsteighütte im Nationalpark Bayerischer Wald (auch an Fagus) - Sammelgenehmigung / Betretungsgenehmigung lagen natürlich vor:

(n=30) 11,5-13,8-16(-16,5) x 4-4,7-5 µm

Dann an Corylus (BayerWald, Zwiesel-Rabenstein, Ableg) vom 7.4.2010:
12,75-13,9-16,25 x 4,75-5,4-5,75(-6.25) µm (Fruchtkörper noch jung, wenige Sporen...)

Foto dieser Kollektion:


All das bestätigt ja die Interpretation von Oberwinkler sowie Wells und Raitviir.

Ich hatte aber auch eine kurzsporige Kollektion - damals hatte ich aber leider kein Foto gemacht und, da ich nur kurz reinmikroskopiert hatte, auch nur wenig Sporen gemessen hatte. Ich muss den Beleg bei Gelegenheit raussuchen und nachbearbeiten...

Hier die gemessenen Sporen, Notizen und Dikaryophysen:



Es fällt auf, dass die Dikaryophysen nicht die breite Basis zeigen, die Wells & Raitviir für Exidiopsis effusa ziegen (siehe unten). Die Bestimmung als Exidiopsis effusa ist damit - neben den Sporenmaßen - natürlich fraglich.

Falls jemand mitmachen möchte und einfach über die Saison (oder auch über längere Zeit) Kollektionen von makroskopisch typischen Exidiopsis effusa-Fruchtkörpern fotografieren, die Sporen messen und Dikaryophysen ansehen / fotografieren / zeichnen möchte, wäre das super. Wer weiß, vielleicht gibt es ja wirklich zwei unterschiedliche Ausprägungen (egal auf welcher Rangstufe). Sollte sich was ergeben, kann man dann ja auch genetisch prüfen lassen (wobei das bei so extrem dünnen Fruchtkörpern, die getrocknet fast unsichtbar sind, nicht ganz so einfach ist. Das aber, wenn es mal soweit sein sollte.

Hier noch als Schmankerl die Tafel aus Wells und Raitviir (1977: 993), die Exidiopsis effusa in deren Sinn zeigt:



Literatur:
Oberwinkler F. (1963): Niedere Basidiomyceten aus Südbayern III. Die Gattung Sebacina. Berichte der Bayerischen botanischen Gesellschaft 36, 41-55.

Roberts P. (1993): Exidiopsis species from Devon, including the new segregate genera Ceratosebacina, Endoperplexa, Microsebacina, and Serendipita. Mycol. Res. 97(4): 467-478

Wells K. & Raitviir A. (1977) The species of Exidiopsis (Tremellaceae) of the USSR. Mycologia 69: 987-1007

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 27. Februar 2019, 22:18 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)