Autor Thema: Butyriboletus - ein neues Merkmal?  (Gelesen 940 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Renate

  • Beiträge: 26
Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Antwort #6 am: 10. März 2019, 22:48 »
Lieber Christoph,

ja das ist der gleiche Pilz. Ich hänge mal Bilder von einer anderen Kamera an. Geblaut hat er beim "Fuhrwerken" schon, beim einfach Durchschneiden kaum. Ich habe nämlich den Mittelteil herausgeschnitten um ein schönes Schnittbild zu erhalten.

Mikroskopiert habe ich nicht, da fehlte mir einfach die Zeit. Aber grundsätzlich wäre das eine Erklärung für das unterschiedliche Blauen, das ich mittlerweile sehe. Einmal alles, einmal nur ein Teil des Pilzes. Vielleicht lässt sich das dieses Jahr mit Glück und mehr Zeit fürs Mikroskopieren klären.

Liebe Grüße
Renate

Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.096
  • Präsident
    • BMG e.V.
Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Antwort #5 am: 10. März 2019, 21:20 »
Liebe Renate,

schön dass du dran bleibst. Spannende Sache!

Der Anhängselröhrling, den du zeigst (img3621 und EOS7536 - sind das beide der gleiche Pilz?) sieht nach B. subappendiculatus aus, wenn beide Bilder zusammengehören. Das Fleisch im Stiel ist schon sehr blass / weiß und etwas blauen darf der auch ab und an mal. Im Mikroskop verrät er sich (wenn reif) durch einen deutlich größeren Sporenquotient.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Renate

  • Beiträge: 26
Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Antwort #4 am: 10. März 2019, 15:06 »
Hallo zusammen,

vor Beginn der neuen Saison für Röhrlinge gebe ich Euch einen kurzen Zwischenbericht über meine Einfrierexperimente. Kurz vorweg: es ist spannend und bringt Überraschendes.

Aus Vereinfachungsgründen verwende ich überwiegend die deutschen (Sammel-)begriffe. Da ich im Sommer phasenweise beruflich sehr beansprucht war, bin ich froh gewesen, überhaupt in den Wald zu kommen und habe daher auf die genauere Bestimmung verzichtet.

Letztes Jahr gab es viele Röhrlinge, darunter auch viele Anhängselröhrlinge, und so konnte ich ein paar Pilze zum Einfrieren sammeln. Beim Auftauen zeigten sich unterschiedliche Färbeverhalten. Die altbekannten Speisepilze verhielten sich wie erwartet. Keine spektakulären Farb-Veränderungen bei Steinpilzen, Maronen, Flockenstieligen Hexenröhrlingen, Jagahaxn (=Birkenpilze), Rotkappen, und Rotfußröhrlingen.

Auch der Schönfußröhrling blaute schön beim Aufschneiden, aber beim Auftauen gab es nichts Besonderes.

Die etwas selteneren Röhrlinge waren dann schon für Überraschungen gut. Ich kenne jetzt drei neue Varianten des Auftauens. Damit ergibt sich als Zwischenstand:

Butyriboletus spec: Blau/Türkis/Gelb über den Röhren und nicht vollständig bis zur Huthaut, vereinzelt Blau in/an den Röhren. Hier bestimmte ich makroskopisch B. appendiculatis, neue Fundstellen. Ich habe dickere Stücke eingefroren und eines während des Auftauvorganges aufgeschnitten. Es war außen und innen verfärbt. Außen mehr, innen etwas weniger, damit ist für mich die Temperatur entscheidend für die Veränderung und nicht der Luftkontakt.

Butyriboletus spec: sehr geringe Reaktion, ist noch zu klären, neue Fundstellen

Boletus spec.: Rosa/Rot im Hut, Blau im Stiel
Dieser hat mich im Sommer ziemlich genarrt. Ich habe mich über eine Gruppe Butyriboletus gefreut und im Eifer des Gefechts den benachbarten Schwammerl auch gleich als solchen betitelt. Bloß bei der Geschmackskontrolle war er bitter. Da es sehr heiß und trocken war und das die ersten dieser Art in dem Sommer waren, habe ich das zunächst als überständigen Pilz abgetan. Ein paar Tage später gab es dann an dieser Stelle wieder welche und ich habe einen frisch gewachsenen probiert, der war genauso bitter. Ich hoffe drauf, dass er wieder wächst, dass er wiederholbar diese Farbreaktion zeigt und ich ihn dann eindeutig bestimmen kann.

Es bleibt spannend.

Viele Grüße
Renate


Offline Renate

  • Beiträge: 26
Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Antwort #3 am: 9. Juli 2018, 18:43 »
Lieber Christoph,

Vielen Dank für Deine Antwort. Ich sehe schon das wird eine tolle Gemeinschaftsaktion.

Was für einen Rattenschwanz von Konsequenzen so eine Beobachtung doch nach sich zieht, wenn man den Dingen dann auf den Grund gehen will. Alleine könnte ich das gar nicht lösen. Da bin ich dankbar für Deine Anregungen, auch zur Idee der Gattungsabgrenzung oder die von Till zur Artabgrenzung, und für Eure Hilfe und Bereitschaft das zu diskutieren. Verschiedene Versuchsanordnungen hatte ich schon im Kopf, aber eben nicht in dieser Klarheit die Zielrichtung formuliert, das hätte ich mir nicht zugetraut. Da war ich noch einen Schritt zurück.

Überschüsse friere ich immer roh ein, das habe ich so von meiner Mutter gelernt (ich bin 53 Jahre alt), alternativ das fertige Gericht, wenn tatsächlich was übrig bleibt. Blanchieren gab es bei uns zuhause bei Pilzen nicht.

