Autor Thema: Rhizopogon verii aus der Region Pottenstein  (Gelesen 365 mal)

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Offline Christoph

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Re: Rhizopogon verii!
« Antwort #2 am: 8. März 2018, 17:31 »
Hallo zusammen,

so, jetzt kann ich meine eigene Frage selbst beantworten  ;). Ich bin dem Artikel von Gunnar Hensel gefolgt, der Rhizopogon verii und Rhizopogon luteolus gegenüberstellt und vergleicht. Liest man aber die Arbeit von Sulzbacher et al. (2016), so kann man dort nachlesen, dass Rhizopogon verii im Gegenteil einen recht hohen Sporenquotienten aufweist:

"Basidiospores 5–8 × 2–3 μm (L = 6.6 μm, W=2.3 μm, Q=2–3.5 (– 4.5), Qm=2.94), narrowly ellipsoid, elongate to slightly cylindrical."

Zudem wird dort ganz explizit auf die Basidienform als Trennmerkmal anhand vieler Kollektionen eingegangen. Die Basidien des hier vorgestellten Fundes passen wunderbar aufd Rhizopogon verii. Dann erwähnt der Artikel dunkle Hyphen in der äußersten Peridienperipherie. Ich habe dunkle, inkrustierte Hyphen gesehen, diese aber als Fremdhyphen interpretiert und daher nicht weiter beachtet. Hier erschwert aber der Zustand des Belegs die genaue Analyse.

Nachdem Gunnars Fund, den er vorstellt, genetisch ja auch Rh. verii ist, kann Rh. verii also auch Sporen mit kleinerem Quotienten haben, muss das aber nicht. Sulzbacher et al. (2016) schreiben, dass sich beide Arten nicht anhand der Sporen trennen lassen. Die Sporen sind zwar für die dortige Umschreibung von Rh. verii zwar zu groß, aber bei Rhizopogon sind die Sporenmaße an sich ja eh oft sehr uneinheitlich. Das stört mich also nicht.

Ich bin nur wegen der Sporenform über Gunnars Artikel zu Rh. luteolus gekommen. Die kleinen Fruchtkörper, die Basidienform, die für mein Erachten doch recht dichte Peridie (die Sulzbacher et al 2015 auch entsprechend zeichnen) sprechen dann doch klar für Rhizopogon verii. Gunnars Fund ist eher aberrant, was die Merkmale angeht, sodass man bei solchen Funden dann wohl die Genetik neben der Makroskopie zur Trennung anwenden muss. Bei dem hier vorgestellten Fund bin ich mir nach dem Lesen des Artikels von Sulzbacher et al. (2016) jetzt doch sehr sicher, dass es sich hier auch um Rh. verii handelt. Ich werde den Rhizopogon-Schlüssel hier entsprechend zeitnah überarbeiten und die dort verwendeten Sporenmaße, Gunnar folgend, dann doch wieder rausnehmen müssen.

So passt jetzt doch alles zusammen, finde ich. Und es zeigt, dass Sulzbacher et al. (2016) recht haben, dass hier die Sporen nicht zur Trennung taugen - zumal hier auch eine großsporige Rh. verii vorliegt. Hundertprozentig wäre die Bestimmung natürlich über die ITS oder über einen gut erhaltenen, frischen Fund mit deutlichen Rhizomorphen rundherum (Farbe der Rhizomorphen ist heller, rötlicher als bei Rh. luteolus).

Ich ändere daher den Ausgangsbeitrag nachträglich (erkennbar) ein wenig und lege mich jetzt auf Rh. verii s. str. fest.

Liebe Grüße,
Christoph

Hier noch die Literaturstellen:

Hensel G (2017): Über eine unbeachtete Wurzeltrüffel – Rhizopogon verii Pacioni. Z. Mykol. 82(2): 349-353.

Martín MP (1996): The Genus Rhizopogon in Europe. Ediciones especials de la Societat Catalana de Micologia.

