Autor Thema: Waldpilze immer noch radioaktiv belastet  (Gelesen 157 mal)

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Offline Christoph

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Re: Waldpilze immer noch radioaktiv belastet
« Antwort #2 am: 18. Oktober 2018, 23:32 »
Servus Schorsch,

vielen Dank für die Infos und die Links!

Leider wird uns das Thema noch lange verfolgen. Auch wenn die Menge an Caesium im Boden insgesamt abnimmt, gibt es eben Pilze, die Caesium anreichern. Das können sie auch, wenn weniger Caesium verfügbar ist (es löst sich ja wieder aus dem Mineralboden, wenn es das frei verfügbare Caesium vom Pilz aufgenommen wurde) - Stichwort Löslichkeitsprodukt.

Ein Beispiel wäre hier die Gattung Elaphomyces - die Hirschtrüffeln. Das sind die besten Caesiumsammler, die bislang bekannt sind (bis über 120.000 bq / kg Frischmasse). Und die Wuidschweinderl fressen das und sind dann Sondermüll (falls erlegt).

Ein weiterer Effekt ist, dass durch das Lösen, wieder Mineralisieren, wieder Lösen das Caesium langsam aber sicher in tiefere Bodenschichten transportiert wird - jetzt können Arten mit etwas tiefer liegendem Myzel mehr Aufnehmen als früher - das heißt, die Belastung kann bei manchen Arten ansteigen, obwohl das Caesium insgesamt abgenommen hat.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Schorsch

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Waldpilze immer noch radioaktiv belastet
« Antwort #1 am: 18. Oktober 2018, 10:06 »
Nach Tschernobyl: Waldpilze immer noch radioaktiv belastet
Süddeutsche Zeitung, 17. Oktober 2018 14:25
https://www.sueddeutsche.de/news/panorama/atomunfaelle---salzgitter-nach-tschernobyl-waldpilze-immer-noch-radioaktiv-belastet-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-181017-99-411975
Direkt aus dem dpa-Newskanal

München (dpa/lby) - Mehr als drei Jahrzehnte nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl sind einzelne Waldpilzarten in Bayern immer noch stark radioaktiv belastet. Dies teilte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Mittwoch mit. Betroffen sind demnach Sorten wie Braunscheibige und Orangefalbe Schnecklinge oder Rotbraune Semmelstoppelpilze, bei denen noch immer deutlich erhöhte Werte von radioaktivem Cäsium gemessen werden.
Besonders belastete Pilze kommen laut BfS nach wie vor vor allem im Bayerischen Wald, im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt und in der Region Mittenwald vor. Wegen seiner Halbwertszeit von rund 30 Jahren sei das aus dem Tschernobyl-Unfall stammende Cäsium-137 bisher nur etwa zur Hälfte zerfallen.
Wer diese höher belasteten Wildpilze isst, kann den Angaben zufolge mit einer einzigen Mahlzeit mehr Cäsium-137 zu sich nehmen als mit anderen Lebensmitteln innerhalb eines ganzen Jahres. Gesundheitliche Folgen seien aber nicht zu befürchten.
Nach dem Super-Gau in dem Atomkraftwerk in der Ukraine im Jahr 1986 wurden die genannten Gebiete in Bayern zehn Mal heftiger belastet als beispielsweise Norddeutschland.

Weiterer interessanter Link:
http://www.umweltinstitut.org/themen/radioaktivitaet/messungen/waldproduktmessungen.html
Gfrei di, dass regnt, wei wenns di net gfreist, regnts aa. (nach Karl Valentin)