Autor Thema: Physisporinus crocatus (= Rigidoporus crocatus) aus Oberösterreich  (Gelesen 664 mal)

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Offline Christoph

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Physisporinus crocatus (= Rigidoporus crocatus) aus Oberösterreich
« Antwort #1 am: 4. September 2018, 18:18 »
Hallo zusammen,

ich hatte das Vergnügen, auch dieses Jahr wieder bei der Seminarwoche der ARGE Österreichischer Pilzberater dabei sein zu dürfen. Wir haben einige tolle Funde machen können. Einen will ich hier vorstellen. Bayerwaldfreunde werden ihn aus dem Nationalpark kennen. Umso überraschter war ich, diesen wirklich einzigartigen Porling außerhalb der Mittelsteighütte und des Watzlikhains zu finden:


Physisporinus crocatus zusammen mit Pseudohydnum gelatinosum (wer entdeckt letzteren auf dem Foto?)

Makroskopisch fällt auf, dass die Poren sehr fein sind und auf Druck schmuztzig rötlich flecken, woraus später ein bräunlich wird. Der Fruchtkörperrand wirkt etwas wachsig-glasig, der Farbeindruck ist insgesamt freudig gelbbräunlich bis safranbräunlich.

Im Mikroskop fallen die einfachen Septen (also keine Schnallen), das monomitische Hyphensystem und die fast runden Sporen - 4-5 x 3,75-4,5 µm - auf. Was mich überraschte: an den Röhrenmündungen konnte man regelmäßig Kristallinkrustationen an den Endzellenspitzen beobachten. Das ist mir früher nicht aufgefallen.

Nach etwas Recherche fand ich genau das beschrieben und gezeichnet - und zwar in Heikki Kotiranta, Nadya Ushakova & Victor A. Mukhin (2007):  Polypore (Aphyllophorales, Basidiomycetes) studies in Russia. 2. Central Ural. Ann. Bot. Fennici 44: 103–127

Der Waldbestand zeigte zwar Nutzungsspuren (Stümpfe), war aber sehr naturnah und wird nur sehr eingeschränkt genutzt. Es ist geplant, die Nutzung hier völlig einzustellen. Physisporinus crocatus kenne ich als Naturnähezeiger, der die Qualität des Bestandes unterstreicht. Das Substrat war ein Finalfauler Nadelholzstrunk (Fichten und Tannen als lebender Baumbestand).

Der Fundort sind die Wälder am Pyhrnpass kurz vor der Grenze zur Steiermark.

Früher war die Art in der Gattung Rigidoporus aufgehoben. Der wachsige Fruchtkörperrand und das Flekcen auf Druck erinnern aber durchaus an Physisporinus. Und siehe da... Fang Wu, Jia-Jia Chen, Xiao-Hong Ji, Josef Vlasák & Yu-Cheng Dai (2017): Phylogeny and diversity of the morphologically similar polypore genera Rigidoporus, Physisporinus, Oxyporus, and Leucophellinus. Mycologia 109(5): 749–765 ... zeigen, dass die Gattung Rigidoporus im alten Sinn polyphyletisch ist und manche Arten zu Physisporinus gehören - darunter auch "Rigidoporus" crocatus. Insofern passt hier die Genetik auch zum Bauchgefühl (Wachsigkeit, Fleckigkeit, enge Poren usw.).

Unter welcher Gattung die Art aber auch firmiert - es ist ein schöner Porling, der sehr schützenswert ist. Vorkommen sollten unbedingt gemeldet werden.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 4. September 2018, 18:21 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)