Sulzbacher MA, Grebenc T, García MÁ, Silva BD, Silveira A, Antoniolli ZI, Marinho P, Münzenberger B, Telleria MT, Baseia IG, Martín MP (2016): Molecular and morphological analyses confirm Rhizopogon verii as a widely distributed ectomycorrhizal false truffle in Europe, and its presence in South America. Mycorrhiza DOI 10.1007/s00572-015-0678-8
« Letzte Änderung: 8. März 2018, 17:43 von Christoph »
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Offline Christoph

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Rhizopogon verii aus der Region Pottenstein
« Antwort #1 am: 7. März 2018, 15:56 »
Hallo zusammen,

ich hoffe, dass hier auch Pilzfreundinnen / Pilzfreunde mitlesen, die sich mit Rhizopogon beschäftigen. In einem Hypogäen-Forum wurde ich auf eine Aufsammlung eines Wurzeltrüffels aufmerksam:







Eine Kollektion stammt 16.12.2017, eine zweite (ein Fruchtkörper) vom 31.12.2017 - also sehr spät für einen Wurzeltrüffel, da die ja mehr im Spätsommer bis Herbst wachsen, aber der Winter kam bei uns ja erst im Februar. Dennoch ist der Fruchtkörper schon sehr matschig gewesen. Die Finderin, Doris Karwath, hat mir einen Beleg dankenswerterweise zugeschickt und mir erlaubt, ihre Fotos von den Fruchtkörpern und dem Habitat hier zu nutzen und hochzuladen. Die Mikrozeichnungen wiederum stammen von mir.

Die Peridie war gelb, reagierte nicht auf Druck mit irgendwelchen Rottönen, sondern blieb gelb. Rhizomorphen sind auf dem Bild nicht rundherum auszumachen, aber unter dem Bino sieht man am Trockenbeleg durchaus an mehreren Stellen dunkle Rhizomorphen. Der Beleg ist aber so krümelig und brüchig, dass ich kaum saubere Schnitte durch die Peridie machen konnte.

Die Peridie besteht aus parallel verlaufenden Hyphen, wie es bei Rhizopogon roseolus der Fall ist. Man sieht aber auch quer verlaufende Hyphenbündel, was dann dort nicht vorkommt, sondern auf den Formenkreis rund um Rh. luteolus hindeutet:



Ich kenne die Struktur da nur "fluffiger", nicht so dicht, sondern mit Platz zwischen den Bündeln, habe aber noch nie so einen matschigen Fruchtkörper angeschaut. Bakterien waren aber nicht im Präparat, sondern nur normal wirkende Hyphen. Nun gut...

Ich würde die Peridie daher mit etwas Einschränkung als "luteolus-Struktur" ss. Martín (1996) ansprechen. Auffällig finde ich aber, dass die Hyphen der Perdie meist dicht und deutlich inkrustiert sind (farbloses Inkrustat). Die Hyphenbreiten (Peridie) betragen ca. 3,75-6,75(-7,5) µm. Abziehende Hyphen sind erkennbar, sind aber abgebrochen - schwer zu interpretieren. Eine zweite, deutliche äußere Schicht ("villosulus-Struktur") fehlt aber.

Die Sporen sind sehr variabel in der Größe, aber sehr schmal im Vergleich zur Länge:


Sporen von Rh. cf. luteolus - es sind mehr trunkate Sporen gezeichnet, als prozentual vorkommen, um dieses Merkmal hervorzuheben - so wurde insgesamt auch nur eine so breit gestutzte Spore wie gezeichnet gesehen. Auf Sporenfotos geht das Abgestuzte meist verloren, da man das nur in der passenden Schärfeebene erkennen kann.

Ich habe folgende Maße ermittelt (n = 20, in 0,25 µm-Schritten gerundet):

(6,75-)7,0-9,2-11,5(-12,5) x 2,5-3,0-3,75 µm

Q = (2,1-)2,7-3,10-4,0(-4,4)

Die Sporen zeigen - bei den sehr großen - eine suprahilare Depression und erinnern da an normale Röhrlingssporen. Oft sind die Sporen beidseitig abgerundet, aber man findet immer wieder subtrunkate bis deutlich trunkate Sporen, selten auch mit sehr schwach angedeuteten "Minibecher", immer wieder aber an der abgestutzten Stelle etwas dickwandiger erscheinend (beim Durchfokussieren schwarz werden).

