Autor Thema: Schlüssel der europäischen Arten von Amanita sect. Phalloideae  (Gelesen 412 mal)

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Offline Christoph

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Schlüssel der europäischen Arten von Amanita sect. Phalloideae
« Antwort #1 am: 17. März 2018, 22:42 »
Servus beinand,

es wird ja immer wieder mal über die Abgrenzung z. B. von Amanita phalloides fm. alba von Amanita verna s.str. diskutiert. In vielen Büchern werden beide Namen auch synonymisiert (was aber sicherlich nicht richtig ist). Grund genug, sich genauer mit dieser interessanten Artengruppe zu beschäftigen. Ich habe daher einen Schlüssel für Amanita subgen. Lepidella sect. Phalloideae für Europa erstellt und hoffe, dass er für den/die Eine/n oder Andere/n hilfreich ist.  Ich habe hierbei die Arten rund um Amanita mappa (citrina) und Amanita porphyrea rausgelassen, da ich der Sektionsumschreibung von Tulloss (2018) folge.

Da Schlüssel hier im Forum schwer zu layouten sind, habe ich ihn auch als Word-Dokument angehängt.

Liebe Grüße,
Christoph

(und hier nun der Schlüssel)

Amanita subgen. Lepidella sect. Phalloideae – Schlüssel für europäische Arten
von Christoph Hahn (Stand 17.03.2018)


Die Sektion wird hier Tulloss (2018) folgend definiert, enthält demnach nur Arten, die neben amyloiden Sporen auch eine feste, persistente Volva besitzen.

1 Huthaut, Volva und Fleisch mit KOH gelb bis gelborange reagierend (alle Taxa hell, weiß bis am Hutscheitel creme, ockerlich oder isabellockerlich) ... 2

1* Huthaut, Volva und Fleisch mit KOH nicht reagierend (hier sowohl weiße als auch gelbgrünliche bis grünhütige Taxa ... 4


2(1) Sporen kugelig bis subglobos (Qm < 1,15), 7-11 µm breit .................... Amanita virosa (Fr.) Bertillon
Typische Art bodensaurer Nadelwälder, insbesondere bei Fichte, aber auch bei mit Laubbäumen assoziiert; makroskopisch ist der stark flockige Stiel und der „schlampig-glockige“ Hut typisch; der Geruch kann süßlich sein, hat aber immer eine ausgeprägte Kellergewölbe-Komponente (oder riecht nur danach); der Hutscheitel kann deutlich isabellockerlich bis ockerlich gefärbt sein

2* Sporen breit ellipsoid (Qm > 1,2), nur bis 8,5 µm breit ..................................................................... 3


3(2) Laugenreaktion zwar gelb, aber manchmal schwach ausgeprägt (jedoch klar als positiv erkennbar); Sporen schmal, nur 5-6(-6,5) µm breit; Fleisch schwach, aber bemerkbar rötend oder bräunend (mit Rotkomponente); Hut kegelig-glockig; Ring fragil ... Amanita porrinensis Castro
Anhand der kleinen Sporen – 7-8(-10) x 5-6(-6,5) µm – leicht kenntlich; makroskopisch kann Amanita virosa durchaus ähnlich sehen, allerdings ist der Stiel von A. porrinensis glatter und das an der Luft verfärbende Fleisch lässt beide Arten auch makroskopisch unterscheiden; bekannt aus Spanien und Italien, offenbar rein mediterran verbreitet

3* Laugenreaktion stark ausgeprägt; Sporen deutlich breiter, bis 6-8,5 µm breit; Fleisch im Schnitt nicht rötend oder bräunend; Hut mit flachem Scheitel; Ring häutig, persistent ................................................................................... Amanita verna (Bull.: Fr.) Lam.
Im deutschsprachigen Raum wurdenmehrfach weiße Formen von Amanita phalloides als Amanita verna fehlinterpretiert – Amanita verna hat aber makroskopisch einen glatten, nicht genatterten Stiel und unterscheidet sich z. B. auch durch die Laugenreaktion deutlich. Amanita verna s.str. ist aus dem Mittelmeerraum, aus Frankreich und auch in Deutschland nachgewiesen – es ist eine mediterrane Art, die nördlich der Alpen in sehr warme Regionen ausstrahlt.


