Autor Thema: Schlüssel des Phaeotremella-foliacea-Komplexes  (Gelesen 159 mal)

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Offline Christoph

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Schlüssel des Phaeotremella-foliacea-Komplexes
« Antwort #1 am: 19. August 2018, 23:43 »
Hallo zusammen,

noch in der Phase wirklich extremer Temperaturen bin ich beim Gassigehen (nur mit dem Handy bewaffnet) über eine Zitterling gestolpert, den ich dummerweise einfach nur makroskopisch als "Tremella" foliacea an Laubholz bestimmt habe. Ich hatte nichtmal ein Messer dabei und habe ihn daher im Wald gelassen (25.7.2018). Später habe ich dann im Funga-Austria-Forum diesen hochinteressanten Beitrag von Gernot gelesen - und stolperte da über Phaeotremella frondosae.

Hier das Foto meines Fundes:



Von der Art hatte ich noch nicht gehört - Kunststück, ist die Überarbeitung des Phaeotremella-foliacea-Formenkreises (Spirin et al. 2018) gerade erst publiziert worden. Dass die Gattung Tremella aufgespalten war, wusste ich zumindest schon, die Gattung Phaeotremella sagte mir etwas.

Die Arbeit von Spirin et al. (2018) enthält aber leider keinen Schlüssel zu den einzelnen Arten. Das liegt vermutlich daran, dass zwei Arten kaum bekannt sind (Phaeotremella fuscosuccinea und Ph. roseotincta) und wohl auch daran, dass sich zwei Arten, namentlich Phaeotremella frondosae und Phaetroemella fimbriata in ihren Merkmalen überschneiden. Leider sind nur typischen Phaeotremella frondosae-Kollektionen klassisch bestimmbar, während untypische auch wie eine Ph. fimbriata daherkommen können (die Sporenmaße überlappen sich, auch Phaeotremella frondosae kann mal schwärzen und sie kann auch kleine Fruchtkörper an Stereum rugosum / an Erle bilden - vergleiche im Schlüssel...). Es ist aber wenig wahrscheinlich, dass bei einem Fruchtkörper wirklich alle wackeligen Merkmale einseitig ausfallen. Im Schlüssel sind die Merkmale zu finden... Im Zweifelsfall sind die beiden "natürlich" problemlos über Sequenzierung zu trennen.

Mein Fund müsste Phaeotremella frondosae sein - Laubholz, aber keine Erle (muss da nochmal genauer nachsehen, war seitdem nichtgmehr am Fundort), Wirt war Stereum hirsutum (was Ph. fimbriata ausschließt), die Fruchtkörper waren recht hellbraun, aber sie haben etwas geschwärzt, was Ph. frondosae ja darf (ich dachte vorher, alle Blattartigen Zitterlinge würden schwärzen).

Langer Rede kurzer Sinn - ich habe einen Schlüssel für die Artengruppe aus dem Artikel von Spirin et al. (2018) gebastelt. Ich hänge ihn auch als Word-Dokument an, damit das Layout passt, kopiere ihn wie sonst auch zum direkten Lesen hier mit rein. Viel Spaß und Erfolg beim Nutzen des Schlüssels - Phaeotremella frondosae und Phaeotremella fimbriata müssen dringend nachkartiert werden, da sie früher ja nicht von "Tremella" foliacea getrennt wurden.

Liebe Grüße,
Christoph


Schlüssel des Phaeotremella-foliacea-Aggregats
(von C. Hahn nach der Studie von Spirin et al. 2018)


1.    an Nadelholz, parasitisch an Stereum sanguinolentum …………………………………………………………….. 2
1*    an Laubholz, an anderen Wirten parasitierend (insbesondere Stereum rugosum oder Stereum hirsutum) …………………………………………………………………………………………………..………………………..……. 3

2(1)    Fruchtkörper braun, aber zu den Enden der Lappen hin heller, rosa-ockerlich; Sporen ellipsoid, (6,5-)7-10(-10,75) x 5-8 µm, Q = 1,3-1,4 ….………………………..….……… Phaeotremella fuscosuccinea
2*    Fruchtkörper einheitlich braun, Lappenenden nicht blasser; Sporen sobglobos bis breit ellipsoid, 5,25-9(-10,25) x (4,5-)4,75-8,5(-9,5) µm, Q = 1,1-1,2 …………………………….. Phaeotremella foliacea

3(1)    Fruchtkörper beim Trocknen nicht schwärzend ……………………………………………………………………….. 4
3*    Fruchtkörper beim Trocknen t schwärzend (Herbarbeleg schwarz)  …………………………………………. 5

4(3)    Fruchtkörper braun, aber zu den Enden der Lappen hin heller, rosa-ockerlich ………………………….
…………………………………………..………………………………………………………….... Phaeotremella roseotincta
4*    Fruchtkörper einheitlich braun ………………………………………………………….. Phaeotremella frondosae

5(3) Frische, noch nicht geschwärzte Fruchtkörper mit deutlichem Rostton, ansonsten eher schmutzig graubraun;  Sporen überwiegend ovoid bis ellipsoid, Qmin = 1,2 (Q = 1,2-1,5, Qm = 1,3); ostasiatische Art, bislang nur von Quercus bekannt ………….…………………. Phaeotremella eugeniae
5*   Frische, noch nicht geschwärzte Fruchtkörper ohne Rosttöne und deutlicher braun, weniger schmutzige Grautöne enthalten; Sporen subglobos bis ellipsoid (selten auch globose Sporen in einer Kollektion), in jeder Kollektion zumindest mit subglobosen Sporen, Qmin < 1,2 (Q= 1,0-1,6); europäische Arten …………………………………………………………………………………………………………… 6

6(5) Fruchtkörper deutlich schwärzend; Sporen meist recht klein, 5,25-8(-8,25) x (4,25-)4,5-6,5(-7) µm; Fruchtkörper dunkelbraun, relativ klein, bis 4 cm Durchmesser; an Betulaceae (v.a. Alnus), an Stereum rugosum parasitierend ……………………………………………..…….. Phaeotremella fimbriata
6*    Fruchtkörper meist nicht schwärzend; Sporen meist größer, (6-)6,25-10,25(-10,75) x 5-8,75(-9) µm (es gibt aber kleinsporige Kollektionen, die anhand der Sporenmaße nicht von Ph. fimbriata zu trennen sind); Fruchtkörper meist hellbraun, groß und kräftig, bis 7 cm im Durchmesser; an diversen Laubhölzern, an Stereum hirsutum und Stereum rugosum parasitierend …………………….
……………………..…………………………………………………………………………………… Phaeotremella frondosae

Literatur:
SPIRIN V, MALYSHEVA V, YURKOV A, MIETTINEN O, LARSSON K-H (2018): Studies in the Phaeotremella foliacea group (Tremellomycetes, Basidiomycota). Mycol. Prog. 17:451–466.
« Letzte Änderung: 19. August 2018, 23:45 von Christoph »
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