Die Basidien sind basal durchaus dickwandig und immer wieder deutlich lageniform bis "sistotrematoid", also urnenförmig - meist hat man aber ein breite Basis, aus der ein recht langer Hals auswächst. Die Sterigmenzahl ist sehr variabel:



Die Brachybasidiolen sind zwar erkennbar dickwandig, aber nicht sehr massiv - Wandstärke bis maximal 1 µm.

Zur Makroskopie:
Fruchtkörper nur 1-1,5 cm groß, birnenförmig, gelb, nicht verfärbend... Habitat: Kiefern, Fichten...:





Zur Bestimmung:
Für Rhizopogon luteolus sind mir die Fruchtkörper ehrlich gesagt zu klein und schmächtig. Ich kenne diese Art nur "kartoffelgroß".
Gunnar Hensel hat in einer der letzten Z. Mykol. Rh. luteolus und Rh. verii verglichen. Jetzt hat demnach Rh. verii Sporen mit Quotienten von kleiner 2,4, also deutlich anders als bei dieser Kollektion hier.

Edit: wie im Folgebeitrag erklärt, zeigen Sulzbacher et al. (2016), dass bei Rh. verii der Quotient im Schnitt bei 2,9 liegt und bis 4,4 bei Einzelsporen reicht, also das Gegenteil dessen, was Gunnar in seinem Artikel aussagt (und dort sind einige Kollektionen untersucht worden).

Allerdings sind die Sporen im Quotienten für typische Rh. luteolus zu schmal und lang. Nach Hensel (2017) sind die Sporen von Rh. luteolus nur bis 3,2 µm breit und ihr Quotient streut zwischen 2,5 und 2,6 (vielleicht meint er auch die Mittelwerte, aber selbst da ist die hier vorgestellte Kollektion deutlich drüber).

Edit: Sulzbacher et al. (2016) bemerken wohl zu recht, dass man beide Arten nicht anhand der Sporen trennen könne - insofern sind die hier diskutierten Unterschiede stark zu relativieren.

Die lageniformen Basidien, die Martín (1996) als für Rh. verii typisch findet (ein Merkmal, das Hensel 2017 nicht an seinem auch genetisch geprüften Material nachvollziehen kann) finde ich aber in der hier vorgestellten Kollektion (die Basidien sind vielleicht generell so variabel, dass sie eh nicht groß als Merkmal taugen?). Edit: sie passen auch zu der Beschreibung von Sulzbacher et al. (2016) füpr Rh. verii!

Würde ich mit Umkehrschlüssen arbeiten, käme ich bei Rh. luteolus raus:

Peridienstruktur passt (? - sicher ?),
Sporen trunkat und kein Röten, also fällt z.B. Rh. occidentalis weg (etc.)
Sporen zu lang für Rh. verii

ergo Rh. luteolus...


Mir schmeckt diese Vorgehensweise nur nicht wirklich, weshalb ich lieber bei dem cf. bleibe, bis ich eine frische, gute Kollektion vom selben Fundort untersuchen kann.

Daher meine Frage in die Runde:
Kennt jemand entsprechend aberrante Kollektionen von Rh. luteolus mit solch hohem Sporenquotienten? Und was sagt die Inkrustation der Peridienhyphen aus?

Oder liege ich eh völlig falsch und die Peridie hätte die roseolus-Struktur, da zu streng parallel ausgerichtet? Schlüssle ich entsprechend, komme ich immer nur zu Arten, wo die Makroskopie (Farbe) oder die Mikroskopie (z. B. Sporenmaße) überhaupt nicht passen.  :-X


Insofern - wie im Folgebeitrag beschrieben, passt doch alles gut zu Rhizopogon verii s. Sulzbacher et. al., Martín, Pacioni

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 8. März 2018, 17:44 von Christoph »
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