4(1) Stiel glatt, nicht genattert; Fruchtkörper (auch beim Eintrocknen) ohne süßliche, an Kunsthonig erinnernde Komponente; Sporen (8.5-) 9,5 – 12,0 (-14,5) × (6,0-) 6,5 – 8,0 (-10,5) µm, sehr heterogen geformt; Fruchtkörper makroskopisch ähnlich wie Amanita verna, also weiß bis am Scheitel creme bis cremeockerlich, aber ohne gelbe oder grünliche Töne ................... Amanita tarda (Trimbach) Contu ss. Contu
Tulloss folgt Neville & Poumarat (2004), für die Amanita (verna var.) tarda Trimbach s.str. ein Synonym von Amanita phalloides fm. alba ist – das hier geschlüsselte Taxon ist aus Nordafrika bekannt, wurde aber demnach bisher nicht gültig beschrieben und sollte auch auf der europäischen Seite des Mittelmeers vorkommen

4* Stiel genattert; Fruchtkörper mit deutlicher, teils aufdringlich intensiver süßlicher, an Kunsthonig erinnernder Geruchskomponente (insbesondere beim Antrocknen); Sporen etwas kürzer, (7,5-) 8,0 – 10,0 (-13,5) × (5,5-) 6,0 – 8,0 (-10,5) µm; Hut meist deutlichen olivgrün bis gelbgrün oder heller, bis rein weiß ... 5


5(4) In Küstennahen, salzbeeinflussten Sanddünen bei Pinus vorkommend; Hutrand schon jung oder erst im Alter gerieft (nicht bei jedem Einzelfruchtkörper klar ausgeprägt, aber in Kollektionen erkennbar); Stiel tief im Sand eingesenkt; Fruchtkörper ohne Amanitine, dafür mit hohen Dosen von Phalloidinen ..................................................... Amanita dunensis Bon & Andery
bisher nur von der Atlantikküste (Südfrankreich, Portugal) bekannt; die Hüte zeigen die typischen, gelbgrünen Töne und die eingewachsen radialfaserige Struktur von Amanita phalloides, jedoch sind die Hüte immer sehr blass; das kleine Verbreitungsareal widerspricht der These, dass die Differentialmerkmale nur standortbedingt ausgeprägt sind, da man dann auch in anderen Küstenregionen solche „Dünen-Grüne-Knollis“ finden sollte; ob das Fehlen von Amanitinen ein konstantes Merkmal ist, bedarf auch einer Überprüfung anhand weiterer Kollektionen

5* In Laub- und Nadelwäldern bei diversen Mykorrhizapartnern, aber nicht in salzbeeinflussten Küstendünen; Hut immer ungerieft; Stiel nicht typischerweise tief eingesenkt; Fruchtkörper enthalten Amanitine und Phalloidine .................. 6 – Amanita phalloides (Fr.: Fr.) Link
zwischen typisch und kräftig gefärbten und weißen oder nur am Hutscheitel dezent gefärbten Kollektionen gibt es alle Übergänge; ob es sinnvoll ist, hier Formen zu differenzieren, kann kritisch gesehen werden – da aber z.B. rein weiße Exemplare für Speisepilzsammler mit wenig Erfahrung besonders gefährlich sind, ist es für die reine Benennung solcher Sonderformen durchaus sinnvoll, hier einen Namen zur Verfügung zu haben, weshalb hier Formen zumindest teils mit aufgeschlüsselt werden


6(5) Hut rein weiß...........................................  Amanita phalloides (Fr.: Fr.) Link fm. alba Britzelm.

6* Hut zumindest am Scheitel mit zitronengelben bis grüngelben Tönen oder Hut kräftiger grünlich gefärbt ........... 7


7(6) Hut olivgrün bis gelbgrün gefärbt.............................. Amanita phalloides (Fr.: Fr.) Link s.str.

7* Hut blass, nur am Scheitel gefärbt und hier mit deutlich zitronengelber Komponente (gelbgrün bis zitronengelb) ................. ..................................................................................... Amanita phalloides (Fr.: Fr.) Link fm. citrina Lange



Verwendete Literatur:

Chiusa LL (2000): Amanite bianche tossiche. Boll. Gr. Micol. Bresadola Nueva Ser. BGMB 43(2): 105-116.

Contu M (2000): Saggio di una chiave per la determinazione delle specie del genere Amanita osservata on Sardegna. Boll. Gr. Micol. Bresadola Nueva Ser. BGMB 43(2): 67-86.

Neville P, Poumarat S (2004):  Amaniteae. 1. Fungi Europaei 9: 1-1119.

Neville P, Poumarat S, Monterumici G (2000): Una rara Amanita della sezione Phalloideae, nuova per l’Italia: Amanita porrinense. Boll. Gr. Micol. Bresadola Nueva Ser. BGMB 43(2): 143-150.

Tulloss R (2018): Amanitaceae.org
« Letzte Änderung: 18. März 2018, 22:31 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)