Bei mir ist das in dieser Intensität sonst nicht aufgetaucht, an gelblich kann ich mich erinnern, an Grün/Blau in dieser Intensität nicht, aber das werde ich auf alle Fälle testen und vor allem dokumentieren.

Es wird eine Weile dauern, bis die Blauenden bei uns alle wachsen und ich die testen kann.

Caloboletus werde ich auf jeden Fall auch testen.

Liebe Grüße

Renate


Offline Christoph

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2.096
  • Präsident
    • BMG e.V.
Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Antwort #2 am: 9. Juli 2018, 00:19 »
Liebe Renate,

vielen Dank für diese interessante Beobachtung! Wir hatten uns ja schonmal darüber ausgetauscht.

Was man aber vielleicht mal prüfen sollte: wenn du oder jemand (auch ich) einen frischen Hexenröhrling finden sollte (die blauen ja auch), dann vielleicht einfach mal roh in Scheiben einfrieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie beim Auftauen dann auch blauen.

Das Blauen ist ja meist ein Pulvinsäurederivat bei den Röhrlingen, z.B. Variegatsäure oder Xerocomsäure. Und auch B. appendiculatus blaut ja an Luftkontakt, was eben genau diese Pulvinsäuren bewirken (ich weiß jetzt nur nicht im Kopf, ob beide oder nur eine im Anhängselröhrling vorkommt). Wenn dieses "Auftauen-Blauen" auch bei Hexenröhrlingen, Maronenröhrlingen und anderen Blauenden (z.B. Caloboletus usw.) auftritt, dann wäre das Rätsel gelöst. Meist friert man ja nicht roh ein.

Oder hast du schon Vergleichsversuche mit anderen blauenden Röhrlingen gemacht?

Das Problem müsste man chmeisch angehen - wenn es wirklich nur bei Butyriboletus auftreten sollte, dann wäre das durchaus auch für eine Uni bekannt. In dem Fall kann ich gerne versuchen, Kontakt herzustellen. Vorher müsste nur die simpelste Lösung (Pulvinsäuren) ausgeschlossen werden.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Renate

  • Beiträge: 26
Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Antwort #1 am: 3. Juli 2018, 13:29 »
Liebe Pilzfreunde,

Nachdem die Röhrlingssaison voll begonnen hat, möchte ich Euch eine Beobachtung mitteilen, die ich für interessant und erwähnenswert halte.

Meine Beobachtung/These: Butyriboletus, im speziellen der Anhängselröhrling (Butyriboletus appendiculatis) blaut/grünt beim Auftauen.

Friert man Anhängselröhrlinge küchenfertig ein, d.h. in kleine Stücke geschnitten, weitgehend luftdicht verpackt, so blauen/grünen sie beim Auftauvorgang. Dazu werden sie aus dem Gefrierschrank geholt, aus der Einfriertüte genommen, auf einen Teller gelegt und bei Zimmertemperatur (warm) stehen gelassen bis sie gut angetaut, aber noch nicht aufgetaut sind. Sie nehmen dann eine farbenfreudige gelb/grün/türkis/blaue Färbung an.

Siehe Bilder unten: viele kleine Stücke vor dem Einfrieren, 2 gelb/weiße Stücke unmittelbar nach der Entnahme aus dem Gefrierschrank, diese 2 gelben Stücke nachdem ich eines unmittelbar darauf gedreht hatte, diese 2 Stücke in blau und gelb/türkis 5 Minuten nach der Entnahme, nach 15 Minuten die gleichen Farben (ohne Fotos).

Gibt man diese Pilze in eine Pfanne und brät sie, so werden sie im Verlauf des Erhitzens wieder gelb. Sie schmecken dann auch ganz normal (gut). Lässt man sie stehen, verändern sie beim vollständigen Auftauen ebenfalls wieder die Farbe in gelb.

Solange nicht geklärt ist, wie diese Reaktion der Farbveränderung zustande kommt, und dass das gesundheitlich unschädlich ist, bitte nicht nachmachen und essen. Vielleicht ist ja doch was in Punkto Gesundheit so giftig wie die Farbe, die dabei entsteht.

Ich werde sie auch nicht mehr essen. Ausserdem sind sie ja, wie ich mittlerweile weiß, sehr selten und geschützt.

Meine Fragen an Euch, soweit Ihr das wißt und Zeit und Lust habt das zu sagen:

Habt Ihr ähnliche Erfahrung beim Auftauen von Pilzen gemacht? (die Literatur gibt nichts her)
Kennt Ihr diese Farbveränderung beim Auftauen von Butyriboletus appendiculatis? (ist das ein lokales Phänomen oder allgemein?)
Kennt Ihr diese Farbveränderung von anderen Butyriboletus (ausser B. appendiculatis)? (Art/-Gattungsabgrenzung, vielleicht stimmt ja meine Artbestimmung nicht.)
Habt ihr ein gutes Foto von einer ganzen Portion? (Das wäre schöner und aussagekräftiger als meine paar Stücke)
(Leuchten die im Dunkeln?)

Ich habe schon einige Leute gefragt, keiner kannte das, die Literatur weiß nichts und das Internet sagt dazu nichts. Allerdings sind im Gespräch super Antworten und Anregungen gekommen.

Sollte meine These nicht stimmen, so freue ich mich doch auf Eure Antworten. Dann weiß ich wenigstens, dass es das nicht ist und ich weiter nach einem Grund für diese Beobachtung suchen muss.

Ich freue mich auf Eure Antworten und bedanke mich schon im Voraus

Liebe Grüße